Mittwoch, 9. Januar 2013

mit dem Trekking-Rad nach Köln

Müdigkeit beim Fahrradfahren hatte mich bereits im Oktober ergriffen. Zunehmend stieß mein Tatendrang auf schlechtes, regnerisches, trübes, kälteres oder windiges Wetter. Zunehmend mussten die Touren ausgezirkelt werden, um nicht in der Dunkelheit zu enden. November, Dezember hatte ich mir vorgenommen zu joggen, um über den Winter fit zu bleiben. Doch ich war zu faul zum Joggen; ich stellte gleichzeitig fest, dass Touren mit dem Trekking-Rad vom Büro aus nach Köln weitaus schöner waren als Joggen; dreimal fuhr ich diese Tour im Hellen linksrheinisch bis Köln; im Dunkeln rechtsrheinisch – den Rhein entlang bis Porz-Zündorf – nach Hause zurück.

Gestern war es trocken, ohne jeglichen Nieselregen, die Temperatur lag moderat außerhalb des kälteempfindlichen Bereichs. Eine hartnäckige Wolkendecke verweigerte seit Tagen den Blick auf ein Stückchen blauen Himmel. Es kribbelte in meinen Beinen. Die innere Unruhe trieb mich aufs Fahrrad.

Mich fit halten über den Winter. Wenn ich meine ersten Touren im Frühjahr beginne, möchte ich nicht bei Null anfangen. Relativ schnell möchte ich Touren mit einem schwierigeren Anspruchsniveau übers Siebengebirge (60 km) oder nach Eitorf / ins Ahrtal (80 km)  meistern.

Die Tour den Rhein entlang bis Köln, die ich gestern zum vierten Mal in diesem Winter gefahren bin, entfaltete eine spröde Schönheit in der dunklen Jahreszeit. Indem der Rhein mich in weiten Teilen begleitete, fehlten markante Höhenunterschiede. Die Strecke war gemächlich, leicht, gleichmäßig, in hohem Tempo zu fahren, nach den 60 Kilometern Gesamtstrecke war ich keineswegs platt. Als Teil des Radwegs von Koblenz nach Köln, war die Fahrradfahrt mit Leib und Seele mit dem Rhein verbunden. Abgesehen vom Rheinbogen in den Stadtteilen Sürth und Weiß, war der Rhein ein treuer Geselle.

Die Rheinschiffe schwammen gegen den Strom oder ließen sich flussabwärts treiben. Manche hatten schwere Lasten im Gepäck: Container stapelten sich in Dreierreihen, aus dem hohen Glaskasten seines Führerhauses überblickte der Kapitän den Fluss, sein Schiff steuerte sicher und ruhig zugleich, die Landesfahne am Bug. Frachtschiffe, Lastkähne, Gastanker, Schubverbände, all diese Schiffe zelebrierten eine Kunst der Langsamkeit, die im Gegensatz zu meinem forschen Tempo stand.





Kondition behalten, noch vor Anbruch der Dunkelheit Köln erreichen, möglichst vieles während der Helligkeit sehen, das waren meine Ziele. Ich zählte die Pegelmarken herunter. Bei Rheinkilometer 655 hatte ich die Tour begonnen und bei Rheinkilometer 688 sollte ich Köln erreichen. Die schwarz-weißen Betontafeln mit den Rheinkilometern erschienen flüchtig am anderen Rheinufer, bis sie meinen neugierigen Blicken rasch wieder entschwanden. Von hohen Bruchsteinwänden über dem Radweg grüßten sie bisweilen herab.

Wesseling war diesmal nicht so drückend, erdrückend mit seinem Wirrwarr aus chemischen Produktionsanlagen. Rauchsäulen verflüchtigten sich in der gleichgültigen Wolkenmasse. Ein Netz von Laternen knüpfte sich über Kessel, Rohre, Leitungen und Anlagen. Die Lichter hatten etwas spielerisches: so wie die Produktionsanlagen, waren sie keiner Regelmäßigkeit unterworfen, sie scharten sie sich zu unwirklichen Gebilden zusammen, hüpften von Punkt zu Punkt, leuchteten mal schräg, mal von oben, mal in eine Zuliefererstraße hinein. Darunter huschte die massige Gestalt von Schwerlast-Tankwagen hinweg. Gleisanlagen entschwanden in der Unübersichtlichkeit des Industriekomplexes, bis Lichter sie wieder kennzeichneten.



Das gerade Band der Radwegs strebte entschlossen stadteinwärts. Die Industrielandschaft endete am Werkszaun, wo das Kölner Stadtgebiet begonnen hatte. Sie drehte Wald und Grün den Rücken zu, das nun über den Grüngürtel mehr und mehr nach Rodenkirchen hinein wuchs. Als ich Rodenkirchen erreichte, hatte ich längst die Fahrradbeleuchtung eingeschaltet. Warten vor der Bahnschranke der Straßenbahnlinie 16, Atempause, die Scheinwerfer der PKW’s stierten auf die rote Ampel.

Nachdem die Straßenbahn abgefahren war, fuhr ich weiter, um die linke Rheinseite zu verlassen. Ich bestaunte die Brückenkonstruktion der Autobahnbrücke A4, über die ein separater Fahrradweg führte. Aufgerieben durch den Berufsverkehr, steckte die Brücke im halbdunkeln voller Anspannung. Unter der Hängeseilkonstruktion blickte ich auf den Rhein. Die Lichter von Köln-Rodenkirchen setzen Glanzpunkte in den Rhein. Der Bogen des Rheins schwenkte weg von diesen Lichtern, verlor sich im Halbdunkeln, wo die Schiffe unentwegt ihr Kommen und Gehen fortsetzten.


Fahrradfahren im Winter ? Wie ging es weiter ? Das hing stark vom Wetter ab. Frost, Schnee, Glatteis, Kälte, das alles konnte in den nächsten Wochen noch kommen. Daher galt es auszunutzen, wenn Witterung und der Arbeitsanfall im Büro und zu Hause dies erlaubten.

Im Februar oder März würde es bestimmt losgehen. Mit längeren Touren. Es kribbelt schon in meinen Beinen.

Kommentare:

  1. Meinen Respekt hast Du mein lieber Dieter, diese Strecken mit dem Rad, ehrlich für mich unvorstellbar.
    Schön hast Du den Weg beschrieben, den Du gefahren bist.

    Liebe Abendgrüße
    Angelika

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  2. hallo Dieter
    erst mal danke für Dein lieben kommi.Bin sehr gespannt auf Deiner nächsten ...Griechiches thema ...Post-)))Es stimmt,alt Griechische Kultur und History ist sehr interessant,ob es nun wirklich gegeben hat oder nicht.Also die Mythologie.Ich bin halb Griechin,Vater Grieche,Mutter Deutsche.Und in Köln bin ich vor Jahren oft gewesen.Eine traum Stadt.So vieles zu sehen,aber mit dem Fahrrad ist es noch lustiger!!!!
    Sehr toll Dein Weg,und die Fotos!!!
    hab n schönen Abend
    Christa

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  3. ich bewundere deine Energie. Ich gehöre da eher zu denen die gerne lesen was man alles tun könnte um fit zu bleiben ;-)
    Es hat wieder Spaß gemacht deinen Bericht zu lesen. Da könnte ich fast Lust bekommen auf mein Fahrrad zu steigen, das schon seit einiger Zeit verlassen im Keller steht.

    lieber Gruß von Heidi-Trollspecht

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  4. Fand deine Tour sehr interessant, und Kompliment dass du sie trotz des trüben Wetters gemacht hast. Kann mir gut vorstellen dass man den inneren Schweinehund besiegen muss um sich wirklich aufs Rad zu schwingen, und dass du dich schon freust wenn das Frühjahr anbricht.

    Wünsche dir jedenfalls einen schönen Tag und sende liebe Grüssle
    Nova

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  5. Ich bewunder dich wie du dich so auf den Rad schwingst und los fährst,so frei irgendwie.Das Wetter ist bei uns schon seid fast 3 Wochen schlecht,seid 3 Wochen regnet es.Man kommt garnicht mehr in Schwung.
    LG
    Nicole

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  6. Hallo Dieter!
    Vielen herzlichen Dank für Deinen Besuch in meinem Blog!

    Schön zu sehen, dass ich nicht alleine dastehe - von wegen Radeln bei jedem Wetter. Leider ist mein Tretlager kaputt und somit habe ich eine Ausrede, nicht aufs Fahrrad zu müssen *lach* Und bei uns hier oben (Norddeutschland) regnet es wirklich ohne Ende, aber das ist irgendwie typisch für das Land zwischen den Meeren.

    Ich wünsche Dir einen sonnigen Tag und frohes "Radeln".
    Liebe Grüße,
    Claudia

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  7. Ich liebe ja Fahrradfahren, aber nicht bei diesem tristen und dunklen Wetter. Im Herbst/Winter reduzieren sich meine sportlichen Tätigkeiten sowieso um 80%, zu Hause auf dem Sofa ist es schöner. Während ich im Sommer immer draußen unterwegs bin.
    Am Rhein radeln ist bestimmt toll.
    LG

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  8. Hallo Dieter,

    diese Brücke ist schon gigantisch, was man aus dieser Perspektive so prima erkennen kann.
    Im Winter radeln, neee, nicht wirklich, mir ist das einfach zu kalt und daher gehört dir meine Respekt, dass du dich diesen Herausforderungen stellst. :-)

    Liebe Grüße
    Christa

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