Donnerstag, 24. Oktober 2013

Andreas Etienne & Michael Müller, Michael Mittermaier und Mario Barth

Kurz nach acht. Die Hallenbeleuchtung war erloschen, die musikalische Untermalung war verstummt. Eine in sich gekehrte Ruhe ergriff die Zuschauerplätze, die den Halbkreis der Kölner Lanxess-Arena gut ausfüllten, aber nicht randvoll. Die Weite der riesigen Halle war spannungsgeladen, die Blicke waren auf die Bühne gefesselt.

„Black Out“: die schwarz-weißen Großbuchstaben hatten sich in der Bühnenmitte plaziert, verloren hing ein Metallgerüst im Nirgendwo, eine Skyline unterstrich im Hintergrund das Motto der Comedy-Show. Dann ohrenbetäubender Lärm. Hektische Klänge, viel zu laut, ohne Melodie, schrecken die Zuschauer auf und verstummen augenblicklich, als Michael Mittermaier die Bühne betrat. Seine Jeans schlabberten unter seiner schlacksigen Gestalt, die mit dem schwarzen Sakko aufgehübscht wurde. Der größte Stromausfall in der Geschichte der USA habe ihm die Idee geliefert. Er erzählte die Komik von Black-Out-Situationen; das war ein Griff in die Kiste von irrationalen Situationen und Verhaltensweisen.

Es hatte sich so ergeben, dass der Oktober zu einem Monat von Comedy, Spaß und Witz wurde, denn gleich für drei Veranstaltungen hatten wir Karten ergattert. Für den 3. Oktober hatten uns Freunde auf „Nachbarn Reloaded“ im Bonner Springmaus-Theater angesprochen. Der 15. Oktober war mit Michael Mittermaier noch ein Weihnachtsgeschenk an unseren Sohn. Schließlich rief uns der TV-Ticket-Service an, ob wir am 21. Oktober bei einer Fernsehproduktion von „Willkommen bei Mario Barth“ dabei sein wollten.

Wir sagten zu. Mario Barth fiel bei diesen drei Comedy-Veranstaltungen aus der Reihe, da es eine Fernsehsendung war. Bei den Fernsehaufnahmen in den MMC-Studios in Köln-Ossendorf zeigte er nicht ganz, was er drauf hatte. Meine Erwartungshaltung war ohnehin gedämpft, da ich Mario Barth mit frauenfeindlichem Klischeedenken verband. Dieser Fernsehdreh, der für uns kostenlos war, lieferte nun die Antithese, dass diesmal die Frauen austeilten und die Männer einstecken mussten. Mann und Frau zockten am Computer das Spiel „FIFA World Cup“ Deutschland gegen Italien, wobei Frau gewann. Mit Sprüchen wie „Ich hol mir mal’n Bier“ griff er fleißig in den Kühlschrank. Danach saßen sich beim Speed-Dating Frau und Mann gegenüber, wobei Mario Barth über einen Ohrhörer der Frau zuflüsterte, was sie sagen sollte, um den Mann von einer peinlichen Situationen in die nächste zu befördern.

Mario Barths Komik war einfach gestrickt, platt, schnell, spontan, schlagfertig. Seine flotten Sprüche kamen stets in der Zuschauermenge an. Michael Mittermaier war demgegenüber durchdacht, er ordnete seine Show einem Motto unter, arbeitete sauber die Pointen heraus. Beiden war gemeinsam, dass sie viel mit Gestik und Mimik arbeiteten, was ihren Witzen ein breites Profil verlieh.

Beiden – Michael Mittermaier und Mario Barth – hatte ich im Fernsehen wenig Aufmerksamkeit geschenkt, da ich heimische Komiker vor denjenigen aus Berlin oder dem tiefsten Bayern bevorzugte. Ich war hingerissen. Wortgewandt, Luft holend und klar stellend, zog mich Michael Mittermaier in seinen Bann. Er erzählte so manches aus seinem Heimatdorf.

Wie er erzählte, beschrieb er selbst:„Was man heutzutage erlebt, wird direkt ins Netz gepostet. Live können alle das nachlesen. Und früher ? Bilder und Filme stehen nicht im Netz. Wir hatten unsere Erlebnisse im Herzen … „ Selten habe ich so gelacht. Er erzählte, dass wir in unserem Land so viel Erklärungsbedarf haben, dass wir für alles und jedes Aufkleber brauchen. Er machte sich über Autofahrer von SUV (das sind diese Angeber-Geländewagen) lustig und verfrachtete sie geistig in einen Panzer. Weil die Hallen in Basel nebeneinander lagen, vermischte er eine Erotik-Messe mit seiner Comedy-Show. Beim einzigen Atomkraftwerk in Österreich, das nie ans Netz ging, wird bis heute ein Atomkraftwerk-Einschalter beschäftigt, der nie auf den Knopf gedrückt hat.

Ein Bayer in Köln ? Ich sog seine deftig inszenierte Komik in mich hinein, lachte mich bisweilen krumm. „Sau-Preuß“ stichelte er mit seinen Witzen gegen das Berliner Hauptstadt-Denken. Im Westen der Republik verortete er sich über den Fußball. Er war kein FC-Bayern-Fan, und bei seinem morgigen Auftritt in Dortmund sah er sich schon vor leeren Rängen, denn als Anhänger des FC Schalke 04 wollte  er das blaue Trikot anziehen, das sich mit der gelben Farbe des BVB spinnefeind war.

Weniger bekannt dürften die Komiker Andreas Etienne und Michael Müller sein, wenngleich Andreas Etienne als Kellner Dauergast in der Comedy-Sendung mit Ludger Stratmann  ist („Stratmanns“). Das Springmaus-Theater im Bonner Vorort Endenich ist klein, übersichtlich, familiär. An viereckigen Sechsertischen aßen wir Käsewürfel, während wir Etienne und Müller zusahen. In „Nachbarn Reloaded“ spielte sich das Geschehen der beiden Nachbarn rund um den Wendehammer ab. 

Argwöhnisch beäugelten sie das Treiben des anderen. Stets mit einer Gartenschere bewaffnet, schnitt der eine Nachbar alles weg, was ihm in den Weg kam. Der andere Nachbar tüftelte und werkelte in seinem Keller herum und ließ niemanden hineinsehen, was er trieb.

Der Humor von Etienne und Müller war knochentrocken, solange sich die beiden auf Distanz schoben. Erst spät, sehr spät setzten die Knalleffekte um so heftiger ein, wenn offensichtlich war, was die beiden trieben. So hatte der eine Nachbar im Keller Unmassen von Glühbirnen gehortet, die er mit einem Mal testete, worauf das Stromnetz zusammenbrach. Andreas Etienne und Michael Müller waren eine eigene Kategorie, die auf ihre Weise genial war.

Andreas Etienne & Michael Müller, Michael Mittermaier und Mario Barth : wenn ich sie in eine Reihenfolge bringen sollte, wären es zuerst Mittermaier, dann Etienne/Müller, schließlich Barth. Ordentlich gelacht habe ich bei allen. Ich freue mich auf weitere Comedy-Veranstaltungen. Noch haben wir die nächste Show nicht im Visier. In den Programmen von diversen Theatern und Komikern blättern wir derzeit herum. 

Kommentare:

  1. Na das hört sich nach einem schönen Abend mit viel Spass an, Dieter, hast du schön beschrieben.

    Liebe Grüße
    Angelika

    AntwortenLöschen
  2. Das ist ja ein farbiger Bericht von drei offensichtlich schönen Abenden. Lachen ist gesund!
    Ich mag Comedy ebenfalls sehr ...

    lieben Gruß
    Brigitta

    AntwortenLöschen
  3. Sehr schön zu hören, dass es offensichtlich lustige Abende waren !

    Hab ein schönes Wochenende

    LG

    AntwortenLöschen
  4. Hej Dieter,
    Humor ist nicht gleich Humor, was wir Deutschen oft zuerst mit dem englischen erleben. Ich weiß nicht, ob ich den "deutschen" noch genügend verstehe, geschweige denn, dass ich eine so detaillierte und situationsgenaue Darstellung von Comedyabenden schreiben könnte wie Du. Alle Achtung!!!!!

    Gruß
    Beate

    AntwortenLöschen
  5. Also ich gestehe dass ich dem Barth nicht mehr aufs Fell gucken kann. So fand ich ihn früher mal gut (noch nie ganz gut), aber mittlerweile geht er mir mit seiner Art, schon alleine der Stimme, auf den Keks. Letzt wollte ich nochmal ne Chance geben und hab in diese Sendung von ihm reingeschaltet, aber nach weniger als 5 Minuten auch wieder weg. Ne, der nervt nur (mich persönlich)

    Ich habe damals immer gerne den Quatsch-Comedy-Club geschaut. Besonders gut fand ich immer das man mehrere Komiker sehen konnte. Danach sehr viele ihre eigene Show waren sie auch kurioserweise schnell wieder verschwunden-ausgelutscht sozusagen.

    Wahrscheinlich liegt es an der Überflutung....ein Sender bringt was raus, der nächste Sender macht es nach und schwupp die wupp hat man automatisch keine Lust mehr sich was anzuschauen...

    Freue mich aber für euch dass ihr eure Abende genießen konntet. So soll es sein :-)

    Liebe Grüssle

    Nova

    AntwortenLöschen