Donnerstag, 14. November 2013

Mechthild von Sayn

Ein handfester Krach ebnete den Weg zur Macht. Kaiser Heinrich der VI. war gestorben, und Staufer und Welfen zankte sich darum, wer als Nachfolger zum Kaiser des Heiligen römischen Reiches deutscher Nation gekrönt werden sollte. Dies bestimmte die Kirche. Der Erzbischof von Köln entschied sich für den welfischen Kandidaten, so dass Otto von Braunschweig am 12. Juli 1198 in Aachen zum Kaiser gekrönt wurde. Doch der Kölner Erzbischof ließ sich auf der Nase herum tanzen und krönte sechs Monate später den Staufer Philipp von Schwaben in Aachen zum König.

Es krachte in der Kirche. Diese Kehrtwendung war ein Skandal und landete beim Papst Innozenz. Es geschahen Dinge, die selbst dem heutigen Bischof Tebartz-von Eltz erspart blieben, denn der Kölner Erzbischof Adolf Otto IV. wurde abgesägt und abgesetzt. Papst Innozenz besetzte den Bischofsstuhl mit der Konkurrenz südlich des Machtbereichs der Erzbischöfe, das waren die Grafen von Sayn bei Neuwied. Bruno von Sayn - übrigens der Reliquiensammler in meinem Post "Straße der Reliquien" - wurde Erzbischof von Köln.

Schillernde Frauengestalten sind selten in der Geschichte, insbesondere im dunklen Mittelalter, das von Kaisern und Grafen und Rittern und Bischöfen beherrscht wurde. Frauen versanken in der Bedeutungslosigkeit. Die Ehe von Mechthild von Landsberg mit Heinrich III. von Sayn war ein Kalkül der Macht. Mechthild von Landsberg, geboren um 1200, aus Thüringen stammend, brachte umfangreiche Besitztümer und Burgen ihres Vaters im Rheinland mit in die Ehe. Burgen, Höfe, Güter, Ackerland, Grundherrschaften, Verpachtungen, Lehen: gemeinsam mit dem Kölner Erzbischof desselben Adelsgeschlechtes entstand nach ihrer Hochzeit 1215 ein Herrschaftsbereich, der von Köln aus bis in die Eifel, das Bergische Land und den Westerwald reichte. Es war ein zusammenhängendes Gebiet, welches jahrhundertelang vorher und nachher in sich verfeindet und zersplittert war. Diesen Deal hatte der Papst höchst persönlich eingefädelt.

Der Zeitpunkt, als Mechthild von Landsberg beziehungsweise Sayn zur schillernden Frauengestalt wurde, war traurig, denn ihr Ehemann Heinrich III.  starb 1246. Ihre Ehe war kinderlos, und als Witwe und Gräfin durfte sie den umfassenden Herrschaftsbereich managen.

Sie wuchs an ihren Aufgaben. Landesherren und Vögte waren ihr untergeordnet. Das waren die Burgherren, die strategisch bedeutende Burgen wie Blankenberg über dem Siegtal, die Löwenburg im Siebengebirge oder Hachenburg im Westerwald verteidigen mussten. Amtssiegel, das Justizwesen sowie Gefängnisse und Strafvollzug unterstanden ihr. Aus ihrem umfassenden Immobilienbesitz warfen Höfe, Güter und Ackerland Erträge ab. Kämmerer verwalteten Einnahmen und Ausgaben, der zehnte Anteil wurde als Steuer abgeführt. Die Winzer ließen per Schiff ihren Wein nach Köln transportieren und dort verkaufen. Da es im tiefsten Mittelalter noch keine einheitliche Währung gab, durfte Mechthild von Sayn die Herausforderung bewältigen, alle Waren- und Geldflüsse über eine Vielzahl von Währungen abrechnen zu dürfen.

Natürlich gab es Neider, die Mechthild von Sayn ihre Machtfülle nicht gönnten. Andere Grafen fechteten die Erbfolge an, dass sie Alleinerbin nach dem Tod ihres Ehegatten war. Ihre drei Neffen wurden als alternative Erben ins Spiel gebracht. Doch auch sie taktierte. 1250 gewann sie Verbündete in Köln. Mit dem Kölner Kurfürsten Konrad von Hochstaden schloss sie einen Vertrag, dass das Erzbistum Köln nach ihrem Tod die Burgen Altenwied, Neuerburg, Rennenburg und Altwindeck erben sollte. Es war vor allem der Kölner Erzbischof Bruno von Sayn, der die Belange Mechthild von Sayns durchsetzte. So beschwerte sich Graf Dietrich von Kleve beim Papst über ihre Verschwendungssucht, doch Erzbischof Bruno lenkte ein, dass die Finanzen in Ordnung seien.

Klug und gebildet, war sie Bestandteil der höfischen Kultur des rheinischen Hochadels. Sie verkehrte rege mit Dichtern und bedeutenden Denkern des Mittelalters im Rheinland. Ihre Kontakte mit Cäsarius von Heisterbach und Albertus Magnus sind belegt. Dass sie Thomas von Aquin kannte, gilt als wahrscheinlich. Mittelhochdeutsche Dichtung interessierte sie leidenschaftlich, denn sie kannte den Dichter und Minnesänger Reinmar von Zweter.

Ihre Verbindung zum Erzbischof Bruno von Köln hielt bis zu ihrem Tode. Mit 82 Jahren wurde sie steinalt und überlebte ihren Ehegatten um 38 Jahre. 1246 gründete sie in Köln nahe der heutigen Severinsbrücke das Kloster „Maria im Spiegel“ – auch genannt „Sion“, abgeleitet von „Sayn“. Dort verbrachte sie ihre letzten Lebensjahre und starb 1285.

Kommentare:

  1. Danke! Die Dame der Kölner Zeit des Mittelalters kannte ich noch nicht. Liegtves daran, dass ich kein Sion trinke?
    LG
    Astrid

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  2. Interessant Dieter was du berichtest, die Dame kannte ich bisher nicht.
    Die Nachfahren sind mir wohl bekannt, Schloss Sayn mit seinem bezaubernden Schmetterlingspark ist sehenswert.
    Falls ihr noch nicht da wart, ein Ausflug lohnt sich.

    Liebe Grüße
    Angelika

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  3. Interessant! ... auch die Tatsache, dass Sion von Sayn abgeleitet ist ... :-)))

    lieben Gruß
    Brigitta

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  4. Das Schloss Sayn mit seinem hübschen Schmetterlingsgarten, wobei ich dort noch nicht war, ist ja sehr bekannt und viele Blogger waren dort schon, aber nun habe ich durch deinen Bericht auch etwas über die Dame mit gleichem Namen lernen dürfen. :-)

    Liebe Grüße und dir ein schönes Wochenende
    Chirsta

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  5. Sehr interessant, Dieter, und gut berichtet. Mensch lernt nie aus...
    Das Schloss Sayn und den Schmetterlingspark kann ich auch nur empfehlen.
    wieczoramatische Grüße zum Wochenende,(◔‿◔) | Mein Fotoblog

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  6. Hej Dieter,
    die Schönen und Reichen gab es also schon früher, nebst Neidern, Widersachern und Feinden. Die Welt hat sich diesbezüglich nicht verändert. Mit beachtlichen 82 Jahren hat sie ein erstaunliches Alter für diese Epoche erreicht. Ich denke( was Du darüber schreibst lässt die Vermutung zu) sie war eine kluge Frau.
    Ein informativer Geschichtsbeitrag für mich!

    Gruß
    Beate

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  7. Danke! Das sind wieder viele schöne und interessante Informationen. Von Mechthild von Sayn habe ich zwar schon gehört, aber mich nie mit ihr befasst. Mal sehen, auf welcher Burg sie mir mal begegnet.

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