Dienstag, 19. März 2013

das Rheinland - eine Standortbestimmung


Wer bin ich ? Ich blogge, also bin ich – dies ist eine meiner inneren Antriebe. Und die Identität, unter der ich blogge, ist das Rheinland. Also begebe ich auf die Spuren des Rheinlandes. Es gilt, den Begriff des Rheinlandes zu umreissen. Wo also liegt das Rheinland ?

Was beim ersten Hinsehen einfach klingt, wird beim zweiten Hinsehen verwickelt und kompliziert. Wie bei anderen Dingen, kann man das Rheinland aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchten. Und je nach Blickwinkel, schälen sich komplett andere geografische Gebilde heraus.

Nach meinem eigenen Verständnis habe ich das Rheinland als Nebeneinanderstellung der beiden Bindestrich-Bundesländer betrachtet: also Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz. In Nordrhein-Westfalen habe ich kein Problem mit dieser scharfen Trennlinie, die beispielhaft zwischen Mülheim an der Ruhr (Rheinland) und Gelsenkirchen (Westfalen) oder Wuppertal (Rheinland) und Hagen (Westfalen) verläuft. Oder auf der Ebene der Regierungsbezirke: Düsseldorf = Rheinland und Arnsberg = Westfalen. Komplizierter wird dies in Rheinland –Pfalz. Als dieses neue Bindestrich-Bundesland 1949 gegründet wurde, wurden neben den alten Verwaltungsbezirken Trier und Koblenz Teile von Hessen-Nassau dem Rheinland zugeordnet. Zählt Trier zum Rheinland ? Zählen Abschnitte der Saar (Saarburg … ) zum Rheinland ? Was ist mit dem Hunsrück ? Wie sieht es am anderen Ende des Westerwalds aus ? (Montabaur …)

Ich tue mich schwer damit. Alleine der moselfränkische Dialekt, der sich von Koblenz bis Trier breitmacht, hat nichts mehr mit dem Rheinland gemein. Und das rollende „R“, das ich aus Teilen des Westerwaldes kenne, hat erst recht nichts mit dem Rheinland zu tun. Wenn ich umgekehrt einen rheinischen Sprachraum definiere, klingt der Dialekt hinter der Aachener Grenze in Eupen in Belgien oder in Vaals in Niederländisch-Limburg eindeutig rheinisch. An der anderen Ecke, etwa in Oberhausen oder Essen, klingt die Sprache des Ruhrgebietes kaum noch rheinisch. Sprache oder Dialekt eignet sich also genauso wenig.

Andere Kriterien ? Es besteht kein Zweifel, dass der Rhein und das Rheinland eine jahrtausende alte Kulturlandschaft sind. Die Römer hatten mit ihrer Hochkultur und ihren technischen Errungenschaften – Straßenbau, Kanalisation, Bäder, sanitäre Anlagen oder eine Wasserversorgung aus den Bergen der Eifel – das Rheinland besiedelt, doch am Rhein schieden sich die Geister: am rechten Ufer des Rheins endete das Imperium der Römer, denn dort begann die Barbarei – das waren die germanischen Stämme. So lagen die Römerlager Koblenz, Bonn, Köln, Neuss und Xanten auf der linken Rheinseite längs des Rheins. Darüber hinaus war das Rheinland ein loses Gebilde, das sich über Straßenverbindungen nach Aachen und Maastricht oder nach Nijmegen zusammenfügte.

Die Wurzeln der geografischen Bezeichnung des Rheinlandes liegen rund 1.700 Jahre später – in Form des Rheinbundes in der napoleonischen Epoche. Nach seinem Desaster in Waterloo musste Frankreich 1815 den Rheinbund an Preußen zurückgeben. Die Preußen schufen zwei Verwaltungsbezirke aus dem wieder einverleibten Rheinbund – ein Bezirk war Köln zugeordnet, der andere Koblenz. Ab 1830 sprachen die Preußen von diesem Gebiet als „Rheinland“, welches im Bereich des Bezirks Koblenz nicht nur bis Trier und in den Hunsrück, ja, sogar bis ins Saarland nach Saarbrücken reichte.  

Zählt Saarbrücken zum Rheinland ? Ich bewege mich lieber in eine andere Richtung, zur Dichtung, Poesie und Kunst. Taugt die Anziehungskraft für Künstler eher, die Standorte des Rheinlandes festzulegen ? Der Rhein hatte Scharen von Dichtern und Denkern angezogen: Karl Simrock, Ernst Moritz Arndt, Gottfried Kinkel, Ferdinand Freiligrath, Friedrich Schlegel oder Heinrich Heine, ja, sogar Goethe. Sie nannten sich Rheinromantiker und beispielhaft sei hier Clemens Brentano zitiert:
Das ist der heil’ge Rhein
Ein Herrscher, reich begabt,
Deß’ Name schon, wie Wein,
Die treue Seele labt,
Es regen sich in allen Herzen
Viel vaterländ’sche Lust und Schmerzen,
Wenn man das deutsche Lied beginnt
Vom Rhein, dem hohen Felsenkind.
Wir wollen ihm auf’s neue schwören;
Wir müssen ihm, er uns gehören.
Vom Felsen kommt er frei und hehr;
Er fließe frei in Gottes Meer !

Copyright Sammlung Rheinromantik
Klingt doch schön, wie sich Brentano vom Rhein inspirieren ließ ? So vernetzt, wie diese Rheinromantiker unterwegs waren, durchs Ahrtal, quer durch die Eifel oder quer durch den Niederrhein, entspricht dieses poetische Verständnis durchaus dem, worüber ich gerne als „rheinland-blogger“ schreibe. Ich finde allerdings keine Belege dafür, ob diese Rheinromantiker an den rheinischen Orten unterwegs waren, worüber ich etwas gepostet habe – wie etwa Monschau, Kamp-Lintfort oder Wassenberg.

Egal. Mein Selbstverständnis, wo mein Rheinland liegt, kommt von innen heraus. Trier oder Saarbrücken zähle ich nicht zum Rheinland. Weite Teile der Eifel sehr wohl. In der Richtung des Westerwaldes bin ich mir unsicher: ja, Altenkirchen, soweit habe ich es mit dem Rennrad geschafft; Linz am Rhein liegt nicht weit weg von Altenkirchen. Ich weiß definitiv nicht, wo ich im Westerwald die Grenze ziehen soll. Im Westen sind die Grenzen zu den Niederlanden und zu Belgien eindeutig (so dass Aachen genauso eindeutig zum Rheinland zählt). Genauso wie der rheinische Teil im Bindestrich-Land Nordrhein-Westfalen mit der Trennlinie nach Westfalen.

Das ist ein Stück Standortbestimmung. Zur eigenen Identität und zum Bloggen.

Kommentare:

  1. Wenn mir das Rheinland nicht unbekannt ist - ich bin im Sauerland geboren - so habe ich Deinen
    Post mit großem Interesse gelesen und noch Einiges gelernt. Danke dafür.
    Liebe Grüße
    Irmi

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  2. Oh je...da haste dir ja richtige Gedanken darüber gemacht, und auch mich ins Grübeln gebracht. Wo fängt es an, wo hört es auf. Ich glaube das kann man gar nicht genau definieren, so streiten sich bestimmt Gemüter ;-)

    War aber mal wieder richtig interessant und danke für dein erklärtes Selbstverständnis.

    liebe Grüssle

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  3. Danke für deine Info Dieter.Ich kenne mich da überhaupt nicht aus.Bin im Ruhrpott geboren und aufgewachsen und seid 10 Jahren leben ich in Norddeutschland.
    LG
    Nicole

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  4. Ah, en ik woon in het Nederlandse Rijnland :-) Tien minuten van de Rijn. Dank je wel voor deze interessante blog met mooie poem! Fijne dag vandaag!

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  5. Hui mein lieber Dieter, interessante Eindrücke und ein wahrer Geschichtsbeitrag.
    Das Rheinland zu definieren nicht ganz einfach. Es zählen Menschen und regionen dazu, die ich nicht dazu zählen würde. Weitläufig wird unsere Region hier auch als Niederrhein bezeichnet, obwohl dieser ein Stück entfernt ist.

    Ich bin gebürtig aus Hagen in Westfalen, die Pforte zum Sauerland. Doch wohne nun seit 25 Jahre hier und muss ehrlich gestehen, das der Menschenschlag mir mehr liegt. Ich glaube ich hab nichts von den Westfalen abbekommen.

    Glaube es ist ein Gefühl der Menschen, die sich zum Rheinland zugehörig fühlen.
    Liebe Grüße
    Angelika

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  6. hallo Dieter
    ganz unbekannt ist mir Rheinland nicht,aber so vieles wie Du weiss ich nicht.Habe manche Jahre im Odenwald gelebt,und in Hamburg.Das war es.Ich finde es sehr nett von Dir,Deine Stadt vorzustellen.
    Viele liebe grüsse aus GR.
    Christa

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  7. Lieber Dieter, da hast du dir schöne Gedanken gemacht! War sehr kurzweilig zu lesen! Aber was für den einen Rheinland ist, ist es für den anderen halt nicht. Das kenn ich ja nur zu gut von meiner alten Heimat Baden ;-)
    Ich hoffe, das Frühjahr kommt & du kannst wieder radfahrend das Rheinland erweitern!
    LG
    Astrid

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  8. Hallo Dieter,

    für jeden hat das Rheinland wohl andere Grenzen :-)
    Im Netz findet man ja keine genauen Angaben darüber.

    LG Frauke

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  9. Ich hätte hier fast den Kommentar von "Nicole`s buntes Haus"
    übernehmen können...nur eben umgekehrt;-)
    Im Norden geboren und seit 10 Jahren im Ruhrpott.

    Lieben Dank für diesen informativen Post!

    Line

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  10. Das ist wieder ein wunderbarer Post, so interessant und vielseitig. Das Gedicht von Brentano finde ich auch so schön! Du schreibst oft über so selbstverständliche Sachen, die doch so vielseitig sind.

    Und zum rheinischen Gemüt kann ich nur sagen, dass mein Mann Rheinländer ist, aber vom Gemüt her passt er perfekt nach Ostwestfalen :-).

    Viele liebe Grüße, hab ein schönes Wochenende!

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