Donnerstag, 6. September 2012

September




Die Melodie von Lana del Rey „Summertime Sadness“ ließ mich aufblühen. Bei unserem Bodensee-Urlaub hatte SWR3 dieses Stück in Endlos-Schleifen gespielt, so dass es nicht mehr aus meinem Kopf verschwand. Sonne, Urlaub, mit der trägen Stimme von Lana del Rey hatte ich ein Stück laissez-faire verbunden: sich gehen lassen, tun, was einem Spaß macht, die Zeit genießen.

Nun, im September, hält das schöne Wetter durch. Die Sonne lächelt vom Himmel. Die Wärme zeigt Durchhaltevermögen, so dass ich mich in luftiger Bekleidung frei fühlen kann kann. Noch schöner: die Hitzewellen sind definitiv vorbei, die Wärme hat sich in den erträglichen Zonen eingependelt. Trotz Arbeit und trotz Alltag: mit der Sonne verbinde ich mit dem September noch ein Stück Urlaubsstimmung, die sich vom Bodensee ins Rheinland gerettet hat.

Licht und Konstanz – dass meine Stimmungen kaum Schwankungen unterworfen sind, das gilt nicht mehr uneingeschränkt für den September. Dazu ist zu sehr spürbar, dass die Tage kürzer werden. So kann es morgens geschehen, dass ich je nach Bewölkung Licht am Fahrrad einschalten muss, wenn ich ins Büro fahre. Da mein Rennrad ohne Licht ist, muss ich das Trekking-Rad nehmen. Was nicht weiter tragisch ist. Im Gegenteil: wenn die Sonne morgens immer später aufgeht, werde ich dafür entschädigt mit Sonnenaufgängen, die ich auf dem Fahrrad Live miterleben kann. Wenn sich von zartgelb bis feuerrot das komplette Farbspektrum ergießt, wenn Wolken in Farben eintauchen, als ob sie gemalt wären, wenn der Moment voller Spannung knistert, dass sich ein erstes Stückchen Sonne bei wolkenlosem Himmel über den Horizont geschoben hat. Später, wenn der Tag angebrochen ist, imponieren mich diejenigen Momente, wenn die Sonne voller Wucht über der Kulisse des Rheins mit dem Siebengebirge steht.


 Abends kehren sich diese Momente um. Die Dunkelheit marschiert jeden Abend früher in unseren Garten hinein. Sie dämpft diesen Aktivitätspegel, der mich bis mitten in der Nacht aufgedreht und wach gehalten hat. Die Abende beginnen länger zu werden. Der Raum für Gespräche, Fernsehen, Radio hören, lesen nimmt zu. Gegen 22 Uhr sackt meine Aufmerksamkeit rapide ab, bis mich der Schlaf einholt. Im Grunde genommen bin ich froh um den September, denn irgendwann wäre ich sonst überdreht gewesen - von morgens früh bis abends spät auf Dauerbetrieb geschaltet.

„Kiss me hard before you go
Summertime sadness
I just wanted you to know
That baby you're the best

I've got that summertime, summertime sadness
Got that summertime, summertime sadness
Got that summertime, summertime sadness" 

Nein, der Sommer hat sich noch nicht mit sadness, Traurigkeit oder Melancholie verabschiedet. Die Farben in der Natur tragen eine erste Ankündigung des Abschieds. Gelb, orange, rot, braun, flackern die Farben in einem satten Unterton. Am Wegesrand in Sträuchern, denen ich sonst desinteressiert hinterher schaue, mogelt sich das dezente Rot von Hagebutten, Felsenmispel oder Jungfernrebe hinein.





Noch überwiegen Anfang September die Grüntöne, doch Pappeln und Weiden haben ihre ersten Blättern verloren. Dort sind die Zeichen des Herbstes unübersehbar, wo welkes Laub die Grasflächen vereinnahmt. Zu Haufen zusammengefegt, rückt das Herbstlaub sogar bedrohlich nahe, doch noch zeigt die Wärme Durchhaltevermögen und Kraft. Auch der Nebel hat sich in der letzten Woche zu den Zeichen des Herbstes gesellt. Vom Rhein her schwappte der Nebel in Schwaden hinüber. Die Dunstwolke verteilte sich in der Parklandschaft, legte sich als lähmende Masse über die Bäume, zäh und ohne Luftbewegung erstarrte das Blattwerk. Das war bisweilen gespenstisch, wie sich Spaziergänger und Jogger aus dem Dunstkreis heraus schälten und später auf mysteriöse Weise wieder im Nebel verschwanden.

Im Wahnsinnstempo werden die Tage kürzer. Die Stimmungen können sich schlagartig verändern. September, Oktober, der Herbst steht vor der Türe. Die Jahreszeit von Licht und Konstanz ist bereits jetzt vorbei.

Kommentare:

  1. Hallo Dieter
    Das hast Du schön beschrieben.
    Ja die Tage werden rasant kürzer und morgens steigt der Nebel hoch, doch noch hat die Sonne tagsüber die Kraft, das es ein herlicher Tag wird. Zum Wochenende soll es noch einmal richtig warm werden.

    Die Blätter verfärben sich und das Laub auf den Strassen künden den nahenden Herbst an.

    Hab noch einen schönen Abend und liebe Grüße
    Angelika

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  2. Ich mag es auch sehr. Und obwohl es wirklich gefühlt in der Endlosschleife lief (höre hier auch viel SWR3, wo ich 1live nicht mehr habe - ist aber nicht das gleiche), habe ich es mir noch nicht über gehört.
    Aber ich finde es ein bisschen traurig und melancholisch. Eigentlich wirklich ein Herbstlied und keins für den Sommer.

    Grüße! N.

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  3. ja - wieder sehr schön ge(be)schrieben - und dazu die tolle Musik. So kann der September bleiben :-)
    lieber Gruß von Heidi-Trollspecht

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  4. der Herbst kann was wunderbares auch sein sehr zum kuscheln dem anderen, die Nähe der Familie und auch das Licht das man sich anzünden dann kann und die bunten Farben der Bäume, sammeln mit den Kindern von Kastanien, Eicheln, Bucheckern und bunte Blätter die auf dem Tisch sich schmücken .. der Nebel was gespentisch sein Kleid wehen lässt über die Erde... die Sonnen strhalen die noch eisern raus kommen sie entgegen zu nehmen dankbar!
    Ja, die stillere Zeit bald anfängt... das man die Ruhephase erleben darf in sich und das schöne Heim romantsicher macht sich!
    Das wünsche ich dir jetzt lieber Dieter!
    Lieben Gruss Elke

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  5. Hej Dieter,
    die sprachlichen Ausdrucksmöglichkeiten sind ja zum Glück vielfältig. Interessant wäre verschiedene Leute das gleiche Thema bearbeiten zu lassen.
    Die Beschreibung Deiner Herbsteindrücke lässt Bilder vor dem geistigen Auge entstehen. Damit hat der Leser die Möglichkeit "dabei zu sein". Was gibt es Besseres?
    Auf das Rheinland freu ich mich schon sehr. Bin gespannt, wann es dann soweit sein wird.

    Gruß
    Beate

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  6. Du hast es so toll beschrieben.Ich leibe den Herbst wir rücken näher zusammen und machen es uns gemütlich.
    LG
    Nicole

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  7. Hallo Dieter,

    gute Musik und tolle Bilder. Überall sieht man inzwischen die Bäume braun werden. Eine farbenprächtige Jahreszeit.

    Gruß Nachtfalke

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