Ich hoffe, der Leser langweilt sich nicht, wenn ich den dritten Tag hintereinander etwas über den Winter schreibe. Das wird sich ändern. Heute schmilzt der Schnee dahin zu einer matschigen, abweisenden Masse. Die grünen Flecken nehmen zu. In der neuen Woche sollen die Temperaturen bis über die 10 Grad-Marke klettern. In der vergangenen Woche habe ich es geschafft, meine Stimmungen im Schnee festzuhalten. Diesmal an der Ader des Rheins.
Zum Rhein führt eine Treppe hinunter.
Zwischen den Bäumen passiert ein Lastkahn den Rhein.
Die Kahlheit der Bäume dokumentiert die Kälte.
Dicke Basaltsteine markieren das Ufer.
Treibgut hat das vergangene Hochwasser übrig gelassen.
Das Siebengebirge schwingt sich über die Krümmung des Rheins.
Ein altes Mühlengebäude fügt sich in das Rheinpanorama.
Sonntag, 27. Januar 2013
Samstag, 26. Januar 2013
Winterimpressionen am Poppelsdorfer Schloss
Den Schnee ausnutzen, solange er liegt. Weitere Schneeimpressionen einfangen, bevor Tauwetter einsetzt. Ich bin vernarrt in die Gesamtkomposition von Schnee und Schloss. Der barocke Hintergrund läßt meine Stimmung über allen Wolken schweben.
Die Harmonie von Schloss und Schnee beeindruckt mich aus der Ferne.
Ich nähere mich.
Dicke Stämme verzweigen sich vor der stilvollen Hintergrundkulisse.
Die Anlage des botanischen Gartens versinkt im Schnee.
Breit gemessene Stufen führen den Treppenaufgang hinauf.
Ein Strauch verdeckt die Eckpartie des Schlosses.
Wuchtige Eiszapfen hängen an dem Springbrunnen.
Skurril, dass die Blüten der Zaubernuss bei der frostigen Kälte ausgetrieben sind.
Auch die Palme behauptet sich gegen den Winter.
Nun habe ich das Schloss einmal umrundet.
Die Harmonie von Schloss und Schnee beeindruckt mich aus der Ferne.
Ich nähere mich.
Dicke Stämme verzweigen sich vor der stilvollen Hintergrundkulisse.
Die Anlage des botanischen Gartens versinkt im Schnee.
Breit gemessene Stufen führen den Treppenaufgang hinauf.
Ein Strauch verdeckt die Eckpartie des Schlosses.
Wuchtige Eiszapfen hängen an dem Springbrunnen.
Skurril, dass die Blüten der Zaubernuss bei der frostigen Kälte ausgetrieben sind.
Auch die Palme behauptet sich gegen den Winter.
Nun habe ich das Schloss einmal umrundet.
Freitag, 25. Januar 2013
Winterrückblicke
Für rheinische Verhältnisse hat der Winter voll aufgedreht.
Nun liegt seit zehn Tagen Schnee. Die Temperaturen sind kaum über Null Grad
geklettert. Schal, Winterjacke und gefütterte Schuhe sind angesagt. Draußen
bringt die frostklare Luft meinen Körper auf Touren. Drinnen genieße ich es, im
Warmen zu sitzen. Die erträgliche Kälte passt zu der Jahreszeit. Ich nehme mir
die Zeit zurück zu blicken auf vergangene Winter, in denen das Wetter seine
Eigenheiten gezeigt hat.
Rückblickend auf meine Kindheit, habe ich die Winter bis
1970 so in Erinnerung, wie sich derzeit der Winter festgesetzt hat: mit jede
Menge Schnee, Eis, Kälte. Wir sind ganz viel Schlitten gefahren, und in unserer
Nachbarstadt gab es diverse Hänge den Berg herunter, die wir bis zum Abwinken heruntergefahren
sind.
Der Winter 1973/1974 lief nach einem Schema ab, dem viele
Winter folgen sollten. Schon früh, Ende November, setzte Schneefall ein. Der
blieb sogar liegen. Dann setzte sich die Sonne durch und die Nächte wurden
eisig kalt. Dieses Winter-Intermezzo war nach einigen Tagen vorbei. Es regnete.
Der Westwind wehte milde Temperaturen herbei. Daran sollte sich über den ganzen
Winter nichts ändern. Der Himmel war mal bewölkt, mal Regen, mal Sonne,
durchaus mit Abwechslungen gesegnet, brachte aber keinerlei Kälte, geschweige denn Schnee.
Erst in den letzten Zügen, als sich alle auf den Frühling freuten, drehte der
Winter auf. Aprilwetter im März. Schneeschauern folgte blauer Himmel. Die höher
stehende Sonne heizte diesen schnell wieder weg, und über Nacht kehrte das
weißen Kleid des Schnees wieder zurück.
Die Schneekatastrophe des Winters 1978/1979 ging in die
Geschichte ein. Während Norddeutschland im Schnee versank, ließ sich der Winter
Zeit, bis er ins Rheinland einkehrte. Es geschah an einem Morgen zwischen Weihnachten
und Neujahr. Morgens regnete es und das Thermometer zeigte +8 Grad an. Etwas
weniger als im Stundenrhythmus sank die Temperatur um ein Grad. Abends gegen 20
Uhr war die Null-Grad-Marke erreicht und der Regen war in Schnee übergegangen.
Zur üblichen Uhrzeit legte ich mich ins Bett. Als ich morgens aufwachte, sah ich
den Schnee, der reichlich gefallen war, aber glücklicherweise nicht in dem Umfang,
in dem ich ihn im Fernsehen im Norden gesehen hatte. Dort waren manche Dörfer von der Außenwelt abgeschnitten, Bundeswehr und Katastrophenschutz waren im Dauereinsatz. Mit den Schneemassen mussten einige Gegenden aus der Luft versorgt werden. Als ich nach draußen zum
Thermometer schritt, gefror mir das Blut in meinen Adern: es war -16 Grad. Ich
weiß nicht, ob es jemals in einer solch kurzen Zeit einen derartigen
Temperatursprung gegeben hat (nicht nur im Winter).
Nach mehreren Wintern, die ähnlich wie derjenige im Jahr 1973/1974
verliefen, verdienten die aufeinander folgenden Winter 1984/1985 und 1985/1986
wieder ihren Namen. Dabei ist der 11. Januar 1985 ein Datum im Rheinland, an
das man sich hierzulande sehr lange zurück erinnert. Über den Feldern der
Euskirchener Börde bildete sich bei -10 Grad eine Nebelbank, die auch die
Autobahn A61 erreichte. Von einem Moment auf den anderen, verwandelte sich die
Fahrbahn in eine spiegelglatte Fläche. Auf einer Länge von 20 Kilometern von Weilerswist bis Rheinbach raste ein Auto in das nächste und die Massenkarambolage nahm kein Ende. Die
Rettungskräfte erlebten Szenen, die aus einem Horrorfilm stammen könnten. LKW’s
fuhren ungebremst in die bereits verunglückten Fahrzeuge hinein. Manche LKW’s
brannten, weil deren Ladung sich entzündet hatte. Stück für Stück mussten die
Autowracks seziert werden. Manche Blechknäuel waren so unentwirrbar, dass die
Menschen mit Schneidbrennern befreit werden mussten. 13 Menschen wurden bei
diesem Massenunfall getötet.
Der Winter 1985/1986 war zwar schneearm, aber dafür eiskalt.
Anfang Januar war es -17 Grad kalt. In diesem Winter hatte ich mächtig
gefroren, denn seit einem halben Jahr wohnte ich in einer Mietwohnung, die zwar
kostengünstig war, aber dafür ohne Heizung. Ich behalf mich mit einem
elektrischen Heizofen. Doch dieser heizte so schlecht, dass ich Dauergast auf
der Couch unter der warmen Decke war. Und ich wurde arm wie eine Kirchenmaus,
als die Stromabrechnung ins Haus flatterte.
Ende der 90er Jahre, als unsere großen Kinder noch klein
waren, konnten wir ihnen kaum einen Schneespaziergang oder eine Schlittenfahrt
bieten. Wir mussten wegfahren, denn eine ausreichende Menge Schnee blieb nicht
liegen. Zusätzlich musste das Timing stimmen, dass wir an den wenigen
Schneetagen nichts anderes vorhatten. In dieser Zeit erinnere ich mich an einen
wunderschönen Spaziergang durchs Hohe Venn am Baraque Michel in Belgien. Die
Eisflächen des Hochmoors waren gefroren, die Sonne spiegelte sich im Eis. Die
Hochmoorvegetation glitzerte im Schnee. Eis und Schnee schufen ein Kunstwerk
aus dieser Landschaft.
Nicht so groß wie im Winter 1978/1979, aber um so
folgenschwerer war der Temperatursturz im Winter 1993/1994. Als ich in der
Vorweihnachtszeit unser Haus zum Büro verließ, war es +16 Grad. Nachmittags
staunte aus meinem Bürofenster nicht schlecht: es schneite. Zu Hause registrierte
ich dann, dass es nur noch +1 Grad war. Die Begleiterscheinungen des
Temperatursturzes zeigten sich nicht bei uns, sondern im Schwarzwald, in den
Vogesen, in der Schwäbischen Alb, im Pfälzerwald, bis zu Hunsrück und Eifel
hin: es regnete sintflutartig. Über Nebenflüsse sammelte sich das Wasser im
Rhein. Mit dem Weihnachtshochwasser sollten wir als Begrüßung in unserem Haus,
wohin wir umgezogen waren, eine Rekordhochwasser erleben. Bis zu den Knien
stand das Wasser im Keller. Pumpen waren im Dauerbetrieb und bekamen alles
Wasser nicht weggeschafft. Tag und Nacht musste ich aufpassen, dass die Pumpen
auch liefen. Das Hochwasser zog sich bis ins neue Jahr hinein, so dass das
Grundwasser uns vierzehn Tage lang in unserem Keller begleitete.
1996/1997 war der einzige Winter in den 90er Jahren, der das
Prädikat „Winter“ verdiente. Er taugte für ein paar Tage Schlittenfahren, und von
Anfang Dezember bis Ende Februar ließ sich der Frost nicht vertreiben. Dennoch
schoben sich die Tiefdruckgebiete von Westen gegen den Kältepol an. Für wenige
Tage gewannen die Tiefs die Oberhand, bis die Kälte sie wieder verdrängt. Das
Ergebnis: Eisregen. Ich kann mich an keinen anderen Winter erinnern, in denen
so häufig ein Eispanzer die Natur, die Straßen und die Gehwege bedeckte und das
Alltagsleben lahm legte. Ganze Tage konnten wir uns nicht vor die Haustüre
trauen. Glücklicherweise kann ich mich an keine gravierenden Stürze oder
Unfälle erinnern.
In den 2000er-Jahren kehrten allmählich Frost und Schnee
zurück. Dabei hatte ich mich an einem Januartag im Winter 2005/2006
verkalkuliert. Über mehrere Tage hinweg war es morgens leicht gefroren,
tagsüber schien die Sonne und mit +5 bis +6 Grad konnte man es in der Sonne
aushalten. So wie in der wärmeren Jahreszeit, packte mich die Lust aufs
Fahrradfahren. Ich hatte Sehnsucht auf die Niederlande. Das Trekking-Rad in den
Regional-Express, auf nach Aachen, von dort aus 33 Kilometer über die
schnurgerade Nationalstraße nach Maastricht. Der Wetterbericht hatte Schauer –
keinen Dauerregen - angekündigt, was mich nicht weiter störte, denn es gab ja
Regenbekleidung. In Maastricht saß ich im Café, ich nippte an meinem Kaffee,
schaute durch das Fenster auf den einmalig schönen Platz mit der St. Servatius-Kirche
– und sah Regentropfen. Macht nichts, dachte ich mir, denn das Regenzeug hatte
ich ja mitgenommen. Auf der Rückfahrt, an der Peripherie von Maastricht, erneut
Regentropfen, ich zog die Regenbekleidung über. Mächtiger Anstieg in den
nächsten Ort, das war Cadier en Keer. Auf dem Höhenzug angekommen, war der
Regen in Schnee übergegangen. Und der verstärkte sich, so dass ich mich durch
dichtes Schneetreiben hindurch kämpfen musste, das keine Lust verspürte
aufzuhören. Etwas weniger als 30 Kilometer musste ich noch bis Aachen schaffen.
Es war nicht nur der Schneematsch auf dem Fahrradweg, der mir zu schaffen
machte, es waren vor allem meine ledernen Fingerhandschuhe, die – vollkommen durchnässt
- meine Finger zu Eis erstarren ließen. Beim Fahrradfahren ist Kälte an
Fingern, Ohren, Nase und Zehen unerträglich. Meine warmen, dicken Fausthandschuhe
hatte ich zu Hause gelassen. Meine Finger froren so sehr, dass ich mir bald
Soldaten in Stalingrad vorstellte, wie sie bei -30 Grad Frost in den
Schützengraben lagen und vor Kälte verreckten. Ich weiß bis heute nicht, wie
ich es geschafft habe, in Aachen anzukommen, ohne vor Erfrierungen wahnsinnig
geworden zu sein.
Dem kalten Winter 2005/2006 folgte – natürlich – ein milder
Winter 2006/2007. Die milden Temperaturen ließen die Wetterküche brodeln. Mitte
Januar sammelte sich die Energie in der Atmosphäre, die sich mit dem Orkan
Kyrill entlud. Die Schäden im Rheinland waren riesig. Besonders im Kottenforst
hatte sich der russische Prediger ausgetobt und tiefe Schneisen umgeknickter
Bäume hinterlassen.
Drei Jahre nacheinander – von Ende 2008 bis Anfang 2011 –
trat nun das ein, was ich nicht mehr für möglich gehalten hatte: knackig kalte
Winter mit jede Menge Schnee. Dabei war der Winter 2009/2010 mit den
Schneemengen sogar rekordverdächtig. Das war des Guten wirklich zu viel. Ich
fühlte mich in meiner Bewegungsfreiheit eingeengt. Ich kam wenig zur Türe
hinaus und vermied es, mich über die wenigen schneefreien Wege fortzubewegen. Eine
Bekannte war über eine gefrorene Schneefläche gestürzt und lag rund eine Woche
im Krankenhaus. Unser großes Mädchen feierte im Januar ihren 18. Geburtstag. Reihenweise
sagten eingeladene Gäste aus dem Siebengebirge ab, weil sie eingeschneit waren.
Mitte März war ich endlich froh, mit meinem Rennrad eine erste Tour durch den
Kottenforst drehen zu können. Rund eine Woche lang herrschten satte Plusgrade,
die wärmende Frühlingssonne schien vom Himmel. Doch, oben im Kottenforst
angekommen, wurde die Rennradtour zum unüberwindlichen Hindernis, weil nicht
abgeschmolzene Schneereste mir komplett den Weg versperrten.
Im vorletzten Winter 2010/2011 geschah das Wunder: weiße
Weihnacht. Oder genauer ausgedrückt: eine richtige weiße Weihnacht. Morgens am
Heiligabend regnete es noch, mittags wurde daraus Schnee, der bis in die Nacht
anhielt. Bis zum neuen Jahr blieb der Schnee liegen. Falsch ausgedrückt: wenn
man die Prognosen der Meteorologen bewertet, waren weitere Weihnachtsfeste
weiß. Des öfteren hatten die Wetterfrösche im Fernsehen drei bis vier Tage
vorher eine weiße Weihnacht vorher gesagt. Zwei Tage vorher waren es noch ein
Prozentsatz von 80%. Ein Tag vorher schrumpften der Kreis der Beglückten noch
ein Stückchen weiter: in de Mittelgebirgen oberhalb von 600 bis 700 Metern
könne man mit einer weißen Weihnacht rechnen. Aber: wer wohnte schon in Eifel,
Sauerland oder Westerwald auf einer solchen Höhe ? Die Wettervorhersage war zu einer Mogelpackung entartet.
Kälte und Schnee genieße ich in diesem Winter. Der Winter
hält sich, wenngleich ab Sonntag eine Milderung einsetzen soll. Das
Winterwetter beeinträchtigt mich nicht. Im letzten Winter war dies
grundverschieden. Wieder einmal war der Winter viel zu mild geraten. Mit
Ausnahme von rund drei Wochen, die es in sich hatten. Der Himmel war
aufgerissen. Es war so kalt, dass der Himmel stahlblau war. Gleich mehrere
Nächte hintereinander wurde es -15 Grad kalt. Wenn Wind aufkam, war die Kälte
schneidend bis unerträglich. Ich konnte es mir kaum vorstellen, wie es die
Menschen in Moskau oder wie es Beate in Schweden aushalten kann.
Wochen später, geisterten Zeitungsberichte umher, dass unser
Stromnetz um Haaresbreite dem Super-GAU entkommen war: dem Zusammenbruch.
Demnach hätte es wochenlang dauern können, bis das Stromnetz flächendeckend
wieder in Gang gesetzt worden wäre.
Nun kuschele ich mich an der Heizung. Und ich lasse auf mich
zukommen, dass der Winter ab nächsten Sonntag – wenn die Wetterfrösche Recht
behalten – eine Atempause einlegen wird.
Donnerstag, 24. Januar 2013
die Bettlerin
Sie stieß mich ab und ich
hasste diese Bettelei.
Ihre Gesichtszüge waren tief
zerfurcht von Falten, ihre Haare waren in Büscheln zerzaust, ihre noch
dominierende schwarze Haarfarbe schaffte es einigermaßen, ihren
fortschreitenden Altersprozess aufzuhalten. Ihre Augen hatten sich tief in den
Schädel eingegraben, ihre Gesichtsform war beinahe oval. Der aufrechte Gang
behauptete sich gegen ihre müde Gestalt. Sie mochte glatte zehn Jahre älter
aussehen, als sie tatsächlich war.
Ich war noch genervt vom
Unvermögen der Stadtwerke, ihre Straßenbahnen mit defekten Türen durch die
Gegend fahren zu lassen. Diesmal hatte sich ein regelrechter Machtkampf
zwischen dem Fahrer und Eingangstüre abgespielt. Er rannte aus
seinem Fahrerhaus zu der Türe, öffnete eine Abdeckung oberhalb der Türe,
öffnete und verschloss die Türe mit einem Sechskantschlüssel, kehrte zurück zu
seinem Fahrerhaus, wo sich die Türe beharrlich weigerte, einen Muckser von sich
zu geben. Etliche Male ging dieses Spielchen hin und her. Dabei beschwor der
Fahrer die Türe, er flehte sie an, er redete mit Engelszungen auf sie ein. Doch
die Türe weigerte sich. Aussteigen und nächste U-Bahn nehmen.
Am Ende der Rolltreppe, zuvor
durch das Menschengedränge an der U-Bahn-Haltestelle, davor in der voll gequetschten
U-Bahn, schob sich diese bettelnde Frau in mein Blickfeld. Nach Osteuropa
ordnete ich sie grob ein. Osteuropa, das war auch der Balkan, und den Balkan
setzte ich mit Sinti oder Roma gleich, denn mit ihrem vagabundierenden Aussehen
ähnelte sie denjenigen Menschen, die ich als Zigeuner oder Sinti oder Roma sonst
wie gesehen hatte. Bettler bevölkerten an allen Ecken und Enden die Stadt. Je
nachdem, wie der Bezugspunkt festgelegt war – nach Heimatland, nach
Existenzminimum, nach Durchschnittsverdienst oder was auch immer – war Armut relativ.
Diskussionen konnten rasch ausufern, was in unserem Wohlfahrts- und Sozialstaat
als arm zu gelten hat. In dieses diffuse und unbestimmte Armutsgefüge ordnete
ich die Bettelei ein – wer befasste sich schon mit dem konkreten
Einzelschicksal ?
So zielgerichtet, wie die
Frau auf mich zutrat, hätte ich sie am liebsten mit beiden Ellbogen zur Seite
gestoßen. In der Enge der Rolltreppe stocherten meine Beine aufwärts. Dumpf
senkte sich die Dunkelheit über die Haltestelle. Nicht nur wegen des Frostes
zog ich meinen Schal schützend zurecht, sondern auch wegen des kalten Lichtes, das
der lange Strich der Straßenbahnschienen zurück warf. Die Abfahrzeit des Busses
in drei Minuten saß mir zudem im Nacken.
„Haben Sie ein paar Cent für
mich … „ deutete sie mit der offenen Hand. Erregt schüttelte ich den Kopf und
schritt weiter.
So wie sonst, kam mir der
Bussteig wie ein Provisorium vor, so schmal, dass man kaum aneinander vorbei
gehen konnte, so wirr, dass die Reihenfolge der Buslinien auf der Anzeigetafel
hin- und hersprang, und so plötzlich, dass die Straßenbahn wie aus dem Nichts
vor die Nase gefahren kam.
Dann schlich sie sich vom
Ende des Bussteigs heran: die vermeintliche Sinti oder Roma. Zielstrebig wie
bei mir, suchte sie die Wartenden an der Bushaltestelle auf. Sie öffnete ihre
Hand, suchte den Blickkontakt und ließ sich nicht auf die Schnelle beiseite
schieben. Die ersten wartenden Fahrgäste reagierten genauso wie ich: kalt,
abweisend, ignorierend; sie waren froh, als sie wieder verschwunden war.
Sie war standhaft, sie ließ sich
nicht entmutigen. Bei Bettlern ist die Frustrationstoleranz ohnehin unendlich
hoch. Unendlich fleißig marschierten ihre Schritte vorwärts. Fahrgast für
Fahrgast nahm sie mit ihrer geöffneten Hand unter die Lupe. Bis sich etwas regte.
Ein älterer Herr kurz vor dem Rentenalter begann in seinem Rucksack zu kramen. Seine
rechte Hand irrte umher, bis sie fand, was sie suchte: der ältere Herr hatte
seine Brote nicht gegessen, so dass die Sinti oder Roma nicht zu verhungern
brauchte. Diese neue Erfahrung, nicht abgewiesen zu werden, entlockte ihr nicht
nur ein Dankeschön, sondern zauberte auch ein Lächeln in sein Gesicht.
Der nächste Fahrgast. Er
hatte das Treiben seines Nebenmannes aufmerksam beobachtet und ließ es sich
nicht nehmen, ihm nach zu eifern. Wieso so kalt und abweisend reagieren ? Wegen
ein paar lumpiger Cent ? Waren wir nicht zu hochnäsig ? Er klimperte in seiner
Geldbörse herum, entledigte sich seiner Klein- und Kleinstmünzen, tat ein gutes
Werk und sein Portemonnaie profitierte von der Übersichtlichkeit.
Der nächste. Dieser Fahrgast
gehörte wiederum zu den genervten und abweisenden Artgenossen, die unfähig
waren, dieses diffuse und unbestimmte Armutsgefüge zu durchdringen. Noch
weniger konnte er unterscheiden, wer wirklich arm war, welche Bettler
Trittbrettfahrer waren oder welche Bettelei in großem Stil organisiert war.
Nun war ich an der Reihe. Blass
zitternd, reichte sie mir ihre magere
Hand. Sie bemerkte nicht, dass ich sie schon einmal zurück gewiesen hatte. Ohne
nachzudenken, kramte ich in meiner Geldbörse nach alledem, was nach Kleingeld
aussah. Bei meiner chronischen Geldknappheit war das nicht viel. Doch es
reichte für ein 50 Cent-Stück. Dasselbe Lächeln traf mich, und ich spürte, dass
ich einen Menschen glücklich gemacht hatte.
Die Irrungen und Wirrungen
menschlicher Verhaltensweisen sind unergründlich.
Die nächsten Fahrgäste. Mit
einem Mal war so etwas wie Solidarität entstanden. Die meisten spendierten ein
paar Centstücke. Als sie das Ende des Bussteigs erreicht hatte, schlich die
Sinti oder Roma-Frau zur Fußgängerzone weiter. Würde sie dort genauso viel
Mitgefühl erzeugen ?
Mittwoch, 23. Januar 2013
Wissen
Durch Regalreihen wandern.
Buchrücken steht an Buchrücken, manche Einbände haben trotz ihres Alters nicht
an Anmut verloren und stammen aus dem Ende des 19. Jahrhunderts. Sämtliche
Spiegel-Hefte, beginnend in den 60er-Jahren, kann ich nachlesen. Seit eh und je
haben Bibliotheken mich fasziniert. Schmökern, stöbern, Bücher in den Händen
halten, dicke Wälzer von Enzyklopädien sammeln mit ihrem Gewicht das Wissen von
Jahrtausenden. Blättern, Seite für Seite gleitet zwischen den Fingern, der
Druck auf dem Papier hat die Vergangenheit bewahrt. Wissen kann nicht
verstauben.
Google und Wikipedia sind
eine höchst praktische Erfindung. Genau diese Wegezeiten spare ich: zu Bibliotheken.
Mein Zeitmanagement profitiert davon. Ohne dass ich mich zwischen Regalen
verirre, das richtige Buch nicht finde und Textstelle für Textstelle in einer
Sisyphusarbeit durch wühlen muss, findet Google in Sekundenschnelle die
eingegebenen Suchbegriffe. Irre, was Suchmaschinen können. Genauso irre
funktioniert Wikipedia: Wissen poppt auf dem Bildschirm des Rechners hoch,
Inhaltsverzeichnisse weisen wie in einem Buch den Weg, mit den Verlinkungen
kann ich mich Begriff für Begriff schlau machen. Google und Wikipedia: beim
Schreiben meiner Posts bringt diese IT-Unterstützung enorm viel. Begriff für
Begriff durchdringe ich die Inhalte, ich verstehe, ich begreife sie; in der
Umkehrproduktion kann ich aus dem Begriffenen Wort für Wort heraus schöpfen, einen
Text zusammen fügen. Tag für Tag füllt sich mein Blog mit neuen Posts. Gäbe es
kein Google und kein Wikipedia, wäre der Zeitaufwand für meine Posts so enorm,
dass er exponentiell – da ich alternativ über Zeitungen, Zeitschriften, Bücher,
Bibliotheken recherchieren müsste – vielleicht um das fünf- oder sechsfache
steigen würde.
Ich eigne mir Wissen an,
wobei mir bewusst wird, auf welchem engen Raum mein Wissen begrenzt ist, wenn
ich in neue Wissens-Sphären vordringe. Oder umgekehrt: wie riesig meine
Wissensdefizite sind, weil ich große Gebiete nicht, halbrichtig oder falsch
durchdrungen habe. Wenn ich blogge, muss ich all die Worte mühsam
erarbeiten, all die Formulierungen müssen stimmen, all die Inhalte muss ich
richtig verstanden haben. Bei jedem Post wird mir die Grunderkenntnis des griechischen Philosophen Sokrates
bewusst, die rund zweitausendfünfhundert Jahre alt ist: ich weiß dass ich nichts weiß.
Google und Wikipedia: obschon
ich mangels Zeit auf deren Unterstützung angewiesen bin, betrachte ich diese
Werkzeuge skeptisch. Die Suchmaschinen von Google können millionenfache
Suchergebnisse ausspucken. Welches Wissen sich daraus ableitet, ist durch die
Auswahl dessen, was Google findet vorgegeben. Ich erhalte lediglich einen
Ausschnitt von Wissen. Das sind Puzzlestücke, die ich zu einem Ganzen
zusammenfüge, Stücke von Wissen, zu denen ein durchgängiges Konzept fehlt.
Beim Stöbern durch
Bibliotheken ist mir bewusst geworden, dass ein ganzheitlicher Ansatz vonnöten
ist. Google und Wikipedia sind fragmenthaft. So findet Google hoch spezielle
Sachverhalte – neue Krebstherapien, statische Berechnungen zur
Deckentragfähigkeit oder die steuerrechtliche Behandlung von Bewirtungen – im
Netz, so dass sich jedermann über solche Themen in Sekundenschnelle schlau machen
kann. Ist dies Wissen ?
Wenn ich ein Buch in der Hand
halte, ist das etwas Ehrwürdiges. Ich ruhe und konzentriere mich. Das Denken
dringt tiefer ein, als wenn ich die benötigten Informationen auf dem Bildschirm
des Rechners ablese. Aristoteles hat die Dinge in Kategorien eingeteilt. Wissen
entsteht, indem Gegensätze, Verhältnisse, Vergleiche gebildet werden. Die Dinge
in den Kategorien werden hinterfragt, sie werden in Beziehungen zueinander
gesetzt, Widersprüche werden aufgelöst, Schlüsse werden gezogen. Fragen und
Antworten springen hin und her. Stufe um Stufe dringt das Denken tiefer in die
Dinge hinein. Aus dem besonderen wird das übergeordnete Allgemeine entwickelt.
Dieses wird wiederum zueinander in Beziehung gesetzt. Wissen entsteht in der
Gesamtheit aller Kategorien und Querbeziehungen.
So wie es normalerweise an den
Schulen gelehrt wird. Die Gesamtheit der Quellen recherchieren. Auf
Originalquellen zugreifen; das sind in erster Linie Bücher, Zeitschriften, Aufsätze
und dergleichen. Manche Extrakte finden sich über Google – es sind nur die
Ausschnitte ganzheitlicher Informationen.
Google und Wikipedia sind ein
höchst praktischer Ersatz dafür, wie die richtige Methodik der Wissensaneignung
funktioniert. Kant geht in seiner Kritik der Urteilskraft etwas weiter als
Aristoteles. Im Zeitalter der Aufklärung nimmt der Verstand eine aktive Rolle
ein. Er übernimmt eine Art von Leitungsfunktion, indem er die Dinge wahrnimmt,
mit seiner Auffassungsgabe einordnet, sie zu einem Ganzen zusammenfasst und
darstellt. Dabei durchläuft der Verstand Zyklen der Reflexion, indem die Dinge laufend
neu angeordnet werden und Strukturen angepasst werden.
Google und Wikipedia sind
Werkzeuge, die Methodenhoheit hat der Verstand. In unserer heutigen,
schnelllebigen Zeit vervielfacht sich das Wissen in immer kürzeren Zeiträumen.
Oft sind es Technologien, die in immer kürzeren Wachstumszyklen neues Wissen
erzeugen. Nicht nur durch neue Technologien, auch in Alltagssituationen, beim
Einkaufen oder in der Freizeit wird mein Verstand durch das ausufernde Wissen
überstrapaziert, um die Dinge herauszufiltern und sie in Kategorien
einzuteilen, so wie Aristoteles oder Kant es gemacht haben.
Dazu komme ich kaum. Ich muss
die Bodenhaftung wieder herstellen. „Lire et écrire“, hatte Sartre einst
formuliert – „lesen und schreiben“. Die Suche nach dem Weg kann zu richtigem Wissen
kann auch nach Hause führen. Im Fernsehsessel lehne ich mich zurück. Zu den
Höhepunkten des Tages gehört meine Abendlektüre. In diesem Ruhezustand läuft
mein Verstand auf Hochtouren. Ich blättere in einem Buch. Bestimmte
Textpassagen lese ich mehrfach, wenn ich sie nicht richtig verstanden habe oder
auch, wenn ich reflektiere, nach Analogien suche oder Schlüsse ziehe.
Ich werde künftig auf den
richtigen Wissens-Mix achten. Nicht nur Google und Wikipedia, sondern auch
Bücher, Zeitungen, Zeitschriften und Bibliotheken. Nichts kann dieses erhabene
Gefühl ersetzen, wenn ich in Büchern herum blättere.
Montag, 21. Januar 2013
Glockentürme (8) - deutsch-französischer Glockenturm in Mirecourt und Bonn-Schwarzrheindorf
1957 wurden Jean Noel und André Laurent stutzig. Jean Noel
war Priester in Mirecourt, einer 8.000-Seelen-Stadt zwischen Nancy und Epinal,
der Hauptstadt des Département Vosges – irgendwo in Lothringen.
Der Ausläufer der Vogesen krümmen sich über die
Hügellandschaft. In einem Seitental der Mosel gelegen, ragt der Glockenturm aus
den engen Straßen zwischen flach herunter gezogenen Häuserdächern heraus. Die
Kirche „Notre dame de la nativité“ in der Jean Noel Pfarrer war, liegt im
Herzen des Städtchens Mirecourt.
Gemeinsam mit André Laurent, einem anderen Pfarrer im Département
Vosges, recherchierten die beiden die Spuren des Heiligen Pierre Fourier, der
in Mirecourt geboren war. Noch heute gibt es eine Inschrift aus dem Jahr 1608,
dass Pierre Fourier in der Kirche „Notre dame de la nativité“ 1565 getauft
worden ist. „Nativité“ bedeutet Geburt, so dass die Kirche nach Pierre Fourier
benannt worden ist.
Als Jean Noel und André Laurent die Glocke betrachteten,
rätselten sie und staunten, denn die Glocke trug die Aufschrift
„Schwartzenrheindorff“. Obschon manche Dörfer und Städte in Lothringen auf
„-dorff“ oder „-troff“ enden, gab es nirgends einen Ort oder eine Stadt namens
„Schwartzenrheindorff“.
Woher stammte die Glocke ? In der Stadtchronik und Archiven
wurden sie fündig. Die Glocke war eine Kriegsbeute der Napoleonischen Truppen,
nachdem diese 1794 das Rheinland besetzt hatten. Bei Beutezügen in der
damaligen Zeit war es durchaus üblich, Städte zu plündern und alles, was
kostbar war, einzukassieren. Dazu gehörten auch Glocken.
Die Glocke war aus der Doppelkirche in
Bonn-Schwarzrheindorf aus dem 12. Jahrhundert geraubt
worden. Im Jahr 1636 war die Glocke gegossen worden und dem Heiligen Michael
und Maria Magdalena geweiht worden. Die französischen Besatzungstruppen hatten
offensichtlich eine Verwendung für diese Glocke. So wurden die 330 Kilogramm
Glockengewicht nach Mirecourt in Frankreich geschafft, so dass die Kirche des
Heligen Fourier dem Heiligen Michael Unterschlupf gewährte.
Was tun ? 1957 hatte sich das Verhältnis zwischen den
Erzfeinden Deutschland und Frankreich längst entspannt. Jean Noel und André
Laurent reisten nach Bonn, um die Kirche des Heiligen Michael kennen zu lernen,
aus dem die Glocke geraubt worden war.
Diese Reise fiel genau in die Phase hinein, in der die
Grundlagen für die deutsch-französische Freundschaft geschaffen wurden. So
jährt sich Morgen der 50. Jahrestag der Elysée-Verträge, die zwischen Konrad
Adenauer und Charles de Gaulle unterzeichnet wurden.
Die Glocke geriet in den Sog der Außenpolitik. Das Schicksal
der Glocke wurde somit auf höchster politischer Ebene diskutiert. Es war
gemeinsamer Wunsch der beiden Kirchengemeinden in Mirecourt und
Bonn-Schwarzrheindorf, die geraubte Glocke von Mirecourt nach Bonn
zurückzuführen und der Kirchengemeinde Mirecourt eine neue Glocke zur Verfügung
zu stellen. Dafür spendierten die beiden Staaten entsprechende Geldmittel.
Kurz darauf, gründeten Bonn-Schwarzrheindorf und Mirecourt
eine Städtepartnerschaft. Am 27. März 1965 war es dann soweit: die Glocke aus
dem Jahr 1636 war in Bonn-Schwarzrheindorf aus Mirecourt wieder angekommen.
Gleichzeitig war die neue Glocke für die Kirche „Notre-dame de la nativité“ in
Mirecourt fertig gegossen worden.
Beide Glockentürme wurden mit einem großen Fest gefeiert,
dabei war in Bonn Konrad Adenauer sogar persönlich anwesend. Unter den
Gratulanten gehörte auch Papst Paul der VI., der mit diesen Glockentürmen all die
Liebe zweier christlicher Völker verband.
So sind zwei Glockentürme zum Symbol der Freundschaft
zwischen Deutschen und Franzosen geworden.
Bedanken möchte ich mich bei der französischen Bloggerin MamLéa, die mir die Veröffentlichung der Fotos aus Ihrem Blog erlaubt hat.
Sonntag, 20. Januar 2013
Tod eines 2-jährigen
Eine Zeit lang hatte ich überlegt, ob ich diesen Post
überhaupt schreiben sollte. Die Schlagzeile war mir zu aufreisserisch, das Geschehene emotional zu aufwühlend.
Auf der verkehrsberuhigten Hauptstraße belieferte ein
Kleintransporter eine Apotheke und stand quer auf dem Gehweg. Dies geschah
nachmittags, als der Gehweg von Fußgängern stark frequentiert war. Als die Be-
und Entladearbeiten beendet waren, setzte der Fahrer seinen Transporter zurück,
um auf die Hauptstraße zurück zu drehen. Zeitgleich hatte sich ein 2 ½ jähriger
Junge von seinem Vater losgerissen, er stolperte, blieb vor dem Transporter liegen
und wurde überfahren.
Nachdem eine zufällig vorbeikommende Ärztin die
Wiederbelebung versuchte, verstarb der 2 ½ jährige im Krankenhaus.
Viele Menschen haben an der Treppe zur Apotheke, ganz in der Nähe, wo der
Unfall geschehen war, ein Licht angezündet.
In der Mittagspause passiere ich häufig den Ort des
Geschehens. Jedesmal bin ich bedrückt, deprimiert, fassungslos und trauere mit den anderen Passanten.
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