Sonntag, 15. September 2013

Cafés, Bistrots und Malerei

Einen Post über Cafés und Bistrots schiebe ich längere Zeit vor mir her. Etliche Puzzlestücke fehlen. Auf die Schnelle nach Paris fahren, um Bistrots zu fotografieren, ist nicht drin. Gerne trinke ich in heimischen Cafés meinen Kaffee, ich lese, ich beobachte Menschen, lasse mich von der regen Atmosphäre inspirieren.

Eine Kurzversion habe ich jedenfalls zusammenbekommen vom Pariser Montmartre, Malerei und der Café-Atmosphäre zu Hause.
Quelle: Wikipedia
Auf dem Montmartre in Paris steht ein Schild, dass dort 1814 das erste Bistro entstanden ist. Russische Kosaken hatten Paris besetzt. Die Russen drangen in ein Café ein und orderten schnell ihre Getränkebestellung. Mehrfach wiederholten sie das Wort "schnell". „Schnell“ heißt auf Russisch „Bistro“ (oder so ähnlich in kyrillischer Schrift).



2007 war ich das erste Mal in Paris. Auf dem Montmartre, nicht unweit von der "Keimzelle" aller Bistrots, habe ich die Maler bewundert.





Französische Impressionisten habe ich nun in einem heimischen Café gesichtet. Zwei dieser Gemälde stammen im Original von Renoir. Ich besuche unterschiedliche Cafés. Manchmal packe ich auch meinen Laptop aus und schreibe meine Blogs.


Die Gemälde spiegeln sich in Spiegeln mit schwerem Bronzerahmen.

Gerne hätte ich Fotos von Pariser Bistrots gezeigt. Ich kann aber nicht auf die Schnelle nach Paris fahren, um Bistrots zu fotografieren.



Ersatzweise zeige ich Euch Fotos von Cafés in Lüttich, die mindestens genauso sehenswert sind wie diejenigen in Paris.

Samstag, 14. September 2013

Sebastian Haffner - Preußen ohne Legende

Mit einer früheren Chefin aus Berlin konnte ich es überhaupt nicht. Diskussionen mit ihr liefen beispielhaft wie folgt ab:

Ich: „Ich habe das Problem einmal aus einer neuen Sicht betrachtet. Ich komme da zu entgegengesetzten Ergebnissen.“
Sie: „X und Y haben ein Tool entwickelt und wir haben abgesprochen, dass wir dieses Tool nehmen.“
Ich: "Stimmen denn all die Eingangsgrößen und Rechenregeln ?"
Sie: „Dieses Tool ist von oben abgesegnet und darüber wird nicht mehr diskutiert.“
Ich: „Aber wenn ich zu dem Ergebnis komme, dass wir nach rechts gehen sollen und das Tool kommt zu dem Ergebnis, dass wir nach links gehen sollen ?“
Sie: „Quatsch. Da steckt jede Menge Sachverstand drin. Das Tool nehmen wir. Basta.“

Die Charaktereigenschaften dieser früheren Vorgesetzten umfassten genau das, was ich als preußisch empfand: korrekt, penibel, übergenau, gehorsam, obrigkeitshörig, diszipliniert, ausdauernd, machtbesessen, anordnend, herum kommandierend, durchgreifend, abkanzelnd, überheblich. Durchweg verstand ich dies als abwertend und nicht als tugendhaft. Da ich selbst so ziemlich das Gegenteil dieser Charaktereigenschaften verkörpere, habe ich mich mit Mitmenschen solchen Kalibers stets schwer getan.

Es ist Zeit, mit diesem Bild von Preußen aufzuräumen. Dabei hat mir das Buch „Preußen ohne Legende“ von Sebastian Haffner (1907-1999) geholfen. Er gilt als Koryphäe der deutschen Historiker, wobei sich seine Hauptwerke mit dem Nationalsozialismus befassen. In Berlin beheimatet, dringt er bis zu den Wurzeln des preußischen Ritterordens vor, der Urzelle Preußens. Das war im 12. Jahrhundert während der Ostkolonialisierung.

Ich muss zugeben, dass ich in meiner Sichtweise als Rheinländer gefangen bin. Preußen hat für mich erst 1815 angefangen, als Preußen nach dem Wiener Kongress das Rheinland zugesprochen bekam. Napoleon war besiegt, die Preußen hatten entscheidend zu seiner Niederlage beigetragen. Sie verhandelten eine Gebietserweiterung nach Osten, das sollten Polen und Sachsen sein. Doch die Großmächte Habsburg und Preußen, deren Gewicht stärker war als Preußen, blockierten. Preußen musste sich mit diesem Pufferstaat im Westen zufrieden geben, um im Gleichgewicht der europäischen Mächte Frankreich in Schach zu halten.

Ein englischer Historiker meinte dazu, die Großmächte hätten Schabernack mit den Preußen getrieben. Das Rheinland machte aus dem preußischen Staat einen Flickenteppich mit Schwerpunkten im Westen und im Osten und einem Loch in der Mitte. Solch ein unförmiges Gebilde war schwer zu führen, zu organisieren und zu verteidigen.

Haffner beschreibt Preußen als Mittelmacht, die aus reinem Selbsterhaltungstrieb zum Militärstaat wurde, um im Konzert der europäischen Großmächte England, Frankreich, Habsburg und Rußland mitspielen zu können. Dies gelang Preußen zweifellos exzellent. Mit deutlich kleinerer Bevölkerungszahl, war Preußens Armee im Verhältnis zu den Einwohnern überdimensioniert, um dieselbe Größenordnung wie die europäischen Großmächte zu erreichen und nicht von deren Armeen überrannt zu werden. Steuern und Abgaben waren horrend, um die Armee bezahlen zu können. Dafür subventionierte Preußen Handwerksbetriebe, Manufakturen und Großgrundbesitzer, die bestenfalls diese Gelder an die Bauern weiterreichten.

Nicht nur mit dem Zugewinn des Rheinlandes, auch in den Jahrhunderten vorher war Preußen ein Flickenteppich auf der Landkarte, der auseinandergerissen und teilweise löchrig wie ein Schweizer Käse war. Dieses Gebilde musste straff organisiert sein, die Finanzverwaltung musste den Überblick behalten, die Beamtenschaft musste zuverlässig sein. So erklären sich preußische Charaktereigenschaften, die durchaus positiv belegt sind.

Dabei ist der Grundcharakter Preußens ein rauher Vernunftsstaat. Dieser ist weit weg von den Idealen eines Humanismus, geschweige denn von demokratischen Strukturen. Preußen war stets offen gegenüber den Ideen der Aufklärung – die in Preußen (namentlich Königsberg) insbesondere Immanuel Kant verkörpert hat. Zum Zentrum des geistigen Lebens hatte sich ohnehin Berlin entwickelt. Tieck, Klopstock, von Kleist, Hegel, Fichte, Schelling und andere: Dichter und Denker fanden durchaus ihren Platz in diesem rauhen Vernunftsstaat.

Die Masse des Volkes behandelte der Staat in dieser rauhen Art und Weise. Der Staat definierte sich durch den Auftrag, de er jedem gab, sich in ihn einzuordnen und für ihn tätig zu sein. Er verhieß machtpolitischen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Fortschritt auf Basis eines allgemeinen Leistungswillens. Er verlangte absolute Unterordnung und Dienstbereitschaft.  

Bei der feindlichen Übernahme des Rheinlandes 1815 kamen diese rauhen Umgangsformen nicht an. Die Gegensätze in der Mentalität waren so groß, dass sie unüberwindbar schienen. Die Rheinländer waren bürgerlich städtisch, katholisch und hatten lange Zeit unter französischer Herrschaft gelebt. Die Zugehörigkeit zu Preußen war ein Rückschritt, denn die Ideen von Freiheit und Gleichheit und Brüderlichkeit hatten Fuß gefaßt. Der Rheinländer war gewohnt zu diskutieren, Anordnungen von oben waren ihm fremd. Er stellte die Dinge in Frage, nahm nicht alles von Gott gegeben hin. Totalen Gehorsam bis zur Selbstaufgabe kannte er nicht.

Rheinische Intellektuelle wie Heinrich Heine lehnten sich rasch gegen die Preußen auf: „Ich traue diesem Preußen nicht, diesem langen, frömmelnden Kamaschenheld mit dem weiten Magen und dem großen Maule und mit dem Korporalstock, de er erst in Weihwasser taucht, ehe er zuschlägt. Mir mißfiel dieses philosophisch-christliche Soldatentum, dieses Gemengsel von Lüge und Sand. Widerwärtig, zutiefst widerwärtig war mir dieses Preußen, dieses steife, heuchlerische und scheinheilige Preußen, dieser Tartuffe unter den Staaten“.

Die Geburt von Rheinländern und Preußen war bis auf weiteres schwierig. Ab 1866, der Schlacht bei Königgrätz, waren die Karten in Mitteleuropa neu gemischt worden. Preußen hatte Habsburg auf dem Schlachtfeld besiegt, und die Preußen hatten sich die Vorherrschaft in Mitteleuropa gesichert. 1871 geht aus dieser Vorherrschaft das Deutsche Reich hervor. Haffner nennt diese Phase das langsame Sterben Preußens. In dieser Phase trennt Haffner sauber: Militarismus und Patriotimus und Obrigkeitsdenken halten im gesamten Deutschen Reich Einzug. Verantwortlich dafür ist das Kaiserreich, welches nicht deckungsgleich mit Preußen ist. Dabei ist der Preußische Landtag dem Kaiserreich untergeordnet. Preußen stirbt langsam.

Danach bricht eine neue Phase von nationalistischen Bewegungen in Europa an.

Donnerstag, 12. September 2013

mit dem Fahrrad durch die Fußgängerzone


Es waren Momente, die ich auskostete. Augenblicke sind so vergänglich. Mein Blick bohrte sich durch die Schaufensterscheibe. Ein leiser Wind strich über den noch frühen Morgen. Fußgänger trabten, wie von Geisterhand gelenkt, durch die Fußgängerzone. Aufrecht ruhte mein Oberkörper auf dem Sattel. Ein bißchen Restschlaf drohte meine Augen zuzudrücken. Doch ich weigerte mich, steuerte mein Fahrrad in schlafwandlerischer Sicherheit an den Schaufenstern vorbei. Eine Buchhandlung. Meine Liebe zu Büchern munterte mich in der Morgenfrühe auf. Meine Neugierde durchdrang das Schaufenster. Die aktuelle Bestsellerliste lachte mich an. Ich überlegte, welches Buch ich als nächstes lesen wollte: „Die Große Volksverarsche“ oder „Ego – das Spiel Deines Lebens“ oder „Showdown – der Kampf um Europa und unser Geld“ oder etwas ganz anderes ?

Die spannungsgeladenen Buchtitel elektrisierten mich. In Gedanken und Ideen tauchte ich ab. Eindrücke, Orte und Momente fügten sich zu Ideen zusammen. Ich verglich mit dem, was ich einst gedacht hatte. Ich selektierte, verwarf, ergänzte, ordnete über, ordnete unter, gewichtete, bewertete, revidierte, bildete meine gedanklichen Strukturen neu. Gedanken und Ideen kommen und gehen, man kann sie nicht herbei zwingen.

Es war nicht nur die Buchhandlung, die mir zu morgendlichen Gedankensprüngen verhalf. Wirr und unsortiert und ohne die Einkaufsscharen, unterbrochen von zwecklosen Zwischenräumen, trudelte Schaufenster für Schaufenster an mir vorbei.

Wenn es nach den Telekommunikationsanbietern ginge, sollte ich all meine Phantasie ins Netz stecken. 50 Minuten in alle deutsche Netze, 200 SMS in alle deutsche Netze, 200 MB Internet-Flat für nur 9,95 € monatlich, warb eine kleine gelb-blaue Zeichentrickfigur, die mit ihrer grau-umrandeten Brille klug und zugleich besserwisserisch dreinschaute. Das war krankhaft, wie diese Läden von Handys und Smartphones wie Pilze aus dem Boden geschossen waren.

Die Geschäftigkeit des Tages steckte in den Startlöchern. Ein Transporter parkte, die Heckklappe war aufgerissen, Töpfe mit Farbe bedeckten die Ladefläche. Der Maler in der weißen Arbeitshose schien sich auf seine Arbeit zu freuen, denn er grinste mich an. Ein Stück weiter, stapelten sich Schuhkartons im Schaufenster. Herzen mit Prozent-Schildern und Aktionspreisen gierten nach Kunden. Vor dem chinesischen Imbiss lief mir das Wasser im Mund zusammen, denn mein Blick krallte sich an dem Pylon fest. Die Teller mit gebratenem Eierreis oder gebratenem Hühnerfleisch oder Chop Soey sahen darauf täuschend echt aus.

Ich versank in der Monumentalität des Augenblicks. Vor mich her träumend, machten meine Gedanken eine überraschende Kehrtwendung: Polizei ? Denn ich befand mich Fahrrad-fahrend in der Fußgängerzone.

Ich erinnerte mich an den Schockzustand, den die Polizei im Winter erzeugt hatte. Ich hatte eine rote Ampel mit Grünpfeil überfahren. Das hatte mich neunzig Euro und drei Punkte in Flensburg gekostet. Und hatte mir mächtigen Respekt vor den blau-grau uniformierten Männchen oder Frauen eingeflößt.

Ein Herr um die 50, dessen lockiges Haar unerwartet an den Rändern seiner Glatze hervorquoll, stakste mir mit seinem dezent-blauen Sakko entgegen. Also keine Polizei. Ich musste höllisch aufpassen, denn die Polizei setzte eigene Streifen für Fahrradfahrer ein. Ich wollte und durfte mich nicht widersetzen, denn es war unstrittig, dass Verkehrsregeln auch für Fahrradfahrer gelten.

Aber morgens um 8 Uhr in der Fußgängerzone ? Hier herrschte eine fast beschauliche Ruhe. Die Rollgitter waren heruntergelassen. Ein gut aussehender, junger Mann trug „Bul Shoes“ und marschierte mir auf einem Werbeplakat entgegen. Ich erschrak, als ich auf einem anderen Plakat des Bürgerbundes las, dass die Zahl der Wohnungseinbrüche um 25,6% gestiegen war.

Fahrradfahren, wenn die Fußgängerzone mit Passanten bevölkert war, das war etwas anderes. Aber sei’s drum. Ich musste aufpassen. Vor einigen Wochen war ich einer Polizistin auf dem Bürgersteig geradewegs in die Arme geradelt, die glücklicherweise auf ein Verwarnungsgeld verzichtete. Dasselbe geschah in der Vorweihnachtszeit, als es den Bombenanschlag am Hauptbahnhof gegeben hatte. Ich musste aufpassen, denn vereinzelt sah ich Polizisten so frühzeitig, dass ich rechtzeitig in der Fußgängerzone vom Fahrrad absteigen konnte. Vor der Kennedybrücke gab es eine kritische Stelle, wo die Polizei häufig Beleuchtung und Bremsen kontrollierte.

Die Sicherheit der Fahrradfahrer zu kontrollieren, wer sicherlich berechtigt. Aber war die Art und Weise noch angemessen ? Als Fahrradfahrer passiere ich diverse Abbiegungen oder Einmündungen, wo sich manche Autofahrer nicht um Fahrradfahrer scheren, sondern mir die Vorfahrt nehmen und einfach durch brettern. Wenn ich nicht selbst aufpassen würde, hätte man meine körperlichen Überreste längst von der Windschutzscheibe eines Autos wegkratzen können. Greift an solchen neuralgischen Stellen die Polizei durch ? Was ist mit zugeparkten Radwegen ? Was ist mit Fahrraddiebstählen ? Früher habe ich über Jahre hinweg unter dieser Kriminalität leiden müssen. Hat sich dort endlich etwas getan ? Ich hatte zuletzt gelesen, dass die Aufklärungsquote seit Jahren um die 5% daher dümpelt. Ich habe die Schlagzeile des EXPRESS noch vor meinen Augen. „Polizei jagt Raser – und schnappt 92 Radler“, so wetterte die Zeitung beim Blitz-Marathon. Oft waren es Fahrradfahrer, die den Bürgersteig benutzten anstelle des mit einer gestrichelten Linie abgegrenzten Radweges auf der stark befahrenen Hauptstraße.

Das Ende der Fußgängerzone hatte ich ohne die Ordnungsmacht der Polizei erreicht. Morgens fuhr ich auf unterschiedlichen Strecken, um auf meinem Fahrrad ins Büro zu gelangen. Die Eindrücke in der Fußgängerzone waren gegensätzlich. Die noch nicht pulsierende Geschäftswelt lenkte meinen Blick ab auf die Räume, die sich zum Beobachten öffneten. Die Passanten waren keine Kunden, sondern zerstreuten sich und reduzierten sich nicht auf das Einkaufserlebnis.

In der Morgenfrühe hatte die Fußgängerzone ihren eigenen Charme. Ich denke nicht daran, diese Strecke morgendlich Fahrrad schiebend zu durch queren. Es sei denn, die Polizei gerät in Sichtweite. 

Dienstag, 10. September 2013

mit dem Rennrad nach Altenahr



Beiläufig stellte ich fest, dass es in diesem Jahr meine erste Tour durch den Kottenforst war. Beiläufig rieselte das Sonnenlicht durch das Laub der Bäume, das zerfaserte und an manchen Stellen grelle Kleckse auf den Radweg warf.

Ich wollte die schönen warmen Tage ausnutzen, doch die Hitze war für einen 6. September unwirklich. Morgens war es taufrisch, nachmittags knallende Hitze, die Temperaturgegensätze sprengten mein Wahrnehmungsvermögen. Ab Meckenheim bekam ich die Hitze nicht eingeordnet, denn der Wind blies seitwärts ins Gesicht und sorgte für einen klaren Kopf. Die Landstraße zog ihre Spur durch Endlosreihen von Äpfeln, die so rot und reif waren, dass ich am liebsten hineingebissen hätte. Reife Äpfel, Birnen, Pflaumen wetteiferten miteinander.

Als die Eifel nahte, spürte ich die 32 Grad Außentemperatur, denn nur phasenweise hielt Schatten die Hitze in Schach. Die Sonne knallte, hinauf nach Hilberath zog die Steigung an. Der Schweiß lief in Bächen durch mein Gesicht, ich stöhnte, ich biss die Zähne zusammen, ich hielt durch. In Hilberath angekommen, entschädigte mich  das pralle Sonnenlicht und der durchdringende Blick auf die Höhen der Eifel.

In Kurven und Biegungen und Wendungen erreichte ich das Dorf Berg, welches seinem Namen alle Ehre machte. Das war positiv zu sehen, denn in Berg ging es mächtig den Berg hinunter. Im Nachmittagsschlaf dämmerte das Dorf vor sich her. Auf dem Dorfplatz mit dem Brunnen war keine Menschenseele zu sehen, die Bürgersteige waren leergefegt. Beim Anblick der Gaststätte „Berger Hof“ stellte ich mir den dörflichen Abend inmitten eines regen Vereinslebens, einem gepflegten Bier und einer treuen Runde von Skatspielern vor. Die schmale Landstraße, auf der keine zwei Autos nebeneinanderpassten, trippelte weiter den Berg hinunter. Das war typisch Eifel, dass ich anschließend denselben Umfang an Steigungen wieder zurück bewältigen musste. Zäh und schleppend wälzten sich die Häuser von Freisheim den Berghang hoch.



Das raubte Kräfte und wiederholte sich anschließend noch zweimal. Ein paar schnell daher geschmissene Höfe formierten sich am Straßenrand. Bei den Streckenkilometern 1,8 und 3,0 der Kreisstraße 31 quälte ich mich über die nächsten Eifelhöhen, die mit ihrer körperlichen Herausforderung ihre eigene Dramatik entwickelten. Der Reiz solcher Torturen ist eigenwillig, denn nirgendwo erlebe ich Landschaften so hautnah. Früher bin ich gerne gewandert, aber beim Rennradfahren erlebe ich effektiv mehr. Der Radius ist größer. Die Erlebnislandschaften sind umfangreicher. Die Eindrücke vervielfachen sich im Überflug bis in Details hinein.

Was die Preußen als „Rheinisch Sibirien“ bezeichneten, sog ich mit allen Einblicken in mich hinein. Die Eifel galt als verlassener und dünn besiedelter Landstrich, wo die Zivilisation aufhörte. Noch bis ins 19. Jahrhundert gab es Mißernten und Hungersnöte. Deprimiert, suchten und fanden die Eifelbewohner anderswo ein besseres Leben.

„Ein Zug der Eifelberge ist vorzüglich charakteristisch. Dies ist eine Bergkette, die ungefähr sechs Stunden lang aus der Gegend von Münstereifel bis nach Nürburg und Kelberg sich fortzieht, im ganzen mit gerader Linie und in gleicher Höhe, nur dass da und dort aus dem eintönigen Grauwackenplateau das Erdfeuer den Basalt hervorgestoßen hat, der nun über dem dicht bewaldeten neptunischen Kamm in schwarzen, oft nackten Kuppen stolz emporragt.“ beschrieb der Romantiker Gottfried Kinkel seine Wanderungen durch die Eifel.

Nicht Basalt, sondern Schiefer prägte den Hausbau dieser Dörfer. Beachtliches Fachwerk mischte sich in die Straßen hinein. In Krälingen, dem nächste Dorf, erwartete mich eine Überraschung. Die Straße kraxelte den Berg hinab, und hinter einer scharfen Linkskurve schaute ich in den urigen Innenhof eines rotgestrichenen Fachwerkhauses, das zu einem Bistrot gehörte. Ich las „Alte Krähe“ und übertrug die französische Bistrot-Kultur mitten in die Eifel.

Ich folgte der Kreisstraße, bis ich nach mindestens zehn bis zwölf aufsehenerregenden Serpentinen das Sahrbachtal erreichte. Ich bedauerte andere Rennradfahrer, die die Serpentinen in umgekehrter Richtung bergaufwärts noch vor sich hatten.

Das Ziel Altenahr hatte ich nicht aus Sehnsucht oder Leidenschaft gewählt, sondern aus reiner Zweckmäßigkeit. Vom Tourismus überlaufen, hatte ich zu Altenahr nie eine Beziehung entwickelt.  Gemütliche Weinstuben vermisste ich, die schönen Abschnitte längs der Ahr begleiteten Fuß- und Wanderwege, aber keine Radwege. Unsystematisch häuften sich Kneipen längs der Hauptstraße, die bis zur Fertigstellung der Umgehungsstraße 1998 im Autoverkehr erstickt war.

Dabei verkörperte Altenahr durchaus den Inbegriff rheinischer Burgenromantik. 1121 erbaut, war die Burguine steinalt. Die Grafen von Are, die die Herren der Burg gleichen Namens waren, waren mit ihrem Wirken drei Jahrhunderte lang stets präsent. Münster oder Lüttich, Utrecht oder Köln: die Grafen hatten bedeutende Bischofsämter inne, darunter Konrad von Hochstaden von 1238 bis 1261als Erzbischof von Köln.


An der Gabelung der B266 und B267 fand ich ein Lokal, um Pause zu machen. Nach 50 Kilometern sackte ich platt auf meinem Stuhl zurück, denn die 32 Grad Außentemperatur lagen an der Grenze des Zumutbaren. Diesmal löschte ich den Durst mit zwei halben Liter Bitburger, während sich am Nebentisch eine Horde älterer Frauen versammelte und fleißig Kuchen in sich hinein stopfte.

Um Kräfte zu sammeln, hätte ich deutlich länger wie eine halbe Stunde ausruhen müssen. Die 30 Minuten mussten reichen, und anschließend kroch ich die Steigung zur Kalenborner Höhe hoch. Im Schneckentempo bewegte ich ich vorwärts, wohl wissend, dass hinter all den Kurven, Krümmungen und Biegungen neue Steigungen warteten. Rund 250 Höhenmeter musste ich abarbeiten. Ausgelaugt und kraftlos und in dem Pedalen hängend trottete ich an dem Ausflugslokal auf der Kalenborner Höhe vorbei. Weiter ging es diesmal über die B257 in die Ebene hinab, um unnütze Höhenmeter zu vermeiden.

Die Abfahrt war genial. Das Siebengebirge strotze vor Kraft und bäumte sich über der gewellten Hügellandschaft der Grafschaft auf.  Die Hügel des Ahrgebirges segelten an mir vorbei. Vor mir fixierte sich die Landschaft auf den geschwungenen Kirchturm der St. Walburgis-Kirche, der das Umland von Gelsdorf beherrschte.

Der Schlußakkord der Eifellandschaft nahte. Dem Rückenwind sei dank, dass ich ab Gelsdorf in der sanften Ebene daher glitt. Am Ende des Tages steckte mir die Tour heftig in den Knochen, denn Hitze und Durst hatten mich fertig gemacht. Und mit 90 Kilometern zählte diese Tour zu meinen längeren Radtouren.

Die Hitze vergaß ich schnell, denn zwei Tage später fühlte ich mich bei 16 Grad Außentemperatur mitten in den Herbst versetzt.

Sonntag, 8. September 2013

Pützchens Markt


Die Eröffnung muss ein Triumphzug gewesen sein. Letzten Freitag zog der 700 Meter lange Festzug mit 800 Teilnehmern und 34 festlich geschmückten Wagen zum Bayernzelt. Wenn nicht die Pferdekutschen der bayrischen Bierbrauereien gefehlt hätten, hätten die Besucher sich mitten auf dem Münchener Oktoberfest gefühlt. Doch gefeiert wurde nicht in München, sondern im Rheinland. Um 15 Uhr stach der Oberbürgermeister das erste Faß Bier an und eröffnete Pützchens Markt. Sie gilt nach dem Rheinwiesenfest in Düsseldorf als die größte Kirmes im Rheinland.



Die Fahrgeschäfte sind atemberaubend und bei manchen wird mir schon schlecht beim Zusehen.



Alles ist bunt und groß und weit und grenzenlos.

Solchen Fahrgeschäften abgeneigt, stelle ich fest, welche große Bildungslücke ich habe, denn  viele Kirmessen und Jahrmärkte haben eine jahrhunderte alte Tradition. Genau gesagt, jährt sich in diesem Jahr Pützchens Markt zum 646. Mal. Viele Kirmessen und Jahrmärkte hängen eng mit kirchlichen Traditionen zusammen. So auch hier.

Um das Jahr 1000 herrschte im Rheinland eine große Dürre, so dass eine Hungersnot drohte. Während einer Bittprozession, kniete die Äbtissen Adelheid des Stiftes Bonn-Vilich im freien Feld nieder und bat um göttliche Hilfe. Genau an dieser Stelle versank ihr Äbtissinnenstab im Erdboden und dort entsprang eine Quelle. Quelle wird im rheinischen Dialekt „Pützchen“ genannt (was übrigens dem lateinischen Wort „puteus“ für Brunnen sehr ähnlich ist).


Im 13. Jahrhundert wurde an dieser Stelle eine Kapelle gebaut.


In dieser Kapelle steht das Bild der Heiligen Adelheid. Sie wurde 1966 heilig gesprochen. Zu dieser Kapelle wurden Wallfahrten organisiert, um dessen Treiben ein Jahrmarkt entstand.


Da diese Kapelle für die Menge der Wallfahrer zu klein war, wurde eine größere Wallfahrtskirche gebaut.


Diese Wallfahrt hat sich bis heute vor der Eröffnung von Pützchens Markt erhalten.

Dienstag, 3. September 2013

Stadthaus


Den Protestierenden von damals dürften die Haare zu Berge stehen. 1973 hatten sie sich dagegen aufgelehnt, dass ein Areal, so groß wie zwei Fußballplätze, platt gemacht worden war. Die Abrißbirne hatte ihr Werk verrichtet, mehrere Straßenzüge waren dem Boden gleichgemacht worden. Die Nordstadt mit ihren Häusern aus der Gründerzeit, in dem der Maler August Macke sein Atelier hatte, war amputiert worden.

Abrißorgien wie diese haben in den 60er und 70er Jahren viele deutsche Städte heimgesucht. Es sind nicht die Protestierenden, die einen bleibenden Eindruck im Stadtbild hinterlassen, sondern Bauherren und Architekten, die sich in einem Denkmal verewigen.

Doch an diesem Denkmal wird nun mächtig gekratzt. Als 1969 der Neubau des Stadthauses beschlossen wurde, waren die Verantwortlichen noch voller Euphorie. In der Innenstadt gelegen, wurden rund 50 Standorte der Stadtverwaltung, die wie ein Streuselkuchen über die Stadt verteilt waren, optimiert. Die Architekten markierten weithin sichtbare Punkte der Stadt: im Regierungsviertel war dies das Abgeordnetenhochhaus – der Lange Eugen – und in der Innenstadt das Stadthaus, welches den Blick mit der Masse der fünf Hauptbaukörper einfing. Die Architekten spielten mit der verschachtelten Struktur der Glasfassade: sich spiegelnd, abbrechend, zurückgeworfen oder beim Sonnenuntergang war das Wechselspiel des Sonnenlichts grandios. Diese Lichteffekte schimmerten nahtlos in die versilberte Leichtmetallfassade durch, die an den Ecken und zum Dach abschloss.

1978 fertiggebaut, machte sich bei diesem Glasklotz, der 180 Millionen DM gekostet hatte, rasch Ernüchterung breit. Die Architektur der 60er und 70er Jahre ist zwar repräsentativ und drängt sich in den Vordergrund, sie ist aber zu kurz gedacht. Über deren Schönheit kann man noch streiten. Der Fremdkörper, der maßlos in die Breite ausuferte, kostete Geld. 1990 musste Asbest entsorgt werden; dies kostete 1,5 Millionen DM.

Die Vorhängvorrichtungen für Fassadenelemente verschlissen, Verankerungen lösten sich, Metall korridierte, Glaselemente wurden brüchig, Sanitäranlagen waren nicht mehr zeitgemäß, Klimaanlagen fraßen zuviel Strom, Fassaden waren nicht gedämmt. Gebäude, die weitgehend aus Glas und Metall bestehen, haben nicht diejenige Lebensdauer wie Häuser, die Stein auf Stein gebaut worden sind. Die Folgekosten hatten die Entscheidungsträger schlichtweg geschlabbert. Erfahrungswerte, wie die Lebensdauer solcher Glaskörper einzuschätzen war, gab es zum Planungszeitpunkt nicht.

Die heutigen Entscheidungsträger wissen nun nicht, was sie mit dem Repräsentativbau machen sollen. Heute wünschen sie sich sogar, dass man auf die Protestierenden von damals gehört hätte: dass die Häuser aus der Gründerzeit stehen geblieben wären und dass die Verantwortlichen die Neukonzeptionierung der Stadtverwaltung besser durchdacht hätten.

Der Zahn der Zeit hat rund 3.000 Fassadenscheiben gelockert. Sie müssen abgehängt werden, so dass man die schillernden Lichteffekte auf der Glasfassade nicht mehr sehen kann. Sonst könnten sie vorbeigehenden Passanten um die Ohren fliegen. Die Brandmeldeanlage müsste erneuert werden, ebenso der Bodenbelag in der Tiefgarage. In die Magazinräume des Stadtarchivs dringt regelmäßig Wasser ein.

Der Renovierungsstau des 35 Jahre alten Gebäudes wächst den Verantwortlichen über die Ohren. Da die Stadtkasse chronisch leer ist, wird nur noch notdürftig geflickt. Dem Nothaushalt in die Augen schauend, haben Geld-verschlingende Baumaßnahmen wie der Weiterbau des WCCB Vorrang (World Conference Center Bonn; der Bauherr war Pleite gegangen). Auf der Streichliste stehen Bäder und Stadtteilbibliotheken, was in der Bevölkerung auf reges Unverständnis stößt.

Ein Krisenmanagement sitzen die Verantwortlichen samt Oberbürgermeister aus. Was sollen sie auch anders tun ? Die schöne neue Architektur der 60er und 70er Jahre fällt in sich zusammen, weil sie nur für einen kurzen Augenblick gedacht ist. Den Zerfall können die Verantwortlichen nicht aufhalten. Diskussionen, das Stadthaus abzureißen und neu zu bauen, sind längst entflammt.

Alle drehen sich im Kreis. Ob Abriss oder Neubau, beide Varianten sollen gleich viel kosten, nämlich 200 Millionen Euro. Doch diese Überlegungen sind müßig, denn es ist sowieso kein Geld da.

Oberbürgermeister Nimptsch sieht dies gelassen: „Wenn die Finanzierung für 2014 nicht geklärt ist, müssen wir die Haushaltssituation in 2015 abwarten.“ hatte er zuletzt erklärt. Das Prinzip Hoffnung regiert. In irgendeiner Ecke läßt sich vielleicht noch eine Geldquelle entdecken, die nicht versiegt.

Einstweilen steht das Denkmal des Stadthauses noch. Die Architekten Heinle, Wischer & Partner haben nicht für die Ewigkeit gebaut und sind mittlerweile verstorben. Derweil sind andere Architekten für solche Glasbauten mit Architekturpreisen überhäuft worden.


Montag, 2. September 2013

Monatsrückblick August

38,9 Grad
… auf diese Temperatur kletterte die Rekordhitze am 2. August in Krefeld. Mit 37,9 Grad folgte Köln-Porz-Wahn dicht dahinter. Diese Rekordhitze fiel genau in unseren Urlaub hinein. Da wir keinen Urlaub gebucht hatten, wollten wir unter anderem unseren Garten und Vorgarten auf Vordermann bringen. Das war höchst schweißtreibend, bei 35 Grad Hitze Strauchwerk klein zu häckseln oder einen Zierapfel samt Wurzeln aus dem Boden zu entfernen. Im Urlaub habe ich mich kaum erholt, da die Hitze keinen Rhythmus zugelassen hat zwischen Tätigsein und Entspannung.

Movie Park anstelle Industriedenkmäler im Ruhrgebiet
Als Tagesausflüge hatte ich in unserem Urlaub das Ruhrgebiet anvisiert – beispielsweise eine Hafenrundfahrt in Duisburg oder die Zeche Zollverein in Essen. Tatsächlich landete ich in Bottrop-Kirchhellen, gar nicht so weit weg vom Ruhrgebiet. Eine Bekannte hatte Karten für den Movie Park zum halben Preis ergattert, was auf meine Familie eine höhere Anziehungskraft ausübte als Industriedenkmäler im Ruhrgebiet. Ich musste mich beugen, wobei Vergnügungsparks überhaupt nicht mein Ding sind. Also schaute ich zu, weil ich auf keine Achterbahn gehe. Verglichen mit dem Phantasialand, gefiel mir der Movie Park bei weitem nicht so gut, weil ich keine mit Liebe gestalteten Details entdecken konnte. Am Ende des Tages stellte ich fest, dass der Rest der Familie nach all der Achterbahn-Fahrerei zufrieden war. Also erfreute ich mich daran, dass der Rest meiner Familie einen schönen Tag erlebt hatte. Oft genug ist es umgekehrt, dass ich mit dem Rennrad unterwegs bin, während der Rest der Familie zu Hause sitzt.

Erstein im Elsass
Als Indikator schaue ich gerne auf meine Posts, wie häufig diese angeklickt werden. Oftmals finde ich bei den Besucherzahlen meine Erwartungshaltung wieder, dass diejenigen Posts, die ich für gelungen halte, oft besucht werden und umgekehrt. Ganz seltsam ist dies bei meinem meistbesuchten Post: "Annäherungen an Frankreich - Erstein im Elsass". Er ist sagenhafte 1.417 mal besucht worden. Ist Erstein so besonders ? Ist der Post so gut geschrieben ? Erstein liegt rund 20 km südlich von Straßburg. Elsässische Orte wie Kaysersberg, Riquewihr oder Saverne sind viel hübscher als dieser Ort, den die siloförmigen Kessel einer Zuckerrübenfabrik  dominieren. Vermuten Geheimdienste Terroristen in Erstein ? Bei den Zugriffsquellen habe ich nichts zuordnen können, wer den Post über Erstein liest. Es bleibt also ein Geheimnis, wieso dieser Post "der Renner" ist.

Platz im Pflegeheim für 6.000 € pro Monat
Freunde hatten für einen Angehörigen (Demenz und Parkinson) nach einem Platz im Pflegeheim nachgefragt. Dieser Platz sollte 6.000 € im Monat kosten. Dies hatte ich gegengerechnet gegen das Einkommen eines Altenpflegers (Niedriglohnsektor), da ich vermute, dass bei solchen Kosten Alten-/Pflegeheime gut daran verdienen.

Bruttolohn Altenpfleger                         2.000 €             Quelle Internet
Sozialversicherung Arbeitgeberanteil        300 €              dto.
Früh- und Spätschicht                          4.600 €
Verhältnis Heimbewohner
zu Altenpfleger 6:1                                                         Quelle Internet (exklusive kostenlose Praktikanten)
Personalkosten                                      770 € (=4.600 €/6)
Zuschlag Gebäudekosten usw. 50%       385 €               Quelle eigene Firma (konserativ gerechnet)
Querschnittsabteilungen
(Verwaltung, Wäscherei, ... ) 50%         385 €               Quelle eigene Firma (Zuschlag Verwaltung und
                                                                                     Gemeinkosten eigene Firma; konserativ gerechnet)
Gesamtkosten                                     1.540 €
Mithin Gewinn                                    6.000 € minus 1.155 € = 4.460 € pro Heimbewohner pro Monat

Wenn die Zahlen stimmen, lassen sich in dieser Branche üppige Gewinnspannen erzielen.

Weinlese am Drachenfels
Unter dem steil abfallenden Felsen des Drachenfelses erstrecken sich Weinberge. Da sich in Einzelfällen Felsbrocken vom Hang gelöst haben, ist die Bezirksregierung Köln eingeschritten und als Fürsorgemaßnahme gegenüber den Arbeitskräften, die bei der Weinlese tätig sind, die Weinlese verboten. Für die Winzer am Fuße des Drachenfelses bedeutet dies den Ruin. Dort hat der Weinanbau seit den Römern eine jahrtausende alte Tradition, ohne dass sich jemals Behörden eingemischt hätten. In Königswinter ist protestiert worden, außerdem sind Rechtsanwälte eingeschaltet worden. Eine Diskussion ist entflammt, wie weit der Staat gehen darf, dem Bürger etwas vorzuschreiben. Beziehungsweise wann davon auszugehen ist, dass der Bürger selbst verantwortlich ist und die Entscheidung, wie er handelt, ihm selbst überlassen wird.