Donnerstag, 31. Oktober 2013

SUVs

Quelle: Wikipedia
Die deutsche Sprache hat dieses englisch-sprachige Wort durcheinander gewirbelt. „Ess-Juh-Viii“ wäre die korrekte Aussprache, in Lautschrift [ ɛsjuːˈviː ]. Das steht für „sport utility vehicle“, was so viel wie sportlicher Geländewagen bedeutet. Ist das Wort aber Neutrum oder maskulin ? Heißt es „der“ SUV – wenn ein Geländewagen gemeint ist ? Oder „das“ SUV - wenn die Oberkategorie des Automobils gemeint ist ?

Egal. Weithin gelten SUVs als Angeber-Autos, als Sinnbild für die Dekadenz unserer Gesellschaft. Und dennoch erfreuen sie sich wachsender Beliebtheit. Dieses PKW-Segment hat Wachstumsraten von 17% pro Jahr, von denen die Automobilbauer anderswo nur träumen können. So strebt Audi zum Beispiel an, dass bis zum Jahr 2020 der Anteil der verkauften SUVs an allen PKWs 30% erreichen soll.

Bei seinem Auftritt in der Kölner Lanxess-Arena waren SUVs ein dankbares Thema für den Komiker Michael Mittermeier. Seine Grundsatzfrage war: Braucht man wirklich einen Geländewagen ? Seine Antwort: „Du brauchst mindestens einen Audi Q7, da der Eingangsbereich bei EDEKA zu unübersichtlich ist. Dann spürst Du beim Einparken nicht, wo Du drüber fährst. Ist da was ? Ein Eichhörnchen ? Hat jemand die Oma gesehen ? Wartet mal, wenn das Thema Sicherheit richtig entdeckt wird. Wenn der halbe Supermarkt mit Geländewagen voll geparkt ist, dann gibt es nur noch eine Wahl: ein Leopard2-Panzer. Ich habe im Katalog von Krauss-Maffei herum geblättert…“

Die Steigerungsform des Panzers hatte ins Schwarze getroffen. Die Häufigkeit, mit einem Panzer im Supermarkt einzukaufen, weicht nur minimal von der Häufigkeit ab, über ein Gelände zu fahren, für das die Fahrtechnik von SUVs ursprünglich konzipiert war. Wann fährt man denn einen SUV durch unwegsames Gelände ? Über kniehohe Baumwurzeln auf Waldwegen ? Durch tiefen Matsch ? Über Dünen ? Oder durch die Wüste ? Die Situationen gehen freilich gegen Null.
Quelle: Wikipedia

Es ist irrational, was SUV-Autofahrer antreibt. Das abgedrehte Snob-Image läßt sich bei manchen nicht verleugnen. Wer SUV fährt, gibt an, hat zu viel Geld auf der hohen Kante liegen, verhält sich wie ein Rambo im Straßenverkehr und schadet mit zu hohem Spritverbrauch der Umwelt.

Die Debatte ist in Internet-Foren längst entbrannt. So knüpft DOUNIAMOON auf www.faz.de mit der Überschrift „Hausfrauenautos“ nahtlos an Michael Mittermeier an. „Das sind die berühmten Eppendorfer Mummies, die kaum über den unteren Windschutzscheibenrand gucken können und die ihre Kinder mit dem Riesengefährt im 800 Meter entfernten Kindergarten fahren. Und weil sie grundsätzlich trotz Kameraführung und Signale Riesenprobleme haben, flott in mögliche Parkplätze einzuparken, stehen sie in zweiter Reihe.“

Meine Vermutung, dass nicht nur hoch bezahlte Manager solche Geländekisten fahren , stimmt nicht ganz. So gibt es zum Beispiel den Renault Koleos unter 30.000 € zu kaufen, während ein VW Tuareg nicht unter 50.000 € zu haben ist. Der Preis für einen Porsche Cayenne beginnt bei 60.000 €, ein Audi Q7 bei 83.000 €. Es wird sich nicht leugnen lassen, dass die Käufer zum Teil Top-Manager, Filmstars, Firmeninhaber, Fußball-Bundesliga-Spieler, Investment-Banker oder andere Top-Verdiener sind.

Die Käufer brauchen einen Fimmel, einen Hang zur technischen Faszination. Der SUV ist kein praktisches Auto, mit dem man von Ort A nach Ort B fährt, sondern alleine seine Erscheinung vor dem eigenen Haus sorgt für Aufsehen. Zu der Kaufentscheidung schreibt MEIER LANSKY auf www.derstandard.at:

„Die Diskussion, warum jemand einen SUV braucht oder nicht, ist unnötig wie ein Kropf. 
Man "braucht" keinen SUV, man "will" einen. 
Man "braucht" keinen Sportwagen, man "will" einen. 
Man "braucht" keinen Hund, man "will" einen. „

Auch (°) (°) steht auf demselben Forum zu seinen Irrationalismen: „Wie bei SUV gibt es kein vernünftiges Argument für grosse Brüste, trotzdem wollen viele welche in den Händen halten. 80% unserer Zivilisation findet ohne "vernünftige Argumente" statt. „

Ich fühle mich bestätigt, dass SUVs ein Sinnbild unserer dekadenten Gesellschaft sind. In dem Bestseller von Jörg Schindler sind SUVs ein Indiz unserer Rüpel-Republik, der die üblichen zwischenmenschlichen Umgangsformen abhanden gekommen sind. Unser heiliger Besitz soll bei Aufprallen und Zusammenstößen keinen einzigen Kratzer abbekommen, was bei gepanzerten Limousinen wie SUVs sichergestellt ist. Also Abschottung, Gegeneinander statt Miteinander, Egoismen als Selbsterhaltungstrieb. Auf solch eine Basis lässt sich in der Tat keine Gesellschaft aufbauen.

Quelle: Wikipedia
SUV-Besitzer winken ab. Einkommen haben auch etwas mit Selbstständigkeit und Unternehmertum und Risiko zu tun. Dazu äußert NO COMMENT: „Ich halte die SUV-Diskussion für 100% Neid-basierend. Keiner regt sich über Lieferwagen, hochbauende PKWs, Vans, LKWs auf, die einem die Sicht noch mehr versperren.“ GRETEWEISER setzt auf www.taz.de einen drauf: „Ist doch toll, dass Otto-Normal-Autofahrer die SUVs als Feindbild hat. Wer über andere schimpft, braucht sich nicht mit sich selbst und dem eigenen Verhalten beschäftigen.“

Die Debatte macht krank. Arm gegen Reich, Freiheit gegen Beschränkungen, Individualismus gegen Gemeinschaft. Besessen und Technik verliebt, sind die SUV-Autofahrer von einem Virus des bequemen und sicheren Autofahrens infiziert worden. Und niemand soll sie bitte dabei stören. Jedem das seine. Diese individuelle Freiheit ist sogar in Artikel 2 Bestandteil unseres Grundgesetzes geworden.

Grenzenlose Freiheit. DL8WAA summiert diese Freiheit bei www.faz.net unter der Überschrift "In gewissen Kreisen gehört der sportliche Geländewagen einfach zum hedonistischen Lebensstil". Er selbst blieb lieber mit beiden Füßen auf dem Boden: „Ach wie bin ich froh, dass ich nicht zu den "gewissen Kreisen" gehöre und dass ich erst bei Wikipedia nachschauen musste um zu lernen, was "hedonistisch" bedeutet. Mein Geld investiere ich lieber in bleibende Werte, mache mir und meiner Familie das Leben dadurch viel bunter und tue noch etwas für meine Altersversorgung.“

Das denke ich mir auch.


Kommentare:

  1. Kein Mensch braucht diese Autos und Spritfresser Dieter, aber schön sind sie.

    Liebe Feiertagsrüße
    Angelika

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  2. Genau so ist es. Dein Beitrag spricht mir aus der Seele. :-)
    Rüpelrepublik, Gegeneinander statt miteinander, Egoismus statt Rücksichtnahme... kopfschüttelnde resignierte Zustimmung meinerseits.

    Beste Grüße, Sathiya

    PS: ich würde Deinen Text gern zu meinen Blog verlinken und ausführlich daraus zitieren. Habe ich Deine Zustimmung?

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  3. Warum sollte ich über die Autos anderer diskutieren. Sie sind Realität (hergestellt und verkauft) und eben nicht weg zu diskutieren. Über Sinn oder Unsinn können sich die Besitzer einen Kopf machen. Es ist mir gelinde gesagt wurscht, wer mit welchem Auto fährt.
    Ich halte mich auf Autobahnen, so weit vernünftig rechts, fahre selten über 120 km/h, weil ich mir Zeit leisten kann und Gelassenheit nicht über andere zu reden.
    Ein toller Artikel Dieter, der mich zu diesem Kommentar inspiriert hat.

    Gruß
    Beate

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  4. Oh ja Dieter,toll diese Modelle!!!Wir hatte ein super Porsche,die hat aber viele Euros geschluckt...hahaaaaaaaaaaaaa

    Mir ist aufgefallen,das ich mal gerne ein Bericht über Negerk....e,Dickmanns lesen möchte.Die Tage sehe ich im Google plus manche,,,und habe Sehnsucht bekommen...und Du kannst sowas sehr gut-)))))
    Ich wünsche Dir ein schöööööööönen Tag
    LG
    Christa

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  5. Aber selbstverständlich braucht Mann solche Autos! Irgendwie muss Mann doch zeigen, dass Mann stark ist und Erfolg hat......

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  6. Hi Dieter!
    Schön ist relativ und Autos mag ich nicht. Daher interessiere ich mich auch nicht dafür und würde wohl so manchen Angeberschlitten nicht mal erkennen. Wichtig ist für mich als Beifahrerin der Innenkomfort - allem voran, dass es im Auto nicht stinkt.
    Danke für deinen cmt. mit Lösungsvorschlag. Du hast zwar daneben gelegen, aber die Lösung ist nun online.
    Tierische Grüße zum Wochenende, Wieczora (◔‿◔) | Mein Fotoblog

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  7. Natürlich soll jeder auf seine Weise die Minderwertigkeitskomplexe abbauen. Die Politiker sollten aber die MAUT-Gebühren vergessen und die Spritpreise strak erhöhen, denn nur so werden die Umwelt- und Strassenschäden vom Verursacher bezahlt.

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