Montag, 9. Januar 2012

bei Mc Donalds

„Zwei Menüs, davon einmal Chicken Nuggets und einmal Mc Rib, eine Überraschungstüte, ein Filet-O-Fish, zu trinken zwei Cola und eine Capri-Sonne“.
Bei der freundlichen jungen Dame mit dem mädchenhaften Gesicht und dem roten T-Shirt hinter der Theke waren wir soeben unsere Bestellung losgeworden. Sie zapfte die Getränke, platzierte die Überraschungstüte für unser kleines Mädchen auf ein Tablett und stopfte eine Figur in einer durchsichtigen Kunststoffverpackung hinein. Pommes Frites und Burger rundeten unsere Bestellung ab.

„Guten Appetit“ wünschte die freundliche Dame und sie lächelte uns sogar an.

Die Menüs luden wir auf unseren Eckplätzen ab. Durch die Fensterscheiben schauten wir auf die Taktung des Verkehrs, der durch die Grün- und Rotphasen der Verkehrsampel und durch daherbrausende und abstoppende Autos bestimmt war. Die fortgeschrittene Uhrzeit und die Alternative, zu Hause noch Kartoffeln schälen zu müssen und Möhrengemüse zubereiten zu müssen, hatten uns nach Mc Donalds getrieben. Mc Donalds, das hatte ich früher konsequent gemieden, doch mit den Fast-Food-Tendenzen unserer Kinder konnten wir uns Mc Donalds nicht vollständig entziehen.

„Mit 20 € sind wir ausgekommen“ stellten wir zufrieden fest, genau genommen waren es 19,06 €. Dieser Vorteil ließ sich nicht verleugnen. Wir nahmen unsere Menüs, Chicken Nuggets, Mc Rib, Filet-O-Fish. Unser kleines Mädchen griff in die Überraschungstüte hinein, krallte sich die Figur, knisterte an der Verpackung herum und begann zu reißen.

„Wo sind die Nuggets ?“ stellten wir entsetzt fest. Tatsächlich, sie waren in der Überraschungstüte vergessen worden.

 „Dann geh ich zur Kasse“.
Den Anblick eines saftigen Mc Rib’s vor den Augen, war ich genervt und ich schlurfte mit der Energie eines Schlafwandlers zur Kasse. Kein Problem, die freundliche junge Dame entschuldigte sich, mit deutlich mehr Elan kehrte ich zum unserem Eckplatz zurück.

Die Kinderüberraschung war nun aus ihrer Verpackung befreit worden. Die Plastikfigur grinste unser kleines Mädchen mit ihrem roten, quadratischen Körper an. Sie hüpfte über den Tisch und unser kleines Mädchen spielte damit herum.

Weit quollen die schwarzen, blauumrandeten Pupillen aus dem Kopf der Plastikfigur heraus, eingerahmt von dem Logo von Mc Donalds. „Das kann man voll Wasser saugen und dann herumspritzen“ hatte meine Frau gelesen. Da musste man schon genau hinsehen, denn auf den grauen Flaschen unter den Armen waren Löcher hineingepieckst, so winzig, dass man eine Lupe brauchte, um sie erkennen zu können. Ganz entfernt erinnerte die Figur mit dem quadratischen Körper an Bernd das Brot, doch es fehlte die Originalität, der Witz, die Unverwechselbarkeit, das war billig, phantasielos und irgendwo in Fernost produziert.

Wir aßen und ließen uns von dem Flachbildschirm an der gegenüberliegenden Wand mit Musik berieseln. Zwischen den Musikstücken wurde ein junger Sänger interviewt, den ich nicht zugeordnet bekam, weil ich nicht mehr auf dem laufenden war, was so in VIVA oder in den Hitparaden läuft.

Als wir fertig waren, packten wir unsere Einkaufstüten vom Kaufhof zusammen und nahmen die Kinderüberraschung mit. 

Schnell würde diese Plastikfigur wohl bei all dem Plunder landen, der unser Kinderzimmer verstopfte. Bei der nächsten Aufräumaktion würden wir wieder über all diesen unnützen Kleinkram herumfluchen, der sich mit der Zeit angesammelt hatte.

Sonntag, 8. Januar 2012

Wochenrückblick

Wetter
Die Woche wurde beherrscht von Sturm und Regen. Im Gegensatz zu andern Bloggern – wie das Fegefeuer, wo Wasser in den Keller eingedrungen war – lief es bei uns zu Hause glimpflich ab. Lediglich einen Frühbeetkasten hat der Sturm durch unseren Garten geweht und in seine Teile zerlegt. Höhepunkt des grausigen Wetters war der Donnerstagmorgen. Immer mehr verdüsterten die Wolken den Himmel, bis ein Blitz zuckte und der Donner hallte. Der Himmel war so schwarz geworden, als stünde der Weltuntergang bevor. Weitere Blitze folgten, der Regen prasselte, dann Hagel. Ein richtiges Wintergewitter. Eine Viertelstunde dauerte das Spektakel, bis es vorüber war, doch der Sturm wirbelte weiter.

Jahresbeginn
Der Alltag begann für unsere Kinder unterschiedlich. Für unseren Sohn wurde es im neuen Jahr sofort ernst, denn er musste arbeiten. Das hieß für uns beide, um 5 Uhr aufstehen. Unser kleines Mädchen war zu Hause, weil die Schule erst in der nächsten Woche anfängt. Für sie fielen auch Klavierspielen und Tanzen aus. Anstatt dessen hat unser kleines Mädchen einen ganzen Block voll gemalt, mit Frauen, Mädchen, Prinzessinnen, Elfen, Feen, alle mit langen Haaren und viel pinken Farben und Kleidern, die bis zum Boden reichen. Für unser großes Mädchen ging es am Donnerstag Abend ab: mit dem Auto einer Kommilitonin nach Freiburg.

Urlaub 2012
Unseren Sommerurlaub 2012 haben wir klargemacht. An der Costa Brava in Spanien, wo wir den letzten Sommerurlaub verbracht hatten, würde es zu heiß werden, so wie die Sommerferien in diesem Jahr in NRW liegen. Zunächst hatten wir die Ostseeküste in Mecklenburg-Vorpommern diskutiert, doch wir entschieden uns auf Vorschlag von unserem großen Mädchen für den Bodensee, wo wir bereits 3x in Urlaub waren. Die Suche gestaltete sich aufwändiger wie gewollt, denn wir suchten für insgesamt 7 Personen eine Ferienwohnung bzw. Ferienhaus (Schwiegervater + Schwager kommen mit). Wir kassierten diverse Absagen, bis wir fündig wurden. Es geht nach 14 Tage Immenstaad, etwa 10 km westlich von Friedrichshafen.

Zugangskarte
In unsere Bürogebäude kann man nur eintreten, wenn ein Chip in der Zugangskarte von einem Lesegerät erkannt wird. In demjenigen Bürogebäude, in dem ich arbeite, sind kurz vor Weihnachten neue Kartenlesegeräte eingebaut worden. Die haben vor Weihnachten einwandfrei meine Zugangskarte eingelesen, nach Weihnachten klappte das nicht mehr. Ich musste jedes Mal den Pförtner zur Eingangstüre klingeln, damit er mir öffnet. Zwischen Weihnachten und Neujahr war mich ziemlich einsam und alleine bei der Arbeit, so dass ich nicht einschätzen konnte, ob andere dasselbe Problem hatten. Da dies nicht der Fall war und dies im neuen Jahr bei allen anderen funktionierte, wurde der Pförtner Tag für Tag missmutiger, mir die Türe öffnen zu müssen. Mittwoch schaffte ich es schließlich zu unserem Inneren Dienst, der eine Viertelstunde Fußweg entfernt liegt und mit den Zugangskarten zu tun hat. Er stellte fest, dass meine Zugangskarte starke Abnutzungserscheinungen zeigt und bat mich, eine Mail mit der Kartennnmmer meiner Chip-Karte für meinen Rechner zuzusenden, damit diese freigeschaltet würde. Diese Chipkarte würde fortan das Lesegerät an der Eingangstüre erkennen. Ich wartete … einen Tag … zwei Tage, nun funktionierte gar nichts mehr, mit dieser Chipkarte ließen mich keinerlei Eingänge mehr herein, und der Pförtner wurde griesgrämiger und griesgrämiger. Freitag schrieb ich abermals eine Mail, was mit der Freischaltung los sei. Nächsten Montag, versprach man mir … mal sehen …

Kochen
Mittwoch kam ich gegen 17.45 Uhr von der Arbeit nach Hause und meine Frau hatte soeben damit begonnen, Rippchen in der Pfanne anzubraten. Es gab Rippchen mit Kartoffeln und Spinat. Soweit ich helfen konnte, tat ich dies, bis wir gegen 18.30 Uhr essen konnten. Meine Frau berichtete, dass sie seit 16 Uhr mit unserem Abendessen beschäftigt war, bis sie sich um 18.30 Uhr endlich hinsetzen konnte. Kartoffeln schälen, Möhren, Zwiebeln, Paprika schälen bzw. in Würfel schneiden, Rippchen würzen, dann das Ganze auf dem Herd kochen. Kurze Anweisungen, wir redeten kaum miteinander, fieberhaft konzentrierte sich meine Frau auf den Herd. Sie war nicht gereizt, aber wenn man so lange mit dem Essen beschäftigt ist, hätte ich für Gereiztheit und Nervosität Verständnis gehabt ….

Radiosendungen – Teil 1
Auf Radio 2 – Niederlande – hatte ich ein Musikerlebnis der besonderen Art. In der Sendung „Theater van het sentiment“ wurde Musik der Tages 22.12.1976 gespielt. Erstmalig in der niederländischen Hitparade stand das Stück „It’s a long way there“ von der Little River Band. Ein Hörer meldete sich, der ein Jahr älter war wie ich und der mir aus der Seele sprach. In seiner Jugendzeit hatte er mit dem Kassettenrekorder neben dem Radio gesessen und seine Lieblingslieder aufgenommen. Das waren spannende Momente, welche Stücke gespielt wurden, ob schöne Stücke dabei waren, ob sie nach merhmaligem Hören noch schön waren, den richtigen Zeitpunkt beim Aufnehmen erwischen, wann das Stück beginnt, umgekehrt das Stück möglichst lange ausklingen lassen, ohne dass der Radiosprecher hineinquatscht. Der Hörer war stolz auf seine damalige Aufnahme von, „It’s a long way there“, die kurz in die Sendung hineingespielt wurde, noch stolzer war der Hörer, einige Monate später sogar die LP-Version von „It’s a long way there“ aufgenommen zu haben, die 9 Minuten dauerte und in der das behände Gitarrenspiel noch ausdauernder zu hören war. Für diejenigen, die Neugierde auf „It’s a long way there" bekommen haben:




Radiosendungen – Teil 2
In SWR1 – Der Abend – ging es in einer Sendung über Horoskope. Ich lese zwar grundsätzlich keine Horoskope, trotzdem fand ich die Fakten interessant. Etwa ¾ der Zeitungsleser lesen die Horoskope, und sie fühlen sich auch davon angesprochen. Eine Sprachwissenschaftlerin hatte dies zum Thema ihrer Doktorarbeit gemacht, indem sie in Zeitschriften wie Tina, Gala oder Brigitte Horoskope untersucht hatte. Es wurden Vorhersagen getroffen, die sie als „Regenschirm-Prinzip“ bezeichnete. Die Aussagen sind so verallgemeinernd, dass sie auf eine Vielzahl von Lesern in ihren Lebenssituationen zutreffen könnten. Z.B.: Dunkle Wolken ziehen auf oder es naht ein erfreuliches Ereignis. Offensichtlich ist das Interesse der Leser hoch, wie sich ihre Zukunft gestaltet, und sie fühlen sich auch davon angesprochen.

Im Fernsehen
In 3Sat kam der Zweiteiler „Papa und Mama“ aus dem Jahr 2005, in dem u.a. Peter Weck mitspielte und in dem es gleich um mehrere Ehescheidungen ging. So eine Art von Rosenkrieg wurde dargestellt und auch wie die Kinder darunter litten, schauspielerisch war das gut gespielt – wobei mich am meisten die Umgebung interessierte, die Handlung spielte nämlich in Bonn und Umgebung. Eine Szene spielte am Rheinufer in Plittersdorf, eine andere in Endenich, weitere Szenen außerhalb von Bonn in Wachtberg, denn man konnte aus einer hügeligen Landschaft über den Rhein aufs Siebengebirge schauen. Auf dem Restaurant am Rolandsbogen spielte sich mit einem romantischen Blick auf den Rhein eine hässliche Szene ab: die geschiedenen Eheleute stritten darüber, zu welchem Zeitpunkt ein Aktienpaket zu bewerten ist – zum Zeitpunkt des Erwerbs, der Scheidung oder zum heutigen Zeitpunkt – und inwieweit sich dies auf die Unterhaltszahlungen auswirkt. Der Streit eskalierte, bis sie auf der Stelle sich zankend und  heulend mitsamt den Kindern diesen eigentlich romantischen Ort verließen.

Freitag, 6. Januar 2012

Baustelle auf dem Friedensplatz

Die Baggerfahrer waren vorgewarnt, dass sie auf historischem Gelände buddelten. Mitte März war es dann soweit. Die Baggerschaufeln stießen auf ein massives Mauerwerk, das zu der Bonner Stadtbefestigung aus dem 17. Jahrhundert gehörte. Danach kam ein Heer von Denkmalschützern zum Zuge: in einem 3 D-Laserscann-Verfahren wurde das historische Gemäuer eingescannt, das später sorgfältig und harmonisch in die noch zu bauende Tiefgarage zu integrieren ist.

Bonn, der Friedensplatz mitten in der Fußgängerzone, eine der zentralen Plätze neben dem Marktplatz und dem Münsterplatz.

Mitte vorletzten Jahres begannen die Abrissbirnen, das Verwaltungsgebäude der Sparkasse Köln/Bonn nieder zu reissen. Heute, etwa eineinhalb Jahre später, scheinen sämtliche Bauaktivitäten eingeschlafen zu sein.

Dafür klafft dieses gigantische Bauloch am Friedensplatz, ein Krater, als wäre ein Meteorit eingeschlagen. Ein Bauzaun schirmt dieses Terrain hermetisch ab. Hineinschauen kann man nur durch eine schmale Zufahrt, die steil wie an einem Berghang hinabstürzt. Abgrundhäßlich ist die Baugrube: Gebäudefronten ragen steil und scharf wie in einer Ruinenlandschaft heraus, an der Kante der Baugrube eine Schutzfolie in einer verschmierten Ockerfarbe, darüber Fensterreihen in drei Geschossen, in der Höhe lugen Dachgauben mit abwesendem Blick hervor, dazwischen gruppieren sich Hinterhöfe in einer chaotischen und ungeordneten Struktur. Gewiss, im Vergleich zum Marktplatz oder Münsterplatz ist der Friedensplatz keine Augenweide, denn der Friedensplatz wurde nach dem Krieg in diesem platten, zweckmäßigen 50er-Jahre Stil aufgebaut. Doch ihn so zu entarten ? Seitdem wirkt der Friedensplatz wie ein Schandfleck mitten in der Stadt.

Da wäre grundsätzlich zu diskutieren – wie in so mancher anderer Stadt: wollen wir so etwas überhaupt ? Vielerorts fressen sich Baustellen in die Städte hinein, die immense Beeinträchtigungen mit sich bringen, um nach Abschluss der Bauaktivitäten noch bessere Einkaufsmöglichkeiten oder noch bessere Parkmöglichkeiten bieten zu können.

Hier, im Herzen Bonns, soll eine neue Einkaufsgalerie mit etwa 7.000 qm Verkaufsfläche entstehen. Wenn die Bauarbeiten dann nach vielen, vielen Jahren beendet sind, wird man die Menschen entspannt herumbummeln sehen, die sich an dem Warenangebot erfreuen und das eine oder andere Nützliche einkaufen werden.

Im Moment haben wir es aber noch mit diesem gigantischen Bauloch zu tun. Nach den heftigen Regenfällen der letzten Tage hat sich Regenwasser in der Grube gesammelt, die nunmehr eher einer kraterförmigen Mondlandschaft ähnelt. Ein einsamer Baukran wartet darauf, tätig zu werden. Mit Engelsgeduld einen solchen Anblick ertragen, das kann wahrscheinlich niemand.

Beim solchen Anblicken erinnere ich mich gerne an belgische Städte. Zum Beispiel Lüttich. Dort ist zwar nicht alles besser, aber eine solche Bauwut wie in Deutschland habe ich in belgischen Innenstädten nicht kennengelernt. Vielleicht ist es auch eine spezifisch deutsche Eigenart, in Innenstädte jeden Quadratmeter möglichst sinnvoll zu nutzen, am besten, indem möglichst viele Ladenpassagen, Einkaufsflächen und Flaniermeilen untergebracht werden.

Aus Lüttich (oder auch anderen belgischen Städten) kenne ich so etwas nicht. Diese Städte sind näher am Menschen gebaut. Selbst in besten 1A-Lagen lässt man die Straßenzüge, wie sie sind, mit all ihren Restaurants, Cafés und Imbissen drum herum unangetastet stehen. Da wird nicht ständig abgerissen, umgebaut oder neu gebaut, und wenn dies vorbei ist, dann kommt der nächste Abriss, Umbau oder Neubau.

So etwas nervt mich.

Donnerstag, 5. Januar 2012

müde

Sturmtief Andrea tobt sich fleißig aus. Der Wind heult, der Regen peitscht auf die Straße, in der Nacht haben die Rolläden so gerappelt, dass sich unser kleines Mädchen in unser Bett verkrochen hat, denn in unserem Elternschlafzimmer lässt sich das Geheule – auf der Wind abgewandten Seite des Hauses - ertragen. 5 Uhr bin ich aus unserem Bett gekrochen, als erstes habe ich draußen Verpackungsmüll aus unseren gelben Säcken einsammelt, die der Sturm aufgerissen und vor unser Nachbarhaus gewirbelt hat. Kurz nach 6, im Auto auf dem Weg mit unserem Sohn zur S-Bahn, erste Meldungen im Verkehrsfunk über umgestürzte Bäume und gesperrte Straßen in Rheinland-Pfalz und NRW.

Normalerweise ist dies eine Wetterlage, bei der ich mit der Dynamik des Wettergeschehens aufblühe. Sturm, Regen, all diese Bewegung hebt mich in einen Aktivitätspegel hinein, und mit der Ausdauer eines Marathonläufers kann ich den ganzen Tag ackern und rackern.

Nicht so die letzten Tage. Das sehr frühe Aufstehen morgens klappte noch, auch den Vormittag bis in den frühen Nachmittag wirbelte ich in meinem Büro herum, doch ab 14 oder 15 Uhr knickte meine Leistungskurve satt und unwiderruflich ein. Alle paar Minuten musste ich gähnen, so ausdauernd, dass die Gähnerei nicht enden wollte. Die Konzentration war weg, Texte kamen mir an meinem Rechner wie Hieroglyphen vor, Diagramme auf Präsentationen verschwammen, es bereitete mir Mühe, Formeln in Excel Feld für Feld zusammenzufügen. Mein Gehirn konnte ich nur noch für einfache, primitive Tätigkeiten gebrauchen. Mails archivieren, unwichtige Mails löschen,  meinen Aktenstapel ausmisten, unwichtige Dateien auf der Festplatte löschen, weil die Speicherkapazität nahezu erschöpft war, zu anspruchsvolleren Tätigkeiten war ich nicht mehr fähig.

Anfang bis Mitte/Ende Januar, das ist eine Jahreszeit, in der mein Leistungspotenzial vielleicht wirklich in ein Loch hineinfällt. Die Weihnachtszeit ist vorbei, in der ich hochkonzentriert war wegen der Vielzahl, was zu koordinieren, organisieren, besorgen war. Die Konzentration auf diesen einen Zeitpunkt ist nun weg, die Jahreszeit ist dunkel, und sie wird erst Mitte/Ende Januar mit den länger werdenden Tagen so hell, dass ich mich mehr bewegen kann. Sitzen, essen, die Zeit zu Hause verbringen, Bewegung – das ist für mich Fahrradfahren – zum Arbeitsplatz hin macht erst Mitte/Ende Januar wieder Sinn – wenn das Wetter mitspielt.

An der Gähnerei, die nicht enden will, sind vielleicht auch die viel zu milden Temperaturen Schuld. Winter, das ist für mich durchaus Frost und Kälte, vielleicht auch etwas Schnee. Oder Rauhreif, der Gräser und Pflanzen mit einer glitzernden Schicht überdeckt. Die Ästhetik von drohenden Wolkenpaketen, die Dauerregen im Gepäck haben, hält sich da eher in Grenzen.

Den Rest hat mir in den letzten Tagen die Busfahrt nach Hause gegeben. Irgendwie kriegen es die Stadtwerke Bonn nie hin, dass die Busse entsprechend den Außentemperaturen geheizt sind. Entweder herrscht draußen klirrende Kälte und die Busse sind nicht geheizt; oder: draußen herrschen muddelige Temperaturen und die Heizung bullert auf voller Pulle. Für mich war es ein verzweifelter Kampf, selbst wenige Zeilen in meiner Wirtschaftswoche zu lesen. Ständig döste ich vor mich hin, bis ich wegnickte. Und ich fing sogar an, vor mir herum zu träumen: Phantasien mit Traumbildern stiegen in mir auf, wirre Landschaften, die ich nicht zuordnen konnte, fremde Gesichter stiegen aus dem Dunkeln empor. Bis die Traumbilder an der nächsten Bushaltestelle wie eine Seifenblase zerplatzten. Alles war weg, ich war wieder bei Bewusstsein. Ich fühlte mich wie nach einem K.O.-Schlag: benommen stocherte ich in der Wirklichkeit herum, und ich musste wieder aufstehen, um alles um mich herum wahrzunehmen.

In diesem Moment empfand ich eine tiefe Sehnsucht, mich anstelle im Bus wieder auf dem Fahrrad zu fort zu bewegen.

Mittwoch, 4. Januar 2012

Nachlese 2011; gelesene Bücher - Teil 2

Kurz vor den Weihnachtsfeiertagen hatte ich "Die Hirntöterin" von Thea Dorn gelesen. Ich kannte Thea Dorn vom Literaturclub im SWR-Fernsehen. Als ich sie in der SWR1-Radiosendung „Der Abend“ mit ihrem neuen Buch „Deutschland – deine Seele“ hörte, wurde ich neugierig und bekam Lust etwas von ihr zu lesen. Daraufhin ersteigerte ich in Ebay ihren Kriminalroman „Die Hirntöterin“.


Die Hirntöterin ist eine schwer verdauliche Kost, zum einen, weil Thea Dorn auf unterschiedlichen Ebenen parallel erzählt, so dass man sich ständig neu in diese Erzählebenen hineinfinden muss, zum anderen weil Bruchstücke aus der griechischen Mythologie in die Erzählung hinein gestreut werden. Mir als Leser hat dies immens das Verständnis erschwert, da mir die griechische Mythologie allenfalls im Zusammenhang mit einzelnen philosophischen Werken (Bloch bzw. Schopenhauer) ein Begriff ist. Eine entsprechende Vorbildung – etwa durch ein geisteswissenschaftliches Studium – besitze ich nicht.

Das Konstrukt der Erzählung könnte glatt aus einem Horrorfilm stammen. Ein Serientäter begeht insgesamt vier Morde, indem er den Kopf vom Körper abtrennt, aus dem Kopf das Blut fließen lässt, vom Kopf das Gehirn mit Hilfe chirurgischer Werkzeuge spaltet und dieses ausschlürft.

Außer der Polizei treibt die Journalistin Kyra die Ermittlungen voran. Thea Dorns Sprache ist sehr real, direkt, die Charaktere sind mitten aus ihrem Leben beschrieben. Abseits der griechischen Mythologie ist der Kriminalroman durchaus einfach zu lesen und spannend geschrieben.

Nur: die sorgsam proportionierten Abfolgen der griechischen Mythologie lassen sich nicht überlesen, sie sind schließlich auch die Lösung des Falls. Es werden griechische Hexameter in einer deutschen Übersetzung rezitiert. Ich musste mich durch die Iliade und durch Odysseus hindurch kämpfen. Die Figuren einer Pallas Athene oder Elektra wurden mir an den Kopf geschmissen. Personen, von denen ich nie etwas gehört hatte – Tydeus oder Ugolino – musste ich über mich ergehen lassen. Ich wurde mit Begriffen aus der griechischen Philosophie konfrontiert: Eutyphia = zufälliges Glück bei Aristoteles oder Arete = Tugend bei Sokrates.

Zwischendurch hatte ich Thea Dorn verflucht, dass sie sich nicht auf das Niveau eines Lesers ohne entsprechende Vorbildung begibt und anstatt dessen erwartet, dass sich der Leser über diesen griechischen Kauderwelsch schlau macht, indem er liest, googelt, in eine Bücherei marschiert oder Experten in seinem Bekanntenkreis befragt oder sonstwie.

Als ein Mord direkt auf dem Pergamon-Altar im Berliner Pergamonmuseum geschieht, ahnte ich trotz meiner unzureichenden Vorbildung, dass es sich um einen reiligiösen Kult handeln muss. Eine Art von Opferung an die Götter, wie es sie bei Tieren gibt, die in Teile zerlegt werden, bei denen Blut fließt und die schließlich gegessen werden.

Thea Dorn lässt den Leser lange schmoren, bis gegen Ende des Romans die griechische Mythologie und das Täterprofil des Serientäters zusammengefügt werden. Es ist ein höchst theoretisches Konstrukt, dass der Mörder (tatsächlich ist es eine Mörderin) künstlich gezeugt worden ist und als idealer Mensch erzogen worden ist, der gebildet ist, rational, ohne Leidenschaft, ohne Triebe, nur nach dem höchsten strebend, in Freiheit handelnd. Das ist das Menschenbild, welches die griechische Antike geprägt hat.

Mit der Wirklichkeit konfrontiert, wirken Triebe – vor allem sexuelle Treibe – anderer Menschen auf dieses theoretische Konstrukt eines idealen Menschen ein. Dieser ideale Mensch ist nämlich ständig umgeben von Figuren, die ihren Trieben nachgehen – und dies ist vor allem ein ausschweifendes Sexualleben. Dieser ideale Mensch rächt sich und steigert sich in Horrorvisionen hinein, indem er zum Dämon mutiert und zur Hirntöterin wird, nachdem die Lust von Männern auf Sex sie angeekelt hat. Dabei ist das Gehirn ein Symbol dafür, dass die Triebe den Verstand lahm legen.

Die Hirntöterin hat sich mir erst beim zweiten Lesen erschlossen. Dazu habe ich Abstand gebraucht, um die Horrorszenen – abgetrennter Kopf und Spalten des Hirns – ertragen zu können und insbesondere ein paar Grundlagen der griechischen Mythologie studieren zu können, um die ganze Begriffswelt einordnen zu können. Ich musste einen Prozess durchlaufen, um diesen Kriminalroman als gelungen einstufen zu können ….

Dienstag, 3. Januar 2012

Stromanbieter gewechselt


Glücklicherweise hatte meine Frau den Telefonhörer abgehoben, denn ich hätte sofort aufgelegt. Es war eine dieser Anrufe, die wir mittlerweile zu Dutzenden in der Woche bekommen und die nichts anderes als Schrott sind – wie zufrieden wir unseren Versicherungen sind … ob wir unseren Telekommunikationsanbieter  wechseln wollen … ob wir Weinpräsente wünschen … dass wir in einer Verlosung gewonnen haben und uns einen Gewinn aussuchen sollen … wie zufrieden wir mit unserer KFZ-Werkstatt sind … ob wir an einer Umfrage zum Thema AIDS teilnehmen wollen …. und … und … und: ob wir unseren Stromanbieter wechseln wollen.

Meine Frau bejahte, und einige Tage später bekamen wir Post. Mit Strom hatte uns bislang die Rheinenergie beglückt, umsponnen und umworben wurden wir von den RWE.

Um Kosten im eigenen Haushalt einzusparen, hatten wir durchaus über einen Wechsel des Stromanbieters nachgedacht. Nur: gemacht hatten wir es nicht, denn wir hatten das abschreckende Beispiel TelDaFax vor Augen, das bei uns über Monate hinweg durch die Massenmedien geisterte. Der Stromanbieter TelDaFax aus Troisdorf war zum 1. September letzten Jahres in die Insolvenz geschliddert. Danach gingen bei vielen Kunden die Lichter aus, weil sie nicht mehr mit Strom beliefert wurden. Und die Gesichter dieser Kunden wurden noch länger, weil die Vorauszahlungen, die geleistet werden mussten, futsch waren. Die Chance, über das Insolvenzverfahren das Geld wieder zurück zu bekommen, waren ungefähr so groß wie sechs Richtige im Lotto.

Nun hatten wir Zeit, uns über das Internet zu informieren. Am günstigsten waren Stromanbieter, deren Namen uns überhaupt nichs sagten: Löwenzahn-Energie, Priostrom, Flexstrom oder Hitstrom, und die verlangten allesamt Vorauszahlungen. Nein, auf ein neues TelDaFax hatten wir keine Lust. Wir entschieden uns für die RWE: bis in die 90er Jahre hatten wir unseren Strom bereits von den RWE bezogen, bevor sie das Stromnetz unserer Stadt an den Rheinenergie verkauft hatte. Der Strompreis für den variablen Stromverbrauch war gleich, allerdings verlangte die Rheinenergie Fixkosten von 75 € pro Jahr, auf die die RWE verzichtete. Mithin eine Ersparnis von 75 € pro Jahr, das war eine Größenordnung, bei der es sich durchaus lohnte, über einen Wechsel nachzudenken.

Bevor wir die Post losschickten, rief uns die RWE noch an. Eine Dame mit einer netten Stimme beschwichtigte und beruhigte uns, dass sich RWE und Rheinenergie untereinander abstimmen, so dass wir uns um nichts mehr zu kümmern brauchten – außer den Zählerstand zum Zeitpunkt des Wechsels mitzuteilen.

Schließlich näherte sich des magische Datum des Wechsels. Es war der 1. Dezember 2011. Morgens bimmelte der Wecker los, ich rekelte mich aus der Bettdecke, die Spannung stieg. Hatten wir Strom oder waren die Lichter ausgegangen ? Der Gang zum Lichtschalter, und tatsächlich: das Licht im Schlafzimmer brannte. Die Bequemlichkeiten des Alltags waren gesichert, vor allem blieb die Katastrophe im Gefrierschrank aus.

Böse Überraschungen, die wir befürchtet hatten, blieben also aus. Die Schlussabrechnung der Rheinenergie mit einer Nachforderung von 158 €, die kurz darauf mit der Post herein flatterte, ließ sich begründen: da wir uns um nichts zu kümmern brauchten, flossen ab dem 1. Dezember alle Zahlungen an die RWE und nicht an die Rheinenergie. Zwischen Abrechnungszeitraum und Abschlagszahlung lag bei der Rheinenergie aber ein Zeitversatz von etwa 6 Wochen, und dies ergab ziemlich genau die 158 €.

Unsere Hausbank haben wir nach Jahrzehnten verlassen, weil Banken ohne größeres Filialnetz deutlich günstiger sind. Daher sind wir nun beim unserem Girokonto mit PSD Bank Köln zufrieden. Dasselbe Spiel haben wir mit Versicherungen durch exerziert, weil die HUK einen Mengenrabatt bei Sachversicherungen anbietet. Nun ist halt der Stromanbieter an der Reihe. Das deprimierende ist nur bei solchen Einsparmaßnahmen, dass im Gegenzug jemand anders seine die Hand aufhält, der mehr Geld haben will. Das sind steigende Sprit- oder Heizölkosten; das ist unsere KFZ-Versicherung, weil unser großes Mädchen unseren PKW mit benutzt; das ist unser kleines Mädchen, weil nach der Einschulung Schulbücher und Hefte angeschafft werden mussten ….

Bisher ist es uns jedenfalls nie gelungen, dass wir das, was wir an der einen Ecke einsparen, auch tatsächlich mehr im Portemonnaie haben.

Montag, 2. Januar 2012

Nachlese 2011; gelesene Bücher - Teil 1

Das Buch „Wellenschlag“ von Georges Simenon war eines meiner Weihnachtsgeschenke, denn ich habe mit viel Begeisterung mittlerweile 10 Simenons verschlungen. Dabei interessieren mich mehr die Non-Maigret-Romane, für die Simenon etwas weniger bekannt ist.

In einer einfachen, unkomplizierten Sprache beschreibt Simenon mit reichlich psychologischem Tiefsinn die Alltagswelt der kleinen Leute. So auch hier: „Wellenschlag“  ist mit seinen 163 Seiten als Bettlektüre an einigen Abenden flüssig zu lesen – oder wie bei mir während der Busfahrt.

Die Geschichte ist eine unglaubliche Tragödie. Jean ist Waisenkind und lebt bei seinen beiden Tanten auf dem Gut Wellenschlag in Marsilly in der Nähe von La Rochelle an der französischen Atlantikküste. Jean hat Marthe, seine Freundin, geschwängert. Eigenmächtig veranlassen seine beiden Tanten, dass Marthe abtreibt, ohne dass Jean bzw. ihr Vater davon etwas wissen. Nach der Abtreibung kommt es zu Komplikationen, und eigentlich könnte nur eine Totaloperation helfen, die 10.000 Francs kostet und für die das Geld fehlt. Marthes Blutungen werden immer schlimmer, so dass sie schließlich stirbt. Zuvor hatte Jean Marthe geheiratet.

Der Roman spielt 1938 in einer Steinzeit der Telekommunikation, ohne größeres Telefonnetz, ohne Mobilkfunkkommunikation, ohne Internet oder e-Mail-Verkehr.

Was Marthes Tod betrifft, hätten auch aus heutiger Sicht Krankenkassen in einem solchen Fall die Kosten für eine Totaloperation nicht übernommen.

In dieser Steinzeit der Telekommunikation werden Informationen weitestgehend im Café de la Poste in Marsilly ausgetauscht. Dort finden sich Charaktertypen mit allen Haken und Ösen: Jeans Schwiegervater Sarlat, der Schulden hat; Justin, der wegen diverser Liebschaften als Bürgermeister nicht wiedergewählt worden ist; der Elsässer Kraut, der sich als Gelegenheitsarbeiter durchschlägt und außer Essen und Trinken keinerlei anderen Aktivitäten nachgeht; Jourin, der nach Belieben fremdgeht und dennoch verheiratet ist. Dazu kommen Metzger, Maurer, Hufschmied, Lehrer, also alles, was sich so im Dorf herumtreibt. Dementsprechend stark wird das Café frequentiert, wobei jede Menge gesoffen wird, Karten gespielt wird und endlos über Politik herum palavert wird.

Das ist eine Welt, in die Jean nicht hineinfindet, weil er mit solchen derben Charaktertypen nicht umgehen kann. Anstatt dessen ist er in seinem Alltag gefangen, der auf Gut Wellenschlag stattfindet. Jeden Tag erntet er von morgens früh bis abends spät Austern, indem er bei einem niedrigen Gezeitenstand während der Ebbe die Austern mit Netzen aus dem Meer fischt. Umspült von Wassermassen, werden Karren durch Matsch und Schlick gezogen, was eine fürchterliche Knochenarbeit ist.

Seine beiden Tanten haben ein Netz um ihn gesponnen, dem er letztlich nicht entweichen kann. Ihr Immobilienbesitz ist groß, denn außer dem Gut Wellenschlag, welche 30 ha groß ist, besitzen sie noch zwei Mietshäuser. Sämtliche Gebäudeinfrastruktur und den Fuhrpark stellen sie zur Verfügung. Marthe lebt bei den beiden Tanten, die täglich die beiden bekochen und sich um Marthes schlechter werdende Gesundheit kümmern.

Sein Schwiegervater Sarlat öffnet ihm im Café de la Poste die Augen, indem er die beiden Tanten als „Drachen“ bezeichnet. Doch Jean kann damit nicht umgehen, er will Sarlat verprügeln und wird prompt aus dem Café geschmissen. Anstatt dessen arrangiert er sich mit seinen Tanten und lässt sie weiter gewähren.

Als seine Frau stirbt, trauert Jean nur für eine kurze Zeit. Er lebt bei seinen Tanten in seiner engstirnigen Welt weiter und fühlt sich fortan nicht als Witwer, sondern wird als Junggeselle alt.