Donnerstag, 9. April 2015

Wohnungseinbrüche und Bürgerwehren

Die polizeiliche Kriminalstatistik des Jahres 2013, die der Bundesinnenminster Thomas de Maizière im Juni 2014 vorstellte, war für die Bonner Region ein Schock. Bei den Wohnungseinbrüchen war Bonn mit 563,8 Einbrüchen bezogen auf 100.000 Einwohner die Spitzenposition beschert. Auch auf den nachfolgenden Tabellenplätzen war das Rheinland gut vertreten: Aachen folgte mit 517,3 Einbrüchen und Köln mit 493,5 Einbrüchen.

Die Banden organisieren sich in Großstädten, sie suchen anonymisierte Wohnstrukturen und keine gewachsenen Nachbarschaften, denn dort wäre das Entdeckungsrisiko zu hoch. Die Wege aus dem Einbruchsort müssen kurz und vielgliedrig sein: ideal ist die Verkehrsinfrastruktur in Städten, wo sich die Straßen in verwirrenden Verkehrsführungen verlieren, in Vororten, wo sie unvermittelt abtauchen können, und mit einem Netz von Autobahnzubringern, wo sie schnell das Weite suchen können.

Kein Wunder, dass das Rheinland unter dem bundesweiten Trend klagt, wonach Wohnungseinbrüche von 2007 nach 2013 um 40% angestiegen sind. Es leiden nicht nur die Großstädte, sondern auch das Umland. Da bleibt höchstens offen, nach welchem Zufallsprinzip die Verbrecher gerade zuschlagen. Gut betuchte Einkommensschichten haben sich überall an der Peripherie der früheren Bundeshauptstadt niedergelassen. So fühlen sich Königswinter, Siegburg, Bornheim, Troisdorf, Bad Honnef, Meckenheim oder Rheinbach verflucht, wenn sie von Einbruchsserien heim gesucht werden. All diese Städte fallen in den Zuständigkeitsbereich der Bonner Polizeipräsidentin. Die Bürger von Bonn und deren Umland fühlen sich im Stich gelassen, weil sie einerseits ordentlich Steuern zahlen, damit der Staat seine Aufgaben für Sicherheit und Ordnung übernimmt, andererseits läuft die Kriminalität aber aus dem Ruder, insbesondere beim Straftatbestand von Wohnungseinbrüchen.

Können sich unsere Bürger noch sicher fühlen ? Die Polizei wiegelt gerne ab und relativiert. In irgendeiner Ecke unserer Republik seien die Einbruchszahlen noch viel schlimmer, rechnen die Beamten gerne vor. So wurde in Meckenheim bei einem gut betuchten Softwareunternehmer eingebrochen und alles mit feinem blauen Staub aus Feuerlöschern besprüht, um Spuren zu verwischen. Dieser feine blaue Staub, der in alles eindrang, war so etwas wie die Kapitulation vor Vermögensschaden und Vandalismus: nichts konnte mehr gebraucht werden, kein Sweatshirt, keine Hose, keine Unterhose, die feine blaue Stab hatte sich in Schränke hinein verteilt, in  Schubladen, in die Kücheneinrichtung, auf das Bett, auf Erinnerungen, auf Fotos und familiäre Glücksmomente, so dass von einem Moment dieser feine blaue Staub alle persönliche Dinge vernichtete.

„Die Bekämpfung des Wohnungseinbruchs ist der Handlungsschwerpunkt in unserer Behörde“, das erklärte ziemlich lapidar die Bonner Polizeipräsidentin auf Anfragen ihrer Bürger, ob sie sich noch sicher fühlen könnten. Aber denkt sie wirklich so ? Ausgeraubt und vom blauen Staub eingenebelt, sahen die Bürger von Meckenheim das anders und versuchten, der Polizei auf die Sprünge zu helfen. Ein pensionierter Beamter des Verteidigungsministeriums gründete eine Bürgerprojektgruppe „Sicherheit in Meckenheim“. In kurzer Zeit sammelte er 1.856 Unterschriften und adressierte eine Petition an den Innenminister des Landes NRW. Was geschah, klingt wie ein Wunder: die Polizeistation in Meckenheim wurde aufgestockt, Streifenpolizisten zeigten eine häufigere Präsenz, in den Straßen wuchs wieder ein Gefühl von Sicherheit.

Nicht viel anders ist die Situation in Bad Godesberg. Reiche Einkommensschichten in den Villenvierteln sind geradezu für Wohnungseinbrüche prädestiniert. Es sind insbesondere Wohnviertel von Rüngsdorf bis Mehlem, wo in Rheinnähe nicht nur Selbstständige und Unternehmer ihren Lebensabend verbringen, sondern auch frühere Politiker.

Dort wird nicht nur eingebrochen, sondern organisierte Banden klauen auch Luxuskarrossen.  Nachdem die Geschäftsleute sich in der Godesberger Innenstadt zusammengetan hatten, damit in privater Sicherheitsdienst nachts Streife lief, um Einbrüche in Geschäfte abzuwenden, wurde dieses Modell auf das Villenviertel übertragen. Für fünfzig bis einhundertfünfzig Euro im Monat bietet dieser Sicherheitsdienst eine „Villenstreife“ an, um zu kontrollieren, ob Einbrecher auf frischer Tat ertappt werden.

Die Aktion ist bestens durchorganisiert. Der Kunde kann bestimmen, in welcher Häufigkeit kontrolliert werden soll, dabei hilft eine Checkliste: Inaugenscheinnahme des Objekts, ordnungsgemäßer Verschluss der Zugänge, verdächtige Fahrzeuge oder Personen in der Nähe. Die Kontrollpunkte werden akribisch abgehakt, so dass der Kunde nachvollziehen kann, dass alles in Ordnung ist.

Die Verantwortlichen, die für die innere Sicherheit zuständig sind, eiern längst herum. Die innere Sicherheit spart sich kaputt. Wie viele Polizisten in unsere Bundesland Streife fahren, hängt nicht von der Häufigkeit der Verbrechen ab, sondern von politischen Vorgaben, welche Anzahl von Polizisten sich aus irgendwelchen zurückgerechneten Haushaltsvorgaben sich für den Innenminister des Landes NRW ergeben.

Der Innenminister weiß nicht so ganz, was er von diesem Outsourcing des staatlichen Gewalt-Monopols halten soll. Was passiert, wenn die privaten Sicherheitsdienste einen Verbrecher stellen ? Es muss einen Übergabepunkt an die Polizei geben, private Sicherheitsdienste können keinen Verbrecher festhalten oder inhaftieren

Steigende Verbrechen haben den Staat vor Fakten gestellt. Der Staat sieht sich offensichtlich außer Stande, seine Aufgaben für Sicherheit und Ordnung wahrzunehmen. Auf Dauer wird ihm nichts anderes übrig bleiben zu kooperieren – oder den Personalbestand von Polizisten an die Kriminalität anzupassen.

Kommentare:

  1. Hat hier auf der Insel auch ganz stark zugenommen, nicht nur die Kleinkriminalität sondern auch richtig große Einbrüche. Selbst bei Kirchen haben sie keinen Respekt mehr, und leider (weil ich es so sagen muss, auch wenn es so ist) sind oftmals Banden aus östlichen Ländern. Bin da immer froh dass auf dem Dorf noch gut von Nachbarn geschaut wird wenn sich "fremde" Menschen vor einem Grundstück aufhalten sollten.

    Habe schon mitbekommen das u.a. auch an Polizisten in D. "gespart" wird, und das wo die Kriminalität immer mehr zunimmt. Zudem auch noch die "Hungerlöhne" die Polizisten im Verhältnis zum Einsatz und den Stunden bekommen...man kann wirklich gucken wo und wohin man will. Es wird immer am falschen Ende gespart und ein vereintes Europa ist ja schön und gut, aber ist es das wirklich? So manche Grenzöffnung war in meinen Augen ein Fehler, und absolut ein Fehler sind so manche Gesetze, denn wie kann z.B. ein Steuersünder eine höhere Strafe bekommen wie ein Vergewaltiger; warum muss immer erst was passieren bevor überhaupt was unternommen wird....

    Ist ein Fass ohne Boden und könnte man wirklich stundenlang drüber diskutieren.

    Saludos

    N☼va

    AntwortenLöschen
  2. Ich wohne ja in einem kleinen Dorf und bei uns kommt es eher selten zu Einbrüchen, doch es kommt auch vor. Was ganz makaber war. Es wurde einmal ein Diebstahl in einem Haus verübt, während sich die Bewohner bei einer Beerdigung eines nahen Angehörigen befanden. Das fand ich richtig schrecklich! Als alle Bewohner unserer Straße ein paar Wochen später zu einer Hochzeit eingeladen waren, haben wir einen Wachdienst bestellt, der die Häuser in der Zeit unserer Abwesenheit bewacht hat. Einen schönen Abend! Martina

    AntwortenLöschen
  3. Liebe Dieter,
    danke für deine lieben Ostergrüße! Das von dir beschriebene Phänomen nimmt leider weltweit zu. Vielelicht hat es auch damit zu tun, dass manche Kriminelle aus Ländern oder Verhältnissen kommen, in denen das "normale Leben" nicht so schön ist wie es bei uns in den Gefängnissen ist: Mehrere Mahlzeiten am Tag, teilweise modernste Zellen, die durchaus auch Komfort bieten, Fernsehräume, die Möglichkeiten Sport zu treiben (Tischtennisräume, Kraftkammern) oder zu lesen - und das alles auf Steuerzahlerkosten und zu Zeiten, wo die Steuerzahler arbeiten müssen - da ist ja selbst das Risiko, erwischt zu werden, nicht mehr all zu schrecklich...
    Die Sache mit dem feinen blauen Staub ist übrigens ganz besonders fies... Das klingt mir fast so, als wäre Hass bzw. Rache im Spiel gewesen...
    Alles Liebe und ein schönes Frühlings-Wochenende für dich und die Deinen,
    Traude
    ჱܓჱܓჱܓჱܓჱܓჱܓ ჱܓჱܓჱܓჱܓჱܓჱܓ

    AntwortenLöschen
  4. ich finde es beängstigend wie einbrüche, diebstähle, sogar vor gewalt nicht zurückgeschreckt wird und oft nur für paar cent.
    ich will ja nicht unken....aber das wird noch schlimmer!
    vlG an dich und deine Fam.

    AntwortenLöschen