Sonntag, 30. November 2014

Synagogenplatz

Synagoge in den 1930er Jahren;
Quelle Wikipedia
Bisweilen wundere ich mich über mich selbst, dass ich eine unsichtbare Hemmschwelle überwinden muss, um mich mit unserer deutschen NS-Vergangenheit zu befassen. Einerseits mag dies daran liegen, dass mich geschichtliche Themen mit verwickelteren politischen Konstellationen – wie etwa der Erste Weltkrieg - stärker interessieren. Wer die Bösen in SA, SS, NSDAP & Co waren, ist vergleichsweise einfach zu beantworten. Andererseits bin ich aus heutiger Sicht geschockt, was sich alles an Verbrechen, Massenmorden und Völkermord angesammelt hat.

Am 3. November 1938 erfuhr der polnische Jude Herschel Gryszpan in Paris, dass seine jüdische Familie vertrieben worden war. Daraufhin erschoß er einen Legationssekretär in der deutschen Botschaft in Paris. Er war Mitglied der NSDAP war und starb am 9. November 1938. Noch in der Nacht, nach dem Tod des Legationssekretärs Ernst Eduard vom Rath, ordnete Joseph Göbbels an:

„Sämtliche jüdische Geschäfte sind sofort von SA-Männern in Uniform zu zerstören. Nach der Zerstörung hat eine SA-Wache aufzuziehen, die dafür zu sorgen hat, dass keinerlei Wertgegenstände entwendet werden können. […] Die Presse ist heranzuziehen. Jüdische Synagogen sind sofort in Brand zu stecken, jüdische Symbole sind sicherzustellen. Die Feuerwehr darf nicht eingreifen. Es sind nur Wohnhäuser arischer Deutscher zu schützen, allerdings müssen die Juden raus, da Arier in den nächsten Tagen dort einziehen werden. […] Der Führer wünscht, dass die Polizei nicht eingreift. Sämtliche Juden sind zu entwaffnen. Bei Widerstand sofort über den Haufen schießen. An den zerstörten jüdischen Geschäften, Synagogen usw. sind Schilder anzubringen, mit etwa folgendem Text: ‚Rache für Mord an vom Rath. Tod dem internationalen Judentum."

Nun tobte der Mob in ganz Deutschland, so auch in Bonn-Beuel. Am 10. November wurde die jüdische Synagoge abgefackelt, die 1902 erbaut worden war. So hat die deutsche Nation es geschafft, sich auf Augenhöhe zu bewegen mit den Taliban, die Buddha-Statuen in die Luft sprengen, oder mit Islamisten wie Boko Haram, die in Nigeria Kirchen während eines Gottesdienstes in Brand setzen und Besucher des Gottesdienstes nieder metzeln.


An der Stelle, an der einst die Synagoge stand, wurde 1992 ein Mahnmal gebaut. Mich überrascht, da ich des öfteren an dem Mahnmal vorbei geradelt bin, es aber nie bemerkt habe, da ich stets nach rechts abseits vom Blickfeld des Mahnmals abgebogen bin.


Der Platz heißt nun „Synagogenplatz“.


Das Mahnmal bilden sechs unterschiedlich hoch gemauerte, dreieckige Säulen, deren Grundrisse einen Davidsstern ergeben.


Im Zentrum des Mahnmals steht ein Gedenkstein.


Dieser trägt die Aufschrift:
1933 lebten IN BEUEL 140 JÜDISCHE
BÜRGER. 1941/1942 WURDEN 46 IM
KLOSTER ZUR EWIGEN ANBETUNG IN
BONN-ENDENICH ZWANGSINTERNIERT
UND VON DORT IM SOMMER 1942 DEPORTIERT .
SIE STARBEN IN LITZMANNSTADT ,
THERESIENSTADT UND AN
UNBEKANNTEM ORT IM OSTEN.


Die Oberfläche des Gedenksteins zeichnet das Aussehen der Synagoge nach.


Die Straßenkreuzung am Synagogenplatz wurde nach Siegfried Leopold benannt, der in das Konzentrationslager Theresienstadt verschleppt wurde und dort sogar überlebte.

Kommentare:

  1. Wir haben uns im Geschichtsunterricht in der 10.Klasse damit fast ein Jahr beschäftigt bzw. als Thema gehabt und sind sehr tief in das Geschehen "eingedrungen". Es ist ein Teil von der Deutschen Geschichte und wird es auch immer bleiben, allerdings finde ich es schlimm wenn es heute noch Vorhaltungen gibt. Immerhin hatten in der Vergangenheit auch andere Länder ihre "Chaoten" die sehr viel Leid auch ins eigene Land gebracht haben (von den heutigen "Chaoten" ganz zu schweigen)

    Ich finde solche Mahnmale wichtig, sie sollen immer erinnern, auch wenn sie leider relativ wenig abschrecken (gedanklich an Folgen)

    Danke dass du es uns gezeigt hast.

    Wünsche dir einen schönen Wochenstart und sende viele Grüsse

    N☼va

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  2. Hallo Dieter, in Geschichte habe ich viel darüber gelernt, wie gut das es diese Erinnerungen und Mahnmale gibt.

    Liebe Grüße und eine schöne Adventwoche
    Angelika

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  3. Ein Thema, das wir nicht unter den Tisch kehren dürfen - und ja auch nicht tun. Es gehört zu unserer Geschichte und wir müssen uns damit auseinander setzen und daraus lernen, was einigen wohl immer noch schwer möglich ist - aber Gott sei Dank den meisten. Ich finde es gut, dass du das Thema aufgegriffen hast. LG Martina

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  4. Ja, Dieter, manchmal läuft man einfach an Mahnmalen, Denkmalen, Schildern... vorbei.
    Wenn ich mit der ´Bahn nach Köln fahre und in Deutz das Messegelände sehe, muss ich immer daran denken, wie von dort die Juden deportiert worden sind. Auch aus meinem Nachbardorf sind jüdische Familien von Deutz aus in den Tod geschickt worden. Ich finde Deinen Beitrag wichtig!
    LG Marita

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  5. Sehr informativ! Hier kann einer/ eine noch viel über das Rheinland erfahren! Gruß aus Ludwigshafen!

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