Freitag, 3. Mai 2013

Monatsrückblick April

Notfallpraxis anstelle wilde Narzissen
Wir hatten uns es so schön vorgestellt. Mitte April, wenn die Narzissen blühen, kurz hinter der belgischen Grenze, ein Freund aus der Nähe von Aachen kannte ein Gebiet, in dem Narzissen wild in der Natur blühten. Wir hatten uns zu einer Wanderung verabredet, die durch ein Flusstal führen sollte, über Wiesen zu einer Abraumhalde eines alten Zinkbergwerkes. Alles sollte übersät sein mit den gelben Blüten der wild blühenden Narzissen. Um die Wanderung abzurunden, hatte ich gegoogled und eine typisch belgische Frittenbude ausfindig gemacht, wo wir es uns schmecken lassen wollten Doch daraus wurde nichts. Mitten in der Nacht überfiel unser kleines Mädchen das Fieber. Die Körpertemperatur war bis auf 39 Grad hoch geschossen, ihr hochroter Kopf glühte vor Hitze. Außerdem tat das Pipi-Machen weh. Also Sonntags morgens ab in die Notfallpraxis. Das war wie in guten alten Zeiten, als unsere Kinder noch klein waren. Pünktlich Freitags nachmittags oder am Wochenende kamen die Kinderkrankheiten, wenn die Praxis unseres Kinderarztes geschlossen war. In der Notfallpraxis waren wir nicht die einzigen. Nach einer langen Wartezeit stellte der Kinderarzt fest, dass unsere Kleine eine Blasenentzündung hatte. Anstatt wilde Narzissen zu bestaunen, verschlug es uns anschließend in die Apotheke, um Fiebersaft und Antibiotikum zu besorgen. Den Rest des Tages umhegten und pflegten und umsorgten wir unsere Kleine.

Osternachtfeier
Ungefähr seit Jahrzehnten habe wieder eine Osternachtmesse in unserer Dorfkirche besucht. Die Feier war ein würdiger Rahmen für das höchste Fest im Kirchenjahr. Gottesdienste besuche ich kaum noch. Mir ging aber durch den Kopf, dass wir zwar Weihnachten in die Kirche gehen, aber nicht zum höchsten Fest des Christentums. Zu dieser Einsicht bin ich auch über das Bloggen gelangt, weil ich gemerkt habe, dass Kirche und Religion ihren Stellenwert haben. Glockentürme, Heiliger Laurentius oder Kölner Dom – solch ein Ausdruck von Religion fasziniert mich zweifellos. Ich war gerührt von der feierlichen Stimmung in der Osternachtfeier. Dennoch stehe ich durchaus kritisch der Institution Kirche gegenüber, siehe auch mein nächster Beitrag.

Gott hat hohe Nebenkosten
Erst im letzten Monat wurde ich in Radiosendungen (SWR1 und WDR2; Interviews mit Eva Müller, der Autorin des o.g. Buches) auf ein Ereignis aufmerksam, das bei uns im letzten Jahr hohe Wellen geschlagen hatte. Die Leiterin eines katholischen Kindergartens in Königswinter bei Bonn war gekündigt worden, weil sie ihren Mann verlassen hatte und zu einem anderen Lebenspartner gezogen war. Dies widersprach den Moralvorstellungen der Kirche, die in ihrem Arbeitsvertrag festgeschrieben waren. Als Leiterin des Kindergartens sei sie ein Vorbild für die Kinder und sie müsse die Prinzipien der Kirche vorleben. Der Pfarrer der Kirche bezeichnete sie als schädliches Ärgernis. Weil massiv in der Presse über diesen Vorfall berichtet wurde, wuchs der Druck auf die katholische Kirche. Schließlich wurde über die rechtliche Konstruktion ein Weg gefunden, der katholischen Kirche die Trägerschaft an dem Kindergarten zu entziehen. Die Stadtverwaltung legt die Trägerschaft von Schulen, Kindergärten usw. fest und stellt den Trägern Gelder zur Verfügung. Auf Antrag der Eltern kann die Trägerschaft entzogen werden. Dafür fand sich eine Mehrheit der Eltern. Die Trägerschaft übernahm nun die evangelische Kirche, die nicht dieselben Moralvorstellungen wie die katholische Kirche forderte. Die evangelische Kirche stellte die Leiterin des Kindergartens wieder ein.


Verseuchtes Trinkwasser
Mitte April war in zwei rechtrheinischen Orten am Rhein das Trinkwasser verseucht worden. Die Symptome traten abends beim Duschen auf: als Hausbewohner unter der Dusche standen, färbte sich die Haut krebsrot, als hätten sie einen Sonnenbrand. Brennen und Jucken waren ähnlich wie bei einem Sonnenbrand. In den beiden Dörfern waren eine Vielzahl von Anwohnern betroffen. Über Fälle, in denen das Wasser getrunken wurde, ist nicht berichtet worden. Die Ursache war eine defekte Pumpe des Wasserwerks. Wenn das Trinkwasser übersäuert ist, wird in Kleinstmengen Natronlauge beigemischt. Bei einer Pumpe war die Dosierung der Kleinstmenge defekt, so dass Natronlauge in großen Mengen dem Trinkwasser zugeführt wurde. Natronlauge ist ätzend und hoch gefährlich. Die betroffenen Anwohner waren erst mit einer zeitlichen Verzögerung informiert worden, nachdem das Wasserwerk bemerkt hatte, dass die Natronlauge in das Trinkwasser geraten war. Informiert wurden die Anwohner über Lautsprecherdurchsagen der Feuerwehr (die nicht unbedingt jeder in den Haushalten gehört hat). Gegen 22 Uhr war der Zustand des Trinkwassers wieder einwandfrei.

14% Steigung
Bedingt durch den langen Winter, sind meine Rennradtouren in diesem Jahr schleppend angelaufen. Ich bin zwar einige Kilometer geradelt, aber vergleichsweise weniger als im letzten Jahr zu derselben Zeit. Da kam es mir sehr gelegen, dass unsere Freundin in einem Ort am Hang des Vorgebirges ihren 50. Geburtstag gefeiert hatte. Tag und Uhrzeit passten, dass ich mit dem Rennrad dorthin fahren konnte. 14% Steigung, selbst im Siebengebirge oder in der Eifel muss ich lange nach einer solchen Steigung suchen. Diese Übung kam mir genau Recht. In zwei Wellen stiegen die 14% an. Ein erster, heftiger Anstieg, in dem ich in den kleinsten Gang runterschalten musste. Ungefähr im Fußgängertempo kroch ich den Anstieg hoch. Ein kurzes Stück ließ der Anstieg nach, dann wieder diese 14%, die mir alles abforderten. War schön, als ich oben angekommen war. Ich berauschte mich an dem Ausblick in die Köln-Bonner-Bucht. Ich schaute auf das harmonische Gefüge aus Vierungsturm, Kirche, Gaststätte und einigen Fachwerkhäusern, das ich passiert hatte. Auch die linke Rheinseite hat ihre schönen Ecken.


Kommentare:

  1. Lieber Dieter, so was Blödes! Blasenentzündung! Furchtbar fürs Kind, nervig für die Eltern! Was die Narzissen anbelangt: Schwester, Bruder & Schwägerin waren am letzten Wochenende dort und ganz begeistert. Ihr hättet es wohl noch nachholen können, denn die Kleine ist doch wieder gesund?
    Viel Erfolg beim Radtraining!
    LG
    Astrid

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  2. Ja mein Leber, wenn die Kinder kranke werden, ist das am Wochenende, das war immer so und ich glaube das bleibt auch so. Hoffe es geht ihr wieder gut.
    Eine Fahrt zu den Narzissenwiesen lohnt sich , einfach herlich, wir waren auch schon da und die belgischen Fritten ...lecker.
    Ich gehöre zu den Menschen, die gerne einen Gottesdienst besuchen, nicht nur an hohen Feiertagen.

    Die kath. Kirche hat ihre eigenen Vorstellungen, dafür gibts Beispiele in Hülle und Fülle. Gute das die Erzieherin ihren Job wieder hat.

    Von der Trinkwasserverschmutzung habe ich im Fernseh gehört. Nur gut das die Pumpe so schnell repariert werden konnte.

    Deine Radtouren beeindrucken mich immer wieder.

    Liebe Grüße
    Angelika

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  3. besser als jede zeitung, dein monatsrückblick! :-D
    aber ich hoffe der kleinen geht es wieder richtig gut???
    LG und ein sonniges WE

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  4. Gute Besserung für die Kleine!
    Kirche als Arbeitgeber sind wohl generell eine üble Katastrophe. Nicht nur diese Einmischungen ins Privatleben, snd auch die Bezahlung und Rechte der Angestellten. Kannst ja mal bei Youtube danach suchen.
    Trinkwasserverseuchung ist ja eine richtige Katastrophe, schließl heisst es nicht umsonst TRINK...
    wieczoramatische Grüße zum Wochenende
    Grüße zum Wochenende, Wieczora (◔‿◔) | Mein Fotoblog

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  5. Dieter, zunächst gute -und vor allen Dingen schnelle - Besserung
    für die Kleine. Es war wieder höchst interessant, deinen Monats-
    rückblick zu lesen. Schon erstaunlich, was sich so alles ansammelt.
    Einen schönen Restabend wünscht dir
    Irmi

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  6. Ich hoffe, eurer Kleinen geht es inzwischen wieder besser und ihr könnt jetzt statt Narzissen einfach andere Dinge wieder gemeinsam bestaunen.
    Solch eine Trinkwasserverseuchung ist echt schlimm. Kann man nur hoffen, dass bald wieder alles im Lot sein wird.

    Liebe Grüße und einen schönen schönen Sonntag
    Christa

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