Freitag, 27. Dezember 2013

eine etwas verkehrte Weihnachtsgeschichte

Der Weihnachtsmann kam nicht im roten Mantel und mit roter Zipfelmütze, sondern im Monteuranzug in einem schmutzigen, abweisenden Rot.

Genauer gesagt, waren es zwei Weihnachtsmänner, beziehungsweise zwei Monteure. Der Schriftzug des Firmennamens funkelte Himmelblau auf dem weißen Transporter, als die Monteure ausstiegen und mich mit einem schlappen Handschlag begrüßten. Das war ungewohnt, denn von Handwerkern kannte ich ein festes Zupacken.

„Wo können wir Ihnen helfen ?“ - „Unser Klo im ersten Obergeschoss. Wenn wir die Spülung betätigen, wird alles überschwemmt.“ - „Dann schaun wir mal.“

Sie trabten unsere Holztreppe hoch und näherten sich dem Ort des Geschehens, wo sich unheilvolles zwischen den Rohrleitungen der Toilette ereignet hatte. Vor der Türe unseres Badezimmers fiel mir auf, wie ungleich das Paar der beiden Monteure war. Die Gestalt des ersten Monteurs schraubte sich in die Höhe, sein Schritt stakste vorwärts, sicher glitt sein Kopf eine Handbreit unter dem Türrahmen hinweg. Der andere Monteur trottete hinterher, sein Körper war unter der runden Gestalt zusammen geschrumpft. Hinter seiner runden Brille mit den großen Gläsern ahnte ich Schlauheit, ja , sogar Expertenwissen, was die Verstopfung unserer Toilette betraf.

„Schön, dass Sie da sind … „
atmete ich auf, denn der Zeitpunkt war höchst ungeeignet. Genau fünf Tage vor Heiligabend meldete unsere Toilette „Land unter“, und vor dem Weihnachtsfest lag außerdem ein Wochenende. Unsere Spirale hatte sich mühselig durch die Rohre hinter der Toilette gewälzt, aber ohne Erfolg. Wenn ich die Spülung betätigte, schlüpfte Wasser durch das zum Sockel schlecht abgedichtete Rohr. Das Wasser bahnte sich seinen Weg und überschwemmte in Rinnsalen unser Badezimmer. Das hatte sich auch nicht geändert, als ich die Toilette demontiert hatte und unsere Spirale bestimmt einen Meter tiefer eindrang.

 „Wann haben Sie angerufen ?“ – „Gegen zehn Uhr.“ – „Da haben Sie Glück gehabt. Was bis zehn Uhr gemeldet wird, können unsere Monteure auf der Tour abarbeiten. Was später gemeldet wird, kommt für die Folgetage rein.“

Nun stand die eklige Brühe in dem Rohr, sie floss nicht ab. Und ich kannte sogar die Ursache: der Po unserer Kleinen hatte ganz weh getan, Massen von Feuchttüchern hatte sie in die Toilette geworfen, anschließend hatte ihr großer Bruder ein noch größeres Geschäft erledigt – und nichts ging mehr.

Der kleine Monteur kramte sein Expertenwissen hervor. Mit einfachen Mitteln versuchte er, eine maximale Wirkung zu erzielen. Eine Saugglocke, fast tellergroß, stieß das Wasser aus Leibeskräften in die Toilette. Es gluckste, das Wasser begehrte auf, zerwühlte das Rohrsystem in seinem Inneren. Aber die Wirkung war gleich Null. Auf den mir bekannten Pfaden breitete sich die Überschwemmung aus.

„Jedenfalls schön, dass Sie da sind. Ich hatte Angst, dass Sie es vor Weihnachten nicht mehr schaffen …“ – „Das kommt drauf an. Da einige in Weihnachtsurlaub sind, sind wir mit einer kleineren Besetzung unterwegs. Dabei sind wir bemüht, das allerdringendste abzuarbeiten.“

Die Mittel wurden rabiater. Der lange, schlacksige Monteur packte zu und demontierte den Abfluss unseres Waschbeckens. Auf der Kabeltrommel blitzte die elektrische Spirale. Sie fraß sich durch die Rohre, der metallisch hell Klang schallte durch unser Haus, gleichzeitig floss Wasser durch einen Schlauch. Die Spirale war gründlich, denn genau zehn Meter kämpfte sie sich durch die Hauptleitung hindurch, fast bis in den Kanal hinein.

Ich war erleichtert, denn danach floß das Wasser ungehemmt. Wasserhähne waren aufgedreht, ich betätigte die Klospülung im Endlos-Takt durch die Rohre. Das plätschernde Fließen des Wassers war befreiend. Ich spürte Horizonte in meiner Seele, die kein Hindernis stoppen konnte. Beruhigt konnten wir wieder unsere Toilette benutzen.

„Da haben Sie noch einmal Glück gehabt...“
kommentierte der große Monteur das Geschehen. Beide strahlten. In höchster Not hatten sie uns geholfen. Und ich reflektierte die Umstände, unter denen sie tagtäglich ihren Job machten. Das war eine Drecksarbeit, im wahrsten Sinne des Wortes. Zwischen menschlichen Exkrementen herum wühlen. Ich bewunderte, wie die beiden sich nicht geekelt hatten und gut gelaunt dem Tatort in unserem Hause den Rücken kehrten. Die 140 €, die bar zu zahlen waren, zahlte ich gerne.

„Frohe Weihnachten“
verabschiedeten sich die beiden. Ihre roten Overalls hatten nichts mit Weihnachtsmännern zu tun. Doch ich kam mir unsichtbar beschenkt vor. Dass in unserem Badezimmer wieder alles in Ordnung war. Das Weihnachtsfest konnte nun seinen gewohnten Gang nehmen.

Tage später, am zweiten Weihnachtsfeiertag, erfuhr ich, dass es schlimmer kommen konnte. Meine Eltern erzählten von meinem Onkel. Es geschah am Heiligen Abend. Vormittags und plötzlich kam die Überschwemmung. Die Toilette stank und lag direkt neben der Küche.

Sein Schwiegersohn eilte aus dem Nachbarort mit der Spirale herbei. Gemeinsam wurden sie Herr der Lage. Dreck und Gestank und Verstopfung waren verschwunden. Das Malheur hätte sich in der Tat keinen schlechteren Zeitpunkt aussuchen können.

Kommentare:

  1. Ach herje Dieter das braucht kein Mensch, gut das die Retter im roten Overal schnell helfen konnten.

    Liebe Grüße
    Angelika

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  2. Oh je,das braucht ja kein Mensch!!! Aber ohne Klo geht nichts.
    Nun leg die Beine hoch Dieter und geniesse.
    LG
    Nicole

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  3. Schöne Bescherung sozusagen! Passiert IMMER zu solchen Tagen, so meine Erfahrung...;-)
    LG
    Astrid

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  4. Mannomann Dieter, das war eine unschöne Sache. Da hattet ihr Glück im Unglück! Ich glaube es gibt nichts Unsäglicheres, als nach einer arbeitsreichen Zeit die wohlverdiente Ruhe nicht zu bekommen. Aber nun ist ja gut!

    Noch eine schöne Zeit für Euch
    Beate

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  5. Das war wirklich eine unschöne und schöne Weihnachtsbescherung zugleich^^ Ist ja aber auch wirklich wie verhext, wenn was passiert dann meist immer zum Wochenende :-(((( Glaube dir gerne dass du dich da beschenkt gefühlt hast...nicht auszudenken wie es hätte kommen können.

    Hier auf der Insel wundern sich manche Menschen wenn sie in Gastro-Betrieben auf die Toilette gehen und gebeten wird das Papier in den Eimer daneben zu werfen (und nicht ins Klo). Man muss nämlich wissen das viele Betriebe noch ältere Rohre haben, und die sind im Durchmesser schmaler als die in Deutschland.....tja, und was dann passieren kann sieht man sehr gut an deinem Beispiel.

    In diesem Sinne möge das Wasser immer abfließen und herzliche Nachtgrüssle

    Nova

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  6. Wat een avontuur! Gelukkig waren er redders in nood!

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  7. Na, lieber Dieter, da hattet Ihr ja glück im unglück, daß DIE "Weihnachtsgeschichte" noch einigermaßen gut ausging ;)
    Ab jetzt wünsche ich: wasser marsch, aber dahin, wo es soll! ;)
    Ein entspanntes wo.ende,
    Bine

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  8. Hallo Dieter,
    das war ja wirklich keine schöne Bescherung!
    Gut, dass es noch geklappt hat. Ich kenne das Gefühl, wie dankbar man den rettenden Handwerkern ist.
    Guten Rutsch!
    Elke

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