Samstag, 24. August 2013

mit dem Rennrad nach Sinzig


bergauf nach Königsfeld
Städte im Rheinland, die ich noch nie gesehen habe ? Im Umkreis von 50 Kilometer sind dies nicht allzu viele. Zumindest in den sehenswerten, historischen oder wichtigen Städten bin ich gewesen, wenngleich in manchen nur sehr kurz.

Ehrlich gesagt, hatte mich Franka mit ihrem Post auf die Idee gebracht, in einer Rennradtour Sinzig unterzubringen. Ich war noch nie in Sinzig. Das Gefühl war einzigartig, auf dem großen Platz zu sitzen und auf die wuchtige romanische Kirche aus dem 13. Jahrhundert zu schauen.

Doch beginnen wir von vorne. Bis Bad Neuenahr verläuft eine meiner Standardrouten. Wachtberg, Grafschaft, im Ahrtal biege ich normalerweise nach Ahrweiler ab. In Bad Neuenahr habe ich die Ahr überquert und bin anstatt dessen Richtung Königsfeld gefahren. Mitten in die Eifel hinein war dies der Härtetest dieser Tour. Nachdem ich die Ahr überquert hatte, die in Bad Neuenahr hinter dem Kurpark ungewohnt seicht und flach dahin floß, musste ich rund dreihundert Höhenmeter bewältigen. Am Stadtrand von Bad Neuenahr stieg das Höhenprofil kräftig an, flachte dann auf einem erträglichen Niveau ab. Anfangs fand ich die Treterei noch abwechslungsreich. In der Ferne erhaschte ich einen Blick auf die Autobahnbrücke A61, die sich mit ihrem mächtigen Brückenbauwerk über das Ahrtal stemmte. Ich folgte einem System von Kurven, das in schlappen Biegungen den Berg hoch krabbelte. Das pralle Sonnenlicht zerfaserte in der Urwüchsigkeit des Waldes, der bei den heißen Temperaturen angenehmen Schatten spendierte.

Später raubte der Anstieg doch meine Kräfte. Hinter jeder Biegung und Kurve erhoffte ich, dass es bergabwärts ging, doch es sollte dauern, bis ich die dreihundert Höhenmeter geschafft hatte. Ab Kilometer 8,3 auf der Landstraße 83 war es soweit. Erst glitt die Straße in sanften Schüben den Berg hinunter, hinter dem Waldrand wurde die Abfahrt rasant. Abgeerntete Getreidefelder öffneten sich, auf den Feldern verluden Bauern runde Strohballen auf Anhänger. Der Blick in die Weite war atemberaubend und sprang über Höhenzüge, die von dem satten Grün der Wälder überzogen waren.


Blick über die Eifelhöhen
Königsfeld war nichts besonderes, obschon es mehr als eintausend Jahre alt war. Die Dorfkirche aus dem 13. Jahrhundert versteckte sich hinter Scheunen und Schuppen, die mit Wellblech verkleidet waren. Die Häuser drängelten sich in das enge Tal hinein. Richtung Sinzig überraschte mich ein steiler Anstieg, der meine Hoffnung auf eine ausruhende Abfahrt ins Tal abrupt beendete.

Maternuskapelle
Inmitten der Anstrengung kam sie doch, die Episode des historischen Königsfeld. Nach einer Legende war der Heilige Maternus, der im 4. Jahrhundert Bischof von Köln war, nach Trier gewandert und hatte in der Nähe von Königsfeld Rast gemacht. Zu seinen Ehren hatte man im 17. Jahrhundert an derjenigen Stelle eine Kapelle gebaut, wo Maternus sein Nachtlager aufgeschlagen haben soll. Danach wurde die Kapelle ein reges Ziel von Wallfahrten. Im 19. Jahrhundert wurde die Kapelle so umgebaut, wie man sie heute vorfindet.

Die Fahrt den Berg runter nach Sinzig wurde holpriger, als ich es mir gewünscht hatte. Die Straße war grob asphaltiert und es wimmelte von Unebenheiten. Das hatten die Beamten vom zuständigen Straßenbauamt auch erkannt, denn einige Kilometer weiter sorgte eine Baustelle wieder für Ordnung. Einstweilen musste ich mich über die abgetragene Asphaltschicht quälen, danach bugsierte ich mich über eine frische Teerschicht, auf der mein Rennrad fast kleben zu bleiben drohte.

Ich atmete auf, als ich Sinzig erreichte. Ein letztes nerviges Stück führte bergauf, dann war ich im Zentrum. 50 Kilometer lagen hinter mir, also Zeit für eine Pause. Meine Premiere in Sinzig überraschte mich überaus positiv. Schön dicht lag alles im Zentrum zusammen: die romanische Kirche, das Rathaus und der Zehnthof. Und dann die ausgreifende Breite des Platzes vor der Kirche, die so großzügig war, wie ich es sonst nur von Plätzen in Belgien kannte. Ein wenig fühlte ich mich nach Maaseik, Tongeren oder St. Truiden versetzt. In Sinzig passte alles, vor allem das Café mit dem einladenden Blick auf die romanische Kirche. Das war ein erfrischendes Gefühl, Ecken des Rheinlandes kennen zu lernen, die ich noch nie zu Gesicht bekommen hatte. 

Marktplatz in Sinzig

Prompt kam die Kellnerin, die beiden Weizenbier schmeckten nach all den Kilometer vorzüglich. Die romanische Kirche aus dem 13. Jahrhundert betrat ich nicht. Anstatt dessen streckte ich die Beine in die Länge und  ließ ich das imposante Gesamtbild mit dem rot-weißen Anstrich auf mich wirken.

Als ich Sinzig verließ, schimpfte ich über die Beschilderung, die nur an Autofahrer gedacht hatte. Schurgerade wurde ich auf die Kraftfahrstraße der B9 nach Remagen geleitet ohne alternative Beschilderung, wie denn bitte Fahrradfahrer nach Remagen gelangen sollten. Anstatt dessen stocherte ich kreuz und quer durch die Felder nach Remagen-Kripp an den Rhein (was mir einen Umweg von fünf Kilometern bescherte). Remagen war ein krasses Gegenstück zu Sinzig, denn Remagen war touristisch, setzte auf der Anziehungskraft des Rheins auf und die Ausflügler versammelten sich zahlreich.

Rheinpromenade in Remagen
Der Radweg am Rhein ist wunderschön, ich bin dort aber seit sieben Jahren nicht mehr gefahren. Er ist Teil des Radwegs von Köln nach Koblenz. Ohne Steigungen, führt er zu 80% direkt am Rhein entlang, so dass  auch weniger ambitionierte Fahrradfahrer gemächlich die Schönheiten des Rheins genießen können. Mich stört allerdings, wie frequentiert der Radweg ist und wie undiszipliniert sich diverse Fahrradfahrer verhalten. Dass Fahrradfahrer nebeneinander fahren und sich unterhalten, ist schon beinahe normal. Interessant wird es, wenn ganze Pulks sich im Schneckentempo vorwärts bewegen und kaum Notiz davon nehmen, wenn andere sie überholen wollen.

Ich will den Radweg nicht schlecht reden: er ist absolut sehenswert und wenn er nicht überbevölkert ist, ist der Rhein ein landschaftliches Erlebnis sondergleichen. Bahnhof Rolandseck, Nonnenwerth, Rolandsbogen, Drachenfels, Drachenburg: der Radweg war vollgespickt mit Sehenswürdigkeiten. Am Ende des Tages hatte ich neunzig Kilometer geschafft. Abends waren meine Füße schwer wie Blei. Ständig tauchte das Bild vor meinen Augen auf: der schöne Platz in Sinzig mit der romanischen Kirche.

Kommentare:

  1. Das war wieder eine grandiose Beschreibung.
    Ich glaube, dass du am Ende des Tages wußtest,
    was du geleistet hast.
    Ein schönes Wochenende wünscht dir
    Irmi

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  2. Wunderbar hast du die Tour beschrieben Dieter, richtig eindrucksvoll. Glaube gerne das deine Beine am Abend müde waren. Ich bewundere deine Radstrecken immer wieder aufs neue.

    Liebe Wochenendgrüße
    Angelika

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  3. Hallo!
    Da hast ja eine beachtliche Rad-Tour unternommen, und mit deinem Text hast du das Erlebnis gut beschrieben und deine Kamera war auch dabei. Da sieht man, wie fleißig Du bist. Mach weiter so!
    Gruss, Wieczora (◔‿◔) | Mein Fotoblog

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  4. Ich kann immer nur den Hut vor dir ziehen welche Touren du mit deinem Rad bewältigst und unternimmst. Echt klasse, und ich bin überzeugt das man die Natur nicht besser wahrnehmen kann. Schon alleine von den Gerüchen und Geräuschen her^^

    Auch diese Tour finde ich wieder wundervoll von dir beschrieben. Da bekomme ich immer das Gefühl als wenn ich dich begleiten würde. Danke dir dafür, auch für die schönen Fotos.

    Wünsche dir einen schönen Sonntag und sende liebe Grüsse

    Nova

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  5. Bad Neuenahr, Ahrweiler, das Ahrtal, Sinzig, Graftschaft.... alles wohl bekannt durch Famileie vor Ort. Und immer wieder einen Kurztrip Wert.
    Danke für den schönen Bericht, den ich mir bei einem Kaffee zu gemüte geführt habe.
    Viele Ninjassiebengrüße

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  6. Lieber Dieter, Sinzig hab ich mir auch noch nicht genauer angesehen, obwohl ich schon viel in der Gegend herumgekommen bin. Wird also Zeit...
    Zu deinem Kommentar bei mir:
    Du hast du sicher recht, dass die Schweiz teuer ist. Doch die Tochter & der Schwiegersohn haben hier einen ihrer Qualifikation entsprechenden Job gefunden mit Arbeitsbedingungen, unter denen man hier die 3 Kinder GEMEINSAM aufziehen kann ( anders als bei uns ). Und da wir sie einigermaßen regelmäßig sehen wollen, kommen wir hierher. Und sehr schön ist es hier allemal…
    Einen schönen rheinischen Sonntag!
    LG
    Astrid

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  7. Ganz ehrlich gesagt: Sinzig finde ich nicht schön, lediglich der Platz mit der Kirche ist ein Kleinod. Es ufert an den Rändern doch ziemlich unkontrolliert aus. In der Kirche gibt es übrigens eine Mumie.
    Remagen dagegen - auch wenn es touristisch überlaufen ist - mag ich sehr. Ich finde, die Neugestaltung der Promenade ist gut gelungen. Kaffee oder Bier kann man dort auch trinken, aber essen besser nicht ;-) Wir nutzen oft die kleine Fähre 'Nixe' nach Erpel rüber.
    90 km? Alle Achtung! Da sieht man, wie weit man mit dem Rad kommen kann.
    LG, 'Franka'

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  8. Beim Lesen war ich auch richtig froh als das Ziel Sinzig erreicht war :-)
    Ich habe deinen Bericht wieder sehr gerne gelesen. Da bin ich zeilenweise richtig mit dabei :-)
    lieber Sonntagsgruß von Heidi-Trollspecht

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  9. Nun haben wir hier schon über 30°, trotzdem "radelte" ich lesend diese tour in gedanken mit. Eine schöne tour hast Du unternommen u. bewältigt, aber ich geh nun mal duschen.....

    Noch einen schönen Sonntag wünschend,
    Bine

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  10. Hallo Dieter,
    die Tour hätte ich auch gerne gemacht.
    Mein Mann ist gestern von Bielefeld zur Nordsee geradelt, in einem Stück.
    Ich war ziemlich neidisch auf die Tour, aber ich hätte das nur in 2 Tagen geschafft!
    Die Spiersträucher blühen im April, daher sind die Bilder auf meinem Blog jetzt ziemlich unpassend, aber ich war so stolz auf die gelungene Vermehrung. ;-)
    VG
    Elke

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  11. Anstrengend, aber für die Seele sehr befriedigend, wenn man es geschafft hat :-)
    Sinzig & Co. ... alles Dörfer / Städte, an denen ich schon so oft vorbeigefahren bin, aber noch keinen Grund zum Anhalten hatte. So kannte ich die wirklich wunderschöne Kirche noch nicht.

    LG Frauke

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  12. you are a great athlete, I like to bike too!
    Big hugs, be very happy

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