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Klostereingang Heisterbach |
Es hätte nicht sehr viel gefehlt, und die Menschen
hätten mit Sprengstoff und Hacke in wenigen Jahrhunderten das wieder beiseite
geräumt, was die Natur mit Wind und Regen, Frost und Sommerhitze in Millionen
von Jahren geschaffen hatte: die Einebnung des Siebengebirges. Die vulkanischen
Kuppen am Rhein boten Trachyt, Latit und Basalt, und der Mensch kratzte hier
alles heraus, was er in der boomenden industriellen Revolution brauchen konnte:
Kreuze, Simse, Fensterbänke, Bordsteine, Pflastersteine für den Wegebau,
Schotter für den Eisenbahnbau und vieles mehr.
Wir treffen uns auf dem Parkplatz vor dem Kloster
Heisterbach und starten dort unsere Wanderung. Wir überqueren die Landstraße,
an Wiesen vorbei geht es ein Stück bergab, dann folgen wir den steinernen Wegweisern
nach rechts zum Weilberg. Der steinerne Weg steigt stetig an, der Wald aus
Buchen und Tannen verdichtet sich, über einen Rundweg gelangen wir von der
Rückseite aus zum Weilberg. Reste von Eisenbahnschienen und ein Diplom, diese
beiden Symbole begegnen uns auf dem grasbewachsenen Fußweg vor dem Weilberg.
Eine Schmalspurbahn, die Heisterbacher Talbahn, fuhr mit ihren dampfenden
Lokomotiven an den Füßen des Steinbruchs vorbei, wo 1940 der Abbruch endete. Ein
Diplom, sogar ein europäisches, belegt mit dem Datum 15. Oktober 1971 all die Anstrengungen,
wie viel für den Naturschutz, so die Einstellung jeglicher Steinbruchaktivitäten,
für das Siebengebirge erbracht worden ist. Über einen Lattenzaun schauen wir tief
in das alte Steinbruchloch hinein, von Eschen umstanden, mit hohen Wänden aus Basalt,
das Loch zu einem Tümpel vollgelaufen, darüber hebt sich in helleren Tönen der
Tuff ab.
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Weilberg mit Diplom und Eisenbahnschiene (oben) |
Wir drehen zurück, marschieren ein Stück bergab und
überqueren mehrere Gehminuten weiter dieselbe Landstraße, die mehrere Kilometer
talwärts an unserem Ausgangspunkt, dem Kloster Heisterbach, vorbei führt. Dahinter
geht es seicht bergauf, und von dem Teerweg biegen wir nach links ab auf einen
mit Kiessteinen durchsetzten Waldweg, vorbei an Baumwurzeln und Farn, die sich
dicht an den Wegesrand drängeln.
Ähnlich wie beim Weilberg, umkurven wir den Stenzelberg
zunächst von seiner Rückseite und dann von seiner Vorderseite. Zunächst schauen
wir durch Aufrisse von Felsenspalten hindurch, die mit Baumstämmen zugewachsen sind.
Die Felsenvorsprünge vereinigen sich zu Zweieck-, Viereck- und Sechsecksäulen,
überwuchert von Moos und Farn. Dann schwenkt der Weg nach rechts und der Blick
ist freigelegt auf das Innere des Stenzelberges, den der Raubbau an der Natur
zu großen Teilen abgetragen hat. Bäume überragen nun die senkrechten Felswände,
die den Steinabbau überstanden haben. Ihre massige Gestalt ragt gigantisch
heraus aus der Freifläche, wo sich nun der Weg windet zwischen Gras und
kniehohen Sträuchern. Aus den Gesteinen des Stenzelbergs hat das Mittelalter bedeutende
Kirchenbauten geformt, so die Bonner Münsterkirche oder die Kirche in
Oberpleis, in denen Steine aus Latit vermauert worden sind.
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rund um den Stenzelberg |
Nach einem bis zwei Kilometern erreichen wir eine Lichtung, wo sich eine Wegespinne in alle Richtungen verteilt. Mitten im Wald, malerisch zwischen den Erhebungen des Siebengebirges gelegen, mit einer Fassade aus weißem Putz und einem rot-schwarz gestrichenen Giebel aus Holzdielen, lädt uns das Einkehrhaus ein zu einer Pause. Nachdem wir mehr als die Hälfte unserer Strecke hinter uns gelegt haben, nutzen wir gerne diese Gelegenheit. Wir treten ein, lassen uns nieder in dem holzvertäfelten Gastraum, wo uns zur werktäglichen Nachmittagszeit sogar eine Speisekarte gereicht wird. Als wir das Einkehrhaus verlassen, staunen wir über die Fotos im Flur zur Geschichte der Herberge im Wald. Seit seiner Errichtung, das war 1927, ist das Einkehrhaus im Familienbesitz. Das Einkehrhaus wird nun in dritter Generation von der Enkelin, Ursula Grewe, geführt.
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Einkehrhaus |
Mal bergab, mal bergauf geht es weiter. Lichte
Momente sind selten, auch wegen des wolkenverhangenen Himmels, und so können
wir uns dem Eindruck nicht entziehen, dass die Bewaldung an Dichte zunimmt. Als
zum Petersberg bergauf geht, dringt das Dunstgebilde von Wolken bis in die
Spitzen der Tannen hinein. Der Wald gewinnt so an Mystik und Unheimlichkeit,
ein düsterer Wald, so wie er etwa im Märchen von Hänsel und Gretel erzählt
wird.
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mystischer Wald zwischen Einkehrhaus und Petersberg |
Dass wir näher an den Petersberg heranrücken,
erahnen wir, als sich die Straße durch das Dunkel des Waldes hinauf
schlängelt, die zum Petersberg führt. Ab dieser Stelle wird es unangenehm, denn die Zufallserscheinungen
von Regentropfen verdichten sich zu einer klatschnassen Angelegenheit. Regenschirme
spannen sich auf, Regenjacken werden zugeschnürt. Wir bugsieren unsere Schuhe
an Rinnsalen vorbei, die bergabwärts über den schmalen Steinweg plätschern.
Wir laufen am Petersberg vorbei mit seinem skandalumwitterten
Hotel, seinem steinzeitlichen Ringwall, seiner mittelalterlichen
Wallfahrtskapelle und seiner regenverhangenen Aussicht auf den Rhein, die ohnehin
nicht lohnt. Auf der Bergkuppe wursteln wir uns vorbei an einem
Sicherheitszaun, an Scheinwerfern und Kameras, die die Bonner Republik mit all
ihren hoch dotierten Staatsgästen übrig gelassen hat.
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Pfade rund um den Petersberg |
Bergab, erdulden wir die restliche Strecke zum
Kloster Heisterbach. Allzu viel, vielleicht ein viertel der Strecke, hat uns
der Regen nicht vermiest. Bevor wir das weitflächige Gelände des Klosters
Heisterbach erreichen, müssen wir steil bergabwärts, die Klostermauern entlang,
den schwierigen, glitschigen und regennassen Waldweg meistern. Als wir durch
eine Holztüre das Klostergelände betreten, hat der Regen denn auch ein Einsehen
mit uns Wanderern, indem er aufhört. Den Kreuzweg entlang, passieren wir die riesigen
Ausmaße der früheren Klosterkirche, die die übrig gebliebenen Fundamente dokumentieren.
Lediglich die Chorruine aus dem 13. Jahrhundert hat die Zeiten überdauert.
Alles ist vergänglich, so auch der Regen, als wir
auf dem Parkplatz vor dem Kloster all die Feuchtigkeit von uns abschütteln.
Auch schon wieder ein paar Jährchen her, dass wir uns dort herumgetrieben haben. Die Mischung aus Menschenwerk & Natur ist schon sehr eigentümlich...
AntwortenLöschenLG
Astrid
Was für eine schöne Wandererung. Die würde auch mir gefallen, gerade auch durch den Wald. Teilweise leicht diesig finde ich dann die Luft immer so anders, als ob sie in einen eindringen wolle. Echt klasse; auch die Einkehrschänke. Schaut schon von aussen urgemütlich aus und in dritter Generation heisst ja schon was. Die machen alles richtig, denn es gibt nix schlimmeres als wenn man einkehren möchte und Essen mit einem "Nein, der Koch ist nicht da" verkauft wird. Sowas habe ich in D. schon immer gehasst, denn aus dem Ausland kenne ich es immer anders, und meine Essenszeiten sind nicht gerade punkt Uhr.
AntwortenLöschenDanke dir dass du uns mitgenommen hast.
Liebe Grüssle
N☼va
Das war ein schöner Wanderweg, auch wenn ich teils wegen des Nebels ein bisschen gefröstelt habe :-)! LG Martina
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