Mittwoch, 3. April 2013

Monatsrückblick März

Im Fernsehen
In der Sendung „Vorfahren gesucht“ im WDR-Fernsehen war am 21. März Hugo Egon Balder (moderierte u.a. „Genial daneben“) an der Reihe, die Spurensuche nach seinen Vorfahren aufzunehmen. Dies war für ihn ein schwerer Gang, da über die Vergangenheit in seiner Familie nie geredet wurde. Trotz des beharrlichen Schweigens wusste er, dass seine Mutter von 1942 bis 1945 im KZ Theresienstadt war und dort überlebt hatte. Ihr Mann wurde im KZ Auschwitz ermordet. Hugo Egon Balder ist Sohn aus zweiter Ehe seiner Mutter. Er fuhr nach Terezin (damals Theresienstadt) in Tschechien, um nach der Vergangenheit seiner Mutter im Konzentrationslager zu forschen. In Theresienstadt, ursprünglich als Festungsstadt gebaut, waren zwischen den Mauern der Festung bis zu 50.000 Juden untergebracht. Es wurde spekuliert, dass sie überlebte, weil sie Erzieherin war. Erzieherinnen wurden grundsätzlich in Konzentrationslagern gebraucht, da Kinder im KZ von ihren Eltern getrennt wurden. Hugo Egon Balder wurde in ein Zimmer geführt, in dem die Bedingungen rekonstruiert waren, unter denen die KZ-Häftlinge leben mussten: dicht an dicht standen dreistöckige Betten, in Spinden konnte nur die notdürftigste Bekleidungen hinein gehängt werden. Die Häftlinge lebten auf ihren Koffern, die lose zwischen den Betten verstreut waren. Man entzog den Häftlingen ihre Persönlichkeit, da Räume dafür nicht vorgesehen waren. Der Blick in dieses Zimmer hatte Hugo Egon Balder wie ein Schlag getroffen. So etwas erahnend, hatte er es bewusst vermieden, in der Vergangenheit seiner Eltern zu erforschen.

Krankenkasse
Dass unser Sozialstaat und insbesondere das Gesundheitssystem nicht unbegrenzt Ausgaben leisten können, habe ich mich längst daran gewöhnt, dass nicht immer alles vollständig erstattet wird (bin Privatpatient). Praxisgebühr, Zuzahlungen, teure Behandlungen wie Zahnersatz – ich bin mir dessen bewusst, das es Kürzungsmechanismen geben muss, damit die Krankenkassen nicht kollabieren. Zuletzt haben wir allerdings zwei böse Überraschungen erlebt, die außerhalb der Berechenbarkeit dieser Kürzungsmechanismen lagen. Erste Überraschung: unser großes Mädchen hatte einen Zahnarzt aufgesucht, der sie zu einer Kieferfehlstellung beraten hatte. Er hatte ihren Kiefer untersucht, einen Abdruck gemacht usw. Von der Rechnung von 323 € haben wir keinen Cent erstattet bekommen mit der Begründung, dass es sich um kieferorthopädische Leistungen handelt. Dass kieferorthopädische Leistungen nur in geringem Umfang erstattet werden, war uns bewusst, nicht jedoch, dass nichts erstattet wird, um den Befund oder das Krankheitsbild der Kieferfehlstellung zu identifizieren. Zweite Überraschung: bei einer Krankengymnastik mussten wir die Differenz zu 27 € pro Stunde zuzahlen, da die abgerechnete Stunde auf 19,80 € begrenzt ist. Zum Vergleich wissen wir, dass bei einer Ergotherapie 34 € pro Stunde erstattet werden, bei psychomotorischem Turnen ist es dieselbe Größenordnung. Solche Verwerfungen kann und will ich nicht verstehen. Wenn ich Zeit und Muße habe, werde ich all meinen Ärger, dass Erstattungen und Zuzahlungen meiner Krankenkasse nicht zusammenpassen, in einer Petition an unseren Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr zusammenfassen. All diese Konstrukte, wo man zuzahlen muss und wo nicht, lässt sich mit logischem Denken nicht durchdringen.

Falschparker behindert Feuerwehr
Als die Feuerwehr zu einem Einsatz in der Siegburger Innenstadt fahren wollte (Brand eines Einfamilienhauses), behinderte ein Falschparker das Feuerwehrfahrzeug. Dieses musste rückwärts wieder aus der Straße herausfahren, um auf einem anderen Weg zum Einsatzort zu gelangen. Acht Minuten kostete das Fahrmanöver rückwärts und der Fahrweg über eine andere Straße. Ein 26-jähriger starb in den Flammen. Ein Zusammenhang zu der Verzögerung durch den Falschparker konnte aber nicht hergestellt werden: wäre die Feuerwehr acht Minuten früher am Einsatzort gewesen, wäre der 26-jährige ebenso verbrannt und/oder erstickt gewesen, da das Feuer in seinem Bett entzündet worden war. Aufgrund dieses Vorfalls wird nun eine Debatte über die Höhe des Verwarnungsgeldes geführt. 40 € beträgt das Verwarnungsgeld, wenn der Verkehr durch Falschparker behindert wird, 50 € bei Behinderung einer Feuerwehr. Dies für Sachverhalte, die überhaupt nicht miteinander vergleichbar sind.

SVERWEIS, WVERWEIS und ISTNV
Das Tabellenkalkulationsprogramm Excel verwende ich an meinem Arbeitsplatz tagtäglich. Dementsprechend glaube ich mehr oder weniger versiert damit umgehen zu können. In der Weiterbildungsmaßnahme des Arbeitsamtes, an dem meine Göttergattin teilnimmt, ist nunmehr Excel an der Reihe. Ich hatte vermutet, dass ich meiner Göttergattin mein umfangreiches Wissen vermitteln könnte. Doch es sollte umgekehrt kommen. Addieren, subtrahieren, multiplizieren und dividieren waren in der Weiterbildung eine einfache Aufwärmübung. Rasch folgten komplexe Formeln, die mich schnell überforderten. Beziehungsweise: schwierige Menüs, die ich an meinem Arbeitsplatz gebrauche (z.B. Gruppierungen, Gliederungen, Datenbanken, Pivot-Tabellen, … ) kamen in der Weiterbildungsmaßnahme nicht vor, anstatt dessen schwierigere, komplexe, sehr lange und teilweise bandwurmähnliche Formeln (wofür wir in unserem Team einen Spezialisten haben). Rasch wollte meine Göttergattin zu SVERWEIS, WVERWEIS und ISTNV weitergeholfen werden. Dabei ging es um die Rücklieferung von Ergebniswerten zu festgelegten Suchkriterien. Ja, ich wusste, dass es diese Formeln gibt. Lange hätte ich suchen müssen in der Hilfefunktion, was wie eingegeben werden muss, um welches Ergebnis zu bekommen. Meine Göttergattin war beinahe so schnell wie der Spezialist in unserem Team. Ich hatte da ungefähr Null Ahnung und konnte keinen produktiven Beitrag leisten.

Besuch aus China
Ungefähr zehn Tage lang hatten wir selten weit entfernten Besuch, nämlich aus China. Unser großes Mädchen hatte eine chinesische Kommilitonin aus der Universität Freiburg mit nach Hause gebracht. Zehn Tage lang hat sie ihr Köln, Bonn und den Rhein gezeigt. Sie hat uns über das chinesische Essen aufgeklärt. Wenn man mit Stäbchen isst, dürfen diese nicht aus Kunststoff sein, sondern sie müssen aus Bambus sein. Auf unseren Stäbchen aus Kunststoff stand das Wort „Hochzeit“ – was ein Widerspruch in sich war. Chop Soey, was wir gerne in chinesischen Restaurants essen, kommt gar nicht aus China. Süß-sauer essen die Chinesen überhaupt nicht, sondern süß-sauer essen die Thailänder. Damit wir das richtige chinesische Essen kennen lernen, hat die Chinesin selbst gekocht. Vegetarisch, mit Paprika, mit Maultaschen, deren Füllung mit chinesischen Gewürzen nichts mit schwäbischen Maultaschen zu tun hatte. Es war eine kulturelle Bereicherung, ihren Besuch bei uns haben zu dürfen.

Bei minus vier Grad morgens mit dem Fahrrad ins Büro
Das Wetter, über das momentan alle reden, treibt auch mich zur Verzweiflung. Ende März, das erste Morgenlicht dämmert um halb 6, gegen 7 Uhr scheint die Sonne schräg vom Himmel herab. Aber minus vier Grad. Der Winter hält sich dermaßen hartnäckig, wie ich es noch nie erlebt habe. Öffentliche Verkehrsmittel habe ich definitiv satt. Also 18 Kilometer mit dem Fahrrad ins Büro, trotz der Gefrierschrank-ähnlichen Temperaturen. Die ersten Kilometer gehen durch die Felder. Bis ich das Stadtgebiet erreiche, ist die Fahrradfahrt die Hölle. Der schneidend kalte Ostwind pustet mir direkt in mein Gesicht. Keine Mütze übergezogen, zieht sich mein Gesicht zusammen und erstarrt in der Kälte. Die Ohren frieren fest. Tränen sammeln sich in meinen Augen, weil der eiskalte Luftzug wie ein Hammer auf meine Augen einschlägt. Irgendwie rette ich mich über die Stadtgrenze, wo die Bebauung diesen schneidenden Wind dämpft und meine Körperteile, eingehüllt in Winterjacke und Wollschal und Fausthandschuhen, beginnen aufzutauen. Kurz vor meinem Büro erreiche ich ungefähr Normaltemperatur. Solch eine Fahrradfahrt ist ein Notbehelf. Immerhin: nachmittags kann ich auf dem Nachhauseweg einige Grade über Null die Sonne genießen. Das entschädigt mich für den eingefrorenen Morgen. Morgens und nachmittags betrachtet, ist die Fahrradfahrt allemal schöner als öffentliche Verkehrsmittel. 

Kommentare:

  1. Hallo Dieter
    Ich habe Vorfahren gesucht auch verfolgt.
    Fand das sehr bedrückend.

    Bei der Krankenkasse sich zu beschweren hilft nichts, ich habe auch festgestellt, das vieles nicht mehr übernommen wird. Einen Brief an den Minister zu schreiben, die Idee ist gut,

    Der Falschfahrer ist der Oberhammer. Das ist mit 40 € nicht getan, diese Menschen müssen härter bestraft werden.

    Was uns hier als chinesisch vorgesetzt wird, hat wenig damit zu tun, Je älter die Kids werden um so internationaler, ware mal wenn bei der kleinen der Schüleraustausch kommt.

    Zum Wetter fehlen mir die Worte, es ist einfach sche....

    Gute Nacht
    Angelika

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  2. Guten Morgen, Dieter!
    Die Krankenkassen haben ihre Grenzen... Für die Gesetzlichen ist die 10,-€ Praxisgebühr weggefallen, weil die Kassen sehr starke Gewinne erzielt haben, aber dafür wurde bei uns auch heftig in der Sozialmedizin gekürzt.
    Falschparker sollten ruckzuck abgeschleppt werden. Dieses Bsp zeigt näml mal, was passieren kann, auch wenn in diesem Fall, das Brandopfer nicht mehr zu retten gewesen wäre.
    Toll, dass ihr Besuch aus China hattet...
    Pass bloss auf, dass du dir bei der Kälte nix abfrierst. Mir ist ma richtig schlecht geworden, weil ich bei Kälte Rad gefahren bin, obwohl das keine weite Strecke war.
    Gruss, Wieczora (◔‿◔) | Mein Fotoblog

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  3. Vielen lieben Dank für den interessanten Rückblick.

    So muss es wirkich gruselig sein sich seiner Vergangenheit bzw. der seiner Mutter so stellen zu müssen. Kein leichter Schritt, den wohl niemand gerne macht.

    Mit den Zuzahlungen kommt es in D. genauso wie in vielen anderen Ländern schon. So sind durch die Krise auch hier weitere Einschränkungen gekommen, so dass Menschen sich ihre Medikamente schon gar nicht mehr leisten können. Das hat natürlich böse Folgen.

    Ich finde die kassenärztliche Vereinigung in D. hätte schon viel früher den Ärzten auf die Finger schauen müssen. So wurde doch viel unnutzes Zeugs verschrieben um einen guten Schnitt zu machen bzw. abrechnen zu können. Darunter müssen nun viele Menschen leiden, gerade die die es nötig hätten. Mit dem Brief finde ich eine gute Idee, so kannst du dir auch Luft machen, aber ich bezweifle das es was bringt.

    Bezüglich des Falschparkers finde ich diese Strafe viel zu milde. Weiß nicht ob die Feuerwehr ihn nicht sogar noch anzeigen könnte, oder die Hausbesitzer. Denn gerade in so einem Fall zählt jedes Sekunde. Kann sowas nicht nachvollziehen.

    ...und mit dem Mädel finde ich klasse. So kann man wirkich viel über ein Land, die Kultur und das Essen erfahren.

    Leider wird der Geschmack des Essen immer auf den Geschmack des Landes "abgestimmt". Findet sich in jeder Küche bzw. Richtung^^

    Nochmals vielen Dank und hab einen schönen Tag.

    Herzliche Grüssle
    Nova

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  4. Toller Monatsrückblick!
    Meine ersten Erfahrungen mit Tabellenkalkulation habe ich vor Urzeiten gemacht - damals waren das noch MS-DOS-basierte Programme. Aber von daher kenne ich dieses SVERWEIS, WVERWEIS und ISTNV noch. Hätte aber lange in meinem Gehirn graben müssen, um noch zu wissen, WIE das anzuwenden ist.
    Das leidige Thema Falschparker: nicht nur das Zuparken von Feuerwehreinfahrten, auch das zu unrecht Benutzen von Behindertenparkplätze sollte mehr kosten. Für Gehbehinderte ist jeder Meter weniger Wegstrecke essentiell und die Chance bei den breiteren Parkplätzen auch mal zum Ein- und Aussteigen die Autotür GANZ aufmachen zu können, ist notwendig.
    LG Calendula

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  5. ich nehme nur mal "stellung" zu Deinem letzten beitrag im post. Da kann ich mich nur hochachtend äußern, wer SO heroisch seinen tag beginnt.
    Anerkennende, liebe grüße
    Bine

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  6. Hallo Dieter,

    # Krankenkasse
    unser Gesundheitssystem, oder zumindest große Teile davon, kann man schon lange nicht mehr mit Logik erklären, außer das viele dran verdienen wollen auf Kosten der Patienten. Eine Petition an den Bundesgesundheitsminister zu senden ist zwar eine gute Idee von Dir, aber was erwartest Du davon? Selbst wenn Du eine Antwort vom Bundesgesundheitsministerium erhalten solltest, was glaubst Du, wie ehrlich diese Antwort im Wahljahr sein wird?

    # Falschparker
    ein Ärgernis, das immer wieder vorkommt. Meiner Meinung nach sollten die Strafen für solche Behinderungen drastisch erhöht werden.

    # Besuch aus China
    Glückwunsch zu der kulturellen Bereicherung.

    Gruß Nachtfalke

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  7. Lieber dieter,
    danke für den interessanten Rückblick.
    Tief beeindruckt hat mich deine sportliche Leistung.
    Hut ab.
    Liebe Grüße
    Irmi

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  8. Wahnsinn, 18 Km bei den Temperaturen. *Brrr*, alleine schon bei dem Gedanken. Ich hab aber auch einen Kollegen, der radelt täglich 15 km hin und 15 zurück, bei jedem Wetter. Respekt!

    Eine chinesische Austauschstudentin ist spannend und interessant. Ich war schon mal in China und gerade das Essen hat mich sehr überrascht. Im Süden war es ähnlich wie bei uns, nur schärfer. In der "Mitte" eher sehr exotisch, viele Zutaten und Gewürze kannte ich gar nicht. Und im Norden so gar nicht chinesisch, die verschiedenen Variationen von Teigtaschen hab ich vergöttert.

    Und bei Falschparkern würde ich mir oft die Abschlepp-Möglichkeit wünschen.

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  9. junge, junge....da ist einiges an mir "vorbeigegangen", danke für den rückblick!!
    LG

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  10. Sehr interessant liest sich der Beitrag über die Doku über die Familie von Herrn Balder. Das hätte ich auch gerne gesehen, aber leider verpasst.

    Erstattungen der Krankenkasse ... als Außenstehender ist das System manchmal nicht zu durchblicken. Bei den Kosten für die Krankengymnastik gehe ich davon aus, dass die Kosten hierfür auch über die GÖA (Gebührenordnung für Ärzte) geregelt sind, an die der behandelnde Arzt sich bei normalen ärztlichen Behandlungen ja auch nur bedingt halten muss. Da gibt es den einfach, den mittleren und den 3,5fachen Satz. Die Krankenkasse erstattet grundsätzlich den einfachen Satz, wenn der Arzt jedoch bis zum 3,5fachen Satz abrechnet, was er darf, dann trägt man die Differenz selber. Vielleicht ist das bei der Krankengymnastik auch so *grübel*

    Falschparker sollten in dem von dir oben beschriebenen Fall definitiv mehr als 50,00 EUR blechen müssen und zur Rechenschaft gezogen werden müssen. Die Feuerwehr so zu behindern ist einfach je nach Situation lebensgefährlich und sollte entsprechend geahndet werden *kopfschüttel*

    Excel ... ich bin kein Profi, aber für den Dienst und einfache Verformelungen reicht es ;-)

    Das Chop Soey nicht aus China kommt habe ich neulich in irgendeiner Kochsendung gelernt ... wusste ich vorher auch nicht. Das süß-sauer auch nicht chinesisch ist, das war mir noch unbekannt :-) Euer Menue klingt auf jeden Fall köstlich.

    Du hast bei den Temperaturen auf dem Fahrrad mein Beileid. Aber es soll ja nun bergauf gehen. Dafür wird es im April aber erst einmal nass. Ich weiß nicht, was dir lieber ist *ggg*

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