Samstag, 13. April 2013

Kindergeburtstag


Geschafft. Die Rasselbande war dabei, unser Haus zu verlassen. Das Gekreische von zehn Klassenkameradinnen unserer Kleinen war abgeflaut. Die abholenden Mütter gaben sich in unserem Hausflur die Klinke in die Hand.
„Wann habe ich Geburtstag ?“
„In fünf Wochen …
… direkt nach Deinem letzten Geburtstag hattest Du schon danach gefragt … „
„Ich wünsche mir ein Schwert der Jedi-Ritter“ sagte das Mädchen mit der etwas pummeligen Figur, das wohl auf Augenhöhe mit den Jungs in ihrer Klasse stand.
Gespräche und Abschiedsszenen auf unserem Hausflur wuchsen zu einer Zeremonie, die die Geburtstagsfeier unserer Kleinen schön lange ausklingen ließ.

Achter Geburtstag. Dieser Kindergeburtstag hatte mir gezeigt, dass ich nicht mehr der Jüngste war. Als sich Kinder und Mütter verabschiedeten, wusste ich nicht mehr, wo mir der Kopf stand. Die Vorbereitung war mir wie ein Marathonlauf vorgekommen, über mehrere Wochen hinweg. Dabei hatte nicht ich selbst, sondern meine Göttergattin den viel höheren Zeitaufwand hinein gesteckt. Nach den Verabschiedungen sackte ich in mich zusammen. Es war geschafft.

„Wie war der Geburtstag ?“
„Toll“
So gegenläufig, wie unsere Kleine über mehrere Woche gestrahlt hatte und in Erwartungsvorfreude gesteckt hatte, so gegenläufig hatten wir im Dauerstress gesteckt Ihre Freude hatte für alles entschädigt. Vergessen waren all die Tage, dass wir ihr gedroht hatten, der Geburtstag müsse ausfallen, weil sie ihr Zimmer nicht aufräumte. Vergessen waren all die Unmöglichkeiten, der Geburtstag wäre gar nicht organisierbar, weil meine Göttergattin wegen 400 €-Job plus Weiterbildungsmaßnahme Arbeitsamt keine Zeit hätte.

Zehn Kinder waren ihrer Einladung gefolgt. Begrüßung, Gratulationen, Geschenke auspacken, Kuchen essen, dann Topfschlagen – bei uns im Rheinland ist das eine durchgängige Tradition der Eröffnung bei Kjndergeburtstagen. Ein Kochtopf wird mit einem Eröffnungsgeschenk im Wohnzimmer versteckt. Mit verbundenen Augen und mit einem Kochlöffel in der Hand muss ein Kind den Kochtopf suchen. Mit Hinweisen „warm „ oder „kalt“ lotsen die anderen Kinder das suchende Kind, bis der Kochtopf mit dem Eröffnungsgeschenk gefunden wird.

Schon im Vorfeld hatten wir bis mitten in die Nacht Figuren aus Tonzeichenpapier ausgeschnitten. Beim Kindergeburtstag hatten wir Laugenbrezeln auf einem Geschenkband aufgehängt. Hoch aufgehängt, mussten die Kinde die Laugenbrezeln abbeißen. Als Belohung erhielten sie einen Frosch aus Tonpapier mit einer Wäscheklammer. Während des Kindergeburtstages wurden Eidechsen aus Tonpapier gebastelt. Im Rechteck ausgeschnitten, hatten wir vorab selbst einen Arbeitsabschnitt erledigt. Die Kinder faltete nun die Rechtecke zusammen, fügten Beine, Köpfe und Augen dazu und fertig waren die gebastelten Eidechsen.

Die dreieinhalb Stunden, die der Kindergeburtstag gedauert hatten, machten all den Stress und all die Dissonanzen bei der Vorbereitung vergessen.

Noch morgens hatten Grundtöne vorgeherrscht wie:
„Hier sieht es schrecklich aus … im Wohnzimmer und in der Küche ist noch nichts fertig …
… was macht der Flummi auf dem Sitzkissen ?
… welche Tätigkeit machst Du gerade ?
… wieso ist das Schränkchen im Wintergarten noch nicht sauber ?
… jetzt hast Du auf die Glasscheibe gegriffen
… die muss wieder sauber gemacht werden
… wer hat Sachen sauf das Tonpapier gelegt ?
… das Tonpapier ist jetzt total zerknittert
… die Klappboxen im Flur hättest Du längst ins Auto stellen können …“

Diesen Stress wollten wir uns eigentlich ersparen. Zum Beispiel Hänneschen-Theater wie im Vorjahr. Oder sonst wie außerhalb unseres Haus feiern. Kegeln, Kino oder Puppentheater – unsere Kleine ließ sich nicht beirren. Sie wollte in unserem Haus feiern. So wie wir in unserem ersten Jahr nach unserem Umzug gefeiert hatten.

Da mussten wir uns etwas einfallen lassen. Basteln und Kinderbespaßung – da bin ich komplett unfähig. Einfallslos, unkreativ, zwei linke Bastelhände – ohne meine Göttergattin wären wir alle vollständig aufgeschmissen gewesen.

Hat aber im Endeffekt funktioniert. Familienmanagerin – dieser Berufsbezeichnung bringt die Rolle meiner Göttergattin auf den Punkt. Die Doppel- und Dreifachbelastung über 400 €Job und Weiterbildungsmaßnahme Arbeitsamt hält an.

Die Erwartungen unserer Kleinen hatten wir in vollem Umfang erfüllt.
Giveaways nahmen die Kinder beim Abschied mit. Brause, ein Glas mit gefärbtem Salz, ein Frosch aus Tonpapier, ein Strohhalm mit einer Papierfigur, sie hatten ihren Spaß. Und so ungefähr freuen wir uns bereits auf den Geburtstag in einem Jahr.                                  

Kommentare:

  1. Hach...an das Topfschlagen kann ich mich auch noch zu gut erinnern^^, auch wenn ich nie viele Geburtstage gefeiert habe (so mit Mitschülern), denn meiner war immer in den Sommerferien und wir im Urlaub.

    Klasse das dieser Geburtstag wieder ein voller Erfolg war, und letztendlich habt ihr doch auch ein wundervolles Geschenk bekommen:

    Nein-ich will zu Hause feiern- da kann man doch nur sehen wie wohl eure Maus fühlt, und wie Stolz sie auf euch und die Ausführungen ist.

    Wunderschönes Wochenende und herzliche Grüssle
    Nova

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  2. Na das war doch ein toller Geburtstag mein lieber Dieter und 10 Kinder ist normal.
    Den meisten Stress haben die Mütter mit den Vorbereitungen.
    War doch ein gelungenes Fest und alles fröhliche und glückliche Kinder.

    Warte es ab bald ist nichts mehr mit Topfschlagen und Spiele, da ändern sich die Ansprüche.

    Schönes Wochenende
    Angelika

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  3. Bangemachen gilt nicht: Wenn es kein Topfschlagen mehr gibt, ist fast die Situation erreicht, wo die "lieben Kleinen" eher alleine feiern wollen und wir Eltern nur noch im Nebenzimmer geduldet werden. Versucht auf jeden Fall die positiven Erfahrungen dieser Feier zu konservieren und wenn nächstes Jahr die Panik wieder greift, aufrufen und durchlesen.

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  4. Dieter, du weißt es doch: An unseren Kindern merken wir, dass wir älter werden.
    Aber deine Göttergattin und Du habt den Geburtstag doch toll gemanagt. Alle
    Kinder sind zufrieden nach Hause gegangen, deine Kleine war happy - und was im
    nächsten Jahr ist, steht heute noch in den Sternen.
    Ein schönes Wochenende wünscht
    Irmi

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  5. Alles Liebe nachträglich für deine Kleine.Kindergeburtstag sind immer anstrengend und man weiß vorher nie wie sie verlaufen.Aber bei euch ist ja alles gut gelaufen,das ist schön.
    LG
    Nicole

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  6. Hahah! Very recognizable Dieter! We also have a son of 8 years old. :-)

    Greetings from the Netherlands,
    DzjieDzjee

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  7. Lieber Dieter, die schönste Anerkennung für mich als Lehrerin war immer, wenn die Eltern nach solch durchstandenen Geburtstgsfeiern gesagt haben: Wie machen sie das eigentlich mit mehr als doppelt so vielen Kindern, und das jeden Tag... Na, ja, nicht jeden Tag ist Kindergeburtstag ;-)
    Aber die meisten Kinder lieben diesen traditionellen Geburtstag zu Hause mit Schatzsuche, Topfschlagen usw., so meine Erfahrung. Und inzwischen weiß ich, dass sie auch im Erwachsenenalter noch jede einzelne Feier in Erinnerung haben. Weißt du noch, wie wir eine matschsuhle in den neu eingesäten Rasen gemacht haben... wie wir Seerosenblätter ausgesägt haben...wie wir die Tischdekoration aus lauter Weingummischlangen aufgegessen haben usw. Dafür macht man das & es ist es wert.
    Einen erholsamen Sonntag, hoffentlich irgendwo unterwegs im schönen Rheinland!
    Herzlichst
    Astrid

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  8. Oha, ich kann mir die Feier sehr gut ausmalen :-) Stress für die organisierenden Eltern pur. Davor und währenddessen auch noch. Hinterher ist man doch froh, dass alles vorbei ist, auch wenn man sich natürlich für das Geburtstagskind freut.

    Topfschlagen fand ich als Kind auch immer cool. Allerdings habe ich, wenn ich mich recht entsinne, nicht einmal Geburtstag mit Freunden feiern dürfen. Meine Eltern waren beide inkl. Samstag in Vollzeit berufstätig und froh, wenn sie am heiligen Sonntag ihre Ruhe hatten. Die Oma, die mich während der Woche tagsüber betreute, war für solch ein Aufregung nicht zu haben und so gehörte ich eher zu den eingeladenen Kindern, was allerdings auch eher selten war. Lädst du mich ein, lade ich dich ein hieß es schon früher und wenn man selbst nicht feiert ...

    Freut ihr euch schon aufs nächste Jahr ? *ggg*

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  9. The great power of children gives us life but also tiring, they are unstoppable and indefatigable but... their sweetness radiate our dear children makes us forget all we have to clean up after a birthday party XD
    Hugs, have a great day!

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