Freitag, 5. Juli 2013

Fujifilm

Alles vergeht, nichts ist beständig. In der Schnelllebigkeit unserer Zeit ist morgen vergessen, was heute noch gilt. Beständig ist der Wandel, dem wir uns fügen müssen. Der Wandel bringt aber auch Vorteile.

Zum Beispiel Digitalkameras. Zuletzt räumte ich meinen alten Rucksack aus und stieß auf zwei alte Kleinbildfilme. An den Gebrauch meiner Digitalkamera gewöhnt, ist diese Zeit kaum noch präsent: bezahlen musste ich einen solchen Kleinbildfilm; ich konnte nicht einfach drauflos fotografieren; schlechte, nichtssagende Fotos musste ich vermeiden; als analoges Medium konnte kein Bild auf den Rechner übertragen werden.

Bei Filmen hatte ich ein Markenbewußtsein entwickelt. Situation, Lichteinfall, Tageszeit, Uhrzeit, der Augenblick beim Betätigen des Auslösers: Filme von Fuijfilm lieferten ein Optimum. Sie verwackelten kaum, die Fotos waren scharf und hell, das Farbspektrum entfaltete sich. Ich hatte nur Fujifilm gekauft und nichts anderes.

Alles vergeht, nichts ist beständig. Die Kleinbildfilme sind historische Nostalgie geworden. All meine schönen Fotomotive haben sich auf den Filmen von Fujifilm verewigt. Persönliche Erinnerungen habe ich dank Fujifilm in Fotoalben festhalten können. Das ist ein bemerkenswertes Detail: Fuji und Film fügen den Firmennamen zusammen, obschon es Filme in alt hergebrachtem Sinne nicht mehr gibt. Alles nennt sich Fujifilm, egal, ob es etwas mit Fotografie zu tun hat oder nicht. 1934 wurde Fujifilm in Ashigara am Fuße des Fuji gegründet – dem höchsten Berg Japans, der selbst im Hochsommer noch eine zarte Schneekuppe kleidet. Der alleinige Geschäftszweck war die Herstellung von Filmen und Fotoapparaten. Erst in den 60er Jahren kamen Druckmaschinen und Kopierer hinzu.

Fuji; Quelle Wikipedia
Jahrzehntelang ließ sich mit Filmen gutes Geld verdienen. Die drei Riesen Fujifilm, Kodak und Agfa hatten den weltweiten Markt durchdrungen und konnten die Preise hochhalten. Fuijfilm verdiente nicht nur an Kleinbildfilmen, sondern auch an Filmen für Kinos, Super-8-Kameras oder Diaprojektoren.

Beim Schreiben meiner Posts genieße ich den Segen der digitalen Fotografie. Fotos von der Digitalkamera kopieren, vergrößern, verkleinern, ausschneiden, zentrieren, Farbe in schwarz-weiß umwandeln und so weiter. Als Digitalkameras den Markt eroberten, hörte sich die Strategie der drei Riesen Fujifilm, Kodak und Agfa gleich an: Verschiebung von Analog nach Digital. Aber dies funktionierte nicht. Billigmodelle aus Asien und Fernost überschwemmten den Markt. Die Marktpreise schmolzen dahin. Nikon, Canon, Panasonic und Olympus übernahmen die Marktführerschaft für Digitalkameras.

Alles vergeht, nichts ist beständig. Die Geschäftsmodelle aus Filmen und Digitalkameras brachen in sich zusammen. Kodak meldete im Januar letzten Jahres Insolvenz an, Agfa hatte den Gang in die Insolvenz bereits 2005 angetreten. Und Fujifilm ?

Von Insolvenz oder Personalabbau ist die Deutschlandzentrale in Düsseldorf weit entfernt. So wie SONY, Mitsubshi oder Toshiba gehört sie der japanischen Fraktion an, die ihre Firmensitze in Düsseldorf fest etabliert haben. So herrscht in den glasüberdachten Gängen, die von einem Gebäudetrakt in den nächsten führen, reges Treiben. Eine Teichlandschaft mit Springbrunnen sprudelt, Glasfassaden stehen sich gegenüber. Auf Inseln mit einer gepolsterten Bestuhlung tauschen sich die Vertriebsmanager aus.

Die vier Werke in Japan fahren ihre Produktion auf Hochtouren, dabei haben die Japaner einige Sparten – wie Digitalkameras – nach China ausgelagert. Die Globalisierung – ansonsten ein Schimpfwort für Elend, Armut, Preisverfall und Auslagerung – schafft Impulse für die Deutschlandzentrale in Düsseldorf. Im Gegensatz zu Kodak und Agfa hat Fujifilm es geschafft, sich in neuen Wachstumsfeldern festzusetzen. Das ist weit weg von den Kleinbildfilmen, die ich als Erinnerung in meinem Rucksack entdeckt hatte. Bilderwelten, die ich mit Fujifilm fotografiert habe, steigen in mir hoch, als unsere großen Kinder noch klein waren oder aus unvergeßlichen Urlaubseindrücken.

Vertriebsmanager managen. Die Zentrale in Düsseldorf versorgt Krankenhäuser mit Röntgengeräten, Geräten für Mammografie oder für Strahlentherapie. Druckereien bedient sie mit Druckmaschinen, in Fabriken durchleuchten Geräte von Fujifilm Materialien zur Qualitätskontrolle. Fujifilm hat Software für die Archivierung von Informationen entwickelt. Und das, obwohl die Produktbezeichnung „Film“ im Firmennamen steckt, obschon nur noch wenig rund um Filme hergestellt wird.

Den Clou hatte Fujifilm geschafft, als die Firma in das Geschäft mit Kosmetika eingestiegen war. Das lag gar nicht so weit entfernt von der Filmherstellung. Filme sind sensibel, erfordern eine spezielle Oberflächenbehandlung, das Zusammenwirken von Oberfläche und Film ist entscheidend. Die chemischen Prozesse auf der Haut und auf dem Film ähneln sich, das Wissen der Filmherstellung konnte genutzt werden. Fujifilm ist so allgegenwärtig, dass die Vertriebsmanager stets genau das richtige Produkt für den richtigen Kunden haben.

Alles vergeht, nichts ist beständig. Die alten Kleinbildfilme lagern einstweilen auf meinem Schreibtisch. Entsorgen will ich sie noch nicht. Sie haben mich jahrzehntelang mit meiner alten analogen Kamera begleitet. So ganz will ich mich nicht von diesem analogen Zeitalter verabschieden. Schließlich hat auch die Rollei-Kamera, die ich mir mit der Geburt unseres großen Mädchens gekauft hatte, sagenhafte fünfzehn Jahre gehalten. Die Lebensdauer all meiner Digitalkameras liegt Lichtjahre davon entfernt.

Alles vergeht, nichts ist beständig.

Kommentare:

  1. Ja diese Filme haben wir früher auch imme gekauft ,auch schon in meiner Kindheit.Das waren noch Zeiten.Heute holen wir die Digicam raus und machen Fotos.Früher hatte man die Bilder nach dem entwickeln in der Hand,heute liegen sie auf der Festplatte.Ärgerlich wenn die kaputt geht und alle digitalen Bilder weg sind.Das hatte ich mal,alles wra futsch.
    LG
    Nicole

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  2. Hallo Dieter, hast du schön beschrieben. Ja das waren noch Zeiten, man durfte nicht einfach drauf los knipsen...
    Da lob ich mir die heutige digitale Fotografie.

    Liebe Grüße
    Angelika

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  3. oh ja ich erinnere mich an die alten kameras. der film musste von hand immer weitergedreht werden. dann kamen die pockets da ging das mit einem ritsch.ratsch;-)
    erst nach entwicklung sah man wie gut/schlecht die aufnahmen waren...seufts. heute ist das echt genial!
    LG zum WE

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  4. :-) Ja, nichts ist beständig. So alt bin ich ja selbst nun auch noch nicht, aber auch ich habe schon viele Dinge gehen sehen, die in meinen Kinder-/Jugendtagen noch an der Tagesordnung waren ... auch die Filmrollen für die analoge Fotografie. Mein Vater stand eher auf Agfa *lol* Ich selbst habe erst im Zeitalter der digitalen Fotografie das Interesse an der Fotografie entwickelt.

    Danke für den wieder mal sehr interessanten Bericht Dieter.

    LG und ein schönes Wochenende für euch.

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  5. Ja, vorbei, vorbei...In unserem Biedermeier - Sekretär liegen zwei weitgereiste Spiegelreflexkameras mit vielen tollen Objektiven, Unmengen von Negativen, wohl sortiert, ebenso vielen Abzügen, mal mehr, mal weniger verfärbt trotz dunkler Lagerung -
    und inzwischen knipse ich auf Reisen am liebsten nur noch mit meinem iPhone herum ( wie zuletzt in Wien, was auch einiges kostet übrigens an Roaming-In-Gebühren ).
    Manchmal denke ich über eine Systemkamera nach. Aber so schweres Gerät mit sich herumschleppen? Wegen meiner schlechten Augen kriege ich momentan sowieso keine besseren Fotos hin. Also bleibts wie es JETZT ist.
    Lass es dir gut gehen!
    Herzlichst
    Astrid

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  6. Ja Dieter, das finde ich auch, du hast schön geschrieben und ein Thema gewählt, das mich nachdenken lässt.
    Ich finde die Zeilen von Nicole sehr treffend...ich wollte ähnlich schreiben.
    Wir können das Rad nicht zurück drehen, ich fotografiere inzwischen auch mit dem iPhone.
    Herzlichst MinaLina

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  7. Hej Dieter,
    auf allen meinen großen Reisen begleitete mich analoge Fotoausrüstung, erst für Bilder, dann für Dias. Inzwischen bin ich dabei die Dias zu digitalisieren und die Negative der Bilder, die ich noch habe auch. Das ist sehr viel Arbeit und etwas für lange Winterabende. Leider haben die Bilder in den Fotoalben "Auflösungtendenzen". Viele haben einen kräftigen Rotstich bekommen und sind kaum mehr zu erkennen. Fuji verwendete ich auch oft, aber natürlich weiß ich nicht mehr, ob diese den Rotstich bekommen haben.

    Gruß
    Beate

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  8. Liber Dieter,
    ich habe meine alten Kameras noch aufbewahrt.
    Oft denke ich wehmütig an die Zeiten, als man alles
    noch einstellen mußte. Die Bilder waren gut.
    Dann kamen die automatischen. Das war eine Er-
    leichterung. Und jetzt hält man nur noch hin.
    Ich habe früher Agfa bevozugt.
    Danke für den ausführlichen Bericht.
    Einen schönen Wochenendgruß schickt
    Irmi

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  9. Ich weiß die Vorteile der Digitalkamera sehr zu schätzen. Einfach drauf los zu fotografieren, das beste Bild dann nehmen zu können, der Rest wird eben gelöscht, das ist für mich der eine große Vorteil. Die Möglichkeit, die Bilder auf dem Computer weiter verarbeiten zu können, ist der zweite Vorteil.
    Interessanterweise kann die junge Generation mit "echten" Filmen gar nichts mehr anfangen. Ich muss jetzt gerade dran denken, wie mir mein Neffe (damals 14) ganz stolz die alte analoge Kamera (eine super tolle Canon!) seiner Eltern präsentierte, ob die wohl noch funktionieren würde? Ja, warum nicht, es muss eine Batterie rein und ein Film, sagte ich. Klack, entriegelte er das Filmfach und hielt mir den Inhalt entgegen: schau, ein Film ist drin! - Ich erläuterte ihm grinsend, warum es heißt, einen Film "belichten". :-D
    LG Calendula

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