Freitag, 21. Februar 2014

mit dem Rennrad über die Grafschaft nach Rheinbach

Wasserburg Gudenau
Das Rittergeschlecht der Scherfgins war eine noble Adresse. Gerhard Scherfgin war stark wie ein Bär, auf dem Pferd sammelte er all seine Manneskraft, zielsicher hatte er seine Gegner im Visier. Überall, wo er auf Ritterturnieren antrat, von Brabant bis ins Rheinland, lagen Lanze und Schwert weich in seiner Hand. Reihenweise säbelte er seine Gegner mit einem Schlag vom Pferd. Pokale, Ruhm und Ehre heimste er ein.

Gerhard, Rembodo, Hermann Scherfgin: das Rittergeschlecht der Scherfgins wuchs über Generationen, sie waren loyal und auf sie war Verlass, und ihre Lust zu kämpfen nutzten die Erzbischöfe von Köln, denn ab 1252 verteidigten die Scherfgins die Stadtmauern von Köln. Bewaffnete Ritter waren stets herzlich willkommen. Ihre Anwesenheit vor einem meterdicken Gemäuer schreckte die Feinde ab. Deren Eroberungslust wich jäh zurück, und wenn sie Lanze, Pfeil und Bogen gegenüber standen, suchten sie das Weite.

Wasserburg Gudenau
Nicht nur in der  milden winterlichen Jahreszeit ist die Wasserburg Gudenau eine ruhige Angelegenheit. Wasserburgen sind im Rheinland höchst privat, zur Besichtigung nicht freigegeben. Eine erhabene Stille streicth über den Burghof, den ich betreten kann, denn das Tor steht offen. Die Größe von Wirtschaftsgebäude und Stallungen sind imposant, und ich kann mir den Neid über dieses hübsche Anwesen nicht verkneifen, das die Burgherren bewohnen dürfen. Wohnen im tiefsten Mittelalter. 1246 erstmals urkundlich erwähnt, stammt die heutigen Bausubstanz weitgehend noch aus dem16. Jahrhundert, als Gudenau zu einem Vierflügelschloss mit runden Wehrtürmen umgebaut worden war. Wie geleckt ist der zartgelbe Anstrich, der sich deutlich von dem anmutigen Weiß der Kreuzfenster abhebt.

„Darf ich fotografieren ?“ frage ich das vermeintliche Burgfräulein, das unvermittelt aus dem Ecktrakt des Wirtschaftsgebäudes heraustritt.

Den Pferdeschwanz nach hinten gebunden, ein Lächeln verkneifend, antwortet die jugendliche Schönheit: „Natürlich. Den Hof kann jeder betreten, also darf auch fotografiert werden. Nur in den Schloßgarten dürfen Sie nicht. Der ist erst ab März geöffnet.“ Ihre Reiterstiefel klacken auf den harten Pflaster, dann fährt sie mit ihrem VW Tuareg von dannen.

Wasserburg Gudenau
Es war ein bißchen Jugend oder Schönheit und ganz viel Strategie, dass Gudenau in den Besitz der Scherfgins gelangt. Hermann von Gudenau, der Burgherr im 14. Jahrhundert, wollte seine Nachfolge und sein Erbe regeln. Nach Süden ausgreifend, fügte sich das Burgensystem des Erzbistums Köln zusammen. Die Godesburg, dieses Bollwerk vor dem Rhein, hatten die Erzbischöfe 1210 bauen lassen. 1366 fiel dann den Scherfgins – und damit den Erzbischöfen von Köln - die Wasserburg quasi vor die Füße, als Philipp von Scherfgin Lysa, die Enkelin von Hermann von Gudenau, heiratete, indem ihnen die Wasserburg als Mitgift dazu geschenkt wurde. Das festigte die Südgrenze der Kölner Erzbischöfe gegen die Grafen von Neuenahr.

Alter Zoll, den Rhein entlang, Plittersdorf, Bad Godesberg, am Fuße der Godesburg, bin ich mit meinem Rennrad der Landstraße in Richtung Meckenheim gefolgt. Der Fahrradweg, elegant und großzügig, biegt sich in Schleifen in das höher werdende Gelände hinein.

Der Anstieg ist im ersten Abschnitt der Tour gut zu schaffen, so dass es eine der ersten Touren zum „Warmfahren“ im neuen Jahr ist. In Pech tauche ich in den Ortskern mit einigen schmucken Fachwerkhäusern ab, während sich der Autoverkehr auf der Umgehungsstraße austobt. Am Ortsende zieht der Anstieg an, der Fahrradweg windet sich zurück auf die Landstraße, dann flaut der Anstieg ab. Ich halte mich weiter geradeaus in Richtung Meckenheim – alternativ und ruhiger könnte ich durch Villip radeln – bis ich an der zweiten Ampel nach Fritzdorf abbiege.

Ich lasse mich den Berg hinunter rollen, wo mich die Ausdehnung der Wasserburg Gudenau beeindruckt, an der Ampel geht es weiter geradeaus. Den Rhein entlang und in der Eifel waren es Höhenburgen, die Grafen und Fürsten zur Verteidigung dienten, in flacherem Gelände erfüllten diesen Zweck Wasserburgen. Da Wasserburgen mehr Platz für Wirtschafts- und Wohngebäude boten, dienten sie in späteren Jahrhunderten mehr repräsentativen Zwecken. Dies geschah in Gudenau nach dem 30-jährigen Krieg, als ein Barockgarten angelegt wurde und die Säle im Inneren neu gestaltet wurden.

Ein Knick nach rechts, um das pompöse Anwesen der Wasserburg herum, der erneute Anstieg auf den Höhenkamm des Kottenforstes geht in den Beine. Die Februarsonne zerstreut sich in kahlem Geäst, ein Streifen von Buchenwald spannt sich zwischen die Felder. Ungefähr hier, an der Grenze zu Rheinland-Pfalz, auf der Höhe, endete der Herrschaftsbereich der Kölner Erzbischöfe im 14. Jahrhundert.

Haus vom Lehrer Welsch
Abwärts, nimmt die Landschaft an Fahrt auf. Die Sonne hängt schräg herab. Der Weitblick bis zu den Hängen der Eifel fasziniert. Vorgelagert, dehnt sich zwischen Tupfern von Baumreihen das Band der Autobahn A61. Auf dem Rennrad ist das Erlebnis stets tiefer, intensiver. Dies fällt mir heute besonders auf, weil ich diese buckelige Landschaft in der Grafschaft ohne nennenswerte Akzente von der Autobahn aus oft genug erlebt habe.

Arzdorf, der nächste Ort, lädt zum Philosophieren ein. Schräg gegenüber dem Reiterhof „Welsch“, in dem Fachwerkhaus mit den rot gestrichenen Balken, wurde der Lehrer Welsch 1848 geboren. Alljährlich, wenn die jecke Jahreszeit beginnt, singt man im Trubel des Karnevals sein Lied: „Dremol Null is Null is Null“ oder mathematisch ausgedrückt: 0+0+0=0. Im Rheinland wird jeder dieses Lied kennen. Diese Schlussfolgerung ist sogar weiser als Aristoteles, der sich vor mehr als 2000 Jahren den Kopf an der Gleichheit der Dinge zerbrochen hatte. Sind die Dinge gleich ? Nein, denn ein Stein, ein Haus, eine Katze oder ein Baum sind niemals gleich. Also kann man eins und eins nicht zusammenzählen. Wenn man dennoch rechnet 1+1=2, dann muss man ein Bündel von Definitionen und Prinzipien formulieren, was alles zu beachten ist, damit die Dinge gleich sind. Lehrer Welsch war tausendmal schlauer als Aristoteles. Wenn man nichts hat, kann man es zusammenzählen und es kommt auch wieder nichts dabei heraus.  0+0+0=0 gilt also immer. Ab 1877 war Heinrich Welsch Lehrer im Stadtteil Kalk in Köln, ein Arbeiterviertel, das von Fabriken, Armut, miserablen Arbeitsbedingungen und katastrophalen Wohnungssituation geprägt war. 1905 führte er den Schultyp der Hilfsschule ein, um in sozialen Brennpunkten Kindern der unteren Bevölkerungsschicht fördern zu können. 0+0+0=0 galt als Synonym für die Sprache und die Ansprache, um das Bildungsniveau seiner Schüler zu treffen. Null war der Ausgangspunkt, und etliche Schüler haben es auch höher hinaus geschafft.

Hochspannungsmasten
Arzdorf und Fritzdorf vermitteln den Eindruck, dass sie fast nur aus Bauernhöfen bestehen. Hofläden schießen wie Pilze aus dem Boden. Die Regsamkeit hält sich aber in Grenzen, denn Mitte Februar herrscht noch der Winterschlaf auf den Feldern. Der Maschinenpark - Traktor, Mähdrescher, Egge, Kartoffellegemaschine und vieles mehr – lauert in Wartestellung.

In Fritzdorf und Eckendorf folge ich den Hinweisschildern nach Gelsdorf. Und auf der Anhöhe erhärtet sich die vorbei flitzende Struktur, wie ich sie ansonsten von der Autobahn aus erlebe: Hochspannungsmasten. Von Braunkohlekraftwerken kommend, rasen Stromautobahnen in die Ferne, ins Ahrtal, zum Siebengebirge und über die Eifelhöhen hinweg. Der Konstrast zwischen den harten Strukturen der Technik und der einfühlsamen Landschaft ist hier real, wenn die Hochspannungsmasten sich nach oben stemmen, das Himmelsblau versperren und die spannungsgeladenen Leitungen über den Feldern hinweg schweben. Die Elektrizität als Motor der Industrialisierung ist hier ein geheimer Zuschauer, der sich in die Harmonie von Pappelreihen, Obstgehölze oder Wirtschaftswege strikt einmischt.

Hofladen
Vor der Leitplanke, das ist die frühere B257, muss ich nach links abbiegen. Gelsdorf, die Verkehrsdrehscheibe am Autobahnkreuz Meckenheim, überrascht mit seinem ruhigen Ortsbild. In unserer Zeit, in der die Lebensmittelskandale nicht abreißen, hatten die Gelsdorfer vor 15 Jahren die Idee, zu den Ursprüngen der Anbaumethoden auf ihren Feldern zurückzufinden. Wie in der übrigen Grafschaft, gab es Hofläden satt. Obstplantagen überwiegen, so dass im Spätsommer und Frühherbst das Früchteangebot bunt und vielfältig ist. Die Bauernhöfe hatten sich zusammengetan und ein neues Event – den „Tag der öffenen Höfe“ – Mitte Oktober etabliert. An diesem Tag können die Besucher in Kuhställe hinein schauen, ein Apfel-Express fährt durch Plantagen, man kann bestaunen, wie Apfelsaft gepreßt wird, das Chicorée-Haus ist zur Besichtigung frei gegeben. Handwerker, Schreiner, Ofenbauer, Holzschredder, Kettensägenschnitzer und Glasschleifer runden dieses Ereignis ab. Das Ereignis zieht mittlerweile ein Vielfaches der Einwohnerzahl von Gelsdorf an, nämlich an die 10.000 Besucher.

Tomburg
Am Ortsausgang von Gelsdorf biege ich auf die B266 nach rechts ab, ich unterquere die Autobahnauffahrt und nun geht es immer geradeaus bis Rheinbach. Trotz der Bundesstraße und ohne Radweg spüre ich nichts vom Verkehr, denn die Straße ist breit genug. Rückenwind unterstützt mich, das Gelände ist flach wie ein Brett, und auf meinem Rennrad kann ich Gas geben. Sanft gleite ich durch diese wohl proportionierte Landschaftsform. Konsequent wird jeder Quadratmeter Land bewirtschaftet. Rechterhand hält sich lange Zeit der Apfelanbau, unterbrochen von einer Obstbrennerei. Koniferen, Lorbeersträucher, Buxbäume, Zypressen und andere Ziersträucher ziehen sich die Hänge hinauf, Baumschulen mischen sich in den Obstanbau. Die Eifel ist zum Greifen nahe, denn das Gelände klettert den 313 Meter hohen Tomberg hinauf. Das ist durch aus eine Größenordnung, doch, gottseidank, will ich nicht mit dem Rennrad hinauf. Der Stumpf der Tomburg, von dessen Bergfried erkleckliches übrig geblieben ist, läßt eine lange Vorgeschichte erahnen.

Sie führt in die Römerzeit, in der es ein so geartete Burg noch nicht gab, aber unterhalb der Burgruine wurden Münzen mit dem Bildnis der römischen Kaiser Valens und Valentinian II. gefunden. Da im Mauerwerk der Ruine Ziegel aus der Römerzeit vermauert worden sind, gehen die Historiker davon aus, dass sich auf dem Bergkegel einst ein römischer Wachturm befunden hat. Im 9. Jahrhundert bauten die Karolinger die Tomburg zu einer Festung aus, bis sie 1473 von den Herzögen aus Jülich erobert, zerstört und nie wieder aufgebaut wurde.

Kriegerdenkmal
Bis Wormersdorf verschwindet die Tomburg aus dem Blickfeld, während die Bewirtschaftungsform der Landschaft sich in ruhigen Maßen entwickelt. Sonnenstrahlen glitzern über Frühbeetfolie. Leere Obstkisten stapeln sich vor einem Geräteschuppen. Eine Handvoll Arbeiter hat sich in die Obstgehölze verirrt, um den Wuchs der Stämme gerade zu schneiden. Felder, unbeackert, die Erde ist noch rauh und klamm, zwängen sich vor eine Baumreihe, die in Schlangenlinien in einem schmalen Rinnsal verläuft. Wormersdorf setzt Akzente. Halbfertig, mit Tücken und Kanten holpert mein Rennrad über eine Baustelle. An einem Fachwerkbau mit einem Hofladen knickt die Straße nach links ab, wo unvermittelt die weiße Silhouette eines Kirchturms heraus ragt. Über dem platt gedrückten Dach verliert sich im Kleinformat ein Glockenturm auf einem Balkengerüst. Dahinter zückt ein Reiter auf dem Kirchplatz entschlossen sein Schwert. Auf seinem Denkmal trotzt seine mutige Gestalt den beiden Weltkriegen. Ich weiß nicht, wie ich seine Kampfeshaltung bewerten soll, denn all die Gefallenen hat er nie verhindern können.

Am Kreisverkehr hinter dem Autobahnzubringer fahre ich linkerhand heraus, ich wurstele mich durch Industriegebiete, noch ein Kreisverkehr, ich folge der Beschilderung ins Zentrum. Rheinbach wuchert in die Peripherie hinein, bis ich das Zentrum erreiche.

Die Geschichten von Rheinbach und von der Wasserburg Gudenau ähneln sich. im Mittelalter lagen beide an den Außengrenzen der Kölner Erzbischöfe, und in beiden Fällen wurden Ritter zu deren Verbündete. Mit dem Unterschied: Rheinbach war exponiert, denn zwei bedeutende Handelsstraßen kreuzten sich, die eine war eine Römerstraße von der Köln-Bonner Bucht in die Eifel, die andere die Aachen-Frankfurter Heerstraße „AFH“.

762 als Gutshof in einer Urkunde des Klosters Prüm erwähnt, hat der Ursprung des Wortes „Rheinbach“ nichts mit dem Rhein oder dem Rheinland zu tun. Die „villa reginbach“ war 762 eine Schenkung, wobei die Vorsilbe „regin“ für „Regen“ oder „Feuchtgebiet“ steht, denn aus den Bergen der Eifel vereinigten sich sechs Bäche in Rheinbach, so dass die Ebene stets feucht war.


Hexenturm Rheinbach
Die Gutshöfe wuchsen in ihrer Anzahl, daraus wurde dann ein Fronhofsverband, der Rechte und Pflichten genauer formulierte. 1178 setzte das Kloster Prüm einen „Emelricus de Reynbag“ als Kastellan ein. Ein Kastellan gehört zu einer Burg, was gleichbedeutend mit „Ritter“ ist. Das war der Grundstein für eine glänzende Karriere des Rittergeschlechts in den nächsten Jahrhunderten. Aus „de Reynbag“ wird später „dominus de Reinbach“, so dass die Ritter zu einem Adelsgeschlecht aufstiegen. 1189 begannen die Ritter mit dem Bau einer Burg. Spätestens 1289 war Rheinbach eine größere Ansiedlung mit einer Burg, denn dann wird die Stadt „oppidum“ genannt. Der Hexenturm, der Wasemer Turm und die Stadtmauer zwischen diesen Toren stammen in Teilen noch aus dem 13. Jahrhundert.

1342, als einer großen Ritter von  Rheinbach, Tilmann, starb, taten diese sich mit den Kölner Erzbischöfen zusammen. Diese erbten die Burg Rheinbach, und fortan sorgten die Ritter für klare Verhältnisse im Auftrag der Erzbischöfe oder auch der Kölner Kurfürsten, denn 1288 mussten die Kölner Erzbischöfe ihre Stadt nach der Schlacht von Worringen verlassen. Beide Seiten profitieren von diesem Deal. Die Ritter von Rheinbach erhielten Sonderrechte wie eine eigene Gerichtsbarkeit, das Recht, zweimal jährlich einen Jahrmarkt durchzuführen, und eine eigenständige Verwaltung der Einnahmen und Ausgaben. Dabei sprudelten die Einnahmen, denn für die Benutzung der beiden stark frequentierten Handelsstraßen war in Rheinbach Wegezoll zu zahlen. Als Gegenleistung mussten die Ritter von Rheinbach ihre Festung verteidigen, was ihnen bis zum 30-jährigen Krieg bestens gelang.
In der Fußgängerzone schiebe ich mein Rennrad gegen die Fahrtrichtung der Einbahnstraße. 

Römerkanal in Rheinbach
Gelegenheiten zum Einkehren, auch gemütliche, wie das Rheinbacher Brauhaus, gibt es hier reichlich. Anstatt dessen mache ich einen kurzen Abstecher zum Römerkanal, dessen ausgegrabenes Teilstück ich auf der Martinstraße bestaune. Aus den Eifelhöhen bei Nettersheim kommend, versorgte die römische Wasserleitung die Römerstadt Köln täglich mit 20.000 Kubikmeter besten Trinkwasser. In Rheinbach hatten die Römer die Wasserleitung unterirdisch verbuddelt, und insgesamt vier Einzelstücke, die am Straßenrand zu besichtigen sind, hat man im Stadtgebiet ausgegraben.

Ich bewege mich zu der Verkehrskreuzung am Ende der Fußgängerzone zurück, folge der Beschilderung Richtung Euskirchen, fahre am Brauhaus Rheinbach vorbei, geradeaus über den nächsten Kreisverkehr, dann muss ich aufpassen, denn direkt hinter den Bahnschranken muss ich rechts abbiegen, der Beschilderung entlang Richtung Peppenhoven, rechterhand liegen die Eisenbahngleise und der Bahnhof Rheinbach, dann biege ich mit dem Straßenverlauf links ab, dann immer geradeaus Richtung Peppenhoven.

Unterstützt durch den Rückenwind, das Ausgangsschild von Rheinbach habe ich hinter mir gelassen, atme ich trotz der zurückgelegten Kilometer durch. Entspannt und gemütlich gleitet mein Gefährt dahin. Auf der Autobahnbrücke über der A61 fasse ich den Weitblick, der sich über der Euskirchener Börde aufspannt und an Einzelhöfen hängen bleibt. Schemenhaft verschwimmen in der Ferne die Kühltürme des Kraftwerks Hürth-Knapsack.

Peppenhoven, zwischen unsortiert angeordneten Häuser macht die Straße einen Bogen, in Morenhoven biege ich am Vorfahrtsschild rechts ab und dann direkt wieder links. Bonn läßt grüßen, denn bis dort sind es nur noch 14 Kilometer.

Bis ich über die B56 den Stadtrand von Bonn erreiche, begegnet mir in Buschhoven ein zweites Mal der Römerkanal. Diesmal ist eine Gaststätte, die sich „Zum Römerkanal“ nennt. In der Tat: die römische Wasserleitung machte hinter Rheinbach einen weiten Bogen auf Meckenheim zu und überquerte bei Lüftelberg den Bach der Swist. Dort hielt ein Äquadukt von 1,4 Kilometern Länge das Gefälle auf einem konstanten Niveau von 0,5%. Entlang der Hänge des Kottenforstes verlief die Wasserleitung geradewegs nach Buschhoven, wo sie ungefähr durch die heutige Ortsmitte durchquert, von hier aus weiter in den Kottenforst hinein, von dort aus weiter in die Römerstadt Köln. Gerade an dieser Stelle in Buschhoven, wo ich den Anstieg mit dem Rennrad deutlich spüre, muss es eine wahre Ingenieursbaukunst gewesen sein, dass Wasser den Berg hoch nach unten fließen zu lassen.

Auf dem Radweg lasse ich mich das letzte Stück treiben. Das Treten kann ich geruhsam sein lassen, denn die B56 plätschert den Berg hinunter. Erst noch ein Stück Alfter, dann Duisdorf und Endenich, bis ich am Alten Zoll zurück bin.


Strecke (Länge 54 km):


Höhenprofil (416 Höhenmeter):
Link nach www.gpsies.com:

Kommentare:

  1. Dieter, du machst mich wieder sentimental mit deinen Beschreibungen von Orten, die in meinen jungen Jahren wichtig waren & an die ich schöne Erinnerungen habe. Aber nachdem mein Schwager tot ist, komme ich nicht mehr in die Gegend.
    Liebe Grüße
    Astrid

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  2. Lieber Dieter,
    ich bin dir andächtig gefolgt und all deine Beschreibungen in mich
    aufgenommen. Danke für diesen anspruchsvollen Post.
    Einen schönes Wochenende wünscht dir
    Irmi

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  3. Wunderbar, es geht wieder los, nicht nur deine Rennradtouren mit allerlei Wissenswertem, sondern auch ausgedehntere Wanderungen über Wege, die nicht so matschig sind wie im Moment.
    VG, Franka

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  4. Lieber Dieter,
    durch schöne und bemerkenswerte Örtlichkeiten kommst du mit deinem Rad! Am meisten hat's mir heute deine Wasserburg angetan - die würde auch gut zu meinen bevorzugten "Smovey-Walking-Plätzen" der letzten Zeit passen, wäre sie nicht so streng privat... Aber vielleicht führst du uns ja ab März durch den Schloßgarten???
    Alles Liebe und noch ein feines restliches Wochenende,
    Traude
    ✿ܓ✿ܓ✿ܓ✿ܓ✿ܓ✿ܓ

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  5. Hallo Dieter,
    wie in einem Kommentar weiter unten schon erwähnt, ich bin der Meinung, diese Touren können zusammengefasst ein Begleitbuch für Fahrradfreunde ergeben ... und weil Du so viel in Eurer Gegend unterwegs bist, eine Bitte. Ich habe ein Bild, von dem ich nur weiß, dass es nicht weit entfernt aufgenommen wurde. Ich dachte schon es ist in Erkelenz. Vielleicht kennst Du das öffentliche Gebäude, das da hinter dem blühenden Baum steht. Das Bild habe ich unter http://vonwegenaugenblicke.blogspot.se/2012/05/uppig.html

    eingestellt. Vielleicht kannst Du mir sagen, wo das ist!

    Danke,
    Beate

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