Dienstag, 2. Juli 2013

Monatsrückblick Juni

Gegensatz zwischen Arm und Reich
In unserem näheren Umfeld ist uns zuletzt diese Kluft aufgefallen. Eine Nachbarin arbeitet in einem Geschäft, das Karnevalsartikel verkauft. Sie arbeitet Vollzeit, ist ungefähr zehn Jahre bei der Firma, der Arbeitsplatz liegt 50 km entfernt und sie verdient 7 € pro Stunde. Als anderes Extrem ist meiner Göttergattin zuletzt erzählt worden, dass es Rechtsanwälte gibt, die in Angelegenheiten des Familienrechts 600 € Honorar pro Stunde fordern. Eine Bekannte meiner Göttergattin überlegt sogar, diese 600 € Honorar zu investieren, da sie wegen ihres niedrigen Einkommens ein Pflichtverteidiger vertritt. Vom dem Pflichtverteidiger, den sie bereits einmal gewechselt hat, fühlt sie sich nicht ausreichend vertreten, da er zu wenig ihre Ansprüche vertritt und den Forderungen ihres in Trennung lebenden Ehemanns zu sehr entgegen kommt. Noch eine Zahl: der flächendeckende Mindestlohn in Frankreich (SMIC = Salaire minimum interprofessionnel de croissance) liegt bei 1.430 €. Die 7 € Stundenlohn unserer Nachbarin ergeben ein Monatseinkommen von 1.170 €.

Unwetter
Die Hitzewelle bis 36 Grad in der vorletzten Woche haben heftige Unwetter beendet. Vormittags zog ein Gewitter auf, so dass es pechschwarz wie in der Nacht wurde. Die sich ergießenden Wassermassen habe ich von meinem Büro aus nicht als sintflutartig empfunden. Es herrschte in der Stadt aber totales Verkehrschaos, da der Straßentunnel in Bad Godesberg unter Wasser stand und gesperrt war. Feuerwehren mussten sich einen Weg durch den Verkehrsstau bahnen, um den Straßentunnel leer zu pumpen, so dass während des ganzen Nachmittags der ohrenbetäubende Lärm von Martinshörnern zu hören war. Rund um Bonn standen in Lohmar, Wachtberg und Königswinter Straßen unter Wasser. Unser kleines Mädchen war begeistert, dass der Schulhof unter Wasser stand, so dass ihre halbe Klasse im Wasser herum matschen konnte. Bei meiner Rennradtour in der letzten Woche stieß ich in Grafschaft auf unterspülte Wirtschaftswege, die für den normalen Autoverkehr nicht mehr befahrbar waren.


Aufruhr im Blumenbeet
Unsere beiden Katzen haben sich sehr gut eingelebt. Bei schönem Wetter treiben sie sich in unserem Garten herum. Während der Kater bei unseren Nachbarn abtaucht, liegt die Katze auf unserem Gartenstück faul herum, sie läßt sich regungslos von der Sonne bescheinen, streckt sich in die Länge und fühlt sich zwischen Kopfsalat und Kohlrabi wohl. Ich habe sie kaum anders erlebt als in dieser passiven, untätigen, trägen, abwartenden Stellung, möglichst intensiv von jemandem gestreichelt zu werden. An einem Abend, als ich den Garten betrat, hörte ich aus dem Nistkasten an unserer Eberesche ein solch heftiges Gezirpe, so dass alles, was wir an Singvögeln aufzubieten hatten, gleichzeitig kreischte. Unser Nachbar hatte beobachtet, was geschehen war: die ersten Flugversuche einer jungen Meise waren mißraten und der Vogel landete im Blumenbeet. Daraufhin wurde unsere passive, untätige, träge, abwartende Katze aktiv und stürzte sich auf die Jungmeise – was ich ihr nie zugetraut hätte. Ihr Instinkt als Katze war also doch nicht abhanden gekommen.



Gerburg Jahnke
Die aus dem Fernsehen bekannte Kabarettistin (Ladies Night) haben wir Live erlebt, und zwar in der Nacht der Komikerinnen. Eigentlich hat sie ja in Ladies Night oder in der Nacht der Komikerinnen einen einfachen Job: sie moderiert. Sie plaudert, erzählt ein wenig, aber reden läßt sie andere Frauen. Ihre Komik kommt aus dem Stehgreif, ihr Humor ist kurz, treffend, schnörkellos, ohne große Umwege verständlich. Aus Oberhausen kommend, kontrastiert dieser Humor mit ihrem eher trockenen Grundton aus dem Ruhrgebiet. Ich fand es genial, wie viel Humor sie als Zwischenrednerin zwischen den drei anderen Komikerinnen unterbrachte. Christine Schütze war eine der drei Komikerinnen. Sie gefiel mir am Klavier, auf dem sie ihre Komik in der Art einer Liedermacherin spielte. Die beiden anderen Komikerinnen Martina Ottmann und Ulrike Mannel fand ich eher schwach. So schlüpfte Ulrike Mannel in der Rolle von Angela Merkel, was ich eher als abgegriffen und weniger originell empfand. Insgesamt war diese Nacht – dank Gerburg Jahnke – eine runde Sache.

Im Fernsehen
Seit dem EU-Beitritt wandern immer mehr Armutsflüchtlinge aus Rumänien und Bulgarien in die rheinischen Großstädte ein, wobei die Städte kaum in der Lage sind, Wohnraum zur Verfügung zu stellen. So ist in Rundfunk- und in Fernsehreportagen unter anderem über die katastrophale Wohnsituation in hoffnungslos überfüllten Schrottimmobilien in Duisburg-Hochfeld, -Untermeiderich, -Bergheim oder –Marxloh berichtet worden. Neu war für mich der Aspekt, dass Rumänen und Bulgaren meist nicht krankenversichert sind, wenn sie nicht erwerbstätig sind. So berichtete die Sendung „Westpol“ im WDR-Fernsehen über eine Rumänin, die nicht krankenversichert war und eine Frühgeburt hatte. Viele Einwanderer aus Rumänien und Bulgarien sind entweder illegal in Deutschland, in ihren Heimatländern sind sie gar nicht krankenversichert oder die deutschen Krankenversicherungen erkennen die Krankenversicherungen aus den Heimatländern nicht an. Aus moralischer Sicht ist die Fragestellung, ob Ärzte solche Patienten behandeln sollen, sicherlich zu bejahen. Die Kinderklinik nahm die Rumänin auf, trotz Frühgeburt gebar sie ein gesundes Kind. Die Krankenhaus- und Arztkosten, die mit der Frühgeburt zusammenhingen, summierten sich auf 50.000 €. Ohne Krankenversicherung, stottert die Rumänin nun die 50.000 € mit 30 € im Monat ab. Die Sendung „Westpol“ zeigte, dass es in Köln eine Stelle des Malteser-Dienstes gibt, wo Ärzte ehrenamtlich und kostenlos Leistungen für Migranten erbringen, die nicht krankenversichert sind.

Personen im Gleis
Unser großes Mädchen hatte über das Internet eine Fahrkarte zum Sonderpreis für 29 € nach Freiburg gekauft. Um 19.37 Uhr sollte der Zug sonntags abends abfahren, in Mannheim musste sie umsteigen und nach 24 Uhr sollte der Intercity in Freiburg ankommen. Als sie gegen 19.30 Uhr am Bahnsteig wartete, meldete ein Bahnsprecher Personen im Gleis in Roisdorf. Ich wunderte mich über die Formulierung, was Personen auf Gleisen zu suchen hatten. Von Mannheim aus war es der letzte Zug, der nach Freiburg fuhr. 45 Minuten Umsteigezeit hatte unser großes Mädchen in Mannheim. Die Durchsage „Personen im Gleis“ entwickelte sich zu einem ernsten Phänomen. Innerlich hatte ich die Formulierung ohnehin mit „Selbstmord“ oder „es hat sich jemand vor den Zug geworfen“ gleichgesetzt. Kurz nach der ersten Durchsage gab der Bahnhofssprecher bekannt, dass sich die Ankunft des Intercitys auf unbestimmte Zeit verschieben würde. In der umgekehrten Richtung – das war Köln – fuhren die Züge gar nicht mehr weiter. Schließlich trat das Undenkbare ein. Die 45 Minuten Umsteigezeit in Mannheim schmolzen dahin. Wenn sie den irgendwann vielleicht eintreffenden Zug genommen hätte, hätte sie in Mannheim in einem Hotel übernachten müssen. Wir fuhren nach Hause zurück, sie übernachtete bei uns, sie fuhr am nächsten Tag nach Freiburg und verpasste die morgendlichen Vorlesungen. Da die Fahrkarte auf einen bestimmten Zug ausgestellt war, musste sie, bürokratisch wie die Deutsche Bahn war, dies am Schalter bescheinigen lassen, damit sie am Folgetag einen Zug nach ihrer Wahl nehmen konnte.


Kommentare:

  1. Dieer Monatsrückblickist gut. Eine Art Tagebuch und am Jahresende kann man das Jahr in Kurzform noch einmal Revue passieren lassen.
    Einen schönen Restabend wünscht Dir
    Irmi

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  2. Ruckzuck ist der Monat vorbei.Das erste halbe Jahr ist geschafft.
    Mich haben deine Worte Honorar beschäftigt.Uns wurde als Pflegeeltern mal ein Anwalt empfohlen,der sich auf Pflegekinder spezialisiert hat,ein Anruf von ca.10 Minuten ein paar Unterlagen kopiert und schon hat der gute Mann uns eine Rechnung von über 400 € gestellt.Wahnsinn oder? Man muss nur wissen wie man den Leuten das Geld aus der Tasche ziehen kann.
    LG
    Nicole

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  3. Hallo Dieter,

    bei dem flächendeckenden Mindestlohn in Frankreich und dem Monatseinkommen DEiner Nachbarin sehe ich keinen Gegensatz zwischen Arm und Reich, sondern eher einen Unterschied wie die beiden Regierungen zu ihrer Bevölkerung stehen.
    Deutschland könnte auch einen flächendeckenden Mindestlohn einführen, vorrausgesetzt unsere Regierung wollte das ;-)

    Gruß Nachtfalke

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  4. War mal wieder sehr interessant zu lesen und dazu die passenden Fotos^^ Vorallem Mieze kann man die Trägheit ansehen *lacht*....aber was solls auch wenn es so heiß ist. Da soll man sich nicht wirklich bewegen.

    ...aber Tiebe sind und bleiben Triebe ;-)

    Wünsche dir einen schönen Tag und sende herzliche Grüsse

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  5. Und schon wieder ist ein Monat rum :-)

    Der Mindestlohn ... eine ewige Diskussion in Deutschland. Ich bin gespannt, wann endlich mal gehandelt wird.

    Aufruhr im Blumenbeet *ggg* ... ja, unsere Katzis haben alle gut funktionierende Instinkte und man darf sie nie unterschätzen. Sogar unsere Stubentiger, die ja reine Wohnungskatzen sind, mutieren sofort zum Jager, wenn sich auch nur eine Fliege in unsere Wohnung verirrt ;-)

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  6. Hallo Dieter! Inzwischen wird es ganz offen ausgesprochen, Deutschland ist ein Billiglohnland....die oben erwähnten Anwälte sind da aber ausgeklammert sowie Banker und einige Manager!
    Bei uns hier wars auch so heiß, aber zum Glück ging alles ohne Unwetter ab.
    Zur Krankenversicherung: Viele Arbeiter aus Rumänien, Bulgarien...melden für sich ein Gewerbe an, ansonsten bekommen sie kaum eine Arbeit. Sie sind für ihre Krankenversicherung selbst verantwortlich, doch die meisten können diese Beiträge nicht bezahlen, die, wie man weiß, bei niedrigem Verdienst zu hoch angesetzt sind. Man kann sich gut vorstellen was dann bei Unfall oder Krankheit abläuft.
    Ach ja die Bahn, die kann auch nicht über ihren Schatten springen und mal etwas unbürokratischer sein :))
    Herzlichst MinaLina

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  7. ja - bei der Gerechtigkeit zum Thema Gehalt hat schon viele Fragezeichen. Geht mir oft durch den Kopf.
    Ich habe deinen Monatsrückblick wieder sehr gerne gelesen.

    lieber Gruß von Heidi-Trollspecht

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  8. Der Jagdinstinkt geht auch bei Schmusetigern nicht verloren, so ist halt die Natur.
    In punkto Einkommen werden wir es wohl nicht erleben, dass diese Extremunterschiede im Stundenlohn verschwinden werden und ich glaube, das wird sogar noch schlimmer werden.

    Ist prima, wenn man für sich selbst einen Monatsüberblick schreibt und das festhält, was einem eben wichtig war. :-)

    Liebe Grüße
    Christa

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  9. Tja, die Kluft zwischen Arm und Reich... ich glaube ja nicht, dass sich irgend etwas ändert, es betrifft nur eine Minderheit und solange die Menschen nicht selbst betroffen sind.... Und erst recht nicht, solange wir eine Regierung haben, die der Wirtschaft in den Hintern kriecht.

    Über die Deutsche Bahn musste ich lachen.

    Und hab ich schon erwähnt, dass ich Katzen über alles liebe... nur leider eine Katzenallergie habe? Ich jammer gerne, wenn es um Katzen geht.

    Jetzt schon ein schönes Wochenende!

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  10. Huhu
    Diesmal gleich zwei Themen in Richtung Armut. Ja, die Osteuropäer, die hier bei uns stranden, können einem wirklich nur leid tun. Den Obdachlosen geht es ja noch viel schlimmer als unseren. Die Arbeitssituation von uns fast allen ist entsetzlich. Die Globalisierung macht es möglich und die EU brigt das sog. Fass zum Überlaufen. Das ganze Land müsste aufstehen, kollektiv streiken...
    Schön auch mal wieder von einer deiner Katzen zu hören. Freut mich, dass sie sich so schön bei euch eingelebt haben. War doch eine gute Entscheidung, die Beiden aufzunehmen.
    wieczoramatische Grüße zum Wochenende, (◔‿◔) | Mein Fotoblog

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