Mittwoch, 28. November 2012

Tatort Rheinland

Der Mord geschah zwischen zwei Kiosken, nicht unweit vom Abgeordnetenhaus. Jacques Berndorf, der Autor von „Requiem für einen Henker“ ließ Siggi Baumeister, den Journalisten, recherchieren. Siggi Baumeister spazierte den Rhein entlang, die Schiffsanlegestelle im Blickfeld, als er einen Menschenauflauf bemerkte. Er näherte sich dem Tatort: die Leiche war ein Penner, dessen Alkoholfahne gegen den Wind stank. Jacques Berndorf hatte den Tatort aus all seinen Eifel-Krimis schnell an den Rhein verlegt. Sprung auf die andere Rheinseite: Hinter den zerwühlenden Betonschneisen des Autobahnkreuzes Bonn-Ost klettern die Hänge das Siebengebirge hinauf. Zwischen den Höhen, stürzen die Klippen in den Dornheckensee hinab. Im Kriminalroman „Fehltritt im Siebengebirge“ von Georg R. Kristan stürzte mit den Klippen ein Geschäftsführer in den Dornheckensee hinab, nachdem er sich in dem Beziehungsgeflecht von  Schnapsfabrik, Steuerhinterziehung und schönen Frauen verheddert hatte.

Tatort Rheinland – die Vielfalt der Kriminalromane hat sich im Rheinland wie sonst wo in der Republik aufgebläht. Besonders viele Morde geschehen in Köln-Krimis oder Düsseldorf-Krimis. Das heißeste Pflaster in der Krimi-Literatur ist die Eifel – um nicht selbst in Lebensgefahr zu geraten, sollte man diese Gegend am besten meiden.

Als Rheinländer interessieren mich diejenigen Fälle, die nicht fiktiv auf der Ebene von Romanen, sondern real geschehen sind. In all diesen Fällen spielt die DNA-Analyse eine entscheidende Rolle.

So werden regelmäßig alte, nicht aufgeklärte Verbrechen dahingehend durchleuchtet, inwieweit die DNA-Analyse neue Erkenntnisse liefern kann. In dieses Raster fiel ein Mord an eine damals 46-jährige Journalistin, die 1992 tot in ihrer Wohnung in Bonn-Bad Godesberg aufgefunden wurde. Sie lebte alleine und wurde damals erschlagen und erdrosselt. 1992 wurde der Freundeskreis (rund 30 Personen) der 46-jährigen vernommen – ohne Ergebnis. Von demselben Freundeskreis von 30 Personen wurde nun – 19 Jahre später – eine Speichelprobe abgefordert. Das DNA-Profil war tatsächlich bei einem heute 37-jährigen identisch. Bei der Vernehmung wirkte der 37-jährige nervös und gestand schließlich ein Sexualverbrechen. Da er damals lediglich 18 Jahre alt war, wurde er zu 5 Jahren Haft verurteilt.

Ein weiterer, noch spektakulärerer Fall, wird derzeit vor dem Bonner Strafgericht verhandelt. Diesmal war es nicht die Kriminalpolizei, die den Anstoß gegeben hatte, sondern – ähnlich wie bei Jacques Berndorf – ein Journalist. Beim Bonner General-Anzeiger landete in der Anzeigen-Abteilung eine Anzeige des Amtsgerichtes. Trudel Ulmen werde für tot erklärt, wenn sich niemand melden würde. Per Zufall bekam der Chef-Redakteur diese Anzeige in die Hände. Er wurde stutzig, denn Vermisste bewegten ihn jedes Mal, so dass er in seiner Zeitung jeden einzelnen Fall mit Namen kannte. Und die seit 16 Jahren Vermisste Trudel Ulmen kannte er nicht. Er recherchierte auf eigene Faust. Er recherchierte in Mayen, ihrer Geburtsstadt, im familiären Umfeld, bei der Polizei. Damals, vor 16 Jahren, war die Suche nach der Vermissten nach einigen Tagen eingestellt worden, weil ihr Ehemann ausgesagt hatte, sie sei ihrem Liebhaber nach Portugal gefolgt. Mit Ausnahme des Bruders reagierte das gesamte Umfeld bei der Recherche abweisend mit dem Hinweis, dass der Fall längst erledigt sei. Das kam dem Chef-Redakteur suspekt vor. Daraufhin veröffentlichte er in der Tageszeitung einen Artikel mit der Überschrift „Vermisst, verschollen und beinahe vergessen.“ Darin begründete er, dass er es für unwahrscheinlich hielt, dass sie seit 16 Jahren in Portugal untergetaucht war. Parallel dazu stieß er auf einen Fall, dass kurz nach dem Verschwinden von Trudel Ulmen eine Frauenleiche bei Bad Honnef gefunden wurde. Ein Arbeitskollege hatte diese Leiche zwar als Trudel Ulmen identifiziert, die Polizei hatte die Spur aber nicht weiter verfolgt, da Gebiß und Kleidung nicht zu ihr passten. Inzwischen hatte sich die Kriminalpolizei in die neuen Recherchen eingeschaltet. Sie veranlasste DNA-Proben aus dem damaligen Umfeld der Vermissten. Dazu gehörte auch ihr Ehemann. An der nicht identifizierten Toten konnte seine DNA festgestellt werden. Er hat mittlerweile gestanden, seine Frau vor 16 Jahren mit einem Kissen erstickt zu haben, weil sie vor Wut getobt hatte. Das gerichtliche Strafverfahren läuft aber noch.

Für bundesweite Schlagzeilen hat der Fall Mirko in der Nähe von Krefeld gesorgt. Das war die Suche nach der Stecknadel im Heuhaufen. Dabei wurden 240.000 Mobilfunkdaten ausgewertet und 2.500 VW Passat wurden untersucht, die im Umkreis gemeldet waren. In Tag- und Nachtarbeit geriet das Team der Ermittler permanent an den Rand der Erschöpfung. Mit Erfolg: das Sexualverbrechen an dem 11-jährigen Mirko konnte nach vier Monaten aufgeklärt werden, nachdem DNA- und Faserspuren vom Tatort schließlich im VW Passat des Täters gefunden worden waren. Der Chefermittler Ingo Thiel hat zuletzt ein Buch über den Fall Mirco geschrieben, das ich mir hoch spannend vorstelle.

Tatort Rheinland – was wäre die Krimi-Landschaft ohne die ARD-Kommissare Klaus J. Behrendt und Dietmar Bär ? Die Tätersuche wird in anderthalb Fernsehstunden hinein gequetscht. Am Anfang steht eine blutüberströmte Leiche, es folgen schnell aufeinander folgende Sequenzen mit skurrilen Verdächtigen, Verhören, Prügeleien, Schießereien. Die Arbeit im Büro ist ungefähr so weit entfernt von der Praxis wie der 1. FC Köln von der Meisterschaft in der Ersten Fußball-Bundesliga. Detektivische Meisterleistungen wird man bei Behrendt & Bär vermissen. Es gibt aber exzellente Regisseure, die das Panorama des Rheins und die Niederungen von Köln gekonnt in Szene setzen. Der Rhein bleibt stehen mit seinen Brücken, die verweilen und die Containerschiffe passieren lassen. Der Dom ragt als monumentale Größe heraus und er wird nicht ausgeblendet, um seinen Glanz nicht verschwinden zu lassen. In den Niederungen, den Stadtteilen, sind die Tatort-Krimis authentisch: enge Straßen, niedrige Häuser, kölsche Eckkneipen, Geschäfte vom Trödler bis zur Galerie, starke Vermischung zwischen Deutschen und Ausländern, ein buntes Gemisch aus unterschiedlichen sozialen Schichten, mehrere Tatort-Krimis treffen genau dieses Milieu.

Tatort Rheinland - beim Überfliegen stelle ich fest, dass der Stoff für Verbrechen und Krimis wohl nie enden wird.

Kommentare:

  1. Ja lieber Dieter, die Realität ist oft vor der Türe.
    Hier im Wald hat man eine Leiche gefunden. Kaum zu glauben hier im unserem schönem Wald, ich bin entsetzt.

    Ja der Kölner Tatort ist schon sehr interessant, besonders wenn man die Ecken kennt.

    Einen schönen Tag und ♥ liche Grüße
    Angelika

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  2. Da bekomme ich wirklich Gänsehaut....
    Eine schöne Restwoche wünscht Dir Yvonne

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  3. Schrecklich!!!!!Schade das wir immer mit angst rumlaufen müssen.Hier passieren auch solch Morde jeden Tag,und mehr mit Ausländer
    lieben grs
    Christa

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