Montag, 28. September 2015

rund um den Weilberg, Stenzelberg, Petersberg - eine Wanderung durch das Siebengebirge

Klostereingang Heisterbach
Es hätte nicht sehr viel gefehlt, und die Menschen hätten mit Sprengstoff und Hacke in wenigen Jahrhunderten das wieder beiseite geräumt, was die Natur mit Wind und Regen, Frost und Sommerhitze in Millionen von Jahren geschaffen hatte: die Einebnung des Siebengebirges. Die vulkanischen Kuppen am Rhein boten Trachyt, Latit und Basalt, und der Mensch kratzte hier alles heraus, was er in der boomenden industriellen Revolution brauchen konnte: Kreuze, Simse, Fensterbänke, Bordsteine, Pflastersteine für den Wegebau, Schotter für den Eisenbahnbau und vieles mehr.

Wir treffen uns auf dem Parkplatz vor dem Kloster Heisterbach und starten dort unsere Wanderung. Wir überqueren die Landstraße, an Wiesen vorbei geht es ein Stück bergab, dann folgen wir den steinernen Wegweisern nach rechts zum Weilberg. Der steinerne Weg steigt stetig an, der Wald aus Buchen und Tannen verdichtet sich, über einen Rundweg gelangen wir von der Rückseite aus zum Weilberg. Reste von Eisenbahnschienen und ein Diplom, diese beiden Symbole begegnen uns auf dem grasbewachsenen Fußweg vor dem Weilberg. Eine Schmalspurbahn, die Heisterbacher Talbahn, fuhr mit ihren dampfenden Lokomotiven an den Füßen des Steinbruchs vorbei, wo 1940 der Abbruch endete. Ein Diplom, sogar ein europäisches, belegt mit dem Datum 15. Oktober 1971 all die Anstrengungen, wie viel für den Naturschutz, so die Einstellung jeglicher Steinbruchaktivitäten, für das Siebengebirge erbracht worden ist. Über einen Lattenzaun schauen wir tief in das alte Steinbruchloch hinein, von Eschen umstanden, mit hohen Wänden aus Basalt, das Loch zu einem Tümpel vollgelaufen, darüber hebt sich in helleren Tönen der Tuff ab.



Weilberg mit Diplom und Eisenbahnschiene (oben)
Wir drehen zurück, marschieren ein Stück bergab und überqueren mehrere Gehminuten weiter dieselbe Landstraße, die mehrere Kilometer talwärts an unserem Ausgangspunkt, dem Kloster Heisterbach, vorbei führt. Dahinter geht es seicht bergauf, und von dem Teerweg biegen wir nach links ab auf einen mit Kiessteinen durchsetzten Waldweg, vorbei an Baumwurzeln und Farn, die sich dicht an den Wegesrand drängeln.

Ähnlich wie beim Weilberg, umkurven wir den Stenzelberg zunächst von seiner Rückseite und dann von seiner Vorderseite. Zunächst schauen wir durch Aufrisse von Felsenspalten hindurch, die mit Baumstämmen zugewachsen sind. Die Felsenvorsprünge vereinigen sich zu Zweieck-, Viereck- und Sechsecksäulen, überwuchert von Moos und Farn. Dann schwenkt der Weg nach rechts und der Blick ist freigelegt auf das Innere des Stenzelberges, den der Raubbau an der Natur zu großen Teilen abgetragen hat. Bäume überragen nun die senkrechten Felswände, die den Steinabbau überstanden haben. Ihre massige Gestalt ragt gigantisch heraus aus der Freifläche, wo sich nun der Weg windet zwischen Gras und kniehohen Sträuchern. Aus den Gesteinen des Stenzelbergs hat das Mittelalter bedeutende Kirchenbauten geformt, so die Bonner Münsterkirche oder die Kirche in Oberpleis, in denen Steine aus Latit vermauert worden sind.



rund um den Stenzelberg
Nach einem bis zwei Kilometern erreichen wir eine Lichtung, wo sich eine Wegespinne in alle Richtungen verteilt. Mitten im Wald, malerisch zwischen den Erhebungen des Siebengebirges gelegen, mit einer Fassade aus weißem Putz und einem rot-schwarz gestrichenen Giebel aus Holzdielen, lädt uns das Einkehrhaus ein zu einer Pause. Nachdem wir mehr als die Hälfte unserer Strecke hinter uns gelegt haben, nutzen wir gerne diese Gelegenheit. Wir treten ein, lassen uns nieder in dem holzvertäfelten Gastraum, wo uns zur werktäglichen Nachmittagszeit sogar eine Speisekarte gereicht wird. Als wir das Einkehrhaus verlassen, staunen wir über die Fotos im Flur zur Geschichte der Herberge im Wald. Seit seiner Errichtung, das war 1927, ist das Einkehrhaus im Familienbesitz. Das Einkehrhaus wird nun in dritter Generation von der Enkelin, Ursula Grewe, geführt.




Einkehrhaus
Mal bergab, mal bergauf geht es weiter. Lichte Momente sind selten, auch wegen des wolkenverhangenen Himmels, und so können wir uns dem Eindruck nicht entziehen, dass die Bewaldung an Dichte zunimmt. Als zum Petersberg bergauf geht, dringt das Dunstgebilde von Wolken bis in die Spitzen der Tannen hinein. Der Wald gewinnt so an Mystik und Unheimlichkeit, ein düsterer Wald, so wie er etwa im Märchen von Hänsel und Gretel erzählt wird.


mystischer Wald zwischen Einkehrhaus und Petersberg
Dass wir näher an den Petersberg heranrücken, erahnen wir, als sich die Straße durch das Dunkel des Waldes hinauf schlängelt, die zum Petersberg führt. Ab dieser Stelle wird es unangenehm, denn die Zufallserscheinungen von Regentropfen verdichten sich zu einer klatschnassen Angelegenheit. Regenschirme spannen sich auf, Regenjacken werden zugeschnürt. Wir bugsieren unsere Schuhe an Rinnsalen vorbei, die bergabwärts über den schmalen Steinweg plätschern.

Wir laufen am Petersberg vorbei mit seinem skandalumwitterten Hotel, seinem steinzeitlichen Ringwall, seiner mittelalterlichen Wallfahrtskapelle und seiner regenverhangenen Aussicht auf den Rhein, die ohnehin nicht lohnt. Auf der Bergkuppe wursteln wir uns vorbei an einem Sicherheitszaun, an Scheinwerfern und Kameras, die die Bonner Republik mit all ihren hoch dotierten Staatsgästen übrig gelassen hat.


Pfade rund um den Petersberg
Bergab, erdulden wir die restliche Strecke zum Kloster Heisterbach. Allzu viel, vielleicht ein viertel der Strecke, hat uns der Regen nicht vermiest. Bevor wir das weitflächige Gelände des Klosters Heisterbach erreichen, müssen wir steil bergabwärts, die Klostermauern entlang, den schwierigen, glitschigen und regennassen Waldweg meistern. Als wir durch eine Holztüre das Klostergelände betreten, hat der Regen denn auch ein Einsehen mit uns Wanderern, indem er aufhört. Den Kreuzweg entlang, passieren wir die riesigen Ausmaße der früheren Klosterkirche, die die übrig gebliebenen Fundamente dokumentieren. Lediglich die Chorruine aus dem 13. Jahrhundert hat die Zeiten überdauert.

Alles ist vergänglich, so auch der Regen, als wir auf dem Parkplatz vor dem Kloster all die Feuchtigkeit von uns abschütteln.


Kommentare:

  1. Auch schon wieder ein paar Jährchen her, dass wir uns dort herumgetrieben haben. Die Mischung aus Menschenwerk & Natur ist schon sehr eigentümlich...
    LG
    Astrid

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  2. Was für eine schöne Wandererung. Die würde auch mir gefallen, gerade auch durch den Wald. Teilweise leicht diesig finde ich dann die Luft immer so anders, als ob sie in einen eindringen wolle. Echt klasse; auch die Einkehrschänke. Schaut schon von aussen urgemütlich aus und in dritter Generation heisst ja schon was. Die machen alles richtig, denn es gibt nix schlimmeres als wenn man einkehren möchte und Essen mit einem "Nein, der Koch ist nicht da" verkauft wird. Sowas habe ich in D. schon immer gehasst, denn aus dem Ausland kenne ich es immer anders, und meine Essenszeiten sind nicht gerade punkt Uhr.

    Danke dir dass du uns mitgenommen hast.

    Liebe Grüssle

    N☼va

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  3. Das war ein schöner Wanderweg, auch wenn ich teils wegen des Nebels ein bisschen gefröstelt habe :-)! LG Martina

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