Samstag, 9. Februar 2013

eenmol em Johr kütt d'r Ring us'm Bett

...  dat is dann wenn hä Huhwasser hätt ...
… heißt ein Karnevalslied, in dem der Rhein sein Bett verlässt, weil er Hochwasser hat. Dies ist in diesem Winter sogar das zweite Mal passiert. Aber keine Angst: nachdem ab Wochenmitte Schneefall eingesetzt hat und die Temperaturen in den frostigen Bereich gesackt sind, ist das Hochwasser deutlich zurück gegangen.



Die Siegaue steht unter Wasser.


Die Autobahnbrücke A565 spannt sich weit über den in die Breite gezogenen Fluss.


Aus der überschwemmten Rheinwiese schauen zwei einzelne Bäume heraus.


Den Steg hat das Wasser in die Höhe gehoben.


Eine versetzte Baumreihe greift ins Wasser hinein.


Möwen, Schwäne und Enten fühlen sich magisch vom Hochwasser angezogen.


Der Sportplatz ist im Wasser abgesoffen.


Hier geht es mit dem Fahrrad definitiv nicht weiter.


Eine Einladung, sich hinzusetzen, zu verweilen und ganz viel Wasser im Rhein zu beobachten.


Die Treppe unter den Rheinterrassen weist geradewegs ins Wasser.

Freitag, 8. Februar 2013

Wäscherprinzessin


Weiberfastnacht und die Frauenbewegung ?

Es waren gegensätzliche Mentalitäten, die im Rheinland aufeinander prallten und den Karneval in seiner heutigen Form entstehen ließen. Nachdem Napoleon bei Waterloo vernichtend geschlagen worden war, annektierte nach dem Wiener Kongreß 1815 Preußen das Rheinland. Die Preußen führten Tugenden ein wie Disziplin, Ordnung oder Gehorsam, die dem Rheinländer suspekt waren. Es entstand der Karneval in der heutigen Form mit einem Rosenmontagszug, einem Karnevalsprinzen, einem Elferrat und der entwertenden Darstellung von Uniformen, über die man sich gegenüber den preußischen Besatzern lustig machte.

Die ersten Beschreibungen, dass in Köln Weiberfastnacht gefeiert wurde, datieren aus dem Jahr 1823. Frauen und Mädchen rissen sich die Hauben ab, sie rannten auf die Straßen und begannen, das bunte Treiben des Karnevals auf den Donnerstag vor zu verlegen. Dazu trieben sie den „Bellegeck“ – eine mit Schellen behängte Maske  - durch die Straßen.

Fast zeitgleich 1825 – aber auf andere Weise – drängten in Bonn die Frauen an die Macht. In der Epoche der Industrialisierung waren in Bonn-Beuel auf der „schääl sick“ Wäschereien wie Pilze aus dem Boden gesprossen. Waschpulver – Persil – ging erst 1907 durch die Firma Henkel in die Massenproduktion. In den Wäschereien in Bonn-Beuel nutzte man anstatt dessen eine Mischung aus Pottasche und Buchenholz, die Mitte des 19. Jahrhunderts durch Schmierseife ersetzt wurde. Die Wäsche wurde mit diesen Zutaten bestreut, anschließend mit heißem Wasser ausgespült und über Nacht in einem großen Holzfass eingeweicht. Indem man den Waschvorgang bis zu zehnmal wiederholte,  wurde die Wäsche quasi blütenweiß sauber. Auf den ausgedehnten Wiesen am Rhein, auf die nachmittags reichlich Sonne scheinen konnte, wurde die Wäsche schließlich getrocknet. Wegen des hohen Qualitätsstandards, der beim Waschen erzielt wurde, wurde diese Dienstleistung rege nachgefragt. Das Einzugsgebiet reichte bis Köln, da mit der Industrialisierung dreißig Kilometer Rhein-abwärts das Wasser nicht so sauber war.

Weiberfastnacht und die Frauenbewegung ? Es wurde soviel Wäsche gewaschen, dass es zeitweise an die 90 Wäschereien gab. In kleinen und mittelgroßen Betrieben organisiert, arbeiteten dort meistens Frauen. Die Frauenbewegung fand ihre Ursprünge aus der Arbeiterbewegung. Dort erfuhren sie, dass ihre Arbeit einen Wert hatte, dass diese entlohnt wurde und bezogen auf das Endprodukt geschlechterspezifische Grenzen aufgehoben wurden. Mit diesem Ansatz von Gleichberichtigung begann die Frauen für weitere Rechte in der Männer-dominierten Gesellschaft zu kämpfen: Männer hatten – wie zu Hause und sonst wo - das Sagen; dass Frauen arbeiten durften, war überhaupt nicht selbst verständlich; das Wahlrecht war ihnen verwehrt, Bildung und Universitäten genauso.

Der Karneval diente den Wäscherinnen in Beuel dazu, sich als Frauen zusammen zu tun, eine eigene Bewegung zu gründen, sich zu emanzipieren, um die Herrschaft der Männer aufzubrechen. Am Donnerstag vor den Karnevalstagen waren viele Beueler Männer nach Köln zur Auslieferung der Wäsche aufgebrochen. Ihre Bewegung nannten sie „Damenkommitee“, die zum Ziel hatte, eine Schlacht gegen „Griesgram“ und „Muckertum“ der Männer zu schlagen. Männer waren vom Treiben der Damen ausgeschlossen. In den Ursprüngen als Frauenbewegung entstanden, verschrieben sich die Wäscherinnen im Lauf der Jahrzehnte immer mehr dem Karneval. Über das ganze Jahr hinweg, waren die Wäscherinnen freundlich, umgänglich und hilfsbereit. Aber am Donnerstag vor den Karnevalstagen, trieben sie es heftig – wie im Gründungsjahr 1825.

Weiberfastnacht und Frauenbewegung ? In der Nachkriegszeit ist die Tradition der Wäscherinnen noch bewusster und intensiver geworden. Seit 1958 gibt es eine Wäscherprinzessin, die die Weiberfastnacht in Beuel eröffnet. In ihrem Schlepptau wird sie von einem großen Hofstaat mit Gefolge begleitet: Wäscherinnen und Bützoffiziere, Möhnen und Obermöhn, Stadtsoldaten mit Infanterie und Artillerie. Sie erhält somit die Ursprünge aufrecht: als die Wäscherinnen sich zu emanzipieren begannen.

Mit ihrem Regimentsstab hat am 7. Februar um 11.11 Uhr auf dem Franziskanerinnenplatz in Beuel die Wäscherprinzessin Vanessa I das jecke Treiben der alten Weiber eröffnet. Dann kann gefeiert, geschunkelt und getanzt werden, was das Zeug hält. 

Mittwoch, 6. Februar 2013

Monatsrückblick Januar

Stofftaschen
Für Weihnachts- und Geburtstagsgeschenke geht meine bessere Hälfte zuletzt verstärkt ihrer Leidenschaft zu Nähen nach. Dann wird abends die Nähmaschine heraus geholt, sie schneidet Stoff zurecht, daraus näht sie Einkaufstaschen. Als Geschenk sind die Einkaufstaschen bestens angekommen.  Mein Interesse fürs Nähen hält sich in Grenzen. Ich freue mich aber, die Endprodukte – hier Einkaufstaschen – zu bestaunen. Besonders freue ich mich, wenn ab Ende Februar die ersten Stoffmärkte wieder stattfinden. Dies ist eine Auswahl der genähten Einkaufstaschen:


Sollte jemand Interesse an einer solchen Einkaufstasche haben, bitte melden. Nach Kundenwunsch können auch andere Muster genäht werden.

Karneval
Der Januar stand bereits voll im Zeichen des Karnevals, da dieser in diesem Jahr auf Anfang Februar fällt. So fand in unserem Ort bereits am Freitag den 4. Januar die Karnevalssitzung statt. Meine Gattin war dort – wie in jedem Jahr war es wunderschön und alle hatten sich eine riesige Mühe gemacht. Der Karneval wird in diesem Jahr auch dadurch bestimmt, dass die Grundschule mit einer eigenen Fußgruppe am Karnevalszug am Karnevalssonntag teilnimmt (davon meine Gattin plus unsere Kleine). Alle verkleiden sich als Bleistift – die Bleistiftspitze als Hut und ein roter Umhang. Bezogen auf die gesamte Schülerzahl der Grundschule, sind die 20 Teilnehmer geradezu läppisch. Dies dürfte unter anderem auf die Kosten für das Wurfmaterial zurückzuführen sein. Im Haribo-Shop haben wir uns mit Gummibärchen, Lakritzschnecken oder Maoam eingedeckt, über den Online-Shop bei real mit Lutsch-, Karamelbonbons oder kleinen Tüten Erdnussflips. 250 € haben wir dafür ausgegeben. Das war jede Menge Geld und für so manchen wohl ein Killerargument, an dem Zug nicht teilzunehmen.

Dschungelcamp
Am Rande einer Tagung unserer Abteilung musste ich feststellen, dass ich große Bildungsdefizite habe, weil ich keine einzige Folge des Dschungelcamps im Fernsehen gesehen hatte. Dass der Sieger Joey Heindle zu seiner Freundin nach Köln ziehen wollte, war das einzige, was ich morgens in Einslive im Autoradio mitbekommen hatte. Am Rande der Tagung war ich zum stillen Zuhören verdammt, da ich zu dem beherrschenden Gesprächsthema definitiv nichts beitragen konnte. Daniel Hartwich hatte die Komik des verstorbenen Dirk Bach nicht ersetzen können. Eklig muss es beim Herunterwürgen bestimmter Speisen oder beim Zweikampf mit Kakerlaken zugegangen sein. Da Einschaltquoten gesprengt wurden, dürfte mancher C-Promi zum B-Promi aufgestiegen sein. Gagen von 70.000 € kursierten in unserer Gesprächsrunde, so dass es sich selbst mit dem C-Status eines Promis gut leben ließ.

Winterwetter
Drei Wochen war es im Rheinland knackig kalt, davon lagen vierzehn Tage Schnee, was durchaus eine Seltenheit ist. Die Winterimpressionen waren ja auch in meinem Blog nachzulesen. An denjenigem Tag, als der erste Schneefall einsetzte, herrschte bei uns totales Verkehrschaos. Um 7 Uhr fuhr ich mit dem Bus los, als der Schneefall begonnen hatte. Bereits kurz hinter unserem Ort stand der Verkehr mehr oder weniger, wenn überhaupt, ging es im Schritttempo vorwärts. Dank der Busspur wurde zwischenzeitlich Normaltempo ermöglicht. In der Stadt ging schließlich gar nichts mehr. Am Stadtrand konnten diejenigen Fahrgäste, die wollten, aussteigen. Dies tat ich und stapfte quer durch den Stadtrand bis zur nächsten Straßenbahnhaltestelle durch den Schnee. Dort kam – oh Wunder – tatsächlich einige Minuten später eine Straßenbahn. Fünf bis sechs Stationen weiter umsteigen, über den Rhein fahren, noch einmal umsteigen, eine Haltestelle weiter war ich im Büro. Viertel nach neun war ich im Büro angekommen. Somit hatte ich 2 ¼ Stunden Fahrzeit benötigt. Normalerweise sind es 40 bis 50 Minuten.

Trennung von Sylvie und Raphael van der Vaart
Das neue Jahr begann für die Klatschpresse mit einem Paukenschlag. Die Eheleute van der Vaart haben sich getrennt. Bild-Online meldete dies am 1. Januar um 23:55 Uhr. Zehn Gäste waren zu der Silvesterparty der van der Vaarts geladen. Die Berichterstattung in der Bild-Zeitung war insofern merkwürdig, da sie über Details der Silvesterparty berichtete. Zwischen Sylvie und Raphael entbrannte ein heftiger Streit. Während des Streits wurde Raphael handgreiflich, er schlug seine Frau und sie stürzte zu Boden. Frage: wie hat die Bild-Zeitung diese Details recherchiert, die sich in einer geschlossenen Wohnung bei abgezählten zehn Gästen ereignet haben ? Entweder muss ein Reporter mit einem Super-Kamera-Objektiv während der Silvesterfeier von der Ferne aus auf der Lauer gelegen haben. Oder es hat einen Maulwurf unter den zehn Gästen gegeben haben, der Details der Bild-Zeitung zugespielt hat. Versöhnung ja, Versöhnung nein, vielleicht war es sogar Raphael van der Vaart selbst, der diese Details ausgeplaudert hat. „Ich bin ein Idiot“ war in der Bild-Zeitung nachzulesen. Damit hat er einen Kern von Wahrheit getroffen, mit was für einem Idiotenhaufen der Leser es zu tun hat.

Die KiK-Story
Am 24. November 2012 brannte eine Textilfabrik in Dhaka/Bangla-Desh vollständig aus, da es keinerlei Vorschriften über den Brandschutz gab. 112 Arbeiter wurden bei dem Brand getötet, 200 Menschen wurden verletzt. Ausbeutung mit einem Stundenlohn von weniger als 3 €, desaströser Zustand der Fabrik – die Textilproduktion war gezielt nach Bangla-Desh verlagert worden, um die Bekleidung auf dem hiesigen Markt in Deutschland zu Dumping-Preisen anbieten zu können. Vor drei Wochen las ich nun in unserer Tageszeitung, dass die Produktion in dieser ausgebrannten Fabrik eindeutig KiK (und in geringem Umfang C&A) zugeordnet werden konnte. Der KiK-Konzern war somit mitschuldig für die katastrophalen Arbeitsbedingungen. Obschon bei KiK zu Jahresbeginn kein Umsatzrückgang feststellbar war, bleibt zu wünschen, dass die Presse die Fahnen hoch hält und über solche – den Verbraucher sicherlich interessierenden – Themen berichtet. Dabei haben die rüpelhaften Umgangsformen des KiK-Konzerns auch vor Journalisten nicht halt gemacht. 2010 hatten Journalisten des NDR genau diese Textilfabrik in Dhaka/Bangla-Desh aufgesucht und sie wollten über die desaströsen Arbeitsbedingungen berichten. Es folgte eine durch KiK angestoßene Klagewelle sondergleichen. Der NDR dürfe die Näherinnen in der Fabrik nicht als „KiK-Näherinnen“ bezeichnen. Stundenlöhne dürften ebenso nicht genannt werden. Oder dass Billigware aus Bangla-Desh mit der Marke „Ergee“ aufgewertet werden sollte. Das Gerichtsverfahren zog sich in Länge, da KiK vor Gericht mit immer neuen Killerargumente ankam. Bis alle Argumente entkräftet werden konnten und die Sendung im August 2010 unter dem Titel „die KiK-Story“ ausgestrahlt werden konnte. Im Angesicht des 24. November 2012 nimmt die „KiK-Story“ wahrhaft zynische und apokalyptische Züge an.

Montag, 4. Februar 2013

de ramp

Quelle: Wikipedia

Ich habe mich selber hereingelegt. Ich ärgere mich, dass ich in der letzten Woche die Überschrift „Umweltkatastrophe“ benutzt habe. Heute schreibe ich erneut über eine Katastrophe. Dabei fällt mir auf, dass Katastrophen in den Medien inflationär vorkommen. Fast kommt es mir vor, als würde nur noch über Katastrophen berichtet. Kriege, Überschwemmungen, Hurricanes, Taifune, Dürren, Hungerkatastrophen, Erdrutsche, Erdbeben, Vulkanausbrüche, Flugzeugabstürze und so weiter. Informationen sind ein globalisiertes Gut, und an irgendeiner Ecke unserer Welt geschieht immer eine Katastrophe, über die in den Medien und in den Nachrichten berichtet werden kann. So stumpft der Mensch ab – Katastrophen werden zu einem fiktiven Gebilde, das einen kurz berührt, wahrscheinlich auch sehr intensiv, das dann aber verdrängt werden kann, weil es nicht vor der eigenen Haustüre, sondern in einer komplett anderen Ecke unserer Welt geschehen ist.

Die Niederländer haben ein eigenes Verhältnis zu Katastrophen. Für unser westliches Nachbarland gibt es nur eine einzige Katastrophe, die sämtliche anderen Katastrophen in den Niederlanden überragt. Dies erklärt auch das Wort. „De ramp“ nennen sie ihre nationale Katastrophe. „Ramp“ bedeutet Katastrophe, die Vorsilbe „de“ entspricht dem deutschen Artikel „die“. Folglich gibt es in den Niederlanden nur „die“ Katastrophe und keine weitere, die gleichrangig zu betrachten ist.

Die Katastrophe ereignete sich vor fast genau 60 Jahren, am 1. Februar 1953. Sie weist einige Parallelen zur Hamburger Sturmflut am 17. Februar 1962 auf, allerdings in einer vollkommen anderen Größenordnung.

Am 31. Januar 1953 bildete sich am Rande eines Tiefdrucksystems über Skandinavien nördlich von Schottland ein Randtief, das sich rasch verstärkte und über die Nordsee zur Deutschen Küste zog. In der Nacht zum 1. Februar 1953 wurde aus dem Randtief ein Schnellläufer, der sich zu einem Sturmtief und dann einem Orkantief entwickelte. An der niederländischen Küste tobte sich ein Orkan bis zu Windstärke 12 aus, von denen Böen eine Windgeschwindigkeit bis zu 144 km/h erreichten.

Deiche haben die Geschichte der Niederlande wie bei keinem anderen Volk geprägt. Bis weit ins Mittelalter hinein waren weite Teile der Niederlande eine unwegsame Sumpf- und Moorlandschaft, so wie sie der Römer Plinius beschrieben hatte. Im Mittelalter schichteten die Bewohner in Friesland und in Groningen Erdhügel auf, auf denen sie Kirchen bauten. Dort suchten sie Schutz vor dem Wasser. Aus den Erdhügeln wurden Deiche, die Menschen gruben Kanäle, Windmühlen leiteten Wasser in die Kanäle hinein, aus der Sumpf- und Moorlandschaft wurde fruchtbares Ackerland. Wasser und Deiche – sie sind das prägende Element der Niederländer. Durch Deiche sind die Niederländer unabhängig geworden – 1648 wurde der 80-jährige Freiheitskrieg gegen die Spanier gewonnen, weil Landflächen mit Hilfe eines ausgeklügelten Deichsystems gezielt unter Wasser gesetzt werden konnten.

Im zweiten Weltkrieg hatten die deutsche Armee die Deiche bombardiert. Die Schäden waren behoben worden, doch bereits während des zweiten Weltkrieges hatte die oberste niederländische Deichbehörde – der rijkswaterstaat – auf den sanierungsbedürftigen Zustand hingewiesen. Nach Ende des zweiten Weltkrieges investierte die Niederlande vorhandene Gelder in die Poldergewinnung. Die Deiche wurden nicht generalüberholt, sondern mit Betonmauern erhöht.

Dies sollte sich am 1. Februar 1953 rächen. Ähnlich wie bei der Hamburger Sturmflut, kam die Katastrophe mitten in der Nacht. Die Wellen wuchsen in Vlissingen bis auf 4,55 Meter über Normalniveau an und unterspülten viele Deiche. Um 3 Uhr brachen die ersten Deiche in Zeeland bei Oude Tonge, Overflakkee, Kortgene und Kruinigen. Weitere Deichbrüche folgten in Noord-Brabant, in Zuid- und in Noord-Holland. In der Nacht und in den Morgenstunden des 1. Februar 1953 brachen alleine in der Provinz Zeeland Deiche an 589 Stellen. Längs der niederländsichen Küste, waren Deiche auf einer Länge von 187 Kilometern zerstört worden.

Im Morgengrauen vermittelte das Tageslicht einen ersten Eindruck vom Umfang der Katastrophe. Weite Teile Zeelands waren ein einziges Wassermeer, aus dem Hausdächer, Kirchtürme und die Flügel von Windmühlen heraus ragten. Rund ein Viertel der Niederland liegt unterhalb des Meeresspiegels, so dass weite Teile der Kernprovinz Holland und der westliche Teil von Noord-Brabant überflutet wurden. Einzige Ausnahme blieb das Gebiet um Rotterdam und Den Haag.

Die betroffene Bevölkerung konnte nur aus der Luft oder über Boote versorgt werden. Mit dem Gang der Gezeiten wich am 1. Februar tagsüber die Flut wieder zurück, in den Abendstunden und in der Nacht stieg sie aber wieder an, und zwar bis zu 5 Metern.

Die Menschen harrten auf Dächern aus. In den Morgenstunden des 1. Februars hatte die niederländische Regierung bereits den Notstand ausgerufen. Armee und Katastrophenschutz waren rund um die Uhr im Einsatz. Belgische, französische, englische und amerikanische Soldaten halfen genauso.

1.835 Tote war die verheerende Bilanz, dazu Sachschäden in Millionenhöhe, Obdachlose, ertrunkene Tiere.

Quelle: Tourist-Information Zeeland
Ähnlich wie bei der Hamburger Sturmflut, wurden die Ereignisse in mehreren Fernsehdokumentationen sorgsam aufbereitet. Alljährlich ist der 1. Februar in den Niederlanden ein nationaler Gedenktag. Läßt sich so die eine Katastrophe heraus filtern, die wirklich eine Katastrophe ist ? Ich denke ja, denn bei dem Umfang dieser Katastrophe werden viele Niederländer noch Bekannte oder Verwandte kennen, die davon betroffen waren. Diese Katastrophe war Auslöser für den Delta-Plan, das gesamte  Deichsystem an der niederländischen Küste neu zu bauen. Technische Denkmäler des Deichbaus sind so entstanden. Neeltje Jans ist eine künstlich angelegte Insel, die den „zeeuwsen“ (seeländischen) Inseln vorgelagert ist. Neeltje Jans ist eine viel besuchte Touristenattraktion und Mahnmal an die Katastrophe zugleich. Die Sturmflutwehr mit hydraulisch absenkbaren Toren kann bei einem heranziehenden Super-Orkan in einer Stunde das gesamte Oosterschelde-Gebiet komplett abriegeln. Dem Super-Orkan Kyrill hat Neeltje Jans jedenfalls stand gehalten. Wasser und Deiche – in diese Ur-Elemente tauchen die Niederländer ab. Damit sich die eine einzige Katastrophe nicht wiederholt. 

Sonntag, 3. Februar 2013

Banken und Kundenzufriedenheit

Es gibt kaum eine Branche, die so sehr mit einem kundenfreundlichen Image wirbt wie Banken. Die Angestellten am Schalter sind stets sauber, korrekt gekleidet und freundlich. Doch Schein und Sein klaffen bisweilen auseinander.



Die Sparda-Bank hat Kundenfreundlichkeit in ihr Logo eingeprägt.


Viele Banken haben mit Kundenzufriedenheit ihre Werbung aufgepeppt.



Von der Werbung der Sparkasse fühle ich mich verdummt.



Mir fällt die Anhäufung von Preisen und Auszeichnungen auf - diese sind viel verbreiteter als in anderen Branchen.


Nur erste Preise werden vergeben.




Wie sieht die komplette Hitliste aus ? Welche Banken belegen die schlechteren Plätze ?



Dass Banken nachhaltig sind, kann nicht sein. Dann müssten sie ausschließlich in Windkraftanlagen oder in die Solarbranche oder in Biogasanlagen investieren.

Mit unserer Hausbank bin ich zufrieden. Es gibt aber bei anderen Banken diverse Anlässe zur Unzufriedenheit.

  • bei der Commerzbank habe ich zwei Sparkonten und ich wollte eines löschen; die Löschung bekam der Bankangestellte nicht in seinen Rechner eingegeben, so dass er das zweite Sparkonto mit dem Mindestguthaben stehen ließ
  • die Commerzbank sendet Kontoauszüge für die Sparkonten mit entsprechenden Portokosten zu; bei meinem niedrigen Guthaben und bei einer Verzinsung von 0,25% mache ich auf dem Sparbuch Verlust
  • die Postbank wirbt mit einem gebührenfreien Girokonto; es wurden mir aber 5 € Gebühren einbehalten; per Online-Banking hatte ich nachgefragt, wofür Gebühren berechnet werden; darauf bekam ich keine Antwort; mein Bruder, der bei der Post arbeitet, erklärte mir, dass die Gebühr für die EC-Karte meiner Ehefrau berechnet wurde (meine EC-Karte war gebührenfrei)
  • als Riester-Rente hatte mir das BHW einen Postbank Fonds verkauft, der innerhalb von 6 Jahren ca. 20% an Wert verloren hatte
  • zur Anpassung der Freistellungsaufträge erfragte ich bei Banken deren Höhe; bei der Commerzbank und der Sparkasse erfolgte ein intensives Einreden, gleichzeitig einen Beratungstermin zu vereinbaren

Der Gipfel meiner Unzufriedenheit resultiert aus der Konstruktion von Bausparverträgen. Alle in unserer Familie haben beim BHW einen Bausparvertrag. Wann über welche Beträge verfügt werden kann, das ist so kpmpliziert, das wir es jedes Mal mit einem Berater zu tun haben. Diese Beratungen arten jedes Mal zu Verkaufsveranstaltungen aus, bei denen der Berater kaum auf unsere Anliegen eingeht, was wir wollen.

Exemplarisch könnt Ihr dies hier nachlesen.

Samstag, 2. Februar 2013

Mobilfunk

Jede Sekunde ausnutzen. Nichts verpassen. Rund um die Uhr und unterwegs erreichbar sein. Im Netz sein. Nachrichten lesen, Nachrichten empfangen und Nachrichten senden. Es ist schon toll, was die Mobilfunktechnologie kann. 



Allerdings nervt mich in Bus und Bahn der Typ des Informations-Junkies.



Smartphones kann man an jeder Straßenecke kaufen - in Innenstädten fast so häufig wie Brot oder Grundnahrungsmittel.



Es gibt keinen Zweifel: sie sehen todschick aus und sie sind ein Wunderwerk der Technik.



Und die Mobilfunktechnologie schreitet weiter voran: LTE kann Datenmengen von mehreren Einhunderttausend Bytes übertragen.



Die Suche nach der Mobilfunktechnik hat mich auf die Dächer geführt. Des öfteren habe ich sie auf Bürotürmen gefunden.




Antennen und Übertragungstechnik recken sich in die Höhe. 



Auch auf Wohnhäusern sind sie zu finden.



Im Licht der Wolkenfetzen geben sie ein surreales Gebilde ab.




Auf einem Posthof habe ich sogar einen frei zugänglichen Mobilfunk-Mast gefunden.

Freitag, 1. Februar 2013

Thea Dorn und Richard Wagner - die Deutsche Seele


Der Weg ist das Ziel – dies hatte kein Deutscher gesagt, sondern Konfuzius. Das Buch von Thea Dorn und Richard Wagner lädt ein zur Suche – was man so als typisch deutsch betrachtet. Griffig, nach dem Alphabet sortiert, bei A wir Abgrund beginnend und bei Z wie Zerrissenheit endend, hangeln sie sich durch.

Was man mit Deutschen verbindet. Nicht als Nation, nicht als Entstehungsgeschichte über Fürsten, Feldherrn, Krieger, Politiker, Staatsmänner. Diese kommen auch vor, aber eher am Rande. Die Großen der Geschichte kommen vor, aber sie haben sich unterzuordnen unter die Themen, die den Begriffen gleich gesetzt sind, Themen, die aus lauter Banalitäten bestehen, aus denen sich das Deutsche zusammensetzt. Der Weg ist das Ziel – das Buch ist eine Entdeckungsreise in Begriffswelten, von denen eine spannender ist als die andere.

Thea Dorn, sie ist Anfang 40 – ich kannte sie aus dem Literatur-Club des SWR-Fernsehens. Außer Büchern hatte sie u.a. Drehbücher für Tatorte geschrieben. Richard Wagner ist 1952 in Rumänien geboren und emigrierte Ende der 80er Jahre nach Deutschland.

Bis in die 80er Jahre war ich gehemmt, Deutscher zu sein. Mein eigenes Volk hatte ich als eine Ansammlung von Verklemmtheiten, Geheimnistuereien, Abschottungen, Kommunikationsunfähigen, konventionell Denkenden und auch Eitlen und Lobhudelnden kennen gelernt. Im Beruf lernte ich die Bürokratie kennen: dort herrschten Verhaltensweisen, die eher aus der Wilhelminischen Zeit stammten – Ordnung, Disziplin, Fleiß, Sparsamkeit waren angesagt. Was die Obrigkeit sagte, wurde gemacht; untertänig befolgte man deren Regeln; die Dinge wurden nicht in Frage gestellt; das Denken überließ man lieber den Pferden; man schottete sich ab und suchte sein Glück im eigenen familiären Kreis, an den man keinen anderen heran ließ. Dies waren meine Wahrnehmungen der Deutschen Seele, und ich war überhaupt nicht stolz darauf, Deutscher zu sein.

Hätte ich Thea Dorn und Richard Wagner dreißig Jahre früher lesen können, wäre mein Verhältnis zum Deutschsein bestimmt entspannter gewesen. Puppenhäuser und Weihnachtsmärkte, Schrebergarten und Kitsch, das liest sich vollkommen unaufgeregt und auch unpolitisch. Sie denken sich in Alltagsbegriffen vorwärts, mit denen jeder weithin etwas verbindet. Und innerhalb dieser Begriffswelt bewegen sie in ein intellektuelles Niveau hinein, das nicht die Bodenhaftung verliert – und dies finde ich spannend. Da geht die Suche in der deutschen Vergangenheit los. Querbeet und Querdenken: sie brillieren in Philosophie, Literatur, Geschichte, Mystik, Musik und so weiter. Sie bringen alles mit allem in Verbindung, und – wie durch ein textliches Wunder – passt auch alles zusammen. Thea Dorn und Richard Wagner haben mich bisweilen tief gerührt: wie das Puppenhaus vor dem Dreißigjährigen Krieg entstanden ist und wie die Kinder im Dreißigjährigen Krieg damit gespielt haben. Bier, Abendbrot, Dauerwelle, Strandkorb – sie arbeiten Begriffe ab, mit denen jedermann weithin etwas verbindet. Dabei durchdringen sie in Tiefenbohrungen all die Vielfalt und Facettierungen.

Speziell die Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit nimmt ein handhabbares Maß an, ja, sie kommt mir sogar locker vor. In Fernsehberichterstattungen sehe ich demgegenüber eher verkrampfte Züge: die Reduzierung der Gegenwart auf Juden und Vertriebene, häufiges Wegsehen bei der Auseinandersetzung mit der eigenen NS-Vergangenheit, eine übersensible Reaktion, wenn ausländische Nationen auf unsere NS-Vergangenheit verweisen. Thea Dorn und Richard Wagner reduzieren das schwierige Thema Hitler auf Nebenrollen, die sie anekdotenhaft erzählen und mit ihrer spitzen Feder eine klare Standortbestimmung abgeben. Bei Mitläufern wie dem Philosophen Heidegger erheben sie mahnend ihren Zeigefinger.

Erfrischend ist ihr Stil, dass sie nicht nur Goethe, Schiller, Kant, Hegel, Heine oder Heinrich von Kleist aus dem Schlaf zitieren können, sondern auch Zeitgeist und Aktuelles erzählen. So teilen sie die Begeisterung der Massen für den Fußball – die Fußball-Weltmeisterschaften 1954 und 2006 erhalten genauso ihren Stellenwert wie die Fußball-Bundesliga. Ebenso begeistern sie sich für Lena Meyer-Landruth nach dem gewonnenen Eurovision Contest. Der Autobahn widmen sie ein eigenes Kapitel samt den unterkühlt-elektronischen Musikklängen der Düsseldorfer Gruppe Kraftwerk. In den Krimisendungen der Tatorte sehen sie das Prinzip des Föderalismus. Ekel Alfred alias Heinz Schubert sehen sie als Sparringspartner des Spießbürgers. Über all diesen Fernseh-Helden steht Winnetou bei den Karl-May-Festspielen.

In diesem Wälzer von 560 Seiten werde ich noch lange herum blättern. Es ist eines derjenigen Bücher in der letzten Zeit, die mich am stärksten bewegt hat.