Samstag, 9. März 2013

erste Frühjahrstour mit dem Rennrad

Endlich. Sonne überflutete die Landschaft, blauer Himmel in satten Farbtönen, die ersten Vögel zwitscherten. Nach solchen Frühlingstagen hatten wir uns alle lange gesehnt.

Die Gunst der Stunde ausnutzen. Ich summte die Melodie von Xavier Naidoo „wir sind zur rechten Zeit am rechten Ort und alles ist arrangiert“ und „wir müssen geduldig sein, dann dauert das nicht mehr lang … „ Wärme und Sonne der Fußball-WM 2006 rief ich mir ins Gedächtnis zurück. Die richtige Fleck, das war heute das Siebengebirge. Die erste Rennrad-Tour in diesem Jahr. Der erste Test, wie es um meine Kondition stand. Ruhig und konzentriert nahm ich die ersten Steigungen. Die Sonne ergoß ihr nachmittägliches Licht über die unbeackerten Felder. Die Baumallee strebte geradlinig über den Fahrradweg hinweg.

„Wir müssen geduldig sein … „ hatte sich die Melodie in meinem Kopf festgesetzt. Ja, Geduld hatte ich gebraucht, bis der Winter endlich verschwunden war. Das Kloster Heisterbach näherte sich. Wuchtig stemmte sich der Klostereingang vor den Fahrradweg, der sich in einer schmalen Spur vorbei zwängte. Zwei Heiligenfiguren rahmten die massive Holztüre ein. Seitwärts öffnete sich der großzügige Park der Klosteranlage. Ein Stück weiter, schaute ich über die Basaltsteinmauer auf die Chorruine aus dem 13. Jahrhundert, das waren eine der ältesten Überresten von Klosteranlagen im Rheinland.


Die erste Frühjahrstour mit dem Rennrad. Welche Tour war optimal als Einstieg in das neue Jahr ? Ich hatte mir eine 60 km lange Strecke ausgesucht. Drei lange Anstiege durchs Siebengebirge waren zu bewältigen. Davon hatte es der letzte in sich, denn die Straße purzelte mit 12% Gefälle ins Tal hinab. Dieselben 12% waren anschließend als Steigung eine wahre Herausforderung.

Die erste Steigung dehnte sich fünf Kilometer in die Länge und waren durch fleißiges Treten zu schaffen. Die Sonne glitzerte zwischen den winterkahlen Bäumen hindurch. Auf dem separaten Radweg genoß ich die ungestörte Natur. Ins Tal hinab, passierte ich Schneeglöckchen als Zeugen des Winters. Wie im Gleichschritt, ließen sie Auf moosbewachsenen Wiesen ihre Blüten herunter hängen. „Hochspannung Lebensgefahr“ warnte mich die ICE-Strecke. Ich überquerte zwei Hauptverkehrsadern. Das breite Band der Autobahn A3 fraß sich in die Landschaft des Siebengebirges hinein. Lärmschutzwände unterstrichen die Unnatürlichkeit des Eingriffs in die Landschaft. Hauptsache, der Lärm war für die Anwohner erträglich. Im Tal umrundete ich die nächsten Klostermauern. In einer Mauernische studierte ich die Heiligenmalereien, bei denen deutliche Zeichen zweier Heiligenscheine hervor traten.

Der zweite lange Anstieg, dann kam die Herausforderung des Tages: als ich die 12% Gefälle mehr abbremste als hinunterstürzte, sah ich am gegenüberliegenden Berghang diesen Strich der Straße, der so steil hinaufführte, als ob man eine Leiter vor eine Mauer stellt. Im Tal plätscherte der Anstieg zunächst vor sich hin, bis die Straße mit einem Mal einen Knick nach oben zog, geradewegs auf der Ziel der neuromanischen Kirche mit dem grauen Steinmauerwerk zu. Nach dem Knick schaltete ich zurück auf den allerkleinsten Gang. Mehr als Schritttempo war nicht drin. Ich kam mir sogar so vor, dass ich immer langsamer würde. Wie eine Schnecke kroch ich vorwärts, in Einheiten von Millimetern, Grashalm für Grashalm am Straßenrand. Das einzige, was mich am Leben hielt, war eine andere Radfahrererin, die ihr Fahrrad schob. Ich war in der Einsamkeit des Fahrradfahrens angelangt, wo ich mit meinem Körper alleine war. Ich musste alles aus meinem Körper heraus holen, was in ihm steckte. Die erste Frühjahrstour: die Tour war ambitioniert, der Schwierigkeitsgrad dieser Steigung hatte es in sich. Als ich die neuromanische Kirche hinter mich gelassen hatte, war der Spuk vorbei.


Die Straße glitt in einen flachen, gemütlichen Teil über. Die Rennradtour konnte ich wieder genießen, den Blick von der Höhe ins Tal schweifen lassen. Ich dachte an eine alte Radfahrerweisheit, die sich in meinem Leben stets bewahrheitet hatte: wo es den Berg rauf geht, geht es auch den Berg wieder runter. Oder: im Leben sind es begrenzte Phasen, in denen man mit widrigen Umständen, Pech, Unglücken oder Schicksalsschlägen zu tun hat; dafür geht es in anderen Phasen wieder aufwärts.




Pause in Blankenberg. Alleine am Hotel Sonnenschein konnte man sich draußen hinsetzen und sich von der Sonne bescheinen lassen. Ich legte nach dem anstrengenden letzten Anstieg die Beine hoch, löschte mit einem Weizenbier den Durst. Ich genoß die Schönheit dieses kleinen Städtchens, das mit der Burgruine aus dem 12. Jahrhundert, all den Fachwerkhäusern und dem kleinen Marktplatz ungefähr einmalig im Rhein-Sieg-Kreis ist.

Auf dem Rückweg nach Hause hatte ich noch ein einmaliges Erlebnis: entlang des Siegtals fuhr ich dem Sonnenuntergang entgegen. Bei Troisdorf spiegelte sich die herab hängende Scheibe der Sonne in der Sieg. Baumgruppen waren bereits ins Halbdunkle abgetaucht. Schleierwolken verloren sich im Zickzack. Ein Hochspannungsmast dokumentierte die Ewigkeit des Augenblicks, so wie die Hochspannungsleitungen in ein fiktives schwarzes Loch hinein flossen. „Wir müssen geduldig sein … „ ich summte erneut die Melodie von Xavie Naidoo vor mich in. Ich versuchte, mir die Einzigartigkeit des Augenblicks einzuprägen.


Über den Feldern ging schließlich die Sonne unter. Ihr Versteckspiel beendet sie hinter einem zerfaserten Wolkenschleier. Eine letztes Glühen der Sonnenscheibe beendete diesen Tag.  

Kommentare:

  1. Nach der längeren Winterpause und dann sofort eine Strecke von 60 km....Hut ab mein Lieber.

    Eine schöne Tour hast du gemacht wie man an den Fotos sehen kann, und traumhaft scön ist natürlich das letzte Bild. Wirklich ein gelungender Abschluss von Mutter Natur.

    Wünsche dir für heute auch viel Sonnenschein und sende herzliche Grüsse

    Nova

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  2. Hej Dieter,
    für Dich der Beginn der Rennradsaison und für uns Leser/Innen aufs Neue wunderbare Streckenschilderungen. Für mich allerdings ist hier die Fortsetzung des Winters mit -5 Grad tagsüber und Schneefall. Jetzt unterscheiden sich die "Welten" kolossal!

    Gruß
    Beate

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  3. Hallo Dieter, da hast Du Dir eine schöne, aber auch lange Strecke ausgesucht um die Radsaison zu eröffnen. Das Siebengebierge eignet sich besonders gut dafür.
    Leider kommt der Winter zurück, obwohl ich Lust auf Frühling habe.

    Einen gemütlichen Sonntag und liebe Grüße
    Angelika

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  4. Beneidenswert- es gibt sie also, die Welt ohne Schnee. An alle nicht eingeschneiten: Hilfslieferungen von wäremnden Blogfotos, Geschichten aus dem Frühling und Sonnensichtungen werden gern angenommen....

    Winterliche Grüße, Jo

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  5. wow hast Du eine tolle Tour gemacht Dieter.Und so schön alles geknippst.Das letzte Foto ist mein liebstes-)))




    ★LIEBE GRÜSSE ★



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    Christa

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  6. Ich bin mit aufrichtiger Bewunderung dir und der Radtour gefolgt.
    Mit deiner Kondition scheint es zum Besten zu sein. Einige Orte
    kenne ich noch. Dort war ich vor langer Zeit, als ich noch zu Hause
    wohnte.
    Einen schönen Abend wünscht
    Irmi

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  7. Eine schöne Tour, auch wenn 60 km als Einstiegstour für mich wie eine Weltreise klingen *lach*
    Leider ist es mit dem schönen Frühlingswetter ja jetzt erst mal wieder vorbei. Warten wir ab, wann der Winter endlich aufgibt.

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  8. Hallo Dieter,
    was für ein schönes Wetter für deine Tour!
    Hier war es mal wieder das ganze Wochenende winterlich.
    Ich kann den Winter wirklich nicht mehr sehen!
    Viele Grüße
    Elke

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  9. Bei dem Wetter heute kann ich mir gar nicht vorstellen, dass es schon so schön war, dass Du eine Fahrradtour machen konntest. 60 Km sind für mich definitiv keine Einstiegstour, auch wenn ich beim guten Wetter sehr gerne aufs Fahrrad steige.
    Zur Klosterruine Heisterbach möchte ich unbedingt hin, sieht nach meinem Beuteshema aus. Schon ein Bookmark gesetzt, werde ich auch noch besuchen.

    Liebe Grüße und einen guten Start in die neue Woche!

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