Samstag, 8. Dezember 2012

Weihnachtsmarkt im Schloss Engers

Auf den Weihnachtsmarkt im Schloss Engers bin ich zufällig gestoßen, als wir Freunde in Bendorf (in der Nähe von Koblenz) besucht haben. Vor zwei Jahren hatte ich Engers auf einer meiner Radtouren flüchtig kennen gelernt. Die mächtige Kulisse des Schlosses über dem Rhein hatte ich noch in Erinnerung. Nachdem wir unsere Autos geparkt hatten, drehte sich in meinem Kopf alles um den Fixpunkt des Schlosses. Da viele Weihnachtsmärkte austauschbar sind, hatte ich keinerlei Erwartungen. Das Schloss entpuppte sich als wahrer Fixpunkt. Zuerst wies die Hauptstraße dieses kleinen, hübschen Städtchens direkt auf das Schloss. Dann öffnete sich der Vorplatz des Schlosses. Und die mächtige Eingangstüre des Schlosses stand offen und lud ein in das Schloss zum Bummeln über den Weihnachtsmarkt !


Weihnachtsmärkte, bei denen örtliche Vereine Präsenz zeigen, wirken auf mich besonders bodenständig.



Auf dem Rathausplatz sammeln sich die ersten Stände.


Weitere Stände folgen auf dem Vorplatz des Schlosses.


Ich werfe einen Blick in diese Stände hinein.


Zwischendurch hatte ich noch gefragt, ob und wann man das Schloss besichtigen kann. Als der Haupteingang offenstand, erübrigte sich diese Frage.


Das Barockschloss Engers war mir sogar ein Begriff, weil ein Schüler Balthasar Neumanns Architekt des Schlosses war (Anmerkung: Balthasar Neumann war Architekt der Barockschlösser Augustusburg in Brühl und Würzburg).


Figuren zieren die Fensternischen.





Ein Stand ist schöner als der andere.


Ein Kronleuchter unter Stuckarbeiten an der Decke.


Eine Kommode mit Blumenschmuck und Spiegel.


Durch die Fenster kann man die Schiffe auf dem Rhein vorbeifahren sehen.


Steinalte Gemälde lugen zwischen den Wehnachtsständen hervor.


Diese Treppe führt hinauf in das obere Geschoss.


Der Spiegelsaal ist das Herz und das Zentrum des Schlosses.



Deckenmalereien und Stuckarbeiten haben mich überwältigt.


Klöppelarbeiten mit Erklärungen auf Niederländisch gab es sogar auch zu sehen.


Bevor wir das Schloss verließen, warf ich noch einen Blick auf Comic-Figuren wie Tim & Struppi und Asterix & Obelix.


Zum Schluß betrachtete ich das Schloss vom Rhein aus.

Wir alle waren hingerissen von diesem einzigartigen Weihnachtsmarkt mitten in einem Barockschloss.

Donnerstag, 6. Dezember 2012

L'art pour Lebkuchen

Seitdem ich blogge, hat sich mein Leben verändert. Meine Denkwelt stellt die Dinge auf den Kopf, rückt sie zurecht, es wird neu sortiert, Prioritäten werden anders gesetzt. Ich schaue tiefer in die Dinge hinein, weil ich sie aufmerksamer betrachte. Ich habe die Formen vor mir, in denen ich poste. Die Dinge nehmen Gestalt an, ich modelliere sie, ich übersetze sie in Text und Bilder, bis sie in meinen Posts erscheinen.

Wieso blogge ich ? Bloggen betrachte ich nicht als Selbstzweck, sondern ist nach außen gerichtet. Indem ich Texte und Bilder zeige, baue ich eine Verbindung zum Leser auf.

Wenn ich umgekehrt andere Blogs in anderen Denkwelten lese, freue ich mich über Inhalte, die kritisch sind, die Dinge mit eigenem Urteilsvermögen durchleuchten und Denkanstöße liefern. Ich möchte gerne über die Dinge aufgeklärt werden. In der Denkwelt eines Aufklärers wie Voltaire wäre dies, dass man Freiheit und Unabhängigkeit im Denken lernt, um sich auch gängigen höherwertigen Meinungen zu widersetzen.

Ich möchte nicht abdriften dahin, was Wolfgang Niedecken in der Malerei „L’art pour Lebkuchen“ genannt hat. Er hatte triviale Themen aus der Illustrierten-Welt von Gala, Neue Revue, Neue Post & Co in seinem eigenen Stil gemalt. Weil diese trivialen Themen quasi endlos reproduzierbar waren, wollte er Stückzahlen von Bildern schaffen. Er erreichte zwar diese Stückzahlen von Bildern, es mangelte aber an Details und Hingabe. Was er tagtäglich erlebte, fand sich in den Bilder nicht wieder.

Diese „L’art pour Lebkuchen“ möchte ich in meinen Posts gerne vermeiden. In meinen Posts sollen bewusst Ecken und Kanten stecken, an denen sich der Leser reiben kann. Bei anderen Posts mag ich es, wenn ich anfange nachzudenken, wenn ich nach Analogien suche, wenn ich dieses und jenes und welches miteinander vergleiche und wenn sich meine eigene Gedankenwelt dadurch anreichert. Lob, Tadel, Kritik, Provokation, Revolution, in der Unabhängigkeit des Denkens ist dies alles erlaubt.

Wolfgang Niedecken verband mit „L’art pour Lebkuchen“ Zynismus und Dekadenz. Klar, man kann nicht nur schwarz sehen, anklagen, kritisieren oder in eine Depression versinken. Schöne Momente des Alltags festhalten, gehört für mich genauso zum Bloggen. Ich will aber nicht unterhalten werden, so als ob ich abends passiv im Fernsehsessel mit einem Glas Wein und einer Tüte Chips versinke. Ich will hinsehen, wenn ich den Schmuddel-Ecken des Alltags begegne. Hässlichkeiten und Unannahmlichkeiten, Ungerechtigkeiten und Missstände, diese Sichtweisen reizen mich besondeers.

Wieso bloggen andere ? Sie sehen denselben Charme, dass sie eine Verbindung zum Leser aufbauen. Sie teilen Freude und Gedanke mit anderen, sie tauschen Ideen aus und genießen all die neuen menschlichen Kontakte. Auch sie wollen ihre Gefühle zeigen und so sein, wie sie sind: undressiert.

Genauso wie Wolfgang Niedecken in seinem Stück „Koot vüür aach“ aus seiner LP „Vun drinne noh drusse“, welches die Momente vor einem Bühnenauftritt beschreibt:

Will keine wabernde Masse aus grölenden Köpfen, 
anonym, die mich leerkonsumiert, die man abspeisen kann, 
die man unmündig hält, mit Routinesprüchen manipuliert. 
Will mir Fehler erlauben, Gefühle zeigen halt. 
So wie ich bin will ich sein: Undressiert.

Eines ist klar: das Bloggen wird weiter mein Leben  verändern. Bisher war es eine positive Bereicherung.

Dienstag, 4. Dezember 2012

die rote Bank


Wie eine Krake griffen sie um sich. Die jungen Frauen in Overalls hatten sich auf der Kreuzung zweier Einkaufsstraßen positioniert und machten einen Beutezug auf die Laufkundschaft. Mit Mühe entkam ich ihnen, als sie mich mit einem Flyer über die Vorzüge ihres Fitness-Studios aufklären wollten. Weniger aufdringlich war eine Parfümerie: eine hübsche Promoterin mit einer gestylten Lockenfrisur pries ein neues Parfüm an, das den Namen einer US-Schauspielerin trug. Ab und zu stoppten Frauen, sogen die Duftmarke in ihre Nasen hinein, die meisten schritten anschließend unbeteiligt weiter. Kurz vor dem Busbahnhof verrammelten Prozentschilder in einer aufreißenden Art ein Schaufenster, hinter dem man angeblich Bettwäsche nachgeschmissen bekam. Auf den matten Pflastersteinen tat ich mich schwer, aus dieser künstlichen Waren-Welt die Überfülle an Eindrücken herunter zu fahren. Der Verkehr staute sich bis zur roten Ampel am Hauptbahnhof dahin.

Lange Zeit hatte ich keine öffentlichen Verkehrsmittel mehr benutzt, und prompt war ich wieder aufgereizt. Ich starrte auf die rote Bank.

Eine Bank ? Rot ? Vor der Bushaltestelle ? So richtig zum Hinsetzen ? Das war wieder der Weg zurück in grelle Farben und in eine künstliche Waren-Welt hinein. Ich erinnerte mich an das, was man gemeinhin unter einer Sitzbank verstand: Holz, natur, aus schmalen Brettern bestehend, etwas abgewetzt, gemütlich zum Sitzen. Das war hier nicht so.

Nun hatte sich die Sparkasse dieser Bank bemächtigt. Das war neu, in welche Kreise Sponsoring oder Product Placement hinein griffen. An so manches hatte ich mich ja gewöhnt. All die ganzen Formel 1-Rennwagen von BMW, Renault, Ferrari, Merzedes waren in aller Munde. Wenn die Stars der Fußball-Bundesliga Schuhe von Nike oder Adidas trugen, störte mich nicht. Ich hielt es für nutzbringend, den Breitensport zu sponsern – wie etwa das Radrennen „Rund um Köln“ von Skoda oder den Weihnachtslauf in unserem Nachbarort von REWE. Ausstellungen in Museen zu sponsern, konnte ich ebenfalls etwas positives abgewinnen – beispielsweise die Hockney-Ausstellung in Köln durch Rolex. Aber Sitzbänke ?

Das war komplett neben der Spur – noch dazu in dieser schrecklichen roten Farbe. Dabei war der Grundidee „Bank = Geschäftsbank = Bankgeschäfte“ nicht verkehrt. Kaufleute aus Venedig tätigten im 13. Jahrhundert ihre Geldwechselgeschäfte auf Bänken, woraus die ersten Banken im venezianischen Handelsverkehr entstanden, der bis nach Asien reichte. Die venezianischen Kaufleute entwickelten Finanzierungsgeschäfte, die bis heute Anwendung finden. „Bank = Geschäftsbank = Bankgeschäfte“ war somit der Entwicklungspfad, den Banken im Venedig des 13. Jahrhunderts durchlaufen hatten.

Die Geschichte der roten Bank = Sparkasse war schnell erzählt. Die Sparkasse sponserte im Frühjahr 2012 insgesamt 50 Bänke, die entsprechend der Farbgebung der Sparkasse rot lackiert waren. Durch dieses Bank-Sponsoring sparten die Stadtwerke die dazugehörigen Beschaffungskosten ein. Bei den chronisch verschuldeten öffentlichen Haushalten mochte dies ein wenig Entlastung bedeuten. Fahrgäste von Bussen und Bahnen, die auf den Bänken weilten, sollte mit der roten Farbe suggeriert werden, dass die Sparkasse sie allgegenwärtig begleitete.

Gestalter und Designer hatten offensichtlich an einer Geschmacksverirrung gelitten. Die knallrote Farbe dürfte auf die meisten Bus- und Bahnkunden abweisend wirken. Aufdringlich wie die Flyer-Aktion des Fitness-Studios, einlullend wie der neue Parfum-Duft, aufreißerisch wie die Prozentschilder einer Rabatt-Aktion. Die künstliche Waren-Welt der Fußgängerzone setzte sich nahtlos bis zur Bushaltestelle fort. Jedesmal, wenn ich dort stand, schaute ich weg. An manchen Stellen war die Stadt eine Aneinanderreihung von Hässlichkeiten, wobei niemand den Bürger gefragt hatte, ob er sie auch haben wollte.

Bank-Sponsoring – die Grundidee, die diese Bank mit der Sparkasse verbindet, verstand der normale Bürger kaum. Das war abgedreht ohne jegliche Bodenhaftung. „Für üch do“ (für euch da) hieß es in dem Werbeslogan, der vorgab, man hätte die Kunden der Sparkasse in einer Art von Marktforschung befragt, wie das optimale Design aus Kundensicht aussähe. So scheußlich, wie die Bank aussah, konnte daran kein Kunde der Sparkasse mitgewirkt haben. Vielleicht sollte man diejenigen Kunden der Sparkasse ausfindig machen, die den Anblick der überproportionierten roten Farbe ertragen mussten.

Bestimmt wäre der eine oder andere Kunde der Sparkasse dabei, der beim Anblick dieser Bank gerne sein Girokonto kündigen würde.

Montag, 3. Dezember 2012

Wochenrückblick #48

Unsere durchgeknallte Lady hat noch einen drauf gelegt
Vorgeschichte siehe Wochenrückblick #47. Kurz nachdem ich die Rechnung über die Polierarbeiten (40 €) unserer Haftpflichtversicherung zugesandt hatte, erhielten wir die Nachricht, dass der Schaden wegen der Geringfügigkeit der Schadenshöhe erstattet wird. Mit so etwas hatten wir nicht gerechnet. Als Grund vermutete ich, dass unsere durchgeknallte Lady und wir bei derselben Versicherung versichert waren (Haftpflichtversicherung bzw. Vollkaskoversicherung HUK). Anstelle den Vorgang zwischen zwei Abteilungen hin- und her zu schieben, war es für die Versicherung günstiger, den Schaden von vornherein zu zahlen. Nein, der Fall lag anders. Unsere durchgeknallte Lady hatte sich selbst aktiv in die Schadensbegleichung eingeschaltet. Sie hatte bei der Versicherung angerufen und sich nach dem Bearbeitungsstand erkundigt. Dabei entwickelte sie soviel Überzeugungskraft, dass der Schaden erstattet wurde. Dies erfuhren wir einige Tage später, als sie entrüstet bei uns anrief. Wir hätten den Schadenshergang der Versicherung falsch geschildert. Die Ursache sei nicht ihr falsches Parken gewesen, sondern der unsichere Gang unserer Tochter. Im nachhinein bedauerte ich mein eigenes Entgegenkommen, den Schaden unserer Haftpflichtversicherung zu melden. Ich hätte Lust gehabt, mich über Rechtsanwälte über 40 € zu streiten. Ich habe mich maßlos geärgert, dass sie sich mit ihrer Frechheit durchgesetzt hat.

Weihnachtsfeier mit Arbeitskollegen
Unsere Weihnachtsfeier haben wir nun im dritten Jahr in Köln gefeiert. Vor zwei Jahren sind wir durch den Dom geführt worden, letztes Jahr waren wir hoch oben auf den Dächern des Kölner Doms, in diesem Jahr ging es in die Ausgrabungen unter dem Dom. Für archäologische Zwecke wurde zu einem Teil die Fläche unter dem Dom ausgegraben. Im Dom selbst wurde dazu der Fußboden entfernt, die Fläche darunter wurde mit Beton ausgegossen und darüber wurde der Fußboden wieder eingesetzt. Im Untergrund ähnelte der Dom einem löchrigen Käse. Imposant waren die herausragenden Fundamente des Kölner Domes. An einer Stelle wurde siebzehn Meter tief bis zum Boden der Fundamente gegraben. Unvorstellbar, dass mit Baubeginn (1248) eine siebzehn Meter tiefe Baugrube mit den seiner Zeit vorhandenen technischen Mitteln ausgegraben worden war. Das Mauerwerk der Fundamente mit einer Dicke von rund zwölf Metern war an einer Stelle ebenso freigelegt worden. Die Führung, die bis hin zu den Mauern eines römischen Wohnhauses unter dem Dom führte, dauerte rund 45 Minuten. Danach gingen wir in einem Restaurant am Kölner Heumarkt essen.

Adventsbasar in der Schule
Weihnachtsmärkte, Weihnachtsbasare, Weihnachtsfeiern, in der Vorweihnachtszeit verliere ich schnell den Überblick, wann was wo stattfindet. Letzten Freitag war der Adventsbasar in der Grundschule an der Reihe. Meine Frau war auf ihrer Fortbildung, so dass ich alleine mit unserer Kleinen in die Grundschule gegangen bin. Lange Zeit war sie eigenständig mit dem Anfertigen eines Lesezeichens in ihrer Klasse beschäftigt. Habe ich mir eine zeitlang angesehen, dann bin ich runter in die Cafeteria einen Kaffee trinken. Habe aber niemanden gesehen, den ich so richtig kannte. Wieder rauf zu unserer Kleinen, die unverändert mit Malen und Ausstechen an ihrem Lesezeichen beschäftigt war. Habe mich zwischendurch fünf Minuten mit einer Mutter aus unserer Nachbarschaft unterhalten. Wieder runter in die Caféteria, wieder rauf. Ich kam mir überflüssig vor. Das sind die Nachteile, wenn ich nicht mit dem halben Dorf vernetzt bin. Später erlöste mich meine Frau, als sie eintrudelte. Eine positive Nebenerscheinung gab es: unsere durchgeknallte Lady war nicht aufgetaucht. Wenn ich ihr begegnet wäre, hätte ich für nichts garantieren können.

Weihnachtsmarkt in Troisdorf
Weil wir nach Anziehsachen schauen wollten, waren wir letzten Samstag zufälligerweise auf dem Weihnachtsmarkt in Troisdorf gelandet. Es war eine Kombination von Einzelhandelsgeschäften und Weihnachtsmarkt, die ich so noch nicht kannte. Die Geschäfte waren in den Weihnachtsmarkt integriert, wobei diese Auflagen erfüllen mussten, dass die Verkaufsstände in den weihnachtlichen Rahmen passen mussten. So verkaufte ein Modeladen in einem Weihnachtsstand Wollmützen. Ein Bio-Laden verkaufte an einem Stand biologisch angebautes Ost, eine Bäckerei Plätzchen, ein Floristik-Atelier Adventskränze usw. Anfangs stutze ich, als ich einen Stand mit „S’Oliver“ sah. Die Geschäfte nahmen aber nicht Überhand, sondern fügten sich harmonisch ein. Da der Weihnachtsmarkt sich über die gesamte Länge der Fußgängerzone erstreckte, kam mir das Bummeln entspannt vor.

Billig-Löhne
Über ihre Fortbildung schafft meine Göttergattin es, in Tabu-Zonen einzudringen, nämlich: wie viel man so verdient. All diejenigen, die gemeinsam mit ihr an der Fortbildung teilnehmen, haben Kontakt zu anderen, die nach absolvierter Fortbildung einen Job gefunden haben. Zwei Fälle sind in der Fortbildung erzählt worden, bei denen das Lohnniveau für eine Tätigkeit als Bürokaufmann/-frau bei 1.500 € brutto liegt. Der erste Absolvent ist in der Buchhaltung tätig, der zweite Absolvent tippt für eine Krankenkasse Rezepte in ein IV-System ein. Für den zweiten Absolvent kursierte ein Netto-Verdienst von 1.050 €. Je nach den persönlichen Verhältnissen – ob verheiratet/ledig, ob Ehefrau Einkommen oder nicht, wie viele Kinder – liegt das Netto-Verdienst mal knapp unterhalb, mal knapp oberhalb des Hartz IV-Satzes. Dieses Gehaltsniveau erzeugte bei den Teilnehmern an der Fortbildungsmaßnahme  lange Gesichter. Sie haben vielleicht eine Perspektive, danach einen Job zu finden. Die Perspektive ist aber dürftig, davon eine Familie ernähren zu können.

Sonntag, 2. Dezember 2012

U-Bahn

Gerne schreite ich mit offenen Augen durch den Tag, indem ich Dinge betrachte, denen man gemeinhin nichts besonderes abgewinnen kann. U-Bahn-Stationen sind geprägt durch reine Funktionalität. Glatt, schörkellos, un-ästhetisch, als künstliche Welt im Alltag sieht man sie oft. Mit einem Blick ins Detail wirken sie auf mich nicht mehr so abweisend.


Das Zeichen „U“ sieht man von weiter Ferne.


Rolltreppen führen ins scheinbar unendliche Niemandsland.


Über den Wandkacheln klafft eine gähnende Leere.


Ansätze von Kunst - eine Burg mit einem Bergfried – finden sich vor dem Bahnsteig.


Die Gleise führen mit der Geradlinigkeit eines schnellen Striches am Bahnsteig vorbei.


Wiederkehrende Schriftzüge von Graffitis derselben Künstler füllen die gähnende Leere der Wand aus.



Die Vielfalt von Symbolen und Zeichen heftet sich wie Hieroglyphen über diese gähnende Leere.



Die Idee mit den alten Stadtansichten finde ich klasse und ist zur Nachahmung empfohlen.

Weihnachtsmarkt


Ich hatte mich ge-outet. In meinem Post vom 10.11. hatte ich geschrieben, dass mir die Weihnachtszeit zu kommerziell ist. Daraufhin holten mich einige Kommentare auf den Boden der Tatsachen zurück, dass für manche das Weihnachtsfest zu den feierlichsten Momenten im Jahr gehört.

Zu der kommerziellen, aufdringlichen Seite der Weihnachtszeit fühlte ich mich gestern bestätigt. Freitag Abend, vor dem ersten Advent, war ich in unserem Supermarkt um die Ecke einkaufen. Als ich im Kühlregal die Milchprodukte durchsuchte, dudelte es aus dem Lautsprecher:

You better watch out
You better not cry
Better not put
I’m telling you why
Santa Claus is coming into town …

Schlimm war nicht nur das Weihnachtslied, das ich mit Einkaufen im Supermarkt überhaupt nicht verband, viel schlimmer war die Pop-Version, dessen Rhythmus das Lied entstellte, es bis zur Unkenntlichkeit verzerrte, bis der Refrain „Santa Claus is coming into town“ aus voller Brust zu den Ursprüngen des Weihnachtsliedes zurückfand. Das widerte mich an. Wieso musste ich an allen Ecken und Enden mit Weihnachten und Weihnachtsliedern berieselt werden ?

Ich merkte aber auch, dass ich selbst voller Widersprüche stecke. Sonstwo liebte ich bunte Märkte. Und ich mochte es, wenn Menschen Kreativität entwickelten und handwerkliches Können zeigten.

Genau das gab es auf Weihnachtsmärkten zu sehen. Vieles war institutionalisiert worden und hatte Jahr für Jahr einen Wiedererkennungswert.



An der Weihnachtspyramide und im Hüttenzauber wird Glühwein ausgeschenkt.



Käthe Wohlfahrt – diese Kette von ganzjährigen Weihnachtsläden stammt ursprünglich aus Rothenburg o.d. Tauber – besuchen wir regelmäßig.


Auf dem Münsterplatz ragt das Kinder-Riesenrad in die Höhe.


Um das Karrussel kommen wir genauso nicht vorbei.


Die Eisbahn meide ich, weil ich nicht eislaufen kann.


Es wird keinen Weihnachtsmarkt gebe, auf dem keine Imbissbuden zu finden sind.


Die Vielfalt der Stände ist enorm.


Die Vielfalt der Stände zeigt sich bis auf die Straße.


Ich genieße eine Waffel mit Sahne und heißen Kirschen.