Mittwoch, 29. Februar 2012

am letzten Februartag ...

…bleibe ich meiner Methodik beim Blog-Schreiben treu, dass ich von Zeit zu Zeit auf meine vergangenen Blogs zurückblicke. Bereits vor einem Jahr hatte ich einen Blog über den letzten Februartag geschrieben. Am Ende dieses Blogs hatte ich zusammengefasst, dass ich mit voller Pulle in den Frühling hineinstarten wollte.

Das gilt auch heute.

Schon die ganze Woche fahre ich mit dem Fahrrad ins Büro. Montag musste ich mich morgens noch warm einpacken, mit Pullover, dicker Jacke und Handschuhen. Gestern und heute haben die Temperaturen einen Schub erhalten, in den nächsten Tagen sollen sie sich sogar auf die 20 Grad-Marke zu bewegen. Eine luftige Jacke hat beim Fahrradfahren ausgereicht. Noch trübt eine milchige Bewölkung den Himmel, doch der Himmel soll aufreißen, die Sonne soll in den nächsten Tagen fröhlich scheinen und die Natur verzaubern.

Endlich Frühling ! Datumstechnisch ist der Frühling noch nicht erreicht, dafür schwingt meine Stimmung bereits auf den Wogen des Frühlings. Schon in den letzten Tagen haben sich die Spaziergänger am Rhein vermehrt. Sie genießen das beständige Wetter, in das kein Regen mehr hinein plätschert. Noch verkrümelt sich die Sonne hinter den Wolken, aber vielleicht lockt die Spaziergänger die Vorahnung auf den März: lautlos werden die Tage in den neuen Monat hinüber gleiten, eine Vorfreude auf die Natur, in der die Knospen weiter treiben werden und das Grün die Oberhand gewinnen wird.

Krokusse und Schneeglöckchen wetteifern miteinander. Weiß, lila, orange und gelb sprießt es aus der Erde, und so manche Vorgärten bedecken glänzende Blütenteppiche. Die Blütenkelche an den Krokussen haben sich geöffnet. Kolonien von Schneeglöckchen raufen sich zusammen. Scharen von Narzissen treiben aus. Und auch die ersten Tulpenstängel kann niemand mehr in der Erde zurückhalten.

Letzter Februartag, und zu kaum einer anderen Jahreszeit ist es so offensichtlich, dass die Tage länger werden. Bezogen auf den Wochenrhythmus, schleicht sich morgens die Helligkeit eine Viertelstunde früher in die Nacht hinein, genauso abends: die Helligkeit schiebt den Tag eine Viertelstunde nach hinten. Bei Tageslicht sehe ich den Dingen klarer entgegen. Tageslicht schafft ein zusätzliches Stück Auftrieb. Heller und wacher bin ich bei Tageslicht.

Die Sitzbänke an der Rheinpromenade sehen wie neu aus. In den nächsten Tagen, wenn die Temperaturen in Richtung der 20 Grad marschieren werden, wird man hier schwerlich einen Platz bekommen. Dann werden die Spaziergänger ausschwärmen und das schöne Wetter und den Rhein und das dichter werdende Grün genießen. Noch hält sich das Grün zurück und zögert. Kräftigere Grüntöne schleichen sich behäbig in die vom Frost ausgebleichten Wiesen hinein. Kahl und ohne nennenswerte Triebe sind die Obstbäume. Der nahende Frühling wird sie bald zu neuem Leben erwecken.

Letzter Februartag. Das Jahr geht seinen Gang. Ich stelle fest, dass mich nichts trübt. Geradeaus geht es weiter. Mit dem einen oder anderen Abstecher.

Dienstag, 28. Februar 2012

Katharina Henot - Klatsch und Tratsch in Köln im 17. Jahrhundert

Diese Frau musste genervt haben. Mit eiserner Hartnäckigkeit stand sie diesen Prozess durch. Sie ließ nicht locker und bestand auf ihrem Recht: dass auf sie und ihren Bruder die Rechte auf den Betrieb der Postmeisterei übertragen werden sollten - ihr Vater war 1625 verstorben. Der Rat der Stadt Köln verfolgte indes andere Ziele, nämlich die Postmeisterei zu zentralisieren. Ein Generalpostmeister sollte den Auftrag erhalten und viele kleine Boten unter sich zusammenscharen – im heutigen Jargon wären dies Subunternehmer. Hin und her ging die Streiterei zwischen dem Rat der Stadt Köln und ihr und ihrem Bruder.

Katharina Henot: reich und angesehen war die Patrizierswitwe im damaligen Köln. Ihre Eltern entstammten einem reichen Adelsgeschlecht und waren aus den Niederlanden vor dem Krieg gegen die Spanier nach Köln geflohen. Akklimatisiert hatten sie sich in Köln, und nachdem sie vom calivinistischen Glauben zum katholischen Glauben übergewechselt waren, erhielten sie die Bürgerrechte. Ihr Bruder Hartger machte sogar Karriere und wurde Mitglied des Kölner Domkapitels.

Im Endeffekt ging es um viel Geld – und auch um ihre Existenz, die drohte weg organisiert zu werden. Die Organisation des Postwesens hing an den Personen der Fürstenfamilie Taxis. Unter der Protektion des Fürsts Leonhard konnten die Henots bis 1603 das Post- und Botenwesen selbst organisieren. Nach seinem Tod entzog der Rat der Stadt Köln den Henots die Betreiberrechte. Ein Jahrzehnt später hatte Katharinas Vater die Betreiberrechte wieder zurückgewinnen können. Nach seinem Tod ging das Hin- und Her-Gezerre wieder los, denn der Rat der Stadt Köln wollte die Betreiberrechte wieder an die Fürstenfamilie Taxis zurück übertragen. Und Katharina Henot wehrte sich dagegen und kämpfte – über Jahre erstreckte sich der Prozess vor dem Reichskammergericht.

Dem Kölner Rat musste sie ein Dorn im Auge gewesen sein. Klatsch und Tratsch gab es damals genauso wie heute. Und das sollten die Kölner Ratsherren nutzen. Im nahen Kloster St. Klara waren einige Fälle von Besessenheit aufgetreten. Die besessenen Frauen hatten beim Exorzismus Katharina Henot als Verursacherin angegeben. Eigentlich haltlose Behauptungen, die hätten entkräftet werden müssen.

Nicht so damals. Die Gerüchteküche brodelte. Damals gab es noch keine Bild-Zeitung und kein Fernsehen, aber Klatsch und Tratsch und Mund-zu-Mund-Propaganda sorgten für eine vergleichbare Kampagne, die den Ruf von Katharina Henot ruinierten.

Gut situiert und dem Adelsgeschlecht entstammend, unterschätzte Katharina die Situation. Mit dem „Hexenhammer“ hatte die Kirche den Grundstein für die Hexenverfolgung gelegt. Nur: die rechtlichen Grundsätze zur Hexenverfolgung waren damals in Köln kaum angewandt worden. Köln hatte den Status einer freien und Reichsstadt, der Hexenprozesse zuwider gelaufen wären. Anders war dies in Süddeutschland oder in Thüringen, wo Hexenverfolgungen längst um sich gegriffen hatten.

Den Ausschlag für Verteilung Katharina Henots ergab die Denunzierung durch eine Hexe aus Lechenich. Durch Folter war ihr ein Geständnis erpresst worden, dass Katharina Henot ihre Mithexe war.

Durch diese Aussage konnte Katharina Henot durch das Hexengericht zum Tode verurteilt werden. Dass es zu einem Prozess kam und dass das Hexengericht tagen konnte, dazu hatte der Kölner Rat kräftig mitgeholfen, der die Anklage zugelassen hatte. Und die Menschenmasse hatte ihren Sündenbock und bekam ihre Rache und Genugtuung.

Die ganze Zeit über bemühte sich Katharina Henots Familie, die Freilassung zu erreichen – durch Eingaben an den Kurfürsten und den Kölner Rat. Doch vergeblich, denn die Mühlen der Justiz hatten ihr Werk verrichtet.

Am 19. Mai 1627 wurde das Urteil durch einen Henker in Melaten im heutigen Stadtteil Braunsfeld vollzogen: Erhängen und anschließende Verbrennung in einer Reisighütte.

Montag, 27. Februar 2012

schwäbisches Restaurant

Ein matt beleuchteter Parkplatz neben einem Supermarkt. Etwas ziellos und gleichzeitig suchend kurvten wir in der Dunkelheit herum, bis wir einparkten. Sich mit dem Hinterhof uns entgegen drückend, näherten wir uns dem Restaurant, in dem wir vor mehreren Jahren gegessen hatten. Doch das Restaurant schlummerte im Dunkeln. „Aus gesundheitlichen Gründen geschlossen“, klärte uns das Schild an der Eingangstüre auf. Hier hatten wir nichts verloren, also ging es über die Autobahn zum nächsten Restaurant. Nachdem wir im Dunkeln die Orientierung gefunden hatten, sah es in diesem Ort deutlich besser aus. Es brannte nicht nur Licht im Restaurant, sondern die Speisekarte entsprach sogar den Vorstellungen unseres Sohnes. Seinen 18. Geburtstag wollten wir mit ihm am Sonntag nachgefeiert haben. Am Freitag davor sahen wir uns Restaurants an, die er in die nähere Auswahl gezogen hatte.

Als wir Sonntag Mittag mit unserer ganzen Familie anrückten, sahen wir im Hellen, wie alt und sorgfältig restauriert das Fachwerkhaus war, in dem das Restaurant hinter der weiß verputzten Vorderfront untergebracht war. Dabei wirkte das Fachwerkhaus eher skurril: so alt und herausgeputzt stand es in vollkommenem Gegensatz zu seiner Umgebung, denn die verkehrsberuhigte Zone war gespickt mit lauter neumodischen Geschäften, und ein weißer, schnörkelloser Kirchturm entstammte der Nachkriegsarchitektur.

Im Restaurant lernten wir, dass wir uns auf historischem Boden befanden. Auf den ersten Seiten der Speisekarte wurde die 400 jährige Geschichte des Fachwerkhauses erzählt. 1609 wurde das Haus erbaut, im 30 jährigen Krieg (1633) von schwedischen Truppen niedergebrannt und später wieder aufgebaut. Der Gewölbekeller stammte sogar noch aus dem 17. Jahrhundert.

Bevor unser Sohn und ich auf dieses Restaurant gestoßen waren, hatten wir eine erstaunliche Erfahrung gemacht. Unser Sohn wollte sich nämlich zu seinem 18. Geburtstag ein Restaurant aussuchen, in dem man Spezialitäten aus unserer Region – dem Rheinland – essen konnte – also weder italienisch, noch chinesisch, griechisch oder jugoslawisch. Und in dem Restaurant sollte die Speiseauswahl über einiges mehr wie Schnitzel hinausgehen.

Wir studierten die Speisekarten. Viele Speisen mit Schweinemedaillons, Hähnchenbrustfilets oder Geschnetzeltem aus dem Schwabenland. Eine ganze Seite schwäbische Maultaschen. Eine eigene Fischkarte mit einer ganzen Seite. Käsespätzle waren auch dabei. Überhaupt: zu allen Speisen jede Menge Spätzle. Die Weine, die zwei Seiten auf der Weinkarte füllten, kamen nicht aus Schwaben, sondern aus Baden. Eine nette Erscheinung war das Restaurant von innen – quer lagen Balken des Fachwerks frei, an den Wänden Gemälde im Stil der niederländischen Malerei, aufgelockert durch alte Gerätschaften wie Sense, Sichel oder Dreschflegel.

Was die heimische Küche betraf, hatten wir festgestellt, dass die Schwaben Entwicklungshilfe im Rheinland leisten mussten. Restaurants mit rheinischen Spezialitäten, da war uns nur zweierlei eingefallen: erstens Sauerbraten, zweitens was man in diversen Brauhäusern in der Kölner Altstadt aß – wie „ne halve haan * " oder „himmel un ääd ** “.

Beides missfiel unserem Sohn - und so kam die angenehme Kompromisslösung der schwäbischen Küche zustande. In unseren Urlauben am Bodensee hatten wir die schwäbische Küche kennen gelernt – sie war exzellent und sie hatte uns stets vorzüglich geschmeckt.

Nachdem wir unsere Bestellung aufgegeben hatten und mit Getränken versorgt worden waren, hieß es zunächst: warten. Dies geschah allerdings auf eine Art, wie ich sie sonst nicht erlebt hatte. Die Kellnerin kam nämlich zu uns, und sie meinte, dass gerade eine Stoßzeit mit sehr vielen Gästen sei (was stimmte, denn das Restaurant war rappelvoll), so dass das Servieren der Speisen dauern würde. Dies bedauerte sie und entschuldigte sich bei uns. Etwa 20-25 Minuten müssten wir uns noch gedulden. In rund 20 Minuten kam dann auch unser Essen. Dabei gestaltete sich die Wartezeit insgesamt kurzweilig. Denn am Nachbartisch speiste eine größere Familie, dessen Säugling in einem Maxi Cosi schlief. Zwischendurch wachte der Säugling auf, und er und seine Mama hatten reichlich Spaß mit unserem kleinen Mädchen.

Das Essen wurde serviert. Bei der schwäbischen Küche bin ich ja geradezu heiß auf Käsespätzle. Jedes Mal bewundere ich aufs Neue, wie es mit einer derart einfachen Speise zu schaffen ist, mich vollkommen satt zu bekommen. Ich hatte die Variante der Hüttenpfanne gewählt, die zusätzlich mit Champignons und einer Riesling-Soße zubereitet worden war. Und bei den Spätzle war klar und deutlich heraus zu schmecken, dass sie selbst gemacht worden waren. Unsere restliche Familie war genauso begeistert.

Das war bestimmt nicht das letzte Mal, dass wir in diesem Restaurant gegessen haben.

Erklärung für Nicht-Rheinländer
*  halve haan = Roggenbrötchen mit einer dicken Scheibe Gouda
**  himmel un ääd = Brei aus Kartoffeln mit Äpfeln

Samstag, 25. Februar 2012

Wochenrückblick #8

Schwimmkurs
Unser kleines Mädchen hat einen Schwimmkurs belegt und vorletzten Samstag waren wir das erste Mal im Hallenbad schwimmen (45 Minuten). Ein junger Bursche, vielleicht Mitte 20, leitet den Schwimmkurs. In dem Kurs sind 6 Jungs und 2 Mädchen. Da die Jungs überwogen, wurde auch getobt und mit Wasser herumgespritzt, so dass der junge Bursche diese in ihrem Übereifer stoppen musste. In der Abfolge bauten die Übungen schön aufeinander auf. Zuerst nur im Wasser gehen, dann mit einer Schwimmnudel gehen und an einen anderen übergeben; dann mit einem Schwimmbrett sich im Wasser vorwärts bewegen und Schwimmbewegungen mit den Füßen machen; dann dasselbe mit Schwimmbrett plus Schwimmnudel; zum Schluß ins Wasser springen, davor hatte unser Mädchen die meiste Angst, denn Herumspitzen und dergleichen mag sie überhaupt nicht. Der Schwimmkurs hat ihr Spaß gemacht, und zum Schluß hatte ich Mühe, sie in die Umkleidekabine hinein zu bekommen. Nachdem wir zu Hause angekommen waren, hat sie uns bereits ein paar Stunden später gefragt, wann das nächste Mal der Schwimmkurs stattfindet.

Im Fernsehen
Im WDR-Fernsehen wurden letzten Mittwoch die 20 beliebtesten Kabarettisten aus NRW gezeigt. Bemerkenswert war für uns, dass mehrere Kabarettisten gezeigt wurden, die regelmäßig auf Kleinkunstbühnen im Raum Köln/Bonn auftreten. Gesehen hatten wir von diesen Kabarettisten Jürgen Becker (den ich mit seinen bodenständigen Kölner Wurzeln, seinem Witz und seinem Allgemeinwissen exzellent finde). Volker Pispers und Anka Zink treten zwar regelmäßig in unserer Region auf, ich hatte sie aber in der Vergangenheit nicht zuordnen können (die sind klasse, da wollen wir unbedingt hin !). Ein besonderes Augenmerk widmete ich Hanns-Dieter Hüsch (gestorben 2005), der ausgiebig den Menschenschlag des Niederrheiners beschrieb. Er kabarettierte wie folgt: Der Niederrheiner hat den Kopf voller Fetzen, er weiß aber nicht, wie diese zusammenpassen. Der Niederrheiner hat Wissenslücken, er zieht dann Kreise um diese Wissenslücken. Er wartet ab, was andere denken. Mit dem richtigen Wissen der anderen weiß er dann, diese Wissenslücken aufzufüllen. Der Niederrheiner weiß nichts, er kann aber alles erklären. Wenn man ihm etwas erklärt, versteht er es nicht, er findet es aber logisch. Wieso es logisch ist, versteht er auch wieder nicht. Er will aber alles in Frage stellen. In dieser Hinsicht stellt der Niederrheiner eine spezifische Ausprägung des Rheinländers dar, der dies mit einem Satz auf den Punkt bringt: Wat soll dä Quatsch ?

Karnevalsorden aus Maastricht

Als meine Frau mit ihren beiden Freundinnen an Weiberfastnacht die Kölner Altstadt unsicher gemacht hatte, hat sie Jecke aus Maastricht in den Niederlanden getroffen, die ihr einen Karnevalsorden aus Maastricht (=Mestreech)  geschenkt haben. Da fühle ich mich sogar geehrt, denn Maastricht ist im weiteren Umkreis meine absolute Lieblingsstadt und ich bin geradezu vernarrt in diese Stadt. Das Logo meines Blogs habe ich übrigens in Maastricht fotografiert. Meistens schaffe ich es, einmal im Jahr nach Maastricht zu kommen, das 30 km westlich von Aachen hinter der niederländischen Grenze liegt. Von der Atmosphäre mit all den Straßencafés, so wie sie auf dem Logo zu sehen sind, bin ich hingerissen. Zudem kenne ich kaum eine Stadt mit einer solchen umfassenden und harmonischen Altstadt, die samt Festungsmauern so erhalten ist. Grau ist der dominierende Farbton in Maastricht, das ist aber ein sehr weiches Grau mit ganz vielen weißgestrichenen Hausfassaden und sogar Fassaden aus der spanischen Epoche (16. Jahrhundert) dazwischen. Der Karnevalsorden aus Maastricht wird in unserem Hause einen Ehrenplatz erhalten ….

Russland

Vom Rheinland aus begeben wir uns gelegentlich zu unseren westlichen Nachbarländern, namentlich in die Niederlande, nach Belgien und auch nach Frankreich. Somit glaube ich ein wenig, diese Nachbarländer verstehen zu können. In dieser Woche nun begegnete uns Russland aus verschiedenen Perspektiven. Die erste Begegnung kam in der Fernsehsendung „Wissen mach Ah!“. Die schönen Seiten Moskaus wurden gezeigt, vor allem schöne Gebäude im Stalinistischen „Zuckerbäckerstil“. Das sah prächtig aus, und unvermittelt dachte ich an andere europäische Metropolen wie Berlin oder Paris. Dann habe ich in dieser Woche den Roman „Lautlos“ von Frank Schätzing zu Ende gelesen. Dort wurde Russland als Land von Terroristen beschrieben: aus Russland wurde eine Laserwaffe nach Deutschland geschmuggelt, womit ein Attentat auf einen Politiker verübt werden sollte. Auf deutschem Boden prügelte später ein russischer IT-Spezialist einen unschuldigen deutschen Lektor tot. Als drittes erinnerte ich mich an diese Matroschkas, die in unserem Wohnzimmerschrank stehen. Wunderschön bemalt sind sie. Das Spannungsfeld des Staates Russland empfinde ich als riesig, vor allem, ich kann es nicht einordnen, weil ich fremde Nationen östlich von Oder oder Neiße nie kennen gelernt habe. Hat jemand von euch Bloggern Erfahrungen mit Russland gemacht ?

18. Geburtstag
Unser Sohn hat genau am Karnevals-Sonntag seinen 18. Geburtstag gefeiert. In diesem Jahr hat er sich so zurückgezogen, dass er gar nichts gefeiert hat (nur Kuchen Essen mit uns allen zusammen; Morgen gehen wir im Restaurant essen). Dabei hätte ihn es keinerlei Mühe gekostet, andere zum Mitfeiern zu finden. Am Karnevals-Sonntag hätte er nämlich nur in eine Kneipe gehen brauchen und sagen müssen, dass er 18 geworden ist. Jedenfalls konnten wir in Ruhe schlafen, weil er dies nicht getan hat. Dann hätte die Gefahr bestanden, dass er bis weit in die Nacht hinein abgesoffen wäre.

Beinahe-Unfall

Als Fahrradfahrer habe ich mich daran gewöhnt, dass an bestimmten Stellen Autofahrer Fahrradfahrer schlichtweg übersehen. An diesen neuralgischen Stellen achte ich genau darauf, wie die Autofahrer sich verhalten, um gegebenenfalls trotz Vorfahrt anzuhalten. An dieser neuralgischen Stelle auf dem Foto, an der der Radweg auf der linken Seite die Abbiegespur nach rechts kreuzt, träumte ich ausnahmsweise vor mich hin. So wie auf dem Foto zu sehen, bog ein Auto nach rechts auf die Abbiegespur. Es war ein Mercedes, der mein Vorurteil gegen diesen Autotyp bestätigte und mit Stern und eingebauter Vorfahrt ungebremst weiterfuhr. Im letzten Moment hat er doch noch bemerkt und machte eine Vollbremsung. Ich sah mich bereits auf seine Windschutzscheibe poltern, und in einem Reflex machte ich genauso eine Vollbremsung. Mit meinem Vorderrad stieß ich mit seinem hinteren Seitenteil zusammen. Glücklicherweise war nichts passiert, nicht einmal ein paar Schrammen hatte ich abbekommen. Da hatte ich Schwein gehabt. Sonst säße ich nicht hier und könnte keinen Blog schreiben.

Freitag, 24. Februar 2012

Iranische Botschaft

Der Bonn-/Berlin-Beschluss aus dem Jahr 1991 hatte zur Folge, dass mit den Regierungsinstitutionen gleichzeitig die Botschaften nach Berlin umzogen. Der Auszug vieler Botschaften aus Bonn geschah in den Jahren 1998-2000.

Viele ehemalige Botschaftsgebäude konnten durch andere Zwecke genutzt werden. Manche stehen leer, so auch die frühere Iranische Botschaft. Die Liegenschaft befindet sich im Besitz des Iranischen Staates. Es gab durchaus Kaufinteressenten, doch ein Verkauf scheiterte an den überzogenen Preisvorstellungen des Irans (3,5 Mio €).

Seit dem Umzug nach Berlin steht die Immobilie leer und dämmert im Dornröschenschlaf vor sich hin …


Gesamtblick auf die Immobilie …


















Eingang und Tiefgarageneinfahrt wuchern zu und das Efeu rankt sich …


Absicherung durch den massiven Zaun und die Überwachungsanlage …



Durch die blau-weiß gesprenkelten Elemente ist die Fassade verspielt und einfallsreich gestaltet …

Donnerstag, 23. Februar 2012

Testkäufer

Wozu diese Dauerberieselung ? Pausenlos flimmerte der N-TV-Nachrichtenticker hinter dem Postschalter, ungehemmt spuckte der Flachbildschirm Nachrichten aus. Ich wurde darüber informiert, dass die USA die Opposition in Syrien unterstützen wollte, in der Koalition gab es wieder einmal Krach wegen Joachim Gauck. „Verbaselt“ hatte der FC Bayern München sein Champions-League-Spiel, denn er hatte beim FC Basel 1:0 verloren.

Wieso genau im Blickfeld des Postschalters ? Angewidert und belästigt fühle ich mich, dass der Flachbildschirm nun Werbesprüche hervorzauberte: dass ich den Umzugsservice der Post nutzen sollte, dass der Wechsel des Stromanbieters zu Yello ganz einfach war oder dass es eines meiner tiefsten und innersten Bedürfnisse war, mich von meinem Postbank Finanz Center beraten zu lassen.

Glücklicherweise war ich heute schnell an der Reihe – ohne Warteschlange. Zum Schalter vorgearbeitet hatte sich eine junge Dame, die ihren Kinderwagen zurecht gerückt hatte und mit anhimmelndem Blick ihren bombenfest schlafenden Säugling betrachtete.

„Ein Testkäufer“
hörte ich zwei Postangestellte hinter dem Schalter tuscheln.

„Habe ich lange keinen mehr gesehen. Montag war das. Die haben sie nicht mehr alle. In der Teambesprechung stellte unser Chef das so dar, als sei dies das wichtigste auf der Welt … „

Als sich die Dame mit dem Kinderwagen weggedreht hatte, war ich an der Reihe. Über die Postangestellten kann ich nicht meckern. Sie sind bestimmt, offen, meistens freundlich, ich habe sie kaum schlecht gelaunt erlebt und bei alledem, was ich von ihnen wollte, haben sie mir immer weiterhelfen können.

Ich zückte meinen Brief auf die Schaltertheke. Frankieren, bezahlen.

„Haben Sie eigentlich ein Girokonto bei der Postbank ?“
fragte der junge Mann mit dem Lockenkopf und der viel zu steifen, schräg gemusterten schwarz-gelben Krawatte fleißig drauf los.

Ich war irritiert und im ersten Moment sprachlos. Wieso musste ich mich rechtfertigen, dass ich bei einer anderen Bank als bei der Postbank mein Girokonto hatte ? Das ging doch den Angestellten, der mich gerade angesprochen hatte, überhaupt nichts an ? So wie es ihm auch egal war, ob ich bei ALDI, LIDL, Netto oder sonstwo einkaufte.

„Mein Girokonto bei der Postbank habe ich seit 2 Jahren gekündigt“ entgegnete ich.
Um weiteren Rechtfertigungsarien zu entgehen, schob ich nach:
„Sie sind zu teuer. Ich habe zu einer Bank gewechselt, da bekomme ich die Kontoauszüge kostenlos zugesandt, die Kreditkarte ist kostenlos, ich bekomme Guthabenzinsen aufs Girokonto, für den Dispokredit zahle ich 9% Zinsen. Das können Sie mir nicht bieten.“

„Das ist bestimmt eine Online-Bank, bei der Ihr Konto ohne persönliche Beratungsmöglichkeit und ohne jegliches Filialnetz geführt wird“ ließ er nicht locker. In Teilen hatte er Recht. Ich hatte aber aus Überzeugung meine Bank gewechselt. Und ich hatte keinerlei Lust, mit ihm darüber herum zu palavern.

„Stimmt nicht ganz“ entgegnete ich und kehrte mich wortlos vom Postschalter ab.

Im nachhinein deprimierte mich die Situation. Ein unbekannter, anonymer Testkäufer hatte die Gesprächslawine ins Rollen gebracht. Der Postangestellte hatte den Testkäufer nicht auf die Vorzüge eines Girokontos bei der Postbank angesprochen.

Die Unterhaltung empfand ich als verquer: im Smalltalk versucht man bisweilen, seine Mitmenschen mit aufmunternden Floskeln zu erheitern, man wahrt die Form und die Freundlichkeit. Das war kein Smalltalk, sondern Hard-Talk, knallhartes Geschäft, mich mit den Produkten der Postbank beglücken zu wollen.

Ich dachte an der Begriff einer Win-Win-Situation. Eben hatte ich das Gegenteil erlebt, eine Loser-Loser-Situation. Gewinnen konnte der Postangestellte nicht, denn die Anzahl der gewonnenen Kunden für ein Girokonto dürfte wohl im niedrigen einstelligen Bereich liegen. Ich war auch kein Gewinner, denn das Gespräch war ohne Sinn und Inhalt und die Kundenbeziehung mit mir war aufs Erste ruiniert.

Vielleicht hatten andere Kunden am Postschalter mehr Glück. Wenn jemand auf die Idee käme, die Testkäufer langsam von der Bildfläche verschwinden zu lassen.

Mittwoch, 22. Februar 2012

erste Tour mit dem Rennrad im neuen Jahr

Die Türe zum Klosterpark stand offen. Schnurgerade öffnete sich ein Weg, der mitten in die Anlage hineinführte. Klosterstube, Klosterhof, Wirtschaftsgebäude, mehrere Seitentrakte scharten sich in der Anlage zusammen. Der Park gewann seinen Charme durch die Lage. Bäume kletterten die Hänge des Siebengebirges hinab, winterkahl und noch wie festgefroren inmitten von pappigen Schneeresten. Davor zerstreute sich der Weg, der aus der Eingangstüre kam, in alle Richtungen der großzügigen Gartenanlage. Ich trat nicht ein, sondern betrachtete radelnd das Gelände. Die Chorruine Heisterbach aus dem 13. Jahrhundert war vom Radweg aus schön zu sehen. Nur den Chor hatten die Jahrhunderte stehen lassen, von der restlichen Klosterkirche hatte kein Stückchen die Zeit überdauert, doch was übrig geblieben war - Apsis und Konchen - ließ ihre einstige Größe erahnen.

Am Rosenmontag hatte ich die Rennrad-Saison eingeläutet. Drei Monate hatte mein Rennrad in der Garage gestanden, nachdem ich Mitte November meine letzte Tour gedreht hatte (durch die Grafschaft). Das Kribbeln, wieder los radeln zu wollen, war in den letzten Wochen immer intensiver geworden. Doch Kälte, Regen oder Dunkelheit hatten mich daran gehindert.

Heute hatte das Wetter mitgespielt. Magere Häufchenwolken schoben sich über den Himmel und ließen die Sonne gewähren. Zwischen den Bäumen war der Schnee noch nicht dahin geschmolzen. Noch war es kalt – einige Grade über Null – aber Mitte Februar merkte man, wie die Sonne an Kraft gewann. Um nicht zu frieren, hatte ich mich dick eingepackt in warme Sportbekleidung, Pullover und Schal.

Es kribbelte in mir, und bei der ersten Tour im neuen Jahr musste ich planen, was ich schaffen konnte und wohin ich wollte. Rennradtouren lassen sich ja auf zwei Größen reduzieren: Streckenlänge und Höhenmeter. 50 km wollte ich heute schaffen, dazwischen lagen zwei Berge, die sich auf 250 Höhenmeter summierten. Wo wollte ich hin ? Mein Nahziel war die 68 km-Strecke des Jedermann-Rennens „Rund um Köln“, wozu ich mich zum Ostermontag angemeldet hatte (9. April).

Die Bergkuppe hatte ich erreicht, der erste Anstieg war geschafft. Freie Felder lösten den Laubwald ab. Das war dieses befreiende Gefühl, wenn das Rennrad den Berg herunterrollte. Das Siebengebirge von oben genießen, sozusagen die Belohnung für die Strapaze des Anstiegs.

Heisterbacherrott, Thomasberg, ins Tal hinunter nach Oberpleis. Hinter dem Ortsende meldete sich der zweite Anstieg, der sich in wackeligen Kurven den Berg hoch schob. Ich trat und trat und trat. Bei solchen Anstiegen hatte ich mir angewöhnt, mich aufs Treten und auf das Atmen zu konzentrieren. Beides musste gleichmäßig sein und zueinander passen. Das sind genau die Momente, in denen der Sport seine Faszination ausübt: seinen eigenen Körper herausfordern, ganz alleine ist man mit seinem Körper, das Leistungspotenzial des Körpers bringt einen auf Touren. Ich schlüpfe in einen ganz neuen Menschen hinein, der konzentriert an sich selbst arbeitet und der jeden Augenblick in neue Horizonte, neue Perspektiven und neue Höhen und Tiefen vorstößt. Am höchsten Punkt stehe ich über den Dingen: alles überblickend, kann ich mich neu sammeln, ordnen und sortieren.

Der Anstieg bei Westerhausen war geschafft. Auf dem Höhenrücken erfuhr ich das, was ich über den ganzen Winter kaum erlebt hatte: dass es außer der Stadtlandschaft noch ländliche Bereiche gibt. Der Blick glitt in endlose Weiten, Berge und Täler wechselten sich ab, die Seitentäler wuchsen an der Sieg zusammen. Dorfkirchen setzen Punkte in die gewellte Hügellandschaft hinein. Bauernhöfe breiteten sich mit ihren Hofanlagen im Ortszentrum aus.

An der Sportschule vorbei, wurde ich in Hennef daran erinnert, dass wir eigentlich Rosenmontag hatten. Kostümierte, Verkleidete, Jecke, Narren bevölkerten den Kreisverkehr. Aus Lausprechern dröhnte Karnevalsmusik. Noch war der Rosenmontagszug nicht aufmarschiert, so dass ich mich an all den Jecken zum Ortsausgang vorbei mogeln konnte.

Die Siegaue: blass, matt, ohne Farbe und Glanz verharrten die Wiesen noch im Winterschlaf. Da war mir bewusst geworden, wie sehr die Frostperiode die Natur niedergestreckt hatte. Ich erinnerte mich an die Natur Mitte Dezember zurück: da waren noch Reste des Herbstlaubs gegenwärtig, die ein gewisses Farbenspiel erzeugten. Dabei sickerte das Licht nur langsam durch (I can see the Sun in late December). Das Zusammenwirken von Licht und Natur war nun grundverschieden: das Licht hatte Kraft und Energie; die Natur war aber blaß und farblos; diejenigen Blüten, die sich hervorgewagt hatten, hatte der Frost ausgelöscht. 

In Sieglar begegnete ich wieder einem Nest von Jecken, der Rosenmontagszug war nicht allzu weit. An diesem Menschengewühl musste ich mich vorbei bugsieren, und so mancher Jeck hatte wohl gemeint, meine Sportbekleidung sei mein Karnevalskostüm. 

Zu Hause angekommen, stellte ich fest, dass alles zusammen gepasst hatte. 50 km in 2 Stunden und 10 Minuten, das ergab eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 23 km/h. Die Strecke war ich durchgefahren – ohne Pause. Und ich fühlte mich auch nicht matt oder schlapp oder erschöpft. Kein Zweifel, da hatte sich positiv ausgewirkt, dass ich bis Mitte November meine Touren gefahren hatte. 

Zuerst etwas trinken, dann in die Badewanne. Ich hatte das Gefühl, dass mein Geist nicht nur in einen anderen Körper, sondern auch in einen anderen Kopf hinein gesteckt worden war. Ganz frei, nur ausruhen, an nichts denken, nichts blockierte, ich spürte eine allumfassende Zufriedenheit mit mir selber.

Vor dem Schlafengehen war ich gleichzeitig müde und aufgedreht. Schon vor dem Fernseher war ich in mich zusammen gesackt und gähnte vor mich hin. Im Bett überfiel mich eine mächtige Bettschwere, doch ich spürte, wie mein Herz pochte und auf vollen Touren lief. Erst kurz nach Mitternacht schlief ich ein ….

Montag, 20. Februar 2012

Karnevalstage


Der durchzechte Weiberfastnachts-Tag endete in einer Katastrophe. Ein 19 jähriger war so besoffen, dass er irgendwie auf den Gleisen der Straßenbahn landete. Fahrgäste sahen den Körper im Dunkeln auf den Gleisen liegen, sie klopften vehement auf die Scheiben des Straßenbahnfahrers der Kölner Verkehrsbetriebe. Doch der Fahrer hörte das Klopfen nicht und fuhr weiter. 15 Meter wurde der 19 jährige mitgeschleift und er war auf der Stelle tot.

Von dieser Katastrophe war sogar meine Frau betroffen. Als sie mit ihren beiden Freundinnen nach dem durchzechten Weiberfastnachs-Tag mit der Straßenbahn nach Hause fahren wollte, hatte sich der Unfall genau auf ihrer Straßenbahn-Linie ereignet. Busersatzverkehr. Die Warterei zog sich dermaßen in die Länge, dass die drei ein Taxi nahmen. Aber nicht nach Hause, sondern bis zur Endhaltestelle der Straßenbahn. Auf der restlichen Strecke bis nach Hause lagen noch jede Menge Kneipen, und angesteckt von dem Karnevalsvirus fanden die drei erst weit nach Mitternacht den Weg ins Bett.

Ich durchlebte eine ganz andere Katastrophenstimmung. Das NDR-Fernsehen erinnerte in einer langen Sturmflut-Nacht an die Ereignisse in Hamburg im Jahr 1962 vor genau 50 Jahren. Dort wurde gezeigt, wie zwei Opfer in den Fluten ertranken. Eine Situation empfand ich als besonders grausam, in der eine komplette Familie mit Kind und Kegel und Baby im Kinderwagen gezeigt wurde, wie sie sich auf das Dach eines anderen Hauses rettete. Ihre Tante war aber nicht aufgewacht, als die Flut um Mitternacht hereingebrochen war. Mit dem steigenden Wasser hörten sie ihre Schreie und sie konnten nur noch zusehen, wie sie die Fenster nicht geöffnet bekam und in ihrem Schlafzimmer ertrank.

Die übrigen Karnevalstage ließen wir geruhsam vorbei plätschern. Ich fühle mich zwar in meiner Haut als Rheinländer wohl, ich bin aber nicht unbedingt der Karnevalist, der sich mitten in den Trubel hineinstürzt. Ja, ich bin überzeugt, dass der Rheinländer einige positive Eigenschaften hat, was Humor und Lachen betrifft, so dass er sich nicht verstecken muss, aber saufen, trinken, Jubel, Trubel, Heiterkeit, da ziehe ich mich lieber zurück.

Daher dominierte an den Karnevalstagen das Fernsehprogramm: WDR. Karneval im Fernsehen – die bunte Vielfalt aus vergangenen Jahren – vor allem Büttenreden. Und da kristallisierten sich zwei Größen heraus, deren Humor und Witze ich für unübertroffen halte: Hans Süper und Hans Zimmermann (gestorben 1994). Dieser deftige Humor, des aus den tiefsten Inneren kommt, der in Leib und Blut übergangen ist, der wirkt ausschließlich im rheinischen Dialekt – auf Kölsch.

Zum Reinschauen:



Die Büttenreden habe ich mir sehr aufmerksam angesehen, weil ich Parallelen sehe zwischen Bloggen und Büttenreden. Beiden ist gemeinsam, dass es jemanden anders gibt, der entweder liest oder zuhört. Dazwischen ist diese Beziehung zum Leser/Zuhörer, dass das, was man bloggt oder redet, in irgendeiner Form beim Leser/Zuhörer ankommt oder auch nicht. Dabei finde ich eine Büttenrede schwieriger wie bloggen: durch Humor einen Knalleffekt entstehen zu lassen, dass der Zuhörer lacht. Ich bewundere all diese Büttenredner, wie sie aus Alltagssituationen aus Dorf, Stadt oder Familie das herausholen, worüber man lachen kann. Viele Charaktere sind zudem so dargestellt, dass man sie quasi an der nächsten Straßenecke vorfindet oder dass sie mitten aus dem Leben gegriffen sind.

Dazu ein Witz von Guido Kantz:

Ein Mann hört draußen verdächtige Geräusche. Er tritt vor die Türe und bemerkt, dass sich Unbekannte an seinem Carport an seinem Auto zu schaffen machen. Er ruft bei der Polizei an. Die Polizei sagt ihm, sie könnten erst in einigen Stunden kommen, weil sie keine Kapazitäten hätten (Unterbesetzung).

Ein paar Minuten später ruft der Mann wieder bei der Polizei an und teilt den Polizeibeamten mit, die Angelegenheit hätte sich erledigt. Er hätte nämlich die beiden Einbrecher erschossen.

Wieder ein paar Minuten später rückt ein Großaufgebot von Polizei, Streifwagen, Sanitäter, Rettungswagen an. Ein Polizist fragt ihn, wo die beiden Leichen seien. Der Mann entgegnet, wieso auf einmal die Polizei gekommen sei. Es hieß doch, sie hätten keine Kapazitäten.

Ich stelle mir vor, dass der erste Punkt – dass die Polizei infolge Unterbesetzung nicht zeitnah auf Verbrechen reagieren kann – in Wirklichkeit durchaus vorkommen kann und mitten aus dem Leben gegriffen ist.

Ich wünsche allen Bloggern viel Humor und viel Spaß bei den Rosenmontagszügen … soweit diese in ihren Gegenden stattfinden. Im Fernsehen war ich jedenfalls erstaunt, dass Karnevalszüge in Städten gezeigt wurden, wo ich dies eigentlich nicht vermutet hätte – in Frankfurt, in Cottbus oder in Hannover. Über Bloggerkreise habe ich mitbekommen, dass im Ausland - beispielsweise in Frankreich in der Normandie oder in den Niederlanden in Zeeland – genauso Karneval gefeiert wird, dass Karneval sozusagen ein Phänomen der Globalisierung ist !  

Im Verlauf des Nachmittags werde ich mich aus dem Staub machen und mit meinem Rennrad eine erste längere Runde über das Siebengebirge drehen.

ALAAF !

Samstag, 18. Februar 2012

Wochenrückblick #7

Whitney Houston ist gestorben
Whitney Houston war nicht mein Musikgeschmack, ich erinnere mich aber an diverse Kuschel-Rock-CD’s, auf denen auch Stücke wie „I will always love you“ oder „One moment in time“ enthalten sind. In unserer Anfangszeit, als wir noch keinen Fernseher besessen hatten, haben wir sehr intensiv die Kuschel-Rock-CD’s gehört. Meine Frau hatte Witney Houston durchaus gerne gehört, so dass sich bei ihr Spuren von Trauer regten. Der Tod von Witney Houston zeigt, dass es wohl empirische Zusammenhänge gibt zwischen Ruhm und Erfolg und Alkohol- und Drogenexzessen. Im letzten Jahr gab es ja den Tod von Ami Winehouse zu betrauern (die übrigens genau mein Musikgeschmack war). Irgendwann ist es mit dem Bedürfnis nach Ruhm und Erfolg wohl so, als ob man Hunger und Durst hat. Man muss essen, man muss trinken, der Körper verlangt danach, Ruhm und Erfolg stellen sich aber nicht automatisch ein, wenn man neue Platten produziert. Neue Platten können auch schlecht sein. Oder: sie können auch gut sein, aber der Hörer urteilt anders. Ich bewundere diejenigen Musiker, die ganz stramm, unabhängig vom Urteil des Hörers, durchmarschiert sind. Ich denke da an einen Wolfgang Niedecken (den ich ja mittlerweile sehr oft zitiere), an einen Neil Young oder an einen Robert Plant (früher Led Zeppelin).

Kündigung
Der Mutter der besten Freundin unseres kleinen Mädchens ist gekündigt worden. Sie hat in einem Pflegeheim gearbeitet, und ihr ist während der Probezeit von 3 Monaten gekündigt worden. Aus rechtlicher Sicht wird es daher an dieser Kündigung nichts zu beanstanden geben. Bemerkenswert ist an ihrer Tätigkeit als Pflegerin, dass sie eine von wenigen gelernten Fachkräfte war, der komplette Rest waren angelernte Kräfte. Dies führte teilweise dazu, dass körperliche Beschwerden oder Krankheiten nicht gründlich genug diagnostiziert wurden (z.B. Analyse des Blutbildes). Dies hatte sie gegenüber ihren Kollegen bemängelt, und prompt kam es zu Konflikten mit diesen Kollegen, die meinten, eine gründliche Diagnose sei nicht nötig, weil alles immer anders gemacht worden sei und weil dies so funktioniert hätte. Den letzten Anstoss für ihre Kündigung dürfte wohl ihre Initiative gebracht haben, dass sie einen Betriebsrat gründen wollte. Dazu hatte sie auch Kollegen gefunden, die sich bei dem laut Betriebsverfassungsgesetz vorgeschriebenen Procedere beteiligen wollten. Am nächsten Tag nach ihrer Initiative zur Gründung eines Betriebsrats kam prompt die Kündigung. Sie sieht das locker, weil in dem gesamten Bereich von  Krankenhäusern, Altenheimen und Pflegediensten Kräfte händeringend gesucht werden. Ich denke allerdings mit Schrecken daran - sollte dieser Fall jemals eintreten - Angehörige in einem Pflegeheim unterzubringen.

Im Fernsehen (1)
Im NDR-Fernsehen lief am Donnerstag ein Dokumentarfilm über die Hamburger Sturmflut 1962, womit an den 50. Jahrestag zurückerinnert wurde. Die Deiche waren gebrochen, und mitten in der Nacht wurden die Bewohner von der Flut überrascht, und exemplarisch wurden die Einzelschicksale von Familien im Stadtteil Wilhelmsburg dargestellt. Der Film hatte ein hohes Niveau, da Zeitzeugen damals und heute gezeigt wurden und die Einzelschicksale, wie die Familien betroffen waren, in kleinsten Abläufen gezeigt wurden. Emotional hat mich dieser Film sehr mitgenommen. In Hamburg hatte man sich sicher gefühlt, weil Hamburg etwa 100 km von der Nordseeküste entfernt liegt. Insgesamt 315 Tote gab es damals in Hamburg. Dass es nicht mehr Tote wurden, ist auch dem damaligen Innensenator Helmut Schmidt zu verdanken, der die Hilfe u.a. durch die Bundeswehr und den Katastrophenschutz generalstabsmäßig organisierte. Wir haben übrigens einen Freund aus Hamburg, mit dem wir regelmäßigen Kontakt haben und der im Jahr 1962 geboren ist. Seine Eltern hatten damals in Harburg außerhalb des betroffenen Gebietes gewohnt.

Im Fernsehen (2)
Der Marken-Check, bei dem zuvor u.a. H&M oder Ferrero an der Reihe waren, untersuchte diesmal den Media-Markt. Im Visier der Reporter stand die Preispolitik. Der Media-Markt zeichnet sich durch eine knallige und aggressive Werbung aus, die mit Sonderangeboten lockt. Die Sonderangebote sind tatsächlich oftmals günstig, wobei aber Fälle gezeigt wurden, dass sich der Preisvergleich mit der Konkurrenz schwierig gestaltet. So geht der Media-Markt so vor, dass gängige Gerätetypen (z.B. Typ AEG XY Waschmaschine) in kleinsten Details verändert werden (z.B. Ablaufschlauch aus anderem Kunststoff), die Geräte werden mit diesen Veränderungen exklusiv für den Media-Markt produziert und erhalten danach eine neue Typenbezeichnung (z.B. Typ AEG XYZ) . Wenn man den Gerätetyp vom Media-Markt bei der Konkurrenz sucht, findet man ihn dort nicht. Schlecht weg kommt der Media-Markt auch bei diversen Kleinteilen wie z.B. Kabel, Stecker oder anderen elektronische Kleinteilen, die ca. 40% teurer sind als bei der Konkurrenz. Je nach Auswahl an Elektronikmärkten vor Ort, kann der Käufer auf Probleme stoßen, da der Media-Markt zum METRO-Konzern gehört, und dazu gehören wiederum SATURN und Kaufhof. Speziell bei SATURN findet man dieselbe Preispolitik, dass die Käufer mit Sonderangeboten hineingelockt werden, während bei all dem Kleinkram überdurchschnittlich hohe Preise gezahlt werden müssen.

Massenunfall auf der A57 bei Dormagen
Da Verkehrsunfälle im Alltagsgeschehen häufiger vorkommen, ist dies normalerweise kein Blog-Thema für mich. Den Massenunfall auf der A57, bei dem es insgesamt einen Toten und vierzehn leicht bis schwerst Verletzte gegeben hat, finde ich aber bemerkenswert, weil er in seiner Entstehung zeigt, welches unterirdische Niveau von Gedankenlosigkeit unsere Mitmenschen haben können. Unter einer Autobahnbrücke lagerten Kunststoffrohre. Unbekannte hatten diese angezündet, was nicht so einfach ist, da diese nur schwierig in Brand zu setzen sind. Als diese brannten, war der Rauch so intensiv, dass infolge des Qualms auf der Autobahn darüber praktisch nichts mehr zu sehen war. Dadurch kam es zu einer Massenkarambolage, in die insgesamt 21 Autos verwickelt waren. Die Brücke wurde so sehr beschädigt, dass sie abgerissen werden muss und neu gebaut werden muss. Die A57 zwischen Köln und Neuss ist eine derjenigen Autobahnen mit der höchsten Verkehrsdichte in NRW. Auf der Facebook-Seite des WDR wurde dieser Vorfall zur Diskussion gestellt. Interessant fand ich einen Kommentar, der das unterirdische Niveau der Gedankenlosigkeit wiedergibt (Originaltext inklusive Rechtschreibfehler):

Als ob es mehr werden
Er konnte nix dafür, schulabbrecher Vater alki mutter weg

Sozialer Brennpunkt aufgewachsen schlechter umgang u Drogen

Komischer weise sin die vor 60 Jahren nich auf so Ideen gekommen

Da mussten alle arbeiten und warn froh das sie was zu essen u warm hatten.

Denke is Langeweile u Übermut

ACTA-Abkommen
Das ACTA-Abkommen ist in diversen Blogs thematisiert worden. Ich begreife das Abkommen so, dass Raubkopien verhindert werden sollen, wodurch denjenigen Schaden zugefügt wird, die durch Musik, Filme, Bücher oder anderes geistiges Eigentum ihr Geld verdienen. Raubkopien sollen aufgedeckt werden, indem sämtlicher Internet-Verkehr einer Kontrollinstanz zur Verfügung gestellt wird, um diesen hinsichtlich Raubkopien auszuwerten. Ich gehe davon aus, dass Grundrechte der Privatsphäre betroffen sind, die im Grundgesetz nieder gelegt sind. D.h. in anderen Situationen – wie z.B. das Abhören von Telefongesprächen oder Hausdurchsuchungen – müssen schon konkrete Anhaltspunkte für eine Straftat vorliegen. Voraussetzung für ein Abhören von Telefongesprächen usw. ist dann ein gerichtlicher Beschluss, was nun bei Transaktionen über das Internet nicht gelten soll. Die Bewegung gegen das ACTA-Abkommen ist insofern wichtig, um den Entscheidungsinstanzen unseres Staates zu signalisieren, dieses Abkommen abzulehnen. Aber selbst eine Annahme hätte ich als widersprüchlich angesehen  a)  weil unsere Justizministerin L.-Schnarrenberger die Vorratsdatenspeicherung hartnäckig abgelehnt hat (das ACTA-Abkommen geht in dieselbe Richtung)  und b)  bei Klagen vor dem Bundesverfassungsgericht wegen der Verletzung von Grundrechten (Privatsphäre) nicht belastbar wäre. Daher sehe ich es eher als unrealistisch an, dass dieses Abkommen unterzeichnet wird (Polen und Litauen haben z.B. signalisiert, dass sie das Abkommen nicht unterzeichnen wollen). Zwei Dinge kann ich in diesem Zusammenhang nicht beurteilen. Erstens: in den USA und Frankreich wird der persönliche Internet-Verkehr an Dritte weiter geleitet; da wäre der Fall denkbar, dass sich die EU einschaltet und Rahmenvorgaben eines europäischen Gesetzes erlässt. Zweitens: der Sachverhalt ist nicht mit dem Abhören von Telefongesprächen vergleichbar, da der Verkehr über das Internet von einer IP-Adresse an die nächste IP-Adresse dokumentiert wird. Was daraus in welcher Form zurückgeschlossen werden kann, dass dies Privatsphäre betrifft, kann ich nicht beurteilen. Und vor allem: ich bin kein Jurist. Diese Sichtweise habe ich entwickelt aus Presseberichten (Wirtschaftswoche) und wie ich sonst juristische Themen verstanden habe.

Song der Woche
Damit nicht der Eindruck entsteht, ich würde nur auf solche weichgespülten Songs von Richard Marx oder Lana del Rey abfahren, wechsele ich in dieser Woche auf die rockige Variante. In meiner Vinylplattensammlung steht jede Menge UFO. 1973 ist Michael Schenker der neue Gitarrist bei UFO geworden, nachdem Mick Bolton die Gruppe verlassen hatte. Michael und Rudolf Schenker sind Brüder, wobei Rudolf ja der Gitarrist der Scorpions ist. Bis 1973 habe beide Brüder auch gemeinsam bei den Scorpions gespielt. Mit Michael Schenker wird der Ton bei UFO rockiger, und seine Gitarren-Soli sind noch ausschweifender wie die seines Bruders Rudolf. 1974 erschien das Album „Phenomenon“, welches eine bunte Mischung umfasst aus dem früheren Space-Rock-getriebenen Stil und der härteren, rockigen Variante. Das Stück „Rock Bottom“ habe ich ausgewählt. Es setzt einen Trend in die Richtung der folgenden Alben, die sich weiter von dem Space-Rock-Stil entfernen und sich zu einer bodenständigen Rockmusik entwickeln.



Freitag, 17. Februar 2012

Litfaßsäulen

In dieser Woche habe ich mich auf meinem Foto-Blog mit Litfaßsäulen auseinandergesetzt. Dabei ist mir aufgefallen, dass sie im Innenstadtbereich in einer hohen Zahl an belebten Straßen oder in Fußgängerzonen vorzufinden sind. Die Litfaßsäule wurde ja in Berlin vor 150 Jahren erfunden bzw. nach dem gleichnamigen Ernst Litfaß benannt. Die Litfaßsäule ist der Außenwerbung zuzuordnen, zu der ebenso Plakatwände oder Posterflächen gehören.

Der Blick auf die Einzelthemen zeigt ein vielfältiges Bild, wobei die klassische Produktwerbung – d.h. was man kaufen und anfassen kann - eher in den Hintergrund tritt.



Auffällig ist ein hoher Anteil des kulturellen Lebens in der Stadt, das sind Konzerte, Ausstellungen, Filme, Comedy ... 


Dazu gehören auch Konzerte = zeitgenössische Musik … von dem KISS-Konzert muss ich unserem Sohn erzählen, er hörte KISS nämlich sehr gerne ...



Fernsehsendungen, die die Nation bewegen … 

1Live (=WDR1), für den Hinweis auf diesen tollen Radiosender bin ich dankbar, denn meist höre ich SWR1 oder WDR2 ...



Warhol, Basquiat und Clemente, die sind allgegenwärtig und an jeder Straßenecke wird man von ihren Plakaten erschlagen; die Ausstellung werde ich definitiv nicht besuchen, weil ich ein gestörtes Verhältnis zur modernen Kunst habe; bei Kunst bin ich stockkonserativ, d.h. Rubens oder Goya oder Brueghel oder so etwas ähnliches muss dabei sein ...



Auffällig hoch ist der Anteil Zigarettenwerbung. Das hängt zusammen mit dem in 2005 in Kraft getretenen EU-Verbot für Zigarettenwerbung in Rundfunk und Fernsehen …

Donnerstag, 16. Februar 2012

Wieverfasteloovend

Schnell zum Metzger. Denn heute herrscht im Rheinland Ausnahmezustand, es ist nämlich Weiberfastnacht, und die Frauen haben das Sagen. Kurz nach 10 Uhr ist es, und noch läuft alles in einigermaßen geregelten Bahnen. Noch sind die Geschäfte geöffnet, und mit der magischen Uhrzeit von 11.11 Uhr wird sich dies schlagartig ändern. Dann machen sich alle Frauen aus dem Staub und feiern alles, was männlich ist, in Grund und Boden. Die Kneipen im Ort werden überquillen von Frauen und als Mann hat man kaum eine Chance, in diese verschworene Frauengemeinschaft hinein zu tauchen. Geöffnete Geschäfte werden ab der Mittagszeit eine Rarität sein.

Mitten in dieses Getümmel wird sich meine Frau stürzen. Mit zwei anderen Frauen sind sie mit Bus und Bahn nach Köln gefahren. Verkleidet als Steinzeitfrau, Indianerin und Piratin, haben sie um 9 Uhr unser Haus verlassen, und in Köln wird mit all den anderen wildgewordenen Weibern gefeiert werden, was das Zeug hält. Besonders delikat wird dieses Erlebnis für die beiden Begleiterinnen meiner Frau werden, denn sie kommen ursprünglich aus Berlin und Schleswig-Holstein, wo der Karneval höchstens ein Fremdwort ist.

Beim Metzger herrscht Vorfreude auf die närrischen Tage, die heute eingeläutet werden. Manche Kreaturen gibt es sogar im Rheinland, die finden von Weiberfastnacht bis Aschermittwoch kaum zu einem nüchternen Zustand zurück, bei denen ist der Schlaf im Bett allenfalls eine kurze Stippvisite.

Eine Clownsfigur begrüßt mich neben der gläsernen Schiebetüre. Überall hängen unter der Decke Luftschlangen und Luftballons. Ein Clownsgesicht grinst mich aus einem Spiegel hinter der Fleischtheke an. Dass der Inhaber der Metzgerei aktiv in einem Karnevalsverein das Karnevalsgeschehen gestaltet, das betonen nachdrücklich zwei Karnevalsorden, die die Ecken des Spiegels verzieren. Goldig glänzen die Karnevalsorden, in dessen Zentrum sich in einem unpassenden Rot der Kölner Dom herausschält.

„Marianne, du häss noch net et kostüüm aan …
trällert eine mittelalte Frau quer durch die Metzgerei und meint die Verkäuferin, die hinter der Wursttheke steht. Selbst hat sie sich bereits verkleidet: einen roten Rock mit weißen Punkten trägt sie, eine unauffälige blaue Bluse, ein Stirnband aus demselben roten Stoff mit den weißen Punkten wie der Rock. Nichts spektakuläres, aber karnevalistisch, und gut wird sie damit in das feiernde Volk hineinpassen.

Ein als Biene Maja verkleideter Winzling, der macht da eher einen irritierten Eindruck. Es ist ein Junge im Kindergartenalter, der sich der Schönheit seines Biene Maja-Kostüms wohl nicht bewusst ist. Flauschig und wollig kuscheln sich die gelb-schwarzen Streifen um seinen Körper, und mit der schwarzen Strumpfhose und der schwarzen Kapuze gibt er ein schönes Gesamtbild ab. Seine Mama hat sichtliche Mühe, auf ihn aufzupassen, denn er hält eine Scheibe Fleischwurst in der Hand, nippt daran herum, ohne davon etwas abzubeißen, und irgendeine unsichtbare Kraft zieht ihn dauerhaft zur Türe mit der dahinterliegenden Straße hinaus. Hin und her geht es, dass die Mama ihn zu sich krallt und er wieder zu der Türe ausbüxt, und sie schafft es kaum, ihre Einkäufe an der Wursttheke zu erledigen.

„Dat maak ech jlicke … „
tönt die Verkäuferin an der Wursttheke zurück und meint ihr Kostüm, welches sie gleich anziehen möchte.

Noch geht hier alles in der Metzgerei seinen geruhsamen Gang. Aber dieser närrische Urknall um 11.11 Uhr kommt ja noch. Dann gewinnen die Narren und Jecken im Straßenbild immer mehr die Oberhand. Das ist vielleicht eines der Ur-Temperamente des Rheinländers. Sozusagen auf Knopfdruck loszulegen, lustig zu sein und zu feiern. Rheinländer, die auch außerhalb von Karneval feiern können, gibt es übrigens genauso. Und dies nicht als einzelne Ausnahmeerscheinung.

Mittwoch, 15. Februar 2012

von Eiskalt nach Grau in Grau


Der Anschein, dass es trocken bleiben könnte, trieb mich heute Morgen aufs Fahrrad. Die Nacht über hatte es geregnet, Feuchtigkeit hing noch lose in der Luft, und ich vertraute dem Wetterfrosch Karsten Schwanke im ARD-Morgenmagazin, der vorhersagte, dass das Regengebiet abzog.

Die Feuchtigkeit kondensierte zu einem undeutlichen Gebilde, sie war greifbar und nah, doch der Nieselregen weigerte sich los zu plätschern. Karsten Schwanke hatte Recht behalten. Trocken und ohne mein Regenzeug auspacken zu müssen, konnte ich weiter radeln. Ich umkurvte den Friedhof, dessen Stille zu der noch nächtlichen Dunkelheit passte, ich umkurvte diverse Pfützen, indem ich auf der Mitte des geteerten Wirtschaftsweges fuhr. Aus der Fahrbahn spritzte Wasser lebhaft gegen die Schutzbleche meines Fahrrads, in denen sich eine Masse von Dreck und Schmutz sammelte. Der Rückenwind peitschte mich dermaßen voran, dass ich kaum zu treten brauchte. Mit Schrecken dachte ich an meinen Nachhauseweg, wenn ich ständig aufs Neue diese Mauer des Windes durchbrechen musste. Ich dachte an den Mythos von Sisyphus, wobei ich anstelle einen Stein den Berg hoch zu schieben gegen den Wind treten musste.

Über dem Rheindamm die Morgendämmerung. Wie ein Flickenteppich durchsetzten helle Flecken die Wolkendecke. Die hellen Flecken wuchsen zusammen und schoben sich bis zum gegenüberliegenden Horizont herüber. Als ich die Autobahnbrücke mit dem Panoramablick auf das Siebengebirge passierte, war mit der Helligkeit ein neuer Tag geboren worden. Das Siebengebirge buckelte sich mit den Bergen über dem Rhein, ein Schleppkahn bugsierte auf das linke Rheinufer zu, wobei der Schiffsmotor mit einem dumpfen Geräusch stromaufwärts tuckerte.

Grundverschieden, hatte das Wetter in der neuen Woche die Stimmung gewechselt, von eiskalt nach grau in grau. Während es mich in der letzten Woche nur dorthin trieb, wo ich der Kälte entrinnen konnte, musste ich in dieser Woche dieses trübselige Grau in Grau ertragen. Was war angenehmer ? Mir kam das Wetter vor wie eine Wahl zwischen Pest und Cholera. Ich war wählerisch. Weder das eine noch das andere gab meiner Stimmung einen nennenswerten Schub.

Montag Morgen hatte Schneefall eingesetzt, Himmel bedeckt. Dienstag Morgen Reifglätte auf den Straßen, obschon die Wolken einen Riegel vor die funkelnden Sterne geschoben hatten. Heute erneut dieses Grau in Grau. Die Wolkendecke wollte einfach nicht aufreissen. Zäh und hartnäckig verbarrikadierte diese graue Wolkenmasse das Blau am Himmel, keine Wolkenlücke tat sich auf. Grautöne in unterschiedlichen Varianten dominierten, mal drohend, mal nachdrücklich, mal sich zusammen ballend, mal auseinander fallend. Unaufhörlich, trieben die Wolken von einem Ende der Stadt zum anderen Ende der Stadt.

Ohne jegliche Farbtupfer, fehlte mir die Inspiration. Neue Ideen, was ich bloggen konnte, keimten nicht auf. Sonst hatte ich des öfteren einen riesigen Schwall von Ideen, so umfangreich, dass ich sie gar nicht systematisiert bekam. Ich lief über vor lauter Gedanken, die in meinem Kopf herum kreisten, und beim Bloggen konnte ich mir das beste, was mir daraus gefiel, aussuchen. Mittlerweile war meine Ideensammlung ungefähr leergeräumt. Beim Bloggen musste ich das nehmen, was gerade kam, egal, ob es mir gefiel oder nicht.

Nun hatte leise und stetig tröpfelnder Regen eingesetzt. Karsten Schwanke hat also doch nicht Recht gehabt. Immerhin habe ich es heute Morgen trocken ins Büro geschafft.

Für die nächsten Tage hat Karsten Schwanke Regen und viele Wolken für die Mitte Deutschlands vorhergesagt. Einen Schimmer von Hoffnung habe ich, dass Karsten Schwanke trotzdem unrecht hat. Oder dass wir im Rheinland nicht zur Mitte Deutschlands gehören.