Freitag, 19. Dezember 2014

Düsseldorf - eine schwierige Annäherung ?

Ich leugne es nicht, dass ich Berührungsängste habe mit dieser Stadt. Eng mit Bonn und Köln verflochten, sammelt sich jedes Mal ein Gefühl in mir, als würde ich einen fremden Planeten betreten. Dazu ist Düsseldorf einfach zu verschieden. Auf der „Schäl sick“ gelegen, haben die Römer diesen Flecken den Barbaren und Germanen überlassen. Erst spät, sehr spät, als Köln heilig geworden war und aufblühte mit seinem Handel und seinen reichen Zeugnissen der romanischen Baukunst, hatten sich gerade ein paar Hundert Einwohner nach Düsseldorf verirrt. Aber Düsseldorf holte auf. In der Renaissance wuchs und gedieh Düsseldorf prächtig, das ist eine Kunstepoche, die man in Köln und Bonn vergeblich sucht. Und dann faßte die industrielle Revolution ganz anders Fuß. Im Dunstkreis des Ruhrgebiets flossen Kapitalströme, Industriebarone bauten Wirtschaftsimperien auf, Industrialisierung und Wachstum pressten das Stadtbild in mathematisch exakte Formen hinein. So ist die urbane Stadtlandschaft viel dichter und intensiver, sie tickt hektischer und nervöser.

Düsseldorf verbinde ich aber auch mit Abgrenzungen, was wie definiert und festgelegt ist. So muss ich mich als Rheinland-Blogger der Frage stellen, ob Düsseldorf Thema in meinen Posts sein kann. Als Großstadt ist Düsseldorf kein Ziel für meine Rennradtouren, und sonst führen mich meine Wege auch nicht nach Düsseldorf. Das war in den 1990er Jahren noch anders, als ich dienstlich häufig in Düsseldorf zu tun hatte.

Das habe ich nun beschlossen zu ändern, da zum einen Düsseldorf unstrittig zum Rheinland gehört. Zum anderen gibt es Querverbindungen nach Köln und Bonn, die gerade den Reiz ausmachen. Ich betrachte nicht nur isoliert Köln oder Bonn, sondern auch Austauschbeziehungen, Vergleiche oder Analogien. Trotz eines düsteren Himmelsgraus, das Düsseldorf in seiner Umklammerung nicht losgelassen hat, habe ich jede Menge Fotos gemacht. In der nächsten Zeit werde ich daher den einen oder anderen Post über Düsseldorf schreiben.

Düsseldorf ist mit seiner Stadtlandschaft komplex und schwierig zu durchdringen. Die Vergleiche beschränken sich nicht darauf, dass die Kölner in ihrem Karneval „Alaaf“ rufen und die Düsseldorfer „Helau“, dass man in Köln „Kölsch“ trinkt und in Düsseldorf „Alt“ oder dass der eine Fußballverein in der Ersten Fußball-Bundesliga spielt und der andere in der Zweiten Fußball-Bundesliga.

So bin ich auf meiner Entdeckungsreise darauf gestoßen, dass sich der Heilige Apollinaris nicht nur in Remagen heimisch fühlt, sondern auch in Düsseldorf. Dann hat mich meine Entdeckungsreise in das Jahr 1288 geführt. Das ist vielleicht die wichtigste Jahreszahl in der Stadtgeschichte Düsseldorfs, und genauso entscheidend war diese Jahreszahl 1288 für die Stadtgeschichte von Köln und Bonn. Die nächste Entdeckungsreise ging zum Ständehaus. Als Regierungssitz der preußischen Rheinprovinz wurde Düsseldorf eine Beamtenstadt, ganz im Gegensatz zu Köln, das Arbeiterstadt war und blieb. Die Entdeckungsreise zu Heinrich Heine zeigte mir, dass er letztlich auf dem Absprung war. In jungen Jahren verließ er Düsseldorf, er studierte in Bonn und wanderte nach Paris aus. Auf meiner letzten Entdeckungsreise faszinierte mich das Wilhelm-Marx-Haus. Seine Architektur war griffig und schön, und Analogien zum Hansa-Hochhaus in Köln tun sich auf, das in derselben Zeit, den 1920er Jahren, entstand.

Vorab möchte ich Fotos zeigen, die den zerrissenen und uneinheitlichen Charakter darstellen. Schönes und Unansehnliches steht nebeneinander, Stilbrüche verlaufen zwischen  Tradition und Moderne, ungewöhnliche Momente sammeln sich an. Nachdem ich in der Taktung der Großstadt angekommen war, hat mich der Lebensrhythmus in dieser urbanen Stadtlandschaft durchaus fasziniert.


Überall verstreuen sich in der Stadt diese Litfasssäulen für Kinowerbung. Oben draufstehende Figuren lächeln den Betrachter an (oder küssen sich wie hier).


Ich war erstaunt über den Umfang der Grünflächen. Diese Grünflächen sind auf der Höhe des früheren Festungsgürtels entstanden, der mit einem breiten Wassergraben umgeben war.


Zwei Rheinbrücken bestimmen die Rheinuferpromenade, davon führt eine am Landtag vorbei zum Stadtteil Oberkassel.


Im Gegensatz zu Köln ist Düsseldorf nicht übersät mit Weihnachtsmärkten in der Innenstadt. Anstatt dessen kann man aber von weit her auf das Riesenrad schauen.


Dieses Graffiti belegt, wie aufgekratzt Düsseldorf ist. Auf der schönen Ziegelsteinmauer zerlaufen unruhige weiße Striche.


Gegensätze treten in der Altstadt offen zutage. Stolze alte Kaufmannshäuser …


... stehen unaufgelöst neben Ramsch und Kneipenrummel.


Sie dürfen natürlich auch nicht fehlen: die Brauhäuser, in denen man Alt-Bier trinkt.


Im Palais Spee, das Teil der alten Festung war, ist das Stadtmuseum untergebracht.  Rund eine Stunde lang habe ich mir die Stadtgeschichte Düsseldorfs angeschaut. Der Besuch lohnt sich !


Die Konsumtempel sind in Düsseldorf noch größer, noch extravaganter, noch erlesener wie sonstwo. Nachdem ich die Schadow-Arkaden betreten habe, befinde ich mich erst einmal auf einem roten Teppich.


Natürlich ist die Zeit viel zu schnell vergangen. Mit dem Zug geht es vom Hauptbahnhof aus zurück.

Ganz viele Eindrücke und ganz viele Fotos habe ich gesammelt. Sukzessive werde ich meine Posts zu den Einzelthemen schreiben. Düsseldorf werde ich dann einbetten in meine Sichtweisen, so wie ich über Köln und Bonn und das Umland berichte.

Kommentare:

  1. Die Litfasssäulen sind mir noch aus Köln bekannt, allerdings ohne Figuren oben drauf. Selbst bin ich nur ein Mal in Düsseldorf gewesen und eigentlich habe ich erst nach dem Wegzug aus Köln über die "Feindseeligkeiten" zwischen den Städten gehört.

    Danke dir jedenfalls für den Post und die vielen Fotos. Werde es weiter verfolgen und wahrscheinlich auch mit einem leichten Grinsen auf dem Gesicht.

    Liebe Grüssle

    N☼va

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  2. Die Begründung macht's. Unterhaltsam zu lesen, danke. Ich wünsche Dir ein schönes Wochenende (doch wohl jetzt keine Radtour, oder?)

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  3. Dein gespaltenes Verhältnis zu Düsseldorf liest man nicht nur zwischen den Zeilen - schmunzel! Vereinzelt zeigen die Fotos eine schöne Seite dieser Stadt, doch der Rest ist echt gewöhnungsbedürftig. LG Martina

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  4. Als gebürtiger Düsseldorfer werde ich Deine Berichterstattung mit großem Interesse verfolgen, vielleicht erfahre ich ja sogar noch die eine oder andere Neuigkeit.

    Gruß Nachtfalke

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  5. *loool* in Sachen Düsseldorf ... da fällt mir als Vorgebirglerin mit Hang zu Bonn und Köln nur Folgendes ein:

    Zwei Düsseldorfer sitzen im Flieger nach London, einer am Fensterplatz, der andere neben ihm auf dem mittleren Platz. Neben den beiden sitzt ein Kölner am Gangplatz.
    Der Kölner zieht sich nach dem Starts seine Schuhe aus und macht es sich gemütlich.
    Da sagt der eine Düsseldorfer am Fensterplatz: „Ich muss bitte hinaus und mir eine Cola holen“. „Bleiben Sie sitzen“, meint der freundliche Kölner, „Ich sitze ja am Gang, ich hol Sie Ihnen“.
    Kaum ist der Kölner aufgestanden, spucken ihm die Düsseldorfer in seine Schuhe.
    Als der Kölner mit der Cola zurückkehrt, meint der zweite Düsseldorfer: „Hm, die sieht aber lecker aus, ich hätte auch gern eine“. Wieder erklärt sich der nette Kölner bereit, die Cola zu holen.
    Als er das zweite Mal unterwegs ist, spucken ihm die Düsseldorfer noch einmal in seine Schuhe.
    Als der freundliche Kölner zurückkehrt, lehnen sich alle gemütlich zurück und genießen den Flug.
    Erst als der Flieger zur Landung ansetzt, zieht sich der Kölner seine Schuhe an und merkt sofort was passiert ist. „Warum muss das denn sein?“, will er wissen. „Soll das noch lange so weitergehen? Dieser Kampf zwischen unseren Städten. Diese Gehässigkeiten. Dieses In-die-Schuhe-Spucken. Das In-die-Cola-Pinkeln.“

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    1. Ne, mal im Ernst ... gibt nette Düsseldorfer und doofe Kölner ... alles juut ! :-) Konnt nur nicht widerstehen *ggg*

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  6. Hmmm und tja, da ich nicht aus Düsseldorf und nicht aus Köln komme, kann ich das wohl nicht beurteilen :-D.
    In Düsseldorf bin ich immer wieder... es liegt auf dem Weg, meine Schwiegereltern wohnen in Mönchengladbach. Und da ist ein Abstecher nach Düsseldorf immer wieder drin, entweder auf der Hin- oder Rückreise oder mal eben halbe Stunde mit dem Zug. Köln ist nur ein Katzensprung weiter und dort bin ich nie oder nur ganz selten.

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