Mittwoch, 29. Mai 2013

mit dem Rennrad nach Eitorf


Das Motto dieser Radtour begegnete mir in Eudenbach. „Du bestimmst, wann Sommer ist“ strahlte mich die Becks-Reklame an einer Bushaltestelle an. Der Anstieg endete vorläufig in Eudenbach. Ich hechelte. Einstweilen musste ich mich mit dem Werbeplakat begnügen. Gerne hätte ich etwas gekühltes, erfrischendes getrunken, um meinen Durst zu löschen. Doch ich wollte bis zur Pause in Eitorf warten.

Wenn der Wetterbericht stimmte, hatte ich den einzigen Tag in dieser Woche mit brauchbarem Wetter erwischt. Bis zum Wochenende war wieder Regen angesagt, Dauerregen sogar, der in Süddeutschland sintflutartig ausfallen sollte. Über den ganzen Mai hinweg hatte das regnerische Wetter meine Rennradaktivitäten sichtlich gehemmt.

Nun hatten sich Schönwetterwolken über den Rhein und das Siebengebirge in Stellung gebracht, die Sonne lachte vom Himmel, erstmals seit Wochen waren die Temperaturen über die 20 Grad-Marke geklettert. Über Kurven und Steigungen hatte ich mich das Siebengebirge hoch gekämpft. Ende Mai tauchte ich die in die bewaldete Überfülle von Grün ein.  Heisterbacherrott, Thomasberg, Oberpleis; hinter dem Flußlauf der Pleis hatte ich mich die Steigung hoch geschraubt, auf dessen Höhe mich dieses Werbeplakat „Du bestimmst, wann Sommer ist“ erfreute. Es passte genau auf dieses sonnenüberflutete Wetter, das ich an diesem Tag genoss.


Eudenbach war ein lebendiges Beispiel für die Erfahrungen diverser Bauherren: keine gebrauchte Immobilie kaufen, sondern neu bauen. In Hanglage stand ein neu gebautes Haus neben dem nächsten, während längs der Landstraße reihenweise gebrauchte Immobilien zum Kauf angeboten wurden. Vor der Kirche konnte gleich ein ganzes Grundstück gekauft werden. Über dem Portal der neuromanischen Kirche las ich auf Lateinisch: „Venite adoremus et procidamus et ploremus ante dominum“. Mit meinen verblassten Schulkenntnissen in Latein fügte ich zusammen, dass der Herr angebetet wurde.

Eudenbach gehörte zu Königswinter, das sich bis in die tiefsten Winkel des Siebengebirges erstreckte. Nahtlos glitt die Mittelgebirgslandschaft in den Westerwald nach Rheinland-Pfalz über. Landschaftlich veränderte sich auf dem Höhenzug nicht viel, außer dass mir dieser Abschnitt in Rheinland-Pfalz etwas einsamer vorkam. In den beiden Dörfern hinter Buchholz gruppierten sich wenige Häuser um die Hauptstraße. Der Blick schwenkte in die Ferne. Höhen und Täler wechselten ab. Geradeaus konnte ich den geraden Strich der Bundesstraße 8 erkennen, wo sich der Autoverkehr vorwärts schob, ferngesteuert wie von einer Geisterhand gelenkt. In die knackig grünen Wiesen und Weiden mischten sich braun-weiße und schwarz-weiße Farbkleckse hinein. Hier gab es sie noch, die Kühe, die auf unseren Feldern längst vollständig verschwunden waren. Der Gegenwind blies über die freie Fläche. Zeitweise erbarmte er sich und flaute ab.


Am Wegesrand fiel mir die kleine Kapelle mit einem verschieferten Turm auf. Schüchtern zeigte ein grauer Stein zwischen dem blendend weißen Anstrich ihr wahres Alter: 1857. Langeweile konnte in dieser Abgeschiedenheit nicht aufkommen. Eine hölzerne Anzeigetafel kündigte neben der Kapelle wichtige Ereignisse in dieser Region an: ein Lichterfest auf der Freilichtbühne Mehren, ein Hahnenfest in Buchholz oder ein karnevalistisches Fußballfest in Kölsch-Büllesbach – Karneval am vorletzten Maitag.

Mit einer atemberaubenden Abfahrt kehrte ich nach NRW zurück. Hinter der Kreuzung mit der B8 ging es acht schöne lange Kilometer den Berg hinunter. In Kurven, Kehren, Biegungen, Wendungen steuerte die Strasse in das Tal der Sieg. Gemütlich und fröhlich konnte ich mein Rennrad rollen lassen. Wie im letzten Jahr, ärgerte ich mich über Motorradfahrer. Sie ließen die Sau raus, ignorierten Geschwindigkeitsbegrenzungen, legten sich so scharf in die Kurven, dass einem angst und bange werden konnte.

Eitorf, diese Stadt mit dem blassen, identitätslosen, einfallslosen, langweiligen Zentrum, gehört zum Standard-Repertoire meiner Radtouren, weil die Strecke – mit Ausnahme von Eitorf – berauschend schön ist und weil der Streckenverlauf genau zu meinem Leistungsvermögen passt. Eitorf klingt wenig sinnhaft wie dieser metallene Kasten mit dem Glasdach darüber. Bei näherem Hinsehen habe ich festgestellt, dass E-Bike-Besitzer dort ihr Fahrrad aufladen können. Na also. Diese komische Ansammlung aus Blech und Glas machte also doch Sinn.


Eitorf habe ich den Rücken gekehrt, ich habe Kurs auf das Siegtal genommen, den Sinn war ohnehin geklärt. Dann Pause am Schnellimbiss. „Du bestimmst, wann Sommer ist“ reflektierte ich den Werbeslogan, der zu dem strahlend blauen Himmel passte. Der Werbung blieb ich nicht treu, denn ich trank Bitburger anstelle Becks. Und ich trank kein Biermischgetränk, sondern reines Bier, das den Durst löschte, meine ausgetrocknete Kehle zu neuem Leben erweckte und neue Kraftreserven aufbaute.

Die 35 restlichen Kilometer nach Hause schaffte ich in einem Stück, wobei keine spektakulären Steigungen dabei waren. Immer der Hauptstraße entlang, ab Hennef über den Siegtalradweg, die letzten Kilometer durch die Felder. Am Ziel angekommen, war ich 70 Kilometer geradelt und hatte vier Stunden dafür gebraucht.


Kommentare:

  1. Da hast du den bislang wirklich einzigen Sonnentag optimal genutzt. Danke für die tolle
    Reisebeschreibung und die Fotos.
    Einen stressfreien Tag wünscht dir
    Irmi

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  2. Schöne Eindrücke von einem sonnigen Tag! Und die 4h waren ja sicher nicht reine Fahrzeit, wenn man die Zeit bedenkt, die man braucht um ein paar Schnappschüsse zu machen. Bist ja ganz schön fit :)

    Liebe Grüße,
    N.

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  3. Toller Ausflug, schöner bericht!
    LG
    Astrid

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  4. Da hattest Du den richtigen Tag für Deine Radtour ausgesucht Dieter.
    Trocken und Sonnenschein. Schöne Eindrücke hast Du mitgebracht.

    Liebe Grüße
    Angelika

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  5. Oh man ich würde nach diesen kilometern vom Rad kippen -lach-
    Tolle bilder, ein toller Bericht!
    Ich glaube ein bisschen Sommer war da auf alle Fälle dabei :-)

    Lieben Gruß aus den Bergen, Michaela

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  6. Wir haben auch diesen einen, einzigen Tag gestern genutzt, in der Eifel. Das mit dem Bestimmen klappt leider nicht. Ich habe bestimmt, dass heute auch noch Sommer ist, aber leider regnet es einfach immer weiter ;-) und ich gehe wieder langärmelig. Also zehren wir von gestern ...
    LG, 'Franka'

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  7. Nice village, it's a beautiful blend of peace, calm and beauty. LieBe GrüBe.

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  8. Danke dass du uns mal wieder mitgenommen hast. Eine tolle Radtour die du gemacht hast, und Gott sei Dank hatte Petrus einen guten Tag. Absolut witzig finde ich es mit dem Plakat, da hast du einen tollen Anfang gefunden und es passt wie die Faust aufs Auge.

    Liebe Grüssle
    Nova

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  9. Hallo Dieter,

    einen schönen Fahrtbericht hast Du uns vorbeigebracht- so ans Haus gebunden, konnte ich mich wenigstens gedanklich auf Tour begeben.
    Hier klart es gerade auf- es wird doch wohl nicht etwa ein sonniger Tag?

    Beste Grüße, Jo

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  10. Ein ganz spannender Fahrtbericht! Ich finde es einfach interessant, was dir am Wegrand so alles auffällt (was den vorbeirasenden Motorradfahrern verborgen bleibt!). Motorradfahrer sind hier auch ein Problem. Die Bergwacht und der Malteser Hilfsdienst hier im Ort können ein Lied davon singen. Seit die alte Rennstrecke am Schauinsland von Freiburg aus sonntags für Motorradfahrer gesperrt ist, brettern alle natürlich von der anderen Seite dort hoch. Apropos Schauinsland: auf der historischen Rennstrecke gibt es immerhin noch offizielle Radrennen! Das wäre was für dich! :-)
    Und vor allem: ich bewundere deine Kondition! Bravo!
    LG Calendula

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  11. Ohja, "Du bestimmst wann Sommer ist..." Ich bin ja ein wenig auf Deine Radelberiche neidisch, weil dieses Jahr hab ich erst ein Mal hingekriegt, mich aufs Fahrrad zu schwingen. Das Wetter ist mir zu schlecht, also ich bestimme nicht so ganz, wann Sommer ist. Aber bei Euch im Rheinland ist es ja sowieso immer ein wenig besser.
    Und die Strecken, die Du zurücklegst, beeindrucken mich immer.

    Liebe Grüße

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  12. ich habe deinen Bericht von der Radtour auch wieder sehr gerne gelesen.
    Das Foto mit dem Rad in der Bushaltestelle mit der Reklame finde ich ganz toll :-)

    lieber Gruß von Heidi-Trollspecht

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  13. Hallo (◠‿◠)
    Danke, dass du uns teilhaben lässt. Die Impressionen sind klasse und der Fahrtbericht schönen! Toll hast Du Sonnentag genutzt, indem Du die Radtour nach Eitorf gemacht hast und wachsam am Wegesrand warst.
    Danke für deinen cmt.: Ja, mit den handwerklichen Fähigkeiten ist das so 1 Prob.! Wir alle sollten sie haben, gerade im Eigentum wichtig, aber mir und auch Freunden geht es in diesem Punkt leider ganz genauso wie dir.
    Gruß, Wieczora (◔‿◔) | my photoblog

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  14. Hallo Dieter
    Danke für diesen tollen Bericht. Schön war's auf der Radtour.... Leider gibt's bei uns momentan kein "Radtour-Wetter". Es regnet, regnet und regnet....
    Danke auch für Deinen lieben Kommentar auf meinem Blog.
    Ich wünsche Dir ein gemütliches Wochenende und grüsse Dich herzlichst Yvonne

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  15. Hihi, du trinkst Bier und fährst dann noch Rad ? Dieter *tzzzzz* ;-) Ne, Scherz natürlich :-)
    Eine schöne Strecke scheint es zu sein. Eitorf kenne ich nur vom Namen her. Ich war mal in einem Vorort von Eitorf, da war es sehr ländlich und ruhig.
    Danke, dass du uns mit auf die Reise genommen hast :-)

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  16. na ja eine perle ist eitorf wirklich nicht aber.....die umliegenden dörfchen sind sehr schön, idyllisch und heimelig

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