Freitag, 11. Januar 2013

die Kölner Malerschule

Die Revolution geschah in Flandern. Um 1300 wurde eine Rezeptur aus Terpentinölen und Harzlösungen Farbpigmenten beigemischt – das waren Vorläufer der Ölfarben. Diese Rezepturen wurden verfeinert: Nussöle trockneten schneller, die Wirkung von Farben an Luft und Licht blieb stabil, die Farben hielten sich nun bis in alle Ewigkeit.  Im 14. Jahrhundert wurde diese neue Form der Malerei in Ateliers in Flandern verfeinert. Die allerersten Ölgemälde, die man in Museen bestaunen kann, entstanden ungefähr um 1400.

Bis dahin wurde mit Wasserfarben gemalt. Über einen Zeitraum von Jahrhunderten verblassten die Farben bis zur Unkenntlichkeit. Für Malereien aus dieser oder einer früheren Zeit, die bis heute erhalten sind, musste ein anderen Untergrund gewählt werden. Das waren Wand-/Decken- oder Höhlenmalereien. Oder auch Abschriften, Zeichnungen und Malereien in Büchern.

In den Ateliers in Flandern waren es van Eyck, van der Weyden, Campin oder Daret, die die Ölmalerei revolutionierten. Diese neue Form der Malerei breitete sich in Europa aus und erfasste vor allem das Rheinland und Italien.

Die großen Maler der Renaissance – Michelangelo, Rubens oder Goya – wurden erst Jahrhunderte später geboren.

Kurz nach 1400 entstand die Kölner Malerschule, die ähnlich wie in Flandern aus vielen einzelnen kleinen Ateliers bestand. Es war vor allem van Eyck, Campin und von der Weyden, die das Wissen ins Rheinland transferierten. Dieses Wissen betraf nicht nur die neue Konsistenz der Ölfarben, sondern auch die naturalistische und detailgetreue Art, wie Formen und Strukturen gemalt wurden. Formen, Hintergründe und Kompositionen wurden entworfen, wie – den Auftraggebern gemäß – Szenen aus der Bibel gemalt wurden. Die neue Form der Portraitmalerei entstand, bei der Gesichtszüge haargenau dargestellt wurden. Bei der Bekleidung wurde der Faltenwurf und wie sich die Textilien an den Körper schmiegten, genauso präzise gemalt.

Die schillerndste Persönlichkeit der Kölner Malerschule war Stephan Lochner. Vom Bodensee stammend, lebte er von 1442 bis 1451 in Köln. Van Eyck und diverse andere flämische Maler lernte er kennen, als er nach Flandern reiste. Zurückgekehrt, setzte er dieses Wissen in Köln um. Sein bekanntestes Gemälde, das Tryptichon im Kölner Dom, zeigt im Mittelteil die Anbetung der Heiligen Drei Könige, auf dem linken Flügel die Legende der Hl. Ursula und auf dem rechten Flügel den Hl. Gereon.


Im Gegensatz zu den flämischen Malern waren die Maler der Kölner Malerschule größtenteils unbekannt. Selbst Lochner hat keines seiner Gemälde signiert. Aber Albrecht Dürer, der rund fünfzig Jahre später die Gemälde der Kölner Malerschule studierte, notierte in seinem Tagebuch, dass er zwei Weißpfennige bezahlte, damit er sich die Altartafel mit dem Gemälde „Altar der Stadtpatrone“ des Meisters Stephan (das war Stephan Lochner) ansehen konnte. Dabei handelt es sich um das eben genannte Tryptichon, welches heutzutage im Kölner Dom zu sehen ist. Die übrigen Gemälde Lochners wurden zugeschrieben, da Details zum Gemälde „Altar der Stadtpatrone“ extrem ähnlich waren. Weitere Gemälde von Lochner verteilen sich auf deutsche Museen.



Mit dem Reichtum von Kirchen in Köln, um die Wünsche der Auftraggeber bestmöglich zu erfüllen, konzentrierte sich die Kölner Malschule auf das Kölner Stadtgebiet. Man kann die Kölner Malerschule aber auch als eine Art von Netzwerk betrachten, denn Ateliers gab es im ganzen Rheinland – so wurden Bilder auch in Aachen und am Niederrhein gemalt. Van Eyck, Campin und Roger van der Weyden – der eng an die Natur angelehnte Stil dieser flämischen Maler wurde durchgängig übernommen. Viele Gemälde dieser unbekannten Maler der Kölner Malerschule befinden sich heutzutage im Kölner Wallraf-Richarz-Museum.




Die Zeit blieb nicht stehen. Der Stil der Kölner Malerschule wurde durch Albrecht Dürer oder Lukas Cranach weiter entwickelt, indem Einflüsse der Malerei in Italien Eingang fanden. Der Schwerpunkt neuer Ansätze in der Malerei verlagerte sich vom Rheinland nach Süddeutschland. Diese späteren Strömungen der Renaissance sammelten sich in der Donauschule. Landschaften gewannen in der Malerei an Bedeutung. Während die Hintergründe in der Kölner Malschule eher gleichförmig waren, wurde nun die Landschaft zum gestaltenden Element.

In der flämischen und italienischen Malerei perfektionierten die Maler herausragende Landschaftsdarstellungen. Am Rheinland floss diese neue Strömung zunächst vorbei.

Kommentare:

  1. Lieber Dieter,
    zuerst dachte ich an die Galerie der alten Meister in Dresden oder an die Pinakothek in München ( bei der zu der Zeit, als ich mir die Gemälde ansah, ein Sonderausstellung des holländischen Malers Vanmeer gezeigt wurde), aber die Gemälde dort sind viel jünger! Von daher sehr interessant, Dein lehrreicher Bericht.
    Ich war gestern noch in Colonia und auch im Dom. Habe natürlich auch daran gedacht, dass durch den neue U-Bahnbau jetzt der Dom ständig erschüttert wird...

    Ach und ja, Payback kann ich gerne mal ausleihen.

    LG Marita

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  2. Das ist ja interessant, danke für die geschichtlichen Einblicke, wieder was dazu gelernt.
    Liebe Grüße
    Angelika

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  3. Einen wunderschönen guten Morgen Dieter!
    Toll, eine Reise durch die Kunstgeschichte! Schön, weiter so!
    Ich wünsche Dir einen sonnigen Tag.
    Liebe Grüße,
    Claudia

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  4. Lieber Dieter, einen wieder sehr interessanten Post hast du da geschrieben. Leider ist es ja vielen "Künstlern" immer schon so ergangen dass sie während ihrer Lebensphase nicht wirklich gewürdigt wurden, unbekannt und verarmt gestorben sind und ihre Werke erst nach vielen Jahren gewürdigt wurden.

    Von der Schule habe ich gar nie was gehört, eigentlich schade das es früher im Unterricht erst gar nicht erwähnt wurde, denn mich hätten diese Bilder schon fasziniert anzuschauen.

    Danke dir jedenfalls für die Recherche und die klasse Bebilderung.

    Ein schönes Wochenende und liebe Grüsse
    Nova

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  5. Das ist ein toller Bericht, sehr interessant. Hab bestimmt schon in vielen Museen Bilder der Kölner Malerschule gesehen, aber sie noch nie wahrgenommen. Bekannte Namen kennt man und denen schenke ich auch immer Beachtung. Wenn "nur" .... Malerschule dabei steht, gehe ich oft nur vorbei. Daher war der Exkurs toll - ich hoffe, es bleibt für den nächsten Museumsbesuch hängen.

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  6. Keulen en de drie koningen ... dank voor dit mooie stuk Dieter. het toeval wil dat ik gisteren in Lille/Rijsel was voor de tentoonstelling Fables du paysage flamand, over de landschapschilderkunst in de zestiende eeuw, de "volgende stap" in de ontwikkeling van onze schilderkunst - schitterende werken daarbij (vandaag is helaas de laatste dag van de expo).
    Een mooie zondag toegewenst,
    Leen

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