Frittenbuden habe ich seit eh und je als Orte der multikulturellen Integration betrachtet. Leckeres Essen geht durch den Magen und vereinigt
die Völker. Die Assimilierung fremder Kulturen geschieht dort einfach,
unvoreingenommen, von Gesicht zu Gesicht, auf kurzem Wege. Ich habe nicht
schlecht gestaunt, dass ich in einer griechischen Imbissstube in unserem Ort
auf die Spuren der Römer geführt worden bin.
Das ist die Imbissstube von außen.
Über der Tischgruppe hängt das Gemälde, das auf die Spuren
der Römer führt.
Die griechischen Inhaber des Imbisses wollten eigentlich
ein Gemälde mit Bezug zur griechischen Geschichte kaufen. Sie wurden aber nicht
fündig, daher kauften sie im Baumarkt (bei OBI !!!) ein Gemälde mit einem
römischen Kaiser.
Mit Claudius Tiberius Germanicus (geboren 10 v. Chr,
gestorben 54 n. Chr) haben sie eine hoch interessante Persönlichkeit
ausgewählt. Er war Sohn der römischen Kaisers Nero Claudius Drusus. Als
Jugendlicher litt Claudius unter Lähmungen, seine Bewegungen waren gestört,
sein Kopf zitterte, er stotterte, er war kaum zu einem flüssigen Redefluss
fähig. Wegen der körperlichen Gebrechen wurde er als Nachfolger des Kaisers
ausgeschlossen.
Er zeigte aber Interesse an Geisteswissenschaften und
schrieb eigene Studien in Geschichte und Philosophie. Als Nero Claudius Drusus
starb, wurde sein Bruder Caligula der neue römische Kaiser. Caligula ernannte
Claudius aus machtpolitischen Gründen zum Mitkonsul, da ein schwacher Mitkonsul
in sein Machtkonzept passte.

Vier Jahre später wurde Caligula ermordet. Man vermutete den
Mörder im engsten Familienkreis, so dass aus Rache ein großer Teil der
Verwandtschaft ermordet wurde. Claudius erfasste die dramatische Situation nach
dem Mord an seinen Onkel richtig und versteckte sich im Kaiserpalast. Nach dem
Gemetzel an seine Verwandten wurde er zum Kaiser ernannt. Sein körperlicher
Zustand hatte sich im Lauf der Jahre gebessert.Er wurde ein umsichtiger und erfolgreicher Feldherr. Seine
Eroberungen führten vor allem nach Großbritannien, wo viele Münzen mit seinem
Kopf gefunden worden sind. In Deutschland hat er ebenso Gebiete erobert: in
seine Zeit fallen Eroberungen in Bayern bis zur Grenze der Donau.
Die griechischen Inhaber des Imbisses hatten sich dieses
Gemälde aus deswegen ausgewählt, weil die Akropolis darauf zu sehen war. Eine
besondere Beziehung von Claudius zu Athen habe ich nicht recherchieren können. Wahrscheinlich
hat die Phantasie des Malers die Akropolis hinzugefügt.