Donnerstag, 18. April 2013

Gutschein zum 50. Geburtstag

Gutschein (Endversion mit Textfeld)
Ich hatte mir es so einfach vorgestellt. Es sollte ein Gutschein für unsere beste Freundin werden. Zu ihrem 50. Geburtstag. Lokalhistorisch engagierte sie sich; sie bot Stadtführungen in ihrer Heimatstadt an. Daher hatten wir uns mit mehreren Freunden zusammengetan. Eine individuelle Führung – ohne andere Besucher – durch das unterirdische Köln wollten wir schenken.

Collagen in dem Bildbearbeitungsprogramm Picasa konnte meine Göttergattin mittlerweile im Schlaf zusammenstellen. Einige Male ordentlich im Internet gegoogelt – und im Handumdrehen war ein erster Entwurf des Gutscheins fertig. Genauso im Handumdrehen sollte es weiter gehen. Die Bilder auf dem Gutschein anders sortieren, Textfelder mit den Gratulanten einfügen, so sollte die Endversion des Gutscheins aussehen.

In Picasa legte ich los. Indem ich die Collage editierte, schob ich die Bilder hin und her. Dann Textfeld einfügen. Durch eine unsichtbare Hand erschien mittlerweile in Picasa alles in Englisch. „Picture borders“, „background options“, „draw shadows“, „Show capture“, ich wurstelte mich durch die englische Sprache. Ich probierte diese Menüs durch, ich fand aber kein Textfeld. Genauso erfolglos war ich, als meine Maus die gesamte obere Menüleiste durch forschte und in ihre Bestandteile zerlegte – wobei mich die englische Begriffswelt dauerhaft irriterte. Kein Textfeld ließ sich zum Leben erwecken. Ein letzter Aufschrei der Verzweiflung war, aus dem Textverarbeitungsprogramm Word ein Textfeld zu kopieren. Auch dieser Versuch misslang.

Was tun ?  Weil sich in Word unkompliziert Textfelder erzeugen lassen, kam meine Göttergattin auf die glorreiche Idee, all die Bilder nach Word zu kopieren. Als erstes den Hintergrund des Gutscheins, dann die Textfelder. Doch Bilder auf den Hintergrund des Gutscheins zu kopieren scheiterte, da die Bilder auf die Folgeseite rutschten und nicht auf den Gutschein. Es war zum Verrücktwerden. In dem Bildbearbeitungsprogramm Picasa konnte ich kein Textfeld erzeugen, während in dem Textverarbeitungsprogramm Word die Anordnung der Bilder spinnte.

Akte der Verzweiflung folgten. Ich durchsuchte all diese englisch-sprachigen Gebilde in Picasa wie bei einer Polizei-Razzia. Wild schob ich die Maus hin und her, klickte hier, klickte da. Ich berauschte mich an wunderbaren Variationen der Bildbearbeitung. Ein Textfeld ? Fehlanzeige. In Word beschwor ich Geister. Ich packte schwarze Magie aus. Ich redete auf das sich verschiebende Bild ein, das es bitte dort auf dem Gutschein landen sollte, wo es hin gehörte. Doch meine Zauberformeln taugten nichts. Halsstarrig weigerte sich Word, das zu tun, was ich wollte.

Gutschein (ohne Textfeld)

Ich fluchte vor mich hin:
„Ich krieg nen Affen …
… das kann doch nicht sein, dass das Programm so dumm ist …
… am liebsten würde ich das Laptop an die Wand schmeißen …“
Dem Wahnsinn nahe, hätte man  mich in diesem Moment glatt in ein Irrenhaus einliefern können.

Meine Göttergattin entgegnete:
„Stell Dich doch nicht so an. So wütend, wie Du da ran gehst, kann es nicht klappen.“

Darauf probierte meine Göttergattin es selber aus. Sie geriet in denselben Widersinn von Technik und Software. Die Feingestaltung des Gutscheins hatte sich zu einem Zeitfresser entwickelt, der fast zwei Stunden verschlungen hatte, ohne dass wir nennenswerte Fortschritte erzielt hatten. Fragezeichen standen meiner Göttergattin ins Gesicht geschrieben. Sie klickte hier, klickte da. Auch bei ihr wanderte hilflos und unsystematisch die Maus über den Bildschirm.

Ich war längst geistig weggetreten. Ich hatte resigniert vor diesem grauen Kasten der Software, der bockig war und mich nicht leiden konnte. Ich hatte zu träumen begonnen – von der nächsten Radtour, von einem leckeren Eis oder endlich einmal ausschlafen zu können.

Als ich wieder auf den Bildschirm schaute, sah ich, wie meine Göttergattin ein Texfeld nicht nach Picasa, sondern in den Gutschein in Word gezaubert hatte. Anschließend packte sie die Bilder an und schob diese bereitwillig in dieses Textfeld auf den Gutschein. Das war der Durchbruch. Meine Göttergattin hatte diesen Gordischen Knoten zerschlagen, der undurchdringlichen Welt der Rechnersoftware diejenige Form zu verliehen, die wir uns gewünscht hatten. Endlich erhielt unser Gutschein den letzten Feinschliff.

Ich traute kaum meinen Augen. Die Geburtstagsfeier konnte beginnen. Wir waren gespannt, ob und wie sich das Geburtstagskind über den Gutschein freuen würde.



Kommentare:

  1. ja genauso ist es. Frust, Freude, Überraschung -
    und wenn es dann klappt ist die Freude groß :-)))

    das Geburtstagskind wird sich über den Gutschein bestimmt sehr freuen. Eine schöne Idee.

    lieber Gruß von Heidi-Trollspecht

    AntwortenLöschen
  2. Lach...jaja die liebe verflixte Technik :)

    Aber ich bin mit sicher dass der Gutschein sehr gut ankommen wird und sicht eure Mühe und (un)Geduld gelohnt haben :)

    Schönen Abend noch
    Grüße
    Rebellin.

    AntwortenLöschen
  3. Den Frust mit der Technik hast du humorvoll beschrieben. Man glaubt, mittendrin zu sein und es live zu erleben. :-)
    Wie sagt man so schön???? "Ende gut, alles gut!"

    Das Burzeltagskind wird sich mit Sicherheit über den Gutschein sehr freuen. :-)

    Liebe Grüße
    Christa

    AntwortenLöschen
  4. ♡lichen Glückwunsch unbekannterweise. Ich denke, eure Freundin wird sich über den Gutschein freuen.
    Danke für deinen cmt.: Heidelbeeren sind toll und kalorienarmes Essen kann auch sehr lecker sein. Heute beginne ich über die Demo am So zu berichten. Da solltest du unbedingt bei mir reinschauen. Morgen haben wir schon wieder Tag der Bahnhofsmissionen. Dafür bin ich schon verabredet...
    Ich sende dir allerliebste Grüße zum Start ins Wochenende, Wieczora (◔‿◔) | Mein Fotoblog

    AntwortenLöschen
  5. Wieder erfrischend geschrieben könnte man wirklich meinen man wäre dabei ;-))) Ja, so manchmal kommt man wirklich ans fluchen, zumindest am Beginn. Mittlerweile beiße ich mich immer durch wenn ich diesbezüglich was erreichen will, allerdings arbeite ich auch mit mehreren Programmen, ergänzend, weil was das Eine nicht kann, kann das Andere erfülen. Learning by doing ist immer dasa Beste und hat letztendlich ja auch geklappt. Da wird sich eure Freundin sicherlich freuen^^

    Liebe Grüssle
    Nova

    AntwortenLöschen
  6. Hi Dieter, mit Ruhe und Gelassenheit hat Deine Frau es geschafft.
    Du hast das toll beschrieben, ich kann es mir bildlich vorstellen *g*
    So kann die Party steigen und der Gutschein ist ein interessantes Geschenk.

    Liebe Grüße
    Angelika

    AntwortenLöschen
  7. Ja, ja! Die Tücke der Technik! Diese Programme können inzwischen irrsinnig viel, aber man kann irrsinnig werden, bis man die Programmpunkte auch gefunden hat. Das erfordert gute Nerven!
    Sieht klasse aus, was dabei rausgekommen ist!

    Liebe Grüße
    Calendula

    AntwortenLöschen
  8. Mit der Technik ist es oftmals ein Kreuz.
    Ich freue mich immer klammheimlich, dass es
    nicht nur mir so ergeht. Gratulation an deine
    Göttergattin.
    Einen schönen Abend wünscht dir
    Irmi

    AntwortenLöschen