Samstag, 8. Juni 2013

Jenny Elvers


Tumulte müssen sich vor der Villa abgespielt haben. Als Jenny Elvers ihr Haus durch das Gartentor verlassen wollte, kam sie sich wie in einem Spionagethriller vor. Kameras mit riesigen Objektiven hatten sich im Unterholz versteckt, Paparazzi suchten sie aus der Ferne zu erhaschen, ein Reporter trat direkt auf sie zu, als hätte sie sich zu einem Interview verabredet.
„Weg da … raus „ wischte sie die Sensationsreporter mit einer Handbewegung weg, als seien sie Ungeziefer oder eine Rattenplage. Kurz davor hatte die Bild-Zeitung darüber berichtet, dass ihre Villa in Rheinbach bei Bonn verkauft werden sollte. Die Gerüchteküche brodelte. Der nächste Exzess und die nächste Schlagzeile waren zu Greifen nahe.

Dass sie Wahl-Rheinländerin ist, gab Jenny Elvers offen zu. „Das Tolle für mich ist, dass ich im Rheinland wohne“ sagte sie 2005 in einem Interview mit der BUNTE. Ihre Heimat, die Lüneburger Heide, mochte ihr zu bieder, zu provinziell, zu verschlafen gewesen sein. Amelinghausen, mit 18 Jahren war sie dort Heidekönigin. Amelinghausen, das war provinzieller Mief gegenüber ihrem Aufstieg in die Promi-Liga Anfang der 2000er Jahre.

Rheinbach bei Bonn klingt besser als Amelinghausen. 2003 war sie in die 260 qm große Villa mit einem 2.012 qm großen Grundstück gezogen, als sie ihren Noch-Ehemann Goetz Elvershagen geheiratet hatte. Seitdem trägt sie diesen Zungenbrecher von Doppelnamen: „Elvers-Elvertzhagen“. Das ist ja noch schlimmer als unsere Justizministerin „Leutheusser-Schnarrenberger“. Wer kann so etwas aussprechen ?

Die Boulevardpresse ist Jenny Elvers’ Segen und Fluch. Dem provinziellen Mief der Lüneburger Heide suchte sie zu entkommen, indem sie nach ihrem Realschulabschluss eine Schauspielausbildung absolvierte. Hamburg, dann Los Angeles, als diplomierte Schauspielerin auf internationaler Ebene sah es so aus, als würde ihr die Welt des Theaters, des Kino und des Fernsehens zu Füßen liegen. Doch dem war nicht so. Iris Berben sagte einst über die Schauspielerei, dass ganz viel Engagement, Leidenschaft, Disziplin, Selbsterziehung, Ausdauer und Übung bis zum Umfallen dazu gehört, um ein erfolgreicher Schauspieler zu werden. Jenny Elvers bekam die eine oder andere Nebenrolle, als sie 1995 in dem Til Schweiger-Film „Männerpension“ eine der Frauenrollen neben Heike Makatsch und Marie Bäumer spielte. Oder sie trat sporadisch in Fernsehserien auf wie „Der Bulle von Tölz“ oder „Alarm für Kobra 11“.

Der Durchbruch gelang ihr schließlich nicht auf den Brettern, die die Welt bedeuten, sondern in der Reality-Show „Big Brother“. Alex Jolig, damals ein bedeutender Biergarten- und Kneipenbesitzer in Bonn, war gemeinsam mit ihr im Big Brother-Container eingesperrt. In dieser Reality-Show – die in dasselbe unterirdisch banale Niveau wie das Dschungelcamp einzuordnen ist – lernten sich Alex und Jenny im Jahr 2000 kennen und lieben. Heiße Liebe, Leidenschaft, Schwangerschaft, Trennung, 2001 kam ihr Sohn, den Jenny streng von der Öffentlichkeit fernhält, zur Welt.

Mit „Big Brother“ stürzte sich die Klatschpresse auf Jenny Elvers und schoß die phantastisch aussehende Blondine mit den runden Gesichtszügen von der C-Promi-Liga in die A-Promi-Liga. Das war unbegreiflich. In der Schauspielerei Mittelmaß, gaben nun Sympathie und Schönheit den Ausschlag, um auf sämtlichen Titelseiten zu landen. So präsentierte sie sich auf den roten Teppichen auf Augenhöhe mit Größen wie  Hannelore Elsner, Senta Berger, Annette Frier oder Heike Makatsch. Entscheidend war auch ihre Ehe mit Goetz Elvershagen, um in die A-Liga der Promis befördert zu werden. Elvertzhagen vermarktet Künstler wie Bernd Stelter, Thomas Godoj oder Zeltinger. Trotz der überwiegend unbekannten Künstler scheint sich die Vermarktung so sehr zu rechnen, dass sich Elvertzhagen im Jahr 1997 die Villa gekauft hatte, dessen Wert nun auf 845.000 Euro geschätzt wird.

„In meinem Kleiderschrank hängen 500.000 Euro“ titelte die Bild-Zeitung, als Jenny Elvers Detail-Einblicke in ihre tiefste Privatsphäre gewährte. Für die Bild-Zeitung öffnete sie Schuh- und Kleiderschränke, sie zeigte ihre umfassende Kollektion von Umhängetaschen, Brillen und Schmuck. Davon hätte das eine oder andere Sahneschnittchen ihr Mann spendiert.

Mehr Schein als Sein, diese Schieflage zwischen schauspielerischem Potenzial und Bad in der Öffentlichkeit konnte auf Dauer nicht gut gehen. Die Klatschpresse hatte eine Scheinwelt aufgebaut, die nichts mit der Persönlichkeit von Jenny Elvers zu tun hatte. Jenny Elvers identifizierte sich mit dieser Scheinwelt – und scheiterte. Sie war Objekt für Segen und Fluch der Klatschpresse.  

Alkoholismus, Skandal-Auftritt bei Bettina Tietgen im NDR, Entzug, Trennung von ihrem Ehemann – im letzten halben Jahr überschlugen sich die Ereignisse. Bild, Express & Co, die Klatschpresse, das Fernsehen, alle kamen kaum noch nach, die Chronologie der Ereignisse nachzuzeichnen. Geradezu irrwitzige Verfolgungsszenen muss es gegeben haben, als Jenny Elvers Ende März nach ihrer Entziehungskur Bier in einem Supermarkt gekauft hat. In breiten Schlagzeilen  berichtete die Bild-Zeitung darüber.

Anfang April rief sie die Polizei, damit sie unbehelligt von Paparazzi ihre Villa verlassen konnte. Anschließend verschwand dieses Ungeziefer von Paparazzi. In Interview machte sie zuletzt einen kühlen und besonnenen Eindruck. Alkohol sei kein Thema mehr für sie. Sie blicke nach vorne. Ihr Sohn sei ihre wichtigste Stütze. Sie finde zu sich selber zurück.

Sie schöpfte aus dem, was den Hochstapler Felix Krull in dem Roman von Thomas Mann stark gemacht hatte. „Eine der hoffnungsreichsten Lebenslagen ist die, wenn es uns so schlecht geht, dass es uns nicht mehr schlechter gehen kann.“ Eine kurze Zeit fand ich Jenny Elvers eine höchst bewundernswerte Frau ist.

Doch sie musste das lernen, was einst Iris Berben über die Schauspielerei gesagt hatte: man braucht sehr viel Engagement, Leidenschaft, Disziplin, Selbsterziehung, Übung und Ausdauer. 

Kommentare:

  1. ...und nichts desto trotz kann ich es verstehen wie gruselig es sein muss immer von Paparazzi verfolgt zu werden.

    Keinen Schritt ohne und dazu dann noch oft so wirklich dumme Fragen. Da würde auch mir der Kragen platzen^^


    Hab ein schönes WE und herzliche Grüssle

    Nova

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  2. ....ganz egal wie man zu ihr steht. Ihr hat
    der Promikult kein Glück gebracht. Sie ist
    tief gesunken - und jeder Skandal zieht sie
    tiefer in den Strudel.
    Einen sonnigen Samstag wünscht dir
    Irmi

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  3. Hallo (◠‿◠)
    Hoffentlich nimmst du es mir nicht übel, aber für Promis die nichts bringen, habe ich ü-haupt kein Interesse. Ich interessiere mich für Leute wie Frank Zander und Judith Rakers, um nur mal zwei Bsp zu nennen. Das sind Promis mit einem guten Herz, die vernünftigt ihre Arbeit machen, professionell mit den Medien umgehen, auf dem Boden geblieben sind und viel Gutes tun. Da könnte ich mir jetzt MÜhe geben, und noch einige mehr aufzählen. *smile*
    Sei nicht sauer und schönes WE, Wieczora (◔‿◔) | Mein Fotoblog

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  4. Egal ob Prominent oder nicht man kann nicht wissen was sich wirklich abspielt, welche Hintergründe, Beweggründe... Was ist Presserummel was ist Wahrheit...Was für mich Fakt ist das diese Frau leider ein Promi ist der es nicht geschafft hat dieses "Geschäft" heil zu überstehen.
    Schade und sehr traurig...

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  5. ach neee ... das wäre nicht mein Lebenstraum ...

    ich wünsche dir einen schönen Sonntag. Lieber Gruß von Heidi-Trollspecht

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  6. Gibt es irgendeinen Promi, der durch Big Brother berühmt wurde, dem diese Berühmtheit geholfen hätte? Ich weiß keinen. Leider ist es sehr kurzzeitiger Ruhm und je tiefer der Fall umso mehr profitiert die Bildzeitung davon.

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    1. Hallo Maegwin,

      der Einzige, der mir einfällt, der durch Big Brother "berühmt" wurde ist Jürgen Milski.

      LG Frauke

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  7. Danke für diesen wieder sehr ausführlichen Bericht Dieter.
    Auch wenn ich mit dieser Frau überhaupt nichts anfangen kann, wünsche ich ihr doch, dass sie sich wieder fängt und ihr Leben dauerhaft in den Griff bekommt.

    LG Frauke

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