Mittwoch, 30. April 2014

bei Technikfragen Tech-Nick fragen


Ich meinte, diese Werbefigur gesehen zu haben, doch dann entschwand sie. Meine Erinnerungen waren weg, und die Botschaft, die runde Gestalt, die großen Augen und das stetige Grinsen über seinem Vollbart und seinem kornblumenblauen Hemd blieben haften: Abgenickt durch Tech-Nick.

Dabei nickte er, selbstsicher, als habe er alles im Griff, über die Rolltreppe trudelte er ein, seine massiger Körper schob sich werbewirksam in Szene. Erst beim vierten, fünften oder sechsten Anschauen der Werbespots von SATURN erkannte ich ihn: es war Antoine Monot jr., den ich beim NRW-Duell mit Bernd Stelter in den Studios des Westdeutschen Rundfunks live erleben durfte.

Welche Vielseitigkeit hatte er von einem Jahr verkörpert ! Als Schauspieler kannte ich ihn nicht, das mag bei mir aber nichts bedeuten, denn die Namen von Schauspielern, die ich mir merke, sind äußerst lückenhaft. Er begleitete den Tatort-Kommissar Oliver Mommsen aus Bremen, dessen rechte Hand er war. Ich lernte, dass er nicht nur Schauspieler war, sondern auch Theater spielte, Filmfestivals veranstaltete, Spielfilme produzierte, Schauspielerpreise verlieh, außerdem war er Mitglied der Deutschen und Europäischen Filmakademie. Seine Aktivitäten waren der Maßstab aller Dinge. Antoine Monot jr. steckte voller Ideen und Kreativität, voller Planungen und Vorhaben, die mich als Zuschauer vieles erwarten ließen.

Und dann Werbung.

Bezogen auf das schauspielerische Potenzial, war dies Abstieg und freier Fall. Ich habe mich ja an einiges gewöhnt. Werbung ist für mich eine Art von Umweltverschmutzung, denn wenn wir von der Bequemlichkeit unseres Produktangebotes profitieren wollen, brauchen wir Informationen – wozu die Werbung einen gewissen Beitrag leistet. Die Informationen der Werbung sind aber Spam, Schrott, sie sind nach den Kriterien der Vernunft nicht filterbar. Daher müssen wir sie so in Kauf nehmen, wie Schadstoffe beim Autofahren entstehen. Beziehungsweise, unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung läßt es nicht zu, eine solche unnütze Informationsberieselung zu verbieten. Werbung ist im Endeffekt Belästigung, Störung, vergeudete Zeit.

Antione Monot jr. macht sich so zum Affen. Die Größenordnung ist anders als bei anderen Schauspielern, die Werbung machen. Man kann es Schauspielern nicht verwehren, dass sie ihren Durst mit Bier löschen. So wirbt Matthias Schweighöfer für Krombacher. Rüdiger Hoffmann – Kabarettist – ist als Westfale bodenständig und trinkt gerne Herforder Pils. Wenn sie ihre geliebte Biermarke öffentlich anpreisen, ist dies vielleicht verwerflich, aber eher Kleinkram.

Längst gewöhnt habe ich mich daran, dass Fußballer in Werbespots vorkommen. Wieso die komplette Fußball-Nationalmannschaft bei der Commerzbank ein Girokonto eröffnet, ist mir ein Rätsel. Immerhin zeigen sich die Jungs von Jogi Löw nicht alkoholisiert, denn sie trinken brav die alkoholfreie Variante von Bitburger. Während Mats Hummels seine Kopfhaut mit dem Shampoo „Head and Shoulders“ auffrischt, fährt sein Trainer Jürgen Klopp mit einem Opel Insignia durch die Gegend.

Verglichen mit all den Fußballern, ist die Dimension bei Antonie Monot jr. größer. Er ist in eine Penetrationsstrategie von SATURN hinein geraten. die berieseln will, um in Intensitäten und in Variationen auf den Fernsehbildschirmen zu flackern, die höher sind als bei Shampoos oder einem Opel Insignia.

Was Mats Hummels als Spieler oder Jürgen Klopp als Trainer gleichgültig ist, wird bei Antoine Monot jr. zum Verlust seiner Glaubwürdigkeit. Schauspieler leben mit ihren Rollen. Wenn ich Til Schweiger sehe – der für König-Pilsener geworben hat – oder Axel Prahl und Jan Josef Liefers – die Werbung für Toyota gemacht haben – oder Uwe Ochsenknecht – der für Appenzeller Käse geworben hat – sehe ich keinerlei Indikation, dass das Anspruchsniveau ihrer schauspielerischen Leistung nicht gedrückt wird. Es gibt da keinen Zusammenhang – als Tatort-Kommissare oder in anderen Rollen.

Antoine Monot jr. macht sich zum Affen der Werbung. In „Abgenickt durch Tech-Nick“ ist er zu einem Kunst-Produkt geworden, das nichts mehr mit seiner Identität als Schauspieler zu tun hat. Er nickt. Wandel und Anpassungsfähigkeit sind schier grenzenlos. Große Kinderaugen ahmt er nach, er fiebert mit den Computerspielen seiner jugendlichen Kundschaft, die exotischsten Kundenwünsche pariert er mit einem Lächeln; Freude, Erlösung, Ärger und Verzweiflung seiner Kunden spiegeln sich als direkte Rückkopplung in seinem Gesicht wieder.

Den Glaubwürdigkeitsverlust wird er kaum wieder gut machen können, dass er sich vor den Karren hat spannen lassen. Ich sehe in ihm nur noch diese schlacksige Figur, die sich dreht und wendet, wie andere es haben wollen. Einem Wolfgang Stubbe, einer Hannelore Elsner oder einem Mario Adorf würde so etwas niemals passieren. Sie sind konsistent. Sie spielen nur das, was ihrem inneren Selbstverständnis entspricht. 





Kommentare:

  1. Also soooo schlimm wie du es empfindest sehe ich es nicht, und ich sehe dahinter auch immer das Geld verdienen. Es ist nicht einfach als Schauspieler, schon gar nicht wenn man keine Rolle hat, und wenn sich dann die Gelegenheit bietet....warum nicht. Also ich persönlich habe schon schlimmere Werbung mit Schauspielern bzw. Promis gesehen, und auch die waren dann wieder in Rollen zu entdecken. Ob ein Adorf und Co es nie machen würden..ich weiß nicht. Ich würde sagen wenn die Gage stimmen würde bzw. zu bezahlen wäre^^ könnten selbst sie noch schwer widerstehen.

    Vielleicht kommen ja auch gerade noch durch die Werbung Filmemacher wieder auf sein Gesicht zu sprechen, denn mit seinem Gesicht und der Mimik kann er doch gut spielen.

    ...aber wie gesagt, das ist mein persönlicher Eindruck. Also nix für ungut.

    Wünsche dir nen tollen Tag und komm gut in den 1. Mai

    Herzliche Grüssle

    N☼va

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    1. Mir geht es da ähnlich wie Nora, ich denke auch, er wird sein Geld verdienen mit dieser Werbung -
      vielleicht mehr, als mit einem Film.
      Das wir in der Werbung nicht mit der Wahrheit konfrontiert werden, wissen wir alle.
      Und ehrlich würde mich auch mal interessieren, wer von all den Fußballern wirklich
      sein Konto bei der Commersbank hat.
      Einen schönen Tag! Martina

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  2. Hallo Dieter, ich habe den Prozentsatz gerade nicht zur Hand - aber es ist eine kleine einstellige Minderheit, die von ihrem Beruf leben kann ...darüber habe ich eine Doku gesehen, ganz erschreckend. Die dt. Elite hätte es nicht nötig, und macht es doch - für die Kleineren, und zu denen zählt mit Sicherheit unser Bärtiger, die können froh sein, so einen Vertrag an Land zu ziehen, dann macht man sich halt zum Affen ... und fällt auf und hat gutes Geld. Insoweit hat Nova das schon schön ausgeführt - und Du hast prima geschrieben, wie immer! UND MORGEN - auf nach FRANKFURT - ich bin zum 39. Mal dort!!!!

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  3. Lieber Dieter,
    ich sehe es auch nicht ganz so duster. Ich gebe Nova und Martina recht.
    Er muss sein Geld verdienen.
    Einen schönen Maifeiertag wünscht dir
    Irmi

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  4. Tja, lieber Dieter,
    auch mir ging beim Lesen deines Beitrags und bem Betrachen der Werbung nicht viel anderes durch den Kopf als meinen "Vor-Kommentatorinnen". Und ich musste an George Clooney denken, der es bestimtm viel weniger nötig hat, sich zum Affen zu machen, es für Nes*presso aber doch auch irgendwie tut. Vermutlich für eine Millionengage. Vielleicht auch, weil er's irgendwie lustig findet. Bei dem von dir beschriebenen Schauspieler wird die Werbegage bestimmt geringer sein, aber vielleicht (falls er eine hat) die Familie ernähren. Und er verkauft seine Seele weniger, als wenn er einen Bürojob dafür annehmen müsste...Ein guter Schauspieler kann alles spielen, auch einen Nicker mit Kinderaugen. Ein andermal ist er dann vielleicht ein Fiesling oder ein Lehrer oder wasauchimmer...
    Alles Liebe und eine schöne einen schönen Start in den Mai,
    Traude (wieder zurück aus ihrem Kurzurlaub)
    ☼ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ ☼ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ ☼ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ ☼ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ ☼ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ ☼ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ ☼ Ƹ̵̡Ӝ̵̨̄Ʒ ☼

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  5. Ich verstehe was du meinst Dieter ... und im Prinzip hast du bestimmt auch recht. Aber die Grenze ist wohl schwer zu ziehen. Ich finde den Auftritt in der Werbung auch nicht so schlimm.

    lieber Gruß von Heidi-Trollspecht

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